Freitag, 27. März 2009

Ein Zuschauerbrief an den NDR

Gestern Abend hat in der ARD das Magazin Panorama mit seinem Beitrag "Mordwaffen statt Sportwaffen - Aufrüstung im Schützenverein" (siehe auch hier) wieder ein übles Machwerk gesendet, um die seit zwei Wochen andauernde Hetze gegen legale Waffenbesitzer weiter zu befeuern. Ich war erst unschlüssig, ob ich mir diese Sendung antun wollte, habe es dann doch angeschaut und muß sagen: es war so verquer, daß man schon wieder lachen mußte. Nichtsdestotrotz habe ich heute per Fax einen Brief (plus Anlage) an die Redaktion geschickt, in dem ich zu ein paar Punkten Stellung nehme:
"[...]

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst gestatten Sie bitte, daß ich meiner Empörung über jenes üble Machwerk Ausdruck verleihe, welches gestern Abend durch Sie ausgestrahlt worden ist und nur so vor Haß auf die Legalwaffenbesitzer und falschen Informationen strotzte. Da ich davon ausgehe, daß dies Ihrerseits vollauf beabsichtigt war, werde ich mich jetzt nicht weiter emotional verbreiten, sondern statt dessen kurz und sachlich auf fünf Punkte eingehen.

1. Ihre Unterscheidung von großkalibrigen „Mordwaffen“ und kleinkalibrigen „Sportwaffen“ mag ein nettes Sprachspiel sein, entbehrt aber jeder tatsächlichen Grundlage.
Die inkriminierten Großkaliberwaffen waren lange vor den Kleinkaliberwaffen existent und wurden sportlich genutzt. Der Aufschwung der KK-Waffen in Deutschland seit den 1920er Jahren war vor allem eine Folge der strikten Bestimmungen des Versailler Vertrages. Im olympischen Programm wurde bis 1972 Großkaliber geschossen, danach wurden diese Disziplinen aus Kostengründen gestrichen. Im Biathlon waren Großkalibergewehre sogar bis 1978 präsent.
Auf der anderen Seite haben die Kommandos des israelischen Nachrichtendienstes Mossad, die in den 1970er Jahren ausgesandt wurden, um arabische Terroristen zu töten, dazu keine mystischen Großkaliberwaffen verwendet, sondern normale Kleinkaliberpistolen, da sich diese hervorragend für die Verwendung mit einem Schalldämpfer eignen. Welches ist nun die typische „Mordwaffe“?

2. Die Darstellung der legalen Waffenbesitzer als böse und mächtige Lobby mag der Phantasie einiger parlamentarischer Zweitligisten entspringen, mit der Realität hat sie – leider! – nichts zu tun. Das einzige Mittel, was uns bleibt, sind – wie auch von Ihnen berichtet – Briefe an unsere Volksvertreter. (Ja, auch wir gehören zum deutschen Volk, selbst wenn Ihnen das ungeheuerlich erscheinen mag.) Es ist eine Beleidigung des Volkes als Souverän, wenn besagte Briefe nun als Zumutung für die Damen und Herren Abgeordneten hingestellt werden.
Insoweit darf ich auf Art. 17 des Grundgesetzes verweisen: „Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.“
Daß die Grünen uns nicht nur unseren Sport und unsere Waffen streitig machen, sondern sogar das Recht, uns über diese Vorhaben zu beschweren, spricht Bände über den totalitären Charakter dieser Partei. Und daß Sie, verehrte Journalisten, daran mitwirken, spricht Bände über Ihre Einstellung zur Demokratie!
Hätte es sich bei den protestierenden Bürgern nicht um Waffenbesitzer, sondern um Gegner eines Atomkraftwerkes gehandelt, so wären diese in „Panorama“ mit Sicherheit als leuchtende Vorbilder für Bürgerengagement hingestellt worden und nicht als Querulanten, die es sich wagen, ihre Stimme gegen den wohlmeinenden Staat zu erheben.

3. Ihre Behauptung, beim IPSC-Schießen handele es sich um „kampfmäßiges Schießen“ entspricht ebenfalls weder den Tatsachen noch der Rechtslage. Ich darf insoweit auf § 27 VII WaffG und den sich darauf beziehenden § 7 WaffVO verweisen. Diese Rechtsnormen werden u.a. durch das Bundesverwaltungsamt durchgesetzt, insbesondere bei der Prüfung und Genehmigung der Sportordnungen. Daher verrate ich auch kein Geheimnis, wenn ich Ihnen mitteile, daß die in Deutschland geltenden IPSC-Regeln nicht mit denen des internationalen Verbandes identisch sind.

4. Weshalb Ihr Interviewpartner vom BDK dazu kommt, etwas anderes zu behaupten, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich kann nur vermuten, daß es ihm vor allem darum ging, davon abzulenken, welche erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit von Polizeibeamten ausgehen, die ihre Dienstwaffen zur Begehung von Straftaten mißbrauchen. So etwa im Januar 2009 im bayerischen Lauf an der Pegnitz beim Amoklauf einer Polizistin, die ihre Dienstpistole in der Freizeit geführt hat.
Des weiteren warte ich immer noch auf eine kritische Analyse des Verhaltens der in Winnenden eingesetzten Polizeikräfte. Ist dort alles korrekt im Sinne der Dienstvorschriften abgelaufen? Wieso haben die dortigen Beamten zugelassen, daß der Täter die Schule verlassen und noch zu einem zweiten Tatort fahren konnte?
Schließlich gibt mir die Argumentation des BDK-Vertreters zu denken. Meines Wissens leben wir noch immer in einem freiheitlichen Rechtsstaat, in dem nicht die Ausübung von Freiheitsrechten, sondern deren Einschränkung einer Begründung bedarf (vgl. Art. 2 I GG). In einem Staatswesen, das so funktioniert, wie es diesem Mann vorzuschweben scheint, möchte ich – ehrlich gesagt – nicht leben, denn davon habe ich hier bis 1989 genug mitbekommen.

5. Die Aussagen von Otto Obermeyer kann ich, mit Verlaub, nur für lächerlich halten, denn mir liegt ein sechsseitiger Artikel dieses Herrn vor (veröffentlicht im Deutschen Waffenjournal Nr. 5/1993, S. 802 ff.), in dem er das exakte Gegenteil von dem behauptet, was er gestern vorgetragen hat. Besagten Artikel lege ich diesem Fax als Anlage bei. Sie haben damit die Möglichkeit, kritisch weiterzurecherchieren und sich über Obermeyers Motive Gedanken zu machen.

[...]"
Nachtrag: Auch die FAZ hat sich des Panorama-Beitrags angenommen:
"Die Stunde der Selbstgerechten".

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4 Kommentare:

Achim Berlich hat gesagt…

Sehr gut!

Ich befürchte nur das dieser Brief keine Wirkung haben wird, da sich die Medien-Götter ebenso wie unser Volks-(Ver)Treter jeder Kritik enthoben sehen!

MfG

Achim Berlich

Krenkel hat gesagt…

Etwas anderes erwarte ich auch nicht. Dennoch muß man ihnen zeigen, daß sich Widerspruch regt und man ihnen nicht die "Lufthoheit" überläßt. Wie man gestern gesehen hat, fühlen die sich durch Briefe etc. gestört. Sollen sie. ;-)

Wenn jeder Betroffene nur 5 Minuten mit einem Redakteur redet oder ein einseitiges Fax schickt, das gelesen werden muß, dann haben die Journalisten gut zu tun in den nächsten Tagen ... (E-Mails sind schnell gelöscht.)

Anonym hat gesagt…

Dein Brief an die Redaktion von Panorama ist ausgesprochen gut!
Aber mal erlich, glaubst du daran, dass die Pesonen, die diese Sendung Produziert haben und dann auch noch ausgestrahlt haben nur annähernd die Hälfte von dem verstehen, was du geschrieben hast?
Die waren ja nicht mal in der Lage eine vernünftige, annähernd sinnvolle Erörterung zu führen.

Krenkel hat gesagt…

Mir ist klar, daß ich sie nicht bekehren kann. Aber so sind sie gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen. (Anonymes) Rummosern in (geschlossenen) Internetforen bringt noch viel weniger!

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