
Heute ist der letzte Wettkampftag der diesjährigen ISSF-Weltmeisterschaft. Es geht noch einmal um Medaillen im Gewehrschießen auf 300 m sowie auf die Laufende Scheibe (50 m) und im Skeet. Für 18.15 Uhr ist die Abschlußfeier geplant. Grund genug, auf die beiden vergangenen Tage zurückzublicken.
Am Sonntag war der Wettbewerb der Damen mit der
Luftpistole herausragend. Die Ränge, die sich die acht Schützinnen im Vorkampf erstritten hatten, sind im
Finale noch einmal kräftig durcheinander gewirbelt worden. Es blieb spannend bis zum letzten Schuß, denn die Silber- und Bronzemedaille wurden erst nach einem Shoot-off vergeben. Gold gewann
Zorana Arunovic aus Serbien mit 486,8 Ringen (385 + 101,8). Auf Rang 2 kam die 46jährige
Lalita Yauhleuskaya, die zwar in der Sowjetunion geboren wurde, aber mittlerweile für Australien startet. Bronze ging an
Viktoria Tschajka aus Belarus. Es war nach dem Finale schon nett, wie zwei der drei obligatorischen Interviews auf Russisch geführt wurden. ;-)
Die beste deutsche LP-Schützin war
Stefanie Thurmann (39.); beste Russin
Kira Klimowa (13.). In der
Teamwertung (eine interessante Tabelle!) siegte Australien vor Südkorea und China. Auf die Frage, welche Pistolenmodelle verwendet wurden, findet sich
hier eine Antwort.

Beim Schießen mit der
Zentralfeuerpistole konnte
Leonid Ekimow (RF), der im OSP-Finale noch das Nachsehen hatte, mit 589 Ringen
Gold gewinnen. Bester Deutscher war
Pierre Michel auf Platz 10. Der OSP-Weltmeister
Alexej Klimow hatte technische Probleme und blieb deshalb auf einem hinteren Rang. Dieser
Wettkampf war gut besucht und die
Teamwertung zeigt auch hier eine interessante Verteilung.
Es ist interessant, auf den Bildern vom Zentralfeuerwettkampf die unterschiedlichen Waffen der Teilnehmer zu sehen. Hier scheint die Bandbreite der verwendeten Modelle größer zu sein als in anderen Disziplinen; einige russische Schützen - darunter wohl auch der neue Weltmeister Ekimow - haben mit dem Revolver
TOZ-49 geschossen. Igor Ruljow hat nicht nur
Fotos vom Schießen gemacht, sondern dankenswerterweise auch wieder eine
Waffenstatistik erstellt.

In der Disziplin
Laufende Scheibe Mixed (50 m) gewannen Schützen aus Rußland zwei Medaillen. Bei den
Männern errang
Maxim Stepanow Gold; bei den
Junioren konnte
Jurij Dowgal seine Medaillenkollektion um eine silberne erweitern. Beste Deutsche waren
Jens Zimmermann (15.) bzw.
Sebastian Zeh (8.). In den Mannschaftswertungen gewannen die russischen
Männer Gold und die
Junioren Bronze.

Ebenfalls am Sonntag lief das
English Match der Frauen. In der
Teamwertung konnten die deutschen Damen Silber gewinnen. Im
Einzelwettkampf reichte es allerdings nur für einen vierten Platz von
Sonja Pfeilschifter. Gewonnen hat letzteren
Tejaswini Sawant (Indien) mit 597 Ringen, womit der bisherige
Weltrekord eingestellt wurde. Silber ging an die Polin
Joanna Ewa Nowakowska, die ringgleich mit Sawant war, aber weniger Treffer in der Innenzehn aufzuweisen hatte. Auf den dritten Platz kam
Olga Dowgun aus Kasachstan. Beste Russin war
Ljubow Galkina (29.).

Eine Disziplin, die ich sehr interessant finde, ist das
300-m-Standardgewehr. Die ISSF-Presseabteilung
berichtet über den Wettbewerb:
"[...]
France’s Henry Josselin won today’s 300m Standard Rifle event, becoming the new world champion in this non-Olympic event with a total score of 587 points, topping the final score of 586 points fired by Thomas Farnik four year’s ago at the 2006 World Championship in Zagreb. The French shooter, who had equalled the 300m Rifle Prone Men world record of 600 points two days ago, had never won an ISSF medal in this even, before.
Tomorrow, the 28-year old shooter from Paris will compete in the 300m Rifle Three Positions event. Second at the 2007 European Championship, and third last year in Osijek, both times with 1173 points, Josselin is considered one of the favourites to finish between the bests here in Munich.
The Silver went to Slovenia’s Robert Markoja with 585 points (198, 190, 197), while the Bronze was grabbed by the Norwegian rifle champion Vebjoerm Berg, who marked 584 points (197, 194, 193) finishing on his second 300-meter podium.
Three shooters were disqualified during today’s competition. Both Brazil’s Rocco Rosito and Martin Strempfl were stopped by the judges because of violations to the ISSF rule 7.4.2.7. Rosito had the front sight extending beyond the permitted point, while Strempfl was not complaining with the regulations regarding the depth of curve of the butt plate of his rifle. Sweden’s Andres Brolund was also disqualified, as his pistol grip was recognised to be anatomically formed, breaking the ISSF rule 7.4.2.2.
[...]"
Hier die Ergebnisse des
Einzelwettkampfs und der
Mannschaftswertung. Igor Ruljow hat davon auch Fotos gemacht (vgl.
hier und
hier). Die Skandinavier scheinen in dieser Disziplin besonders stark zu sein. Der deutsche Starter
Christian Dressel wurde nur 27. Schützen aus Rußland haben nicht teilgenommen, dort werden m.W. die 300-m-Disziplinen nur im Rahmen von
CISM-Wettkämpfen geschossen.

Am Montag wurde mit der
KK-Sportpistole der Damen die vorletzte olympische Disziplin ausgetragen - und das
Finale war spannend. Die Frauen schossen gut und die Plazierungen änderten sich mehrfach deutlich. Schließlich sorgten zwei Stechen - um Platz 1 und 2 sowie um Platz 7 und 8 - für weitere
Spannung, ebenso wie die insgesamt drei Waffenstörungen während des Finales. Gold ging schließlich mit einem Vorsprung von 0,1 Ringen an
Kira Klimowa aus Rußland (788,8 Ringe = 584 + 204,8), Silber an
Zorana Arunovic (Serbien) und Bronze an
Lenka Maruskova (Tschechien), die im LP-Finale mit einem vierten Platz vorlieb nehmen mußte.
Mit der Juristin
Julia Alipawa kam eine weitere Russin auf Rang 6; beste Deutsche war
Munkhbayar Dorjsuren (16.). Wie schon im LP-Finale, so konnten sich auch hier die Schützinnen aus Ostasien im Finale nicht nach vorne durchkämpfen. Eine Statistik über die verwendeten Pistolenmodelle ist
hier zu finden. Im
Mannschaftswettkampf kam Rußland auf Platz 1, gefolgt von Serbien und Tschechien.

Für Arunovic war es - nach dem Weltmeistertitel mit der LP - bereits die zweite Einzelmedaille dieser WM. Und wie sie sich gefreut hat - einfach schön. :-) Unter den Schützinnen scheint ohnehin ein sehr freundlicher, zum Teil herzlicher Umgang miteinander üblich zu sein. Der heutige Sieg war für Klimowa zugleich der Höhepunkt ihrer bisherigen Sportlaufbahn. Im anschließenden Interview sagt die sympathische junge Frau, sie habe sehr viel trainiert und den Kampf dann bis zum Ende durchgehalten. Die Kurzwaffenschützen aus Rußland waren bei dieser WM sehr stark, doch auch die Leistungen anderer Mannschaften wie denen aus Serbien, Belarus, der Ukraine und Tschechien sind beeindruckend. Dahinter stehen die der deutschen Teilnehmer leider zurück, obwohl in manchen ausländischen Foren von München als dem "Mekka des Sportschießens" gesprochen wird und man von der WM-Organisation begeistert ist.

Im gestern ausgetragenen
300-m-Liegendkampf der Frauen zeigten sich erneut die Schweizerinnen, Skandinavierinnen und Französinnen
ganz stark. Gold ging an
Bettina Bucher aus der Eidgenossenschaft, die mit 599 Ringen den Weltrekord egalisiert hat. Beste deutsche Teilnehmerin war
Eva Friedel (8.). In der
Mannschaftswertung gewann Frankreich Gold, Deutschland Silber und Polen Bronze.

Nebenbei: In den 50 m-Disziplinen der laufenden Scheibe wird in der Tat auf Tierscheiben geschossen (siehe
hier). Ich finde es ja gut, doch dachte ich bisher, dergleichen sei im DSB mit ewigen Höllenstrafen bedroht. ;-)

Neben der Fa.
Walther haben mittlerweile auch
Anschütz und
Feinwerkbau Übersichten erstellt, die darüber Auskunft geben, welche Erfolge mit ihren Produkten auf der WM errungen worden sind.



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