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Donnerstag, 17. März 2011

Die Lust am Weltuntergang


Die Katastrophe, die vor wenigen Tagen heimgesucht Japan hat, beherrscht auch die deutsche Öffentlichkeit. Allerdings steht zunehmend das Atomkraftwerk Fukushima im Fokus der Aufmerksamkeit. Dabei ist die Berichterstattung oft alles andere als seriös. Munter werden Begriffe wie Strahlung, Radioaktivität, Sievert usw. gebraucht, ohne hinreichend zwischen Konatmination und Inkorporation sowie zwischen Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlen etc. zu unterscheiden. Einige Experten in den Fernsehstudios bemühen sich zwar um eine nüchterne und sachliche Darstellung (z.B. Ranga Yogeshwar), doch es überwieges Berichte, die geeignet sind, bei den Zuschauern Panik hervorzurufen. Schlimm wird es dann, wenn allen, die nicht in den Weltuntergangschor einstimmen wollen, vorgeworfen wird, sie wären von der "Atomlobby" gekauft worden. Dies macht mich (wieder einmal) skeptisch gegenüber den Medien, obgleich auch ich nur ein naturwissenschaftlicher Laie bin.

Wir Deutschen sind bekanntlich ein besonders ängstliches Volk und so verwundert es nicht, daß hierzulande Strahlenmeßgeräte und Jodtabletten stark nachgefragt werden, obwohl Japan über 8.000 km entfernt ist. Leichter verständlich sind derartige Reaktionen allerdings im Fernen Osten Rußlands, ist diese Region doch nur einige hundert bis tausend Kilometer von Japan entfernt. Doch auch dort gilt, daß die präventive Einnahme von Jodtabletten außerhalb einer akuten A-Lage der Gesundheit schadet. (Die einzigen, die sich darüber freuen, sind die Pharmaunternehmen.) Warum wollen das manche Menschen nicht begreifen und behaupten stattdessen, daß sie von den Behörden belogen würden? Ist Panik ein derart angenehmer psychischer Zustand, den man sich unbedingt bewahren möchte?

Richtig absurd ist die Behauptung, ein ähnliches Ereignis wie in Fukushima könnte auch Deutschland drohen. Welches deutsche AKW steht an der Küste und ist somit der Doppelgefahr eines Erdbebens mit anschließender Flutwelle ausgesetzt? Bei aller, z.T. berechtigten Kritik an der Atompolitik unserer schwarz-gelben Regierung sollte man doch sachlich bleiben und versuchen, seinen Emotionen keinen freien Lauf zu lassen.
Der russische Katastrophenschutz auf Süd-Sachalin hat gestern übrigens eine Onlineübertragung der Strahlenmessung eingerichtet, um Panik unter der Bevölkerung entgegenzuwirken. Leider werden auch Vorkehrungsmaßnahmen der Behörden, etwa hinsichtlich möglicher Evakuierungen, oft falsch verstanden.



Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Lage in Japan ist extrem ernst und ich hatte in den letzten Tagen mehrfach den Eindruck, daß die japanische Regierung selbst nicht so recht weiß, was in ihrem Land vorgeht. Dennoch besteht hierzulande kein Grund für Panickattacken oder für die Verwendung unsinniger Wortgebilde wie "Super-GAU" - als ob man den "größten anzunehmenden Unfall" sprachlich noch steigern könnte. Es sei denn, man will mit Fukushima Wahlkampf machen.

Bedauerlich ist, daß die potentielle Großkatastrophe in Japan die bereits real eingetretene - nämlich die Erdbeben und die Tsunami - in den Hintergrund drängt. Doch dadurch sind nicht nur tausende Menschen ums Leben gekommen, etwa 430.000 wurden obdachlos. Über 55.000 Gebäude sind überdies zerstört oder beschädigt. Diese Zahlen sind nur schwer vorstellbar. Allein das Schaffen neuen Wohnraums für die Betroffenen wird Jahre dauern, von den weiteren gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen ganz zu schweigen. Im Augenblick ist es zudem schwierig, die Überlebenden im Erdbebengebiet hinreichend mit Wasser und Nahrungsmitteln zu versorgen.

Angesichts des Schadensausmaßes hat es mich überrascht, wie zurückhaltend die japanische Regierung auf internationale Hilfsangebote reagiert hat. Die Schnelleinsatzeinheit für Bergung im Ausland (SEEBA) des deutschen THW kam noch relativ schnell zum Einsatz (bereits am 13. März), doch ist die SEEBA mittlerweile schon wieder abgereist. Die offizielle Begründung lautete, daß es keine realistischen Aussichten mehr auf Überlebende gebe. De facto dürfte jedoch die Atomangst ausschlaggebend gewesen sein. Ebenfalls seit Sonntag ist ein chinesisches SAR-Team in Ofunato im Einsatz.



Andere Staaten mußten länger auf die Freigabe aus Tokio warten. So z.B. die Einsatzkräfte des rußländischen Katastrophenschutzministeriums (dt. Abk.: MTschS, eng.: MChS/Emercom). Bereits am 11. März ging das erste Hilfsangebot aus Moskau nach Tokio, zugleich wurden die Such- und Rettungseinheit ZentroSpas, ein luftbewegliches Lazarett, die auf besonders riskante Notfälle (einschließlich Atomunfällen) spezialisierte Einheit Lider sowie die Luftflotte des MTschS in Bereitschaft versetzt. Doch erst am Abend des 13. März lag eine Anforderung aus Japan vor. Unmittelbar danach ist ein Mi-26-Hubschrauber mit 25 Rettungskräften, einem Fahrzeug und Ausrüstung an Bord in Chabarowsk gestartet und nach Japan geflogen. Diese Mannschaft gehört zum regionalen Rettungsdienst im fernen Osten. Zeitgleich startete in Ramenskoje (bei Moskau) eine Transportmaschine Il-76 mit weiteren 50 Mann, drei Fahrzeugen und weiterem Material, die zu ZentroSpas zählen.

Am 15. März haben sie die Arbeit in der Region Sendai aufgenommen und die ersten Leichen geborgen. Mittlerweile sind weitere Such- und Rettungskräfte aus verschiedenen Einheiten des MTschS eingeflogen worden. Insgesamt sind es jetzt 161 Mann, die sich auf einen zweiwöchigen Einsatz eingestellt haben. Sie sind bedingt auch auf Einsätze unter ABC-Bedingungen vorbereitet. Desweiteren hat die japanische Regierung um humanitäre Hilfe in Gestalt von Decken und Matrazen gebeten, mit denen Notunterkünfte ausgestattet werden sollen. Knapp 10.000 Decken wurden schon aus Moskau nach Japan gebracht.

Damit hat Japan erstmals Katastrophenhilfe aus Rußland angenommen. Der jüngst wieder hochgekochte Konflikt um die Kurilen tritt offenbar in den Hintergrund. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Einem Team von Kernkraftwerksexperten der Agentur RosAtom, das in Fukushima helfen sollte, wurde bisher die Einreise verweigert; es befindet sich nach wie vor in Chabarowsk. Möglicherweise befürchtet man in Tokio Industriespionage.

Trotz aller Not hat die jüngste Entwicklung auch zwei positive Aspekte. Regierung und Bevölkerung Japans werden in den nächsten Jahren mit Sicherheit wichtigeres zu tun haben, als außenpolitischen Träumen über eine Wiedergewinnung der Südkurilen nachzuhängen und so die Sicherheit im pazifischen Raum zu gefährden. Zweitens ermöglicht die nunmehr noch einmal intensivierte Zusammenarbeit der beiden Staaten, die Beziehungen generell zu verbessern. Wann hat es das je gegeben: Zwei Staaten, die sich de jure noch im Kriegszustand befinden, leisten sich gegenseitig Katastrophenhilfe?



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Fotos: MTschS, RIA Nowosti.

Montag, 9. August 2010

Feuer und Rauch ...


... beeinträchtigen seit Wochen das Leben in Teilen Westrußlands, der Ukraine und Kasachstans. Die Ursache sind gewaltige Wald- und Flächenbrände, die man sonst eher aus Südeuropa und Australien kennt. Am Sonntag waren es 554 Brände auf einer Fläche von insgesamt mehr als 190.000 Hektar. Unter Pozhar.yandex.ru sind aktuelle Karten der Katastrophenlage einsehbar. Mehrere Dörfer sind bisher ein Raub der Flammen geworden und es gab etwa 50 Tote. Katastrophenschutz und Armee kämpfen gegen die Flammen, ferner sind Unterstützungskräfte aus dem Ausland im Einsatz. Die Auswirkungen der Feuer in Gestalt von Rauch und Smog sind im Ballungsraum Moskau mit seinen etwa 15 Millionen Einwohnern besonders stark zu spüren. Das Moskauer Umland ist ein Katastrophenschwerpunkt.

Es sind jedoch nicht nur klassische Waldbrände, die dort wüten. Besonders kritisch - gerade im Fall Moskaus - sind die Brände in Torfgebieten, die vor Jahrzehnten trockengelegt wurden, um Torf als Brennstoff abbauen zu können. Nun brennt der Torf in großen Ausdehnungen - und er ist nur schwer zu löschen. Dazu müssen "Wasserinjektionen" vorgenommen werden, d.h. am Rand des brennenden Torfabschnittes werden Rohre in die Erde gerammt, durch die danach Wasser gepumpt wird. Mit konventionellen Löschfahrzeugen oder -flugzeugen ist bei solchen Bränden nur wenig auszurichten. Deshalb sind u.a. Pioniereinheiten der Armee im Einsatz, die kilometerlange Rohrleitungen verlegen.

Das Katastrophenschutzministerium (MTschS) tut sein möglichstes, aber eine Entspannung wird es wohl erst nach einer Änderung der Wetterlage eintreten, wenn die seit Wochen andauernde Hitzewelle abflaut. Derweil geht die Suche nach Ursachen weiter. Neben natürlichen Gründen sind es zum Teil auch menschengemachte Feuer, die durch fahrlässiges Verhalten entstehen. Außerdem wird über eine Flutung der Torfgebiete diskutiert. Selbige würden somit wieder zu Sümpfen werden. Doch ausgegoren ist diese Idee noch nicht. Und dann gibt es noch die üblichen globalen Schuldzuweisungen und Verschwörungstheorien, als ob Wladimir Putin persönlich die Brände gelegt hätte; bisweilen in Verbindung mit der Bemerkung, daß früher (also zu Sowjetzeiten) alles besser gewesen sei. Doch dergleichen muß man wohl kaum ernsthaft erörtern; ironisch ist es nur, wenn es von sog. Liberalen geäußert wird.



Nachfolgend noch einige weiterführende Links:

Russia Burning: not Apocalypse, but its Prelude

The Great Russian Heat Wave of July 2010

Torfbrände in Russland: Der politische Wille fehlt

Krisenmanagement: Putin im Qualm, Medwedew im Kreml

Lebensmotto in Russland: Nach mir der Waldbrand

The Tale of How Aleksandr Pochkov Quarreled with Vladimir Vladimirovich



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Mittwoch, 9. Juni 2010

Transportflieger für den deutschen Katastrophenschutz


Der deutsche Bevölkerungsschutz besteht nicht nur aus der nächstgelegenen Feuer- und Rettungswache, deren Kräfte uns im Alltag etwa bei Verkehrsunfällen oder Wohnungsbränden begegnen. Er hat – wie mittlerweile in vielen Staaten der Welt – auch eine internationale Dimension. Ob es um Überflutungen in Polen, Wirbelstürme in Frankreich, Tsunamis in Südostasien oder Erdbeben auf Haiti geht – immer stehen die meist ehrenamtlichen Helfer bereit, um auch jenseits des eigenen Staatsgebietes in Not geratenen Menschen schnellstmöglich Hilfe zu leisten. Vorreiter innerhalb der Bundesrepublik war insofern das Technische Hilfswerk (THW), das in der Rechtsform einer Bundesanstalt dem Bundesinnenministerium untersteht. Hervorzuheben sind hier vor allem die Schnelleinsatzeinheit für Bergung im Ausland (SEEBA) und die Schnelleinsatzeinheit Wasser Ausland (SEEWA). Aber auch private Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, Malteser, Johanniter, Rettungshundevereine usw. werden bei Katastrophen im Ausland aktiv.

Nun bedingt die geographische Lage Deutschlands ein großes Problem: Viele Einsatzorte sind derart weit entfernt, daß die Hilfskräfte zwingend auf dem Luftweg dorthin transportiert werden müssen. Leider standen bisher den hiesigen Hilfsorganisationen, abgesehen von ein paar Rettungshubschraubern, keine eigenen Lufttransportmittel zur Verfügung. Das THW hatte zunächst auf Transportflugzeuge der Luftwaffe zurückgegriffen, bis das Bundesverteidigungsministerium einen Stopp verfügte und vom BMI Geld für die erbrachten Dienstleistungen forderte. Da die von der Hardthöhe aufgerufenen Tarife über denen kommerzieller Fluggesellschaften lagen, ist das THW seither darauf angewiesen, sich selbst auf dem freien Markt um zeitnahe Mitfluggelegenheiten in Krisenregionen zu kümmern. Das führt natürlich zwangsläufig zum Zeitverzug beim Transport von Personal, Gerät und Hilfsgütern sowie zu einem deutlich größeren Organisationsaufwand, wenn man sich mit mehreren Airlines abstimmen muß. Dafür mußte ferner eine THW-eigene Sondereinheit in der Nähe von Frankfurt/Main geschaffen werden. Bei den privaten Hilfsorganisationen ist die Lufttransportlage noch trostloser; dort muß alles selbst organisiert und bezahlt werden – obwohl diese Aktionen alle im Interesse der Bundesrepublik erfolgen.

Natürlich kann man das notorisch klamme BMVg verstehen, denn „ohne Moos nix los“. Andererseits juchteln die Katastrophenhelfer ja nicht aus Spaß an der Freud durch die Welt, sondern um den politischen Auftrag zur humanitären Hilfe auszuführen. In anderen NATO-Staaten ist das übrigens kein Problem, dort werden die Hilfskräfte selbstverständlich von ihren jeweiligen Luftstreitkräften geflogen.

Doch seit letzter Woche scheint endlich ein Ausweg aus dem Lufttransportengpaß des deutschen Katastrophenschutzes gefunden zu sein. Auf der Fachmesse Interschutz in Leipzig wurde am 7. Juni in Anwesenheit des BMI-Staatssekretärs Klaus-Dieter Fritsche und des russische Katastrophenschutzministers Sergej Schojgu ein Memorandum of Understanding über die Nutzung von Luftfahrzeugen der RF für die Durchführung humanitärer Hilfe unterzeichnet. Grundlage der Vereinbarung ist das Deutsch-russischen Katastrophenhilfeabkommen aus dem Jahre 1994. Die entsprechende Pressemitteilung des BBK lautet:
"[…]

Im Rahmen der Kooperation zwischen dem Bundesministerium des Innern (BMI) und dem russischen Ministerium für Notfallsituationen (EMERCOM) unterzeichnen BBK-Präsident Christoph Unger und der Direktor für internationale Kooperation von EMERCOM, Juri Brazhnikow, eine Vereinbarung zur Nutzung von russischen Großraum-Transportflugzeugen. Die Unterzeichnung findet auf der Messe Interschutz in Leipzig statt. Im Falle internationaler Hilfeleistungseinsätze im Interesse des Bundes, insbesondere nach der Aktivierung des Europäischen Gemeinschaftsverfahrens für Katastrophenschutz, sollen diese Maschinen vom Typ Iljuschin 76 für Personen- und Hilfsgütertransporte genutzt werden.

Diese Vereinbarung basiert auf dem zwischen Deutschland und der Russischen Föderation bestehenden Hilfeleistungsabkommen. Im Rahmen einer bilateralen Arbeitsgruppe wurde ein gemeinsames Arbeitsprogramm über Zusammenarbeit u. a. auf den Gebieten Ausbildung, kritische Infrastrukturen und medizinischer Bevölkerungsschutz für 2011 und 2012 vereinbart. Minister Shoigu, EMERCOM, sowie Staatssekretär Fritsche, BMI, haben das Arbeitsprogramm ebenfalls auf der Messe Interschutz unterzeichnet.
Mit den Vereinbarungen wird die gute Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Russischen Föderation im Bevölkerungsschutz fortentwickelt.

[…]"



Um diese Vereinbarung (die entgegen der o.g. Verlautbarung nicht nur auf Maschinen vom Typ Iljuschin beschränkt ist) einordnen zu können, muß man wissen, daß das Katastrophenschutzministerium der RF (MTschS, bisweilen auch MChS und Emercom genannt) über stattliche Fliegerkräfte verfügt. Diese reichen von kleinen Rettungshubschraubern über große Transporthelikopter wie der Mi-6 bis hin zu Transportflugzeugen (z.B. Jak-42, Il-62, Il-76) und Amphibienflugzeugen Be-200. Damit werden regelmäßig russische Hilfsmannschaften und -güter transportiert – und zwar nicht nur bei internationalen Einsätzen, sondern auch im Inland. Anders wäre angesichts der großen Dimensionen Rußlands eine schnelle und qualifizierte Nothilfe auch in entlegenen Gegenden oftmals kaum leistbar. Hierzulande sind wir ebenfalls schon in den Genuß dieser Fähigkeiten gekommen: Im August 2002 wurden Spezialisten, Amphibienfahrzeuge, Pumpen und weitere Technik des MTschS nach Deutschland geflogen, um bei der Bekämpfung des Elbehochwassers zu helfen.

Nun kann also auch Deutschland die im rußländischen Katastrophenschutz bestehenden Möglichkeiten nutzen. Das ist sehr erfreulich, deutet sich damit doch die Lösung eines seit vielen Jahren bestehenden Problems an, zu dessen eigenständiger Lösung unsere Politiker und Beamten nicht fähig waren. Und es regt zum Nachdenken an, daß an dieser Lösung keiner der „üblichen Verdächtigen“ beteiligt ist, von deren Fähigkeiten man hierzulande so gerne redet. Weder Flugzeuge der deutschen Luftwaffe noch eines anderen NATO- oder EU-Mitgliedsstaates werden uns zur Verfügung gestellt, sondern solche einer rußländischen Behörde.

Zu den finanziellen Aspekten haben sich beide Seiten nicht geäußert. Ausgehend von Artikel 9 des zugrundeliegenden Katastrophenhilfevertrages wird das wohl fallweise entschieden werden. Dabei dürfte der deutsche Obulus wahrscheinlich eher gering ausfallen, wenn man sich an ohnehin geplante Flüge des MTschS "anhängen" kann. Und, der größte Vorteil: Das BBK und die an Auslandseinsätzen teilnehmenden Hilfsorganisationen gewinnen endlich Planungssicherheit und müssen sich nicht mehr auf kurzfristig aufgestellte Bedingungen unterschiedlicher Fluggesellschaften einstellen (Hunde: ja oder nein; Material: nur Handgepäck oder etwas mehr etc.).

Die Luftwaffe ist übrigens in einer ähnlichen Lage. Aufgrund ihrer unzulänglichen eigenen Lufttransportmittel wird ein großer Teil des Nachschubs für die deutschen Truppen in Afghanistan mit gecharterten Maschinen aus Rußland und der Ukraine transportiert. Wer auf der A 9 am Flughafen Leipzig/Halle vorbeifährt, kann diese Flugzeuge regelmäßig sehen. Leider findet ein Großteil der erfolgreichen Kooperation zwischen unseren Staaten im Verborgenen statt.



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Dienstag, 2. Februar 2010

Erste Hilfe für Fortgeschrittene ;-)


Ein unerwartet freundlicher Kommentar zu meinem letztwöchigen Artikel über Notfallsets hat mich zu einigen weiteren Gedanken angeregt. (Ehrlich gesagt: Ich hatte nicht damit gerechnet, das jemand diesen Text liest. ;-))

Ganz wichtig ist es (wie am Donnerstag auch schon ausgeführt), den Zusammenhang zwischen Ausrüstung und Ausbildung im Auge zu behalten. Andererseits wird man ganz ohne Ausrüstung oft auch recht hilflos sein. (Mal ehrlich, wer ist im Ernstfall wirklich bereit, ohne Beatmungsmaske oder -folie jemanden zu beatmen, der sich zuvor übergeben hat?) Der Schritt bis zu einem auf die eigenen Anforderungen abgestimmten Erste-Hilfe-Set ist dann fast schon zwangsläufig, insbesondere dann, wenn man nicht regelmäßig auf einen Kfz-Verbandskasten zurückgreifen kann. M.E. können dafür die vielen, auch im Internet kursierenden Ausrüstungslisten ein guter Anhalt sein (ein guter Tip sind die diversen US-Messer-, Outdoor- und Survivalforen), doch befreien sie nicht von der Aufgabe, sich selbst Gedanken zu machen. Zumindest für meine Anforderungen hat noch kein vorgefertiges Paket gepaßt. Dabei ist weiters zu beachten, was man u.U. tagtäglich mit sich führen kann und will - hier wird oft der Grundsatz gelten, daß weniger mehr ist.

Zur Ausbildung: M.E. ist der Erste-Hilfe-Kurs mit 16 Unterrichtsstunden das absolute Minimum. Der für den PKW-Führerschein vorgeschriebene Kurs Lebensrettende Sofortmaßnahmen (8 Stunden) ist nur ein Auszug aus dem "großen" EH-Kurs mit dem Schwerpunkt Straßenverkehr.
Die im EH-Kurs erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sollten regelmäßig durch ein Erste-Hilfe-Training (8 Stunden) aufgefrischt werden. Empfohlen wird hier ein Rythmus von zwei Jahren, was mir persönlich jedoch zu lange ist, weshalb ich mich darum bemühe, alljährlich ein EH-Training zu absolvieren. (Manchmal sind die ausbildenden Hilfsorganisationen bereit, einen Preisnachlaß zu gewähren, sofern man keinen Teilnahmenachweis - etwa für den Arbeitgeber - benötigt. ;-))



Darüber hinaus kann man sich, zumindest theoretisch, auch zum Rettungshelfer oder Rettungssanitäter ausbilden lassen. M.E. sind zur (freilich begrenzten) Vertiefung der EH-Kenntnisse jedoch andere Kurse geeigneter, sofern man nicht mit den "Halbgöttern in weiß" konkurrieren will. ;-) Die Rede ist von den Sanitätslehrgängen, wie sie in unterschiedlicher Form von den Hilfsorganisationen, aber auch von einigen kommerziellen Rettungsdienstschulen angeboten werden.
Ich selbst beabsichtige demnächst, einen Kurs mit dem Titel "Sanitäter aller Fachbereiche" zu belegen. Er dauert 24 Stunden und umfaßt (vor allem mit Blick auf die diversen Katastrophenschutz-Fachdienste) eine praxisorientierte Erweiterung und Vertiefung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. Dazu gehören dem Vernehmen nach auch solche Themen wie der Transport von Verletzten u.a.m. M.E. sind die dafür aufgerufenen 180 € gut investiertes Geld, denn das Unternehmen ist sowohl in der Ausbildung als auch in der Rettungsdienstpraxis bewährt.
Sofern man einen qualifizierten Anbieter in der Nähe hat, kann man auch eine speziellen Lehrgang z.B. für Erste Hilfe im Outdoorbereich belegen. Möglicherweise wäre zudem eine Defibrillatorausbildung keine schlechte Idee.

In den gängigen Kursen kommen regelmäßig drei Themen, die ich im Hinblick auf Outdoor-Situationen für wichtig halte, zu kurz. Das Lehrpersonal und dessen Richtlinien gehen von einem Notfall im urbanen Raum aus, bei dem der Rettungsdienst reglär funktioniert und innerhalb der wenige Minuten dauernden Hilfsfrist vor Ort ist. Das wird in der "Pampa" jedoch oft nicht der Fall sein. Deshalb sollte man sich m.E. zusätzlich mit folgenden Themen etwas intensiver befassen:
1. Umgang mit Frakturen und Brüchen sowie das Schienen derselben. Hier kann man sich u.a. mit Samsplint u.ä. Systemen vertraut machen.
2. Anlegen von Verbänden. Früher wurde das in den EH-Lehrgängen bis zum bitteren Ende geübt (habe ich selbst bei den Jungen Sanitätern in der Grundschule noch erlebt ;-)), heute ist es allerdings aus der Mode gekommen. Doch wenn der angelegte Verband absehbar einige Stunden halten muß, dann sollte man sich insoweit etwas mehr Mühe geben.
3. Transport von Verletzten. Hier vor allem der Umgang mit Krankentrage, Bergetuch, Spineboard sowie die behelfsmäßige Herstellung solcher Mittel. Warum? Man kann den Verletzten in manchen Situationen nicht einfach an einer schlecht zugänglichen Stelle mitten im Wald liegen lassen, sondern muß ihn z.B. in die Nähe eines Weges bringen.

Des weiteren sollte man bereits durch die EH-Kurse mit dem Stillen von Blutungen durch Druckverbände und ggf. Abbinden vertraut sein. Für diesen Zweck bietet z.B. die Fa. Söhngen ein fertiges Druckverbandspäckchen an, das möglicherweise für jemanden interessant ist, der evtl. mit der Behandlung von Schußverletzungen rechnen muß (z.B. Jäger).



Wie hält man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse nun außerhalb organisierter Lehrgänge frisch? Beispielsweise durch das Selbststudium. Ich habe insofern das Lehrbuch "Erste Hilfe konkret" von L. Rothe und V. Skwarek als sehr hilfreich empfunden. Alle relevanten Fragen werden angesprochen und in einer Sprache, die auch für medizinische Laien verständlich ist, behandelt.
Ergänzend, wenn es etwa um den Transport von Verletzten und die Kunst der Verbände geht, könnte man auch auf Lehrbücher aus der "guten alten Zeit" des Kalten Krieges zurückgreifen. Aus meiner Bibliothek kann ich die folgenden Titel empfehlen: "Rettungs- und Bergungsarbeiten" (Berlin 1974), "Schutz vor Massenvernichtungsmitteln - Lehrbuch der Zivilverteidigung" (Berlin 1976), "Bergung im Selbstschutz" (Köln 1985) und, sofern man mit dem Stil einer Dienstvorschrift klarkommt, die KatS-DV 260 (Bonn 1981, hier als PDF-Datei).

Von meinem vorletzten Rußlandbesuch hatte ich mir als Souvenir dieses EH-Lehrbuch mitgebracht. Darin erscheinen mir vor allem die grafischen Darstellungen besonders instruktiv. Einige Unterschiede zu den in Deutschland vermittelten Inhalten fallen schon ins Auge. So werden z.B. im Rahmen der Ersten Hilfe fleißig Schmerzmittel verabreicht und es wird eher abgebunden als hierzulande üblich. Ferner war mir die dort vorgeführte Drei-Helfer-Methode bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung bis dato unbekannt. (Die Bilder unten vermitteln einen kleinen Eindruck des Buches.)
Was lehrt uns dieser Befund? Deutschland ist nicht der Nabel der Welt. Auch andernorts macht man sich Gedanken und kommt möglicherweise zu ungewöhnlichen, aber dennoch nachvollziehbaren Ergebnissen.






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27.12.2009: Video des Tages

Den heutigen "Tag des Retters" möchte ich zum Anlaß nehmen, meinen Kollegen aus dem Katastrophenschutzministerium der RF zu gratulieren. Die dort arbeitenden Profis sind während des Elbehochwassers 2002 auch in Deutschland zum Einsatz gekommen (ebenso wie übrigens Kräfte der Schweizer Armee).
Und im Vergleich zur zersplitterten Struktur des deutschen Bevölkerungsschutzes ist man in Rußland viel schlagkräftiger; während wir noch versucht haben, aus kleinen uns bisweilen disziplinlosen Dorffeuerwehren taktische Verbände zu formieren, wurden aus Moskau bereits Pumpen und Amphibienfahrzeuge inklusive Mannschaft eingeflogen. Insofern stimmt die alte Losung: Von Rußland lernen, heißt siegen lernen! ;-) Das dort in den letzten Jahren geschaffene Gesamtsystem für den Bevölkerungsschutz ist dem deutschen haushoch überlegen.
Nun denn, Kameraden: S prasdnikom! :-)