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Donnerstag, 17. März 2011

Die Lust am Weltuntergang


Die Katastrophe, die vor wenigen Tagen heimgesucht Japan hat, beherrscht auch die deutsche Öffentlichkeit. Allerdings steht zunehmend das Atomkraftwerk Fukushima im Fokus der Aufmerksamkeit. Dabei ist die Berichterstattung oft alles andere als seriös. Munter werden Begriffe wie Strahlung, Radioaktivität, Sievert usw. gebraucht, ohne hinreichend zwischen Konatmination und Inkorporation sowie zwischen Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlen etc. zu unterscheiden. Einige Experten in den Fernsehstudios bemühen sich zwar um eine nüchterne und sachliche Darstellung (z.B. Ranga Yogeshwar), doch es überwieges Berichte, die geeignet sind, bei den Zuschauern Panik hervorzurufen. Schlimm wird es dann, wenn allen, die nicht in den Weltuntergangschor einstimmen wollen, vorgeworfen wird, sie wären von der "Atomlobby" gekauft worden. Dies macht mich (wieder einmal) skeptisch gegenüber den Medien, obgleich auch ich nur ein naturwissenschaftlicher Laie bin.

Wir Deutschen sind bekanntlich ein besonders ängstliches Volk und so verwundert es nicht, daß hierzulande Strahlenmeßgeräte und Jodtabletten stark nachgefragt werden, obwohl Japan über 8.000 km entfernt ist. Leichter verständlich sind derartige Reaktionen allerdings im Fernen Osten Rußlands, ist diese Region doch nur einige hundert bis tausend Kilometer von Japan entfernt. Doch auch dort gilt, daß die präventive Einnahme von Jodtabletten außerhalb einer akuten A-Lage der Gesundheit schadet. (Die einzigen, die sich darüber freuen, sind die Pharmaunternehmen.) Warum wollen das manche Menschen nicht begreifen und behaupten stattdessen, daß sie von den Behörden belogen würden? Ist Panik ein derart angenehmer psychischer Zustand, den man sich unbedingt bewahren möchte?

Richtig absurd ist die Behauptung, ein ähnliches Ereignis wie in Fukushima könnte auch Deutschland drohen. Welches deutsche AKW steht an der Küste und ist somit der Doppelgefahr eines Erdbebens mit anschließender Flutwelle ausgesetzt? Bei aller, z.T. berechtigten Kritik an der Atompolitik unserer schwarz-gelben Regierung sollte man doch sachlich bleiben und versuchen, seinen Emotionen keinen freien Lauf zu lassen.
Der russische Katastrophenschutz auf Süd-Sachalin hat gestern übrigens eine Onlineübertragung der Strahlenmessung eingerichtet, um Panik unter der Bevölkerung entgegenzuwirken. Leider werden auch Vorkehrungsmaßnahmen der Behörden, etwa hinsichtlich möglicher Evakuierungen, oft falsch verstanden.



Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Lage in Japan ist extrem ernst und ich hatte in den letzten Tagen mehrfach den Eindruck, daß die japanische Regierung selbst nicht so recht weiß, was in ihrem Land vorgeht. Dennoch besteht hierzulande kein Grund für Panickattacken oder für die Verwendung unsinniger Wortgebilde wie "Super-GAU" - als ob man den "größten anzunehmenden Unfall" sprachlich noch steigern könnte. Es sei denn, man will mit Fukushima Wahlkampf machen.

Bedauerlich ist, daß die potentielle Großkatastrophe in Japan die bereits real eingetretene - nämlich die Erdbeben und die Tsunami - in den Hintergrund drängt. Doch dadurch sind nicht nur tausende Menschen ums Leben gekommen, etwa 430.000 wurden obdachlos. Über 55.000 Gebäude sind überdies zerstört oder beschädigt. Diese Zahlen sind nur schwer vorstellbar. Allein das Schaffen neuen Wohnraums für die Betroffenen wird Jahre dauern, von den weiteren gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen ganz zu schweigen. Im Augenblick ist es zudem schwierig, die Überlebenden im Erdbebengebiet hinreichend mit Wasser und Nahrungsmitteln zu versorgen.

Angesichts des Schadensausmaßes hat es mich überrascht, wie zurückhaltend die japanische Regierung auf internationale Hilfsangebote reagiert hat. Die Schnelleinsatzeinheit für Bergung im Ausland (SEEBA) des deutschen THW kam noch relativ schnell zum Einsatz (bereits am 13. März), doch ist die SEEBA mittlerweile schon wieder abgereist. Die offizielle Begründung lautete, daß es keine realistischen Aussichten mehr auf Überlebende gebe. De facto dürfte jedoch die Atomangst ausschlaggebend gewesen sein. Ebenfalls seit Sonntag ist ein chinesisches SAR-Team in Ofunato im Einsatz.



Andere Staaten mußten länger auf die Freigabe aus Tokio warten. So z.B. die Einsatzkräfte des rußländischen Katastrophenschutzministeriums (dt. Abk.: MTschS, eng.: MChS/Emercom). Bereits am 11. März ging das erste Hilfsangebot aus Moskau nach Tokio, zugleich wurden die Such- und Rettungseinheit ZentroSpas, ein luftbewegliches Lazarett, die auf besonders riskante Notfälle (einschließlich Atomunfällen) spezialisierte Einheit Lider sowie die Luftflotte des MTschS in Bereitschaft versetzt. Doch erst am Abend des 13. März lag eine Anforderung aus Japan vor. Unmittelbar danach ist ein Mi-26-Hubschrauber mit 25 Rettungskräften, einem Fahrzeug und Ausrüstung an Bord in Chabarowsk gestartet und nach Japan geflogen. Diese Mannschaft gehört zum regionalen Rettungsdienst im fernen Osten. Zeitgleich startete in Ramenskoje (bei Moskau) eine Transportmaschine Il-76 mit weiteren 50 Mann, drei Fahrzeugen und weiterem Material, die zu ZentroSpas zählen.

Am 15. März haben sie die Arbeit in der Region Sendai aufgenommen und die ersten Leichen geborgen. Mittlerweile sind weitere Such- und Rettungskräfte aus verschiedenen Einheiten des MTschS eingeflogen worden. Insgesamt sind es jetzt 161 Mann, die sich auf einen zweiwöchigen Einsatz eingestellt haben. Sie sind bedingt auch auf Einsätze unter ABC-Bedingungen vorbereitet. Desweiteren hat die japanische Regierung um humanitäre Hilfe in Gestalt von Decken und Matrazen gebeten, mit denen Notunterkünfte ausgestattet werden sollen. Knapp 10.000 Decken wurden schon aus Moskau nach Japan gebracht.

Damit hat Japan erstmals Katastrophenhilfe aus Rußland angenommen. Der jüngst wieder hochgekochte Konflikt um die Kurilen tritt offenbar in den Hintergrund. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Einem Team von Kernkraftwerksexperten der Agentur RosAtom, das in Fukushima helfen sollte, wurde bisher die Einreise verweigert; es befindet sich nach wie vor in Chabarowsk. Möglicherweise befürchtet man in Tokio Industriespionage.

Trotz aller Not hat die jüngste Entwicklung auch zwei positive Aspekte. Regierung und Bevölkerung Japans werden in den nächsten Jahren mit Sicherheit wichtigeres zu tun haben, als außenpolitischen Träumen über eine Wiedergewinnung der Südkurilen nachzuhängen und so die Sicherheit im pazifischen Raum zu gefährden. Zweitens ermöglicht die nunmehr noch einmal intensivierte Zusammenarbeit der beiden Staaten, die Beziehungen generell zu verbessern. Wann hat es das je gegeben: Zwei Staaten, die sich de jure noch im Kriegszustand befinden, leisten sich gegenseitig Katastrophenhilfe?



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Fotos: MTschS, RIA Nowosti.

Montag, 7. März 2011

Streit um vier Inseln


Die Forderung nach der Rückgabe der Südkurilen gehört seit Jahren zur politischen Folklore in Japan und ich hätte nicht vermutet, daß die Angelegenheit seit Monaten konstant am Köcheln gehalten wird, ohne daß zwischendurch Ruhe einkehrt. Da sich manche deutsche Medien darauf beschränken, die Erklärungen des Tokioer Außenministeriums wiederzugeben, soll nachfolgend die russische Perspektive dargestellt werden.

Politik und Gesellschaft in Japan scheinen das Thema sehr ernst zu nehmen. Als Ursache vermuten Kommentatoren, daß die Führer der seit kurzem in Tokio regierenden Demokratischen Partei glauben, unbedingt außenpolitische Erfolge vorweisen zu müssen - oder zumindest Aktivismus zeigen. So wurde aus einem niedrigschwelligen diplomatischen Streit ein ernsthafter politischer Konflikt. Seitdem mehrere Politiker und Beamte der RF die Inseln besucht hatten, haben seit Anfang Februar die Äußerungen der japanischen Regierung an Schärfe gewonnen. Eine Chronolgie der einzelnen Ereignisse ist hier zu finden. Von den undiplomatischen Formulierungen japanischer Amtspersonen fühlen sich offenbar auch revisionistische Elemente der japanischen Gesellschaft ermutigt. So wurde der rußländischen Botschaft in Tokio kürzlich ein Päckchen mit einer Patrone übersandt sowie während einer Demonstartion die Flagge der RF öffentlich geschändet.

Offenbar glauben tatsächlich manche Japaner, sie könnten diese Inseln (und vielleicht auch andere nach 1945 verlorene Gebiete) irgendwann wieder "heim ins Reich" holen. Auch ein Besuch des japanischen Außenministers in Moskau war nicht geeignet, die Emotionen zu dämpfen. Im Gegenteil, das offizielle Tokio bemüht sich um eine harte und kompromißlose Haltung. Als Beobachter fühlt man sich zunehmend an den Streit um die Falklandinseln erinnert.

In der russischen Presse geht man davon aus, daß die militärische Schwäche Rußlands in der Fernostregion maßgeblich zum jüngsten Aufkeimen der japanischen Forderungen beigetragen hat. Somit wird die im Februar angekündigte Umstrukturierung und qualitative Verstärkung der auf den Südkurilen stationierten Truppen als adäquate Maßnahme angesehen. Zur Erläuterung dieses militärischen Aspektes zitiere ich nachfolgend einen Text, den Michail Barabanow für RIA Nowosti geschrieben hat:

"[...]

Moskaus Entscheidung, die 3500 Mann starke 18. Artilleriedivision auf den südlichen Kurilen-Inseln zu verstärken, war eine unangenehme Überraschung für Japan. Für Russland ging an ihr jedoch kein Weg vorbei.

Das größte Problem bei einem Verteidigungsfall [...] wäre die geografische Nähe der Inseln zu Japan. Theoretisch könnten die japanischen Truppen die Inseln Kunaschir und Iturup plötzlich überfallen. Dabei könnten neben Luftkissenbooten und Hubschraubern auch zahlreiche Fischerboote eingesetzt werden.

Vor allen Dingen sollte man darauf gefasst sein, dass Japaner gewöhnlich zu gut geplanten, aber unerwarteten Angriffen neigen, um Gefechte auszulösen - das haben sie in allen Kriegen bewiesen, an denen sie sich beteiligten. Die geringe Entfernung der Südkurilen wäre günstig, um massenhaft japanische Truppen und Güter mit Schiffen, Booten und Hubschraubern zu verlegen. Kunaschir könnte unmittelbar vom japanischen Territorium mit Raketen- und Artilleriewaffen (darunter Hochpräzisionsgeschosse) beschossen werden.

Die japanischen Truppen sind gut ausgebildet und hochmotiviert. Außerdem sind sie mit modernsten Waffen bzw. modernster Technik ausgerüstet. Besonders wichtig ist, dass die Japaner über einzigartige mobile hochpräzise Feuermittel wie die taktischen Raketen der Typen 96 und XATM-6 verfügen, die auf Geländefahrzeugen installiert sind.

Auf die russischen Inseln könnten sie mit einfachen Verkehrsmitteln gebracht werden und wären ein effektives Kampfmittel nicht nur gegen Panzer, sondern auch gegen die Artillerie und geschützte Feuerstellungen. Dank ihrer Überlegenheit in der Luft und ihren hochpräzisen Waffen könnten die Japaner die Stellungsverteidigung auf den russischen Inseln viel leichter durchbrechen als man erwarten könnte.

Möglichkeiten und Realität

Derzeit sind die russischen Kräfte auf den Kurilen-Inseln und im ganzen Fernen Osten nicht imstande, ein solches Szenarium zu verhindern. Die Kräfte der 18. Artilleriedivision befinden sich überwiegend außer Gefechtsbereitschaft und sind deshalb vorwiegend nicht auf Kampfhandlungen eingestellt.

Außerdem liegen die Truppenteile auf den Inseln Kunaschir und Iturup weit auseinander und sind hauptsächlich mit schwerer, aber alter Technik ausgerüstet. Wegen der schwierigen Geländes können diese Kräfte nur schwer in Bewegung gesetzt werden. Offensichtlich sind auch die Mängel in der Luftabwehr. Unter diesen Umständen könnte den russischen Truppen im Falle einer Landung des Feindes das gleiche Schicksal wie der argentinischen Armee auf den Falkland-Inseln im Jahr 1982 drohen.

Die Kriegsschiffe der Pazifik-Flotte sind auf der Halbinsel Kamtschatka und in der Region Primorje und damit zu weit von den Kurilen-Inseln stationiert. Ihre Möglichkeiten zur Erreichung der Seeherrschaft und im Kampf gegen die japanische Marine sind deswegen nicht genau einschätzbar. Aber selbst wenn sie Erfolg hätten, wäre das für die Japaner kein Hindernis bei der Landung und bei der Versorgung ihrer Kräfte auf den Kurilen-Inseln.

Eine ständige Blockade der Kurilen durch die Schiffe der Pazifik-Flotte wäre auch wegen der Nähe zu der japanischen Küste unmöglich. Außerdem wären diese Schiffe der Gefahr seitens der an der Küste stationierten japanischen Raketen und Kampfjets ausgesetzt.

Noch geringer wären Russlands Chancen bei einem Luftkampf um die Inseln. Die nächstgelegenen russischen Flugplätze, die für Kampfflugzeuge geeignet sind, befinden sich auf Sachalin und Kamtschatka. Stützpunkte mit den Jagdflugzeugen MiG-31 und Su-27SM sind auf Kamtschatka und in Komsomolsk am Amur stationiert.

Selbst wenn ein großer Teil der russischen Luftwaffe aus anderen Regionen in den Fernen Osten verlegt werden sollte, hätten die Japaner eine Luftüberlegenheit über den Kurilen und Hokkaido. Zumal die Japaner von ihren moderneren Waffen, von ihren gutausgebildeten Piloten sowie von den nahe gelegenen Radaranlagen profitieren würden. Das alles stellt die Luftherrschaft Russlands im Falle von Militäraktionen sehr in Frage.

Deshalb wäre das einzige für Russland mögliche Kriegsszenarium in dieser Region die größtmögliche Verzögerung eines Gefechts um Kunaschir und Iturup bei gleichzeitiger Vorbereitung einer großen Anti-Landungs-Operation, an der sich die Luft- und Seestreitkräfte beteiligen würden. Dabei könnte man versuchen, wenigstens für die Zeit dieser Anti-Landungs-Operation eine örtliche Luftüberlegenheit zu erreichen.

Dennoch muss man einräumen, dass sich Russlands effektive Strategie im Kampf um die Kurilen-Inseln langfristig nur auf die Gefahr der Eskalation und Ausweitung der Kriegshandlungen, darunter Bomben- und Raketenangriffe, auf das ganze Territorium Japans stützen könnte.

Was tun?

Es ist offensichtlich, dass für die Umsetzung des geschilderten Szenariums zur Verteidigung der Südkurilen die Kampfbereitschaft der auf den Inseln stationierten Garnison erforderlich wäre, die zudem mit modernster Technik und modernsten Waffen versorgt werden sollte. Unter anderem geht es um die Verstärkung der Luftabwehr der Inseln, auf denen moderne Flugabwehrraketen mittlerer und künftig auch großer Reichweite installiert werden sollten. Außerdem sollten an der Küste Feuerstellungen gegen kleine Seeziele stationiert werden.

Eine Umstrukturierung der auf den Kurilen stationierten Abwehrmittel wäre wünschenswert. Man sollte die Idee der totalen Abdeckung der langen Küsten aufgeben, was ohnehin schwer zu erfüllen wäre, wenn der Gegner leichte Landungsmittel einsetzen würde. Dafür sollten die Garnisonen auf Iturup und Kunaschir zusammengezogen werden. Sie sollten seitens der Feuerstellungen und Luftabwehrkräfte abgesichert werden.

Soweit ich beurteilen kann, zielen die jüngsten Maßnahmen zur Modernisierung der Verteidigungsmittel auf den Inseln in diese Richtung. So hat die Umrüstung der dort stationierten Truppenteile bereits begonnen. Im vorigen Jahr wurden die alten Panzer T-55 durch modernere T-80BW ersetzt. Außerdem sollen auf den Kurilen-Inseln Luftabwehrraketen Buk-M1 mittlerer Reichweite aufgestellt werden.

Die Umwandlung der 18. Division in einen ständig kampfbereiten Verband, der dem „neuen Image“ der Streitkräfte entsprechen würde, sollte zum nächsten wichtigen Schritt zur Förderung der Verteidigungsfähigkeit des russischen Territoriums werden, das von einem fremden Staat ständig beansprucht wird. Die militärpolitische Führung Russlands sollte sich auch weiterhin mit der Verteidigung der südlichen Kurilen-Inseln befassen.

[...]"
Die Südkurilen waren ja auch eines der Übungsgebiete während des Großmanövers "Wostok-2010". Dabei wurde das Freikämpfen der besetzten Inseln geübt. Anscheinend war das Ergebnis nicht zufriedenstellend, weshalb man sich jetzt in Moskau dafür entschieden hat, die bereits dort dislozierten Truppen zu verstärken, um einem eventuellen Angreifer einen hohen Preis abzufordern und ihn so möglichst abzuschrecken. Denn die Atomwaffen der RF werden auf einen atomwaffenfreien Staat wie Japan kaum zügelnd wirken, da es russischerseits am Willen fehlt, sie einzusetzen.

Bleibt zu hoffen, daß sich die versntwortlichen Herren in Tokio in Minimum an Rationalität bewahren und nicht der Verlockung der "nördlichen Territorien" erliegen. Immerhin denkt man auch in Moskau über verschiedene Szenarien für die Inseln nach, die von einer Freihandelszone über eine weitgehende Entmilitarisierung der Region bis hin zu der seit 1956 im Raum stehenden Teilung der Inseln nach. Mit demonstrativer Härte wird Japan in diesem Fall jedoch nichts erreichen. Dies verwundert um so mehr, als damit der Konflikt in die Länge gezogen wird, was eine einvernehmliche wirtschaftliche Nutzung der Inselregion natürlich verzögert. Und daran müßte doch auch Japan gelegen sein. Ferner kann man nur hoffen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten demnächst beginnt, mäßigend auf Tokio einzuwirken, statt erneut Öl ins Feuer zu gießen.


Bibliographie und weiterführende Links:

I. Kramnik: Russland rüstet Kurilen-Inseln auf

M. Barabanow: Südkurilen - Aufrüsten für den V-Fall

F. Lukjanow: Kurilen-Inseln: Russland und Japan im Dauerclinch

D. Kossyrew: USA und Kurilen-Streit - Verhärtete Fronten

M. Chapman: Noun, Verb, Kurils (Again)

R. Rozoff: U.S. Backs Japan In Looming Confrontation With Russia

I. Kramnik: Kurilskij prezedent

A. Petrowa: Ot raket do wertoletow

O. Isajtschenko: Poslednjaja diwisija

D. Gorenburg: Is the Mistral deployment to the Pacific a dagger aimed at the heart of the US Pacific Fleet?



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Fotos: Itar-Tass.

Freitag, 5. November 2010

Spannungen im Nordpazifik


In dieser Woche hat der am 1. November stattgefundene Besuch des rußländischen Präsidenten Medwedew auf der Kurilen-Insel Kunaschir ungewöhnliche Kreise gezogen. Es ist hinlänglich bekannt, daß sich viele Japaner bis heute nicht mit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg abfinden können und - entgegen den seit 65 Jahren existierenden Realitäten - von einer Rückgewinnung verlorener Gebiete wie den südlichen Kurilen träumen. Der Konflikt um diese Inselgruppe, der freilich nur aus japanischen Ansprüchen besteht, die nicht die geringste Chance auf Erfüllung haben, schwelt seit Jahrzehnten - allerdings hielt und hält er beide Staaten nicht von politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit ab. Man hat bis heute keinen Friedensvertrag geschlossen, doch schon 1956 wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Deshalb war auch mit Kritik aus Tokio zu rechnen, nicht jedoch mit dieser Kette ernsthafter Verstimmungen. Schon im Vorfeld hatte es "Warnungen" der japanischen Regierung gegeben, die am Montag erneut ernste Worte fand. Daraufhin wurde dem japanischen Botschafter in Moskau kundgetan, daß der Präsident der RF innerhalb seines Landes nach Belieben reisen könne. Sodann erfolgte am 2. November die Abberufung des japanischen Botschafters in der RF, offiziell zum Zwecke von Konsultationen mit seiner Regierung. Letzteres ist schon ein sehr starkes diplomatisches Signal - und die japanische Regierung erwägt weitere "Schritte als Antwort auf den Besuch Medwedews", ohne diese jedoch zu benennen.

Man könnte dies für einen isolierten Akt laustarker japanischer Nationalisten halten, die Schwierigkeiten damit haben, die Wirklichkeit hinzunehmen. Vielleicht ist dem auch so und man sollte das Thema nicht überbewerten. Doch zwei weitere Ereignisse der letzten Tage regen zum Nachdenken an, denn durch sie bekommt der Kurilen-Streit möglicherweise eine militärische Dimension.

Erstens die Pressekonferenz des US State Departement vom 02.11.2010 in Washington DC, auf der sich der Pressesprecher Philip Crowley zum Thema äußerte. Seine Einlassungen werden im folgenden mit den dazugehörenden Fragen wiedergegeben:
"[...]

QUESTION: P.J., Russian President Dmitriy Medvedev visited Japanese Northern Territory island, and such a high-level visit is the first time through Soviet Union era. And can I have the United States response, and do you recognize Japanese sovereignty over the islands?

MR. CROWLEY: We are quite aware of the dispute. We do back Japan regarding the Northern Territories. But this is why the United States, for a number of years, has encouraged Japan and Russia to negotiate an actual peace treaty regarding these and other issues.

QUESTION: In terms of Senkaku Island, Secretary Clinton just made it clear that it is within U.S.-Japan security treaty, and that is because the islands are controlled by Japan. And in terms of Northern Territories, where does the United States stand? Is it applied to United States and Japan security treaty, Article 5?

MR. CROWLEY: That’s a good question. I’ll take that question.

[...]"
Das erscheint mir bemerkenswert. Erstens unterstützen die Vereinigten Staaten von Amerika Japan bei seinem Versuch, die Ergebnisse des 2. WK (und mithin auch den Friedensvertrag von San Francisco) zu revidieren. Mit anderen Worten: Washington steht mit Tokio in der Front gegen Moskau.

Zweitens beschränkt sich diese Unterstützung nicht nur auf abstrakte politische Erklärungen, sondern hat auch eine militärische Komponente. Wäre dem nicht so, hätte Crowley die zweite Frage einfach verneinen können. Der in Rede stehende Artikel 5 des in Rede stehenden amerikanisch-japanischen Kooperations- und Sicherheitsvertrages hat folgenden Wortlaut:

"Each Party recognizes that an armed attack against either Party in the territories under the administration of Japan would be dangerous to its own peace and safety and declares that it would act to meet the common danger in accordance with its constitutional provisions and processes. [...]"
Damit stellen sich eine Reihe von (Rechts-)Fragen. Die wichtigste: Betrachtet die US-Regierung die Südkurilen als ein Gebiet, das unter der Verwaltung Japans steht? Und, wenn ja: Worin würde ein bewaffneter Angriff bestehen? Genügt dafür bereits die vorhandene Präsenz der rußländischen Streitkräfte auf den Inseln?

Bedeutender (und verheerender) als die konkrete Beantwortung dieser Fragen ist jedoch das politische Signal, das die amerikanische Regierung damit aussendet. Man könnte es in Tokio als Freibrief für eine aggressivere Politik gegenüber Rußland (miß-)verstehen. Angesichts der gewachsenen militärischen Stärke des Kaiserreichs erscheint selbst ein Feldzug zur "Befreiung" der "nördlichen Territorien" nicht mehr gänzlich abwegig. Denn die japanischen Selbstverteidigungskräfte haben starke Truppenverbände auf der Nordinsel Hokkaido disloziert. Diese Gruppierung besteht aus 2 Divisionen und 2 Brigaden plus Unterstützungseinheiten. Dies ist weitaus mehr, als an russischen Kräften auf den Kurilen (und Sachalin) stationiert ist oder kurzfristig herangeschafft werden könnte. Mit Ausnahme der atomaren Bewaffnung ist die russische Pazifikflotte der japanischen Marine sogar unterlegen. Hinsichtlich der Luftstreitkräfte fällt der Vergleich ähnlich aus.

Somit stellt sich für Japan die Frage nach einer gewaltsamen Lösung der Gebietsansprüche durchaus. Und dies bereitet manchem russischen Experten schlaflose Nächte. Mit dem Manöver "Wostok-2010" hat Rußland zumindest die Absicht dokumentiert, die u.U. verlorengegangenen Inseln zurückzuerobern. Hoffentlich ist dies in Tokio verstanden worden und die japanische Führung hofft nicht auf ein zweites Tsushima, ggf. unter Mithilfe amerikanischer Streitkräfte.

Damit bekommt auch eine zweite Pressemeldung eine größere Bedeutung. Die Luftwaffen mancher Staaten machen sich mittlerweile einen Spaß daraus, die Flüge russischer Militärmaschinen im internationalen Luftraum als Bedrohung aufzufassen und sie "abzufangen". So nicht nur jüngst die Kanadier, sondern auch die Japaner. Passenderweise am 4. November wurde verkündet, daß zwischen dem 01.04. und 30.09.2010 wegen "gefährlicher Annäherung russischer Kampfflugzeuge an die Grenzen Japans" 149-mal japanische Kampfjets aufgestiegen wären.

Neben der üblichen Frage, was denn unter einer "gefährlichen Annäherung" genau zu verstehen ist, stellt sich hier die viel drängendere, wo das japanische Militär die Grenzen seines Landes sieht. Gehören die Kurilen mit dazu? Stellt nach Ansicht Tokios folglich jeder Flug einer rußländischen Maschine über diesen Inseln eine Verletzung oder Bedrohung des japanischen Luftraums dar, auf die militärisch geantwortet werden muß?

Es bleiben also viele offene Fragen. Anscheinend wird die ressourcenreiche Region des nordwestlichen Pazifik alsbald nicht zur Ruhe kommen, was nicht nur auf notorische Störenfriede wie Nordkoreas Kim Jong-il zurückzuführen ist.


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Foto: RIA Nowosti.

Mittwoch, 4. August 2010

WM-Eindrücke II


Gestern hatte ich noch geschrieben, daß bei der ISSF-WM in München bisher sowohl für die deutschen als auch für die russischen Schützen die großen Einzelerfolge ausgeblieben sind. Das hat sich im Laufe des gestrigen Tages zumindest für Rußland geändert. Bereits mittags gewann Dmitrij Romanow im Schießen mit dem Luftgewehr auf die Laufende Scheibe den Weltmeistertitel vor Zhai Yuija (China) und Krister Holmberg (Finnland). In der ISSF-Pressemitteilung heißt es dazu:
"[...]

Romanov, 23, from Moscow, the current European Champion in this event, made it to the Medal Match with a qualification score of 577 points (289 points scored in the “slow run” qualification series, where the target runs in five seconds, plus 288 points in the “fast run”, where the target runs through the same distance twice as fast, in 2.5 seconds).

Competing in the medal match, the young shooter won the first round against People’s Republic of Korea by 6 to 3 points, proceeding to the Gold match where he then outdid China’s Zhai Yuija 6 to 4 points, ecuring the brightest medal.

In spite of being one of the younger competitors on the international scene (Romanov just turned 23, and started shooting in 2000), the Russian athlete had already won four World Championship titles, three as a Junior shooter in 2002 and 2006, and one in the open category at the 2009 World Championship held in Heinola (FIN), as well as several European titles (he led both the 10m Running Target events at the last Europeans of Meraker).

[...]"
In der Mannschaftswertung haben die drei an dieser interessanten Disziplin teilnehmenden russischen Schützen ebenfalls Gold geholt (2. - China, 3. - Ukraine, 9. - Deutschland). Schade, daß die Laufende Scheibe 2004 aus dem olympischen Programm gestrichen wurde.



Am Dienstagnachmittag schien sich die Pechsträne der russischen Sportler fortzusetzen. Im Finale der besten acht Luftpistolen-Schützen der Welt kam Sergej Tscherwjakoswkij mit 685,5 Ringen nur auf Platz 4 und verfehlte damit eine Medaille. Gewonnen hat der Japaner Matsuda Tomoyuki (689,4), der schon am Sonntag mit der Freien Pistole Gold errungen hatte. In der LP-Mannschaftswertung gewann Rußland jedoch Gold vor Serbien und Südkorea.

Für die Liebhaber von Statistiken hat Igor Ruljow wieder ein Diagramm erstellt. Diesmal ging es um die Frage, welche Luftpistolenmodelle bei der WM von den Männern geschossen wurden.



Ebenfalls am Nachmittag konnten sich die Juniorinnen aus der RF zwei Medaillen mit der KK-Sportpistole sichern. Die zwanzigjährige Olga Kaweschnikowa (geb. Nikulina) gewann Gold (578 Ringe), ihre zwei Jahre jüngere Mannschaftskameradin Jekaterina Lewina Bronze (575). Silber ging an die Ungarin Sara Babicz (577); zwei deutsche Starterinnen - Carina Windhorst und Magdalena Wolf - kamen auf die Plätze 6 und 10. In derselben Disziplin konnten die russischen Juniorinnen auch die Mannschaftswertung vor Südkorea und China für sich entscheiden.

Diese beiden Bilder zeigen die Siegerin Kaweschnikowa, die bei der ISSF noch immer unter ihrem Geburtsnamen Nikulina geführt wird. (Man beachte bitte ihre Fingernägel. Ein Petersburger Freund hat mir einmal gesagt, daß in Rußland keine Frau auch nur den Müll runterbringe, ohne sich vorher zurechtgemacht zu haben. ;-) Wie viel mehr trifft diese Weisheit auf eine Weltmeisterschaft zu! Aber ich will nicht lästern, es hat der jungen Dame Gold gebracht. :-) Sie schießt besser, als ich es je schaffen werde. ;-))



Diese kleine russische Erfolgsserie konnte am Dienstagabend von Alexej Alipow im Trapschießen fortgesetzt werden. Nach einem spannenden Stechen mit dem aus der tschechischen Waffenstadt Brünn stammenden Jiri Liptak gewann Alipow Silber. Die Goldmedaille ging an den spanischen Topschützen Alberto Fernandez.



Bisher hatte ich die ISSF-Veranstaltungen nur sehr kursorisch verfolgt, doch mich hat ein wenig überrascht, wie stark manche Staaten im Sportschießen sind. In Ostasien nicht nur die VR China, sondern auch Nord- und Südkorea sowie Japan; in Europa vor allem Serbien, Italien und die Slowakei. So waren beispielsweise gestern unter den acht Schützen im LP-Finale zwei Serben: Andrija Zlatic (Silber mit 689,2) und Damir Mikec (8.). Es freut mich, daß dieses Land, das sich seit 20 Jahren in schwierigen politischen Verhältnissen befindet, wenigstens sportlich auf Weltniveau liegt. Auch polnische und kroatische Schützen zeigen z.T. sehr gute Leistungen, wenn man etwa an Tomasz Palamarz, den neuen Juniorenweltmeister mit der Freien Pistole, denkt.

Über die Nachfolgestaaten der Sowjetunion hatte ich gestern schon ein wenig geschrieben. Diese WM zeigt, daß sich die Ukraine, Kasachstan, Rußland und Belarus allesamt zu relativ starken Schießsportnationen entwickelt haben, insbesondere im Juniorenbereich.



Von Ausländern, die in Hochbrück anwesend sind, hört und liest man immer wieder Worte der Begeisterung. Die WM sei das größte und beste Ereignis in der Geschichte des internationalen Schießsports und es sei erfreulich, daß so viele Zuschauer auf die Anlage kommen. Genau dieser schöne Sport, zu dem sich allein in Bayern eine halbe Million Menschen bekennt, soll durch den seit über einem Jahr laufenden Kreuzzug der Waffengegner beseitigt werden. Ich hoffe, daß diese Weltmeisterschaft keine Abschiedsvorstellung für das deutsche Schützenwesen ist.

Die Gefahren, die unserem Sport drohen, macht ein Blick auf das britische Waffenrecht deutlich. Damit muß ich noch einmal auf die Rede von IOC-Chef Jacques Rogge zurückkommen, die er am 30. Juli bei der WM-Eröffnung auf dem Münchener Marienplatz gehalten hat. Darin heißt es mit Bezug auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London:
"[...]

I think that the 2012 shooting venue it is going to be state of the art, as well as a very sustainable range!

[...]"
Man fragt sich schon, ob in diesem Satz Ironie versteckt ist oder ob er das ernst meint mit der Umweltverträglichkeit. Zur Erinnerung: Es war lange Zeit nicht sicher, ob bei der nächsten Olympiade überhaupt Pistolendisziplinen außer der LP geschossen werden können. Nachdem dieses waffenrechtliche Problem endlich geklärt wurde - sogar eine Handvoll englischer Schützen hat Ausnahmegenehmigungen für die sonst verbotenen Kurzwaffen erhalten -, gab es immer noch Querelen um den Austragungsort. Statt im traditionsreichen Bisley finden die Schießwettbewerbe 2012 in einer Londoner Kaserne statt. Die Schießstände werden dafür komplett neu errichtet - und nach Ende der Spiele sollen sie möglichst rückstandslos wieder beseitigt werden.

Dieser Vorgang ist ein Symbol für den Umgang mit dem Schießsport in modernen (oder besser: dekadenten) "westlichen" Gesellschaften. Wenn er Medaillen und (politischen) Ruhm verspricht, dann nimmt man ihn mehr oder minder notgedrungen kurzfristig hin. Ansonsten möchte man den Sport, die Waffen und am liebsten auch ihre Eigentümer möglichst restlos entsorgen. Hier schließt sich der Kreis, nicht nur hinsichtlich der Ideologie, sondern auch der Terminologie, sind doch viele Waffengegner zugleich Öko-Fanatiker.



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Fotos: ISSF, www.shooting-russia.ru.

Dienstag, 27. Juli 2010

"Wostok – 2010"


Vom 29. Juni bis zum 8. Juli 2010 hat in den östlichen Gebieten der Rußländischen Föderation die Operativ-strategische Übung „Wostok-2010“ (dt.: Osten 2010) stattgefunden. Sie war nicht nur das größte Militärmanöver in Rußland seit 1991, sondern wies auch manche Neuerungen auf, die nicht einmal zu Sowjetzeiten üblich waren, denn damals waren die Streitkräfte erheblich größer als heute. Insgesamt nahmen 20.000 Soldaten, 40 Schiffe und Boote sowie 75 Flugzeuge und Hubschrauber an der Übung teil.




Handlungen von Überwasserkräften, Kampfschwimmern und Marineinfanterie.


Übungslage

Eigentlich handelte es sich um eine Übungsserie, denn es wurde kein großer Gesamtplan durchgespielt. Vielmehr wurden auf 19 Übungsplätzen zwischen Altaj-Gebirge und Wladiwostok eine Vielzahl kleiner und mittlerer Übungen absolviert, die oft in keinem direkten Zusammenhang zueinander standen. Die dabei zugrundegelegten Szenarien reichten von der Bekämpfung bewaffneter Banden (also den typischen LIC-Szenarien) über konventionelle Operationen zu Lande einschließlich dem Einsatz von Kampfpanzern und Artillerie bis hin zu See- und amphibischen Operationen, insbesondere Seelandungsabwehr und Durchführung einer eigenen Seelandung.



Eingesetzte Truppen

Am Manöver haben die Land- und Luftstreitkräfte des Fernöstlichen Militärbezirks, des Sibirischen Militärbezirks und der Pazifikflotte teilgenommen. Sie wurden durch Verbände aus den westlichen Teilen der RF verstärkt (Stichwort: force projection). Zur See waren dies die Raketenkreuzer „Peter der Große“ (Nordmeerflotte) und „Moskwa“ (Schwarzmeerflotte). Einige motorisierte Schützenbrigaden wurden ganz oder teilweise in den Fernen Osten verlegt; zum Teil per Bahn, zum Teil aber auch per Flugzeug. Letztere versahen sich erst in „frontnahen“ Mobilmachungslagern mit Fahrzeugen und Kampftechnik. Ebenso verlegten Kampfflugzeuge aus West- und Südrußland in den Übungsraum, wobei die in den russischen Luftstreitkräften wenig praktizierte Luftbetankung geübt wurde.

Diese Truppenverlegung war einer der wesentlichen Aspekte des Manövers. Denn die russischen Verbände, die in Ostsibirien und dem Fernen Osten disloziert sind, sind – verglichen mit den Streitkräften anderer Staaten der Region – relativ schwach und kaum fähig, Küste und Landgrenzen einigermaßen zu decken. Dies ist für das russische Militär eine neue Situation. Zu Sowjetzeiten ging man davon aus, daß für jeden potentiellen Kriegsschauplatz ein eigenes, den Gegebenheiten angepaßtes Truppenkontingent aufgestellt wird, welches dort selbständig handeln kann und nur bedingt auf Verstärkungen aus dem Rest des Landes angewiesen ist. Doch die massive Reduzierung der Armee seit 1991 hat diese Doktrin obsolet gemacht. Weder Land-, Luft- noch Seestreitkräfte in einem Teil Rußlands können heute ohne Verstärkungen aus anderen Landesteilen einen etwas größeren Konflikt bestehen. Diese neue Lage führt natürlich auch zu neuen Herausforderungen für Führung, Organisation und Logistik der Streitkräfte.

An einigen Übungsteilen haben neben den Truppen des Verteidigungsministeriums auch Spezialkräfte von Innenministerium und Föderalem Sicherheitsdienst sowie Einheiten der Bereitschaftspolizei und des Katastrophenschutzes teilgenommen. Dies ist in der RF seit Jahren üblich und entspricht dem, was man hierzulande unter dem Stichwort „erweiterter Sicherheitsbegriff“ versteht.



Führungsorganisation

Ein weiterer wesentlicher Aspekt war das praktische Üben der neuen Organisationsformen, namentlich in den Landstreitkräften, wie sie seit 2008 eingeführt worden sind (u.a. Übergang vom Divisions- zum Brigadesystem; siehe auch hier). Insofern scheinen die Ergebnisse positiv gewesen zu sein, d.h. daß die Startschwierigkeiten der ersten Jahre langsam überwunden werden. Das Übungsgebiet von Wostok-2010 entsprach in etwa dem Territorium des zukünftigen Operativ-strategischen Kommandos Ost.



Politischer Hintergrund

Kommen wir zu einer der interessantesten Fragen: Gegen wen hat sich das Manöver „Wostok-2010“ gerichtet? Offiziellen Erklärungen zufolge gegen keinen anderen Staat, was angesichts der quantitativen Schwäche der rußländischen Armee auch glaubhaft erscheint. Dennoch gibt es einen politischen Hintergrund, wenn man derzeit hypothetische, aber für die Zukunft keineswegs ausgeschlossene Konflikte mit Japan und der Volksrepublik China bedenkt.

Mit Japan herrscht de jure nach wie vor der Kriegszustand, auch wenn man fleißig miteinander Handel treibt. Grund ist die Weigerung Tokios, seinen Anspruch auf die 1945 von der UdSSR besetzten Südkurilen-Inseln aufzugeben. Und das japanische Militär ist in den letzten Jahren gewachsen, wohingegen die russischen Streitkräfte, gerade auch im Fernen Osten, reduziert worden sind. Russische Analysten halten daher mittel- bis langfristig eine japanische Militäroperation zur Rückgewinnung der Südkurilen für möglich.
Die Beziehungen zu China sind komplexer und diffiziler. Einerseits kooperieren beide Staaten politisch und ökonomisch auf vielen Gebieten. Andererseits fürchten nicht wenige in Rußland eine chinesische Expansion nach Norden – also in jene Gebiete der RF, die nur dünn besiedelt, dafür aber rohstoffreich sind. Sorgen bereitet insofern auch die Stärke des chinesischen Militärs, gegenüber dem die russische Armee hoffnungslos unterlegen ist. Zum Beispiel bei den Landstreitkräften: Den 12 Brigaden nördlich des Amur stehen auf dessen Südseite in der Militärregion Shenyang 9 Divisionen und weitere 11 selbständige Brigaden gegenüber.

Insofern ist Wostok-2010 vor allem als politische Demonstration zu verstehen: Rußland ist gewillt, seine östlichen Landesteile allen inneren Widrigkeiten und der schwierigen Verkehrsverbindungen zum Trotz gegen Begehrlichkeiten anderer Staaten zu schützen und sie ggf. aktiv gegen einen militärischen Angriff zu verteidigen. Die konventionellen Manöverelemente mechanisierter Truppen entsprachen somit einem eventuellen Konflikt mit China, während die amphibischen Übungen einem Szenario um die Kurilen entsprungen waren (erst Eroberung durch gegnerische Truppen, dann Seelandung der eigenen zwecks Rückeroberung).




Eine Mot. Schützen-Brigade in der Verteidigung.


Manöverkritik

Wie nicht anders zu erwarten, gehen die Bewertungen von Wostok-2010 in der russischen Presse weit auseinander. Manche Kommentatoren meinen, nunmehr sei die Wirksamkeit der neuen Militärorganisation (und damit der gesamten Armeereform) bewiesen. Diese geht von begrenzten lokalen und regionalen Konflikten aus, weshalb die Reduzierung der Armee und das damit im Konfliktfall notwendig werdende Hin- und Herschieben von Truppen durch das ganze Land kein sicherheitspolitisches, sondern nur ein logistisches Problem darstellt.

Die Gegenmeinung wird u.a. vom Politologen Alexander Chramtschichin (der u.a. regelmäßig für die Militärbeilage NWO der als liberal geltenden Nesawissimaja Gaseta schreibt) vertreten. Er sieht die gesamte Militärreform als gescheitert an, was durch das jüngste Großmanöver bewiesen worden sei. Verkleinerung und Umorganisation der Armee hätten zu einer erheblichen Schwächung der konventionellen Streitkräfte in den östlichen Teilen der RF geführt. Diese seien den beiden wahrscheinlichsten Gegnern in der asiatisch-pazifischen Region weit unterlegen. Deren Fähigkeiten seien während der Übung heruntergespielt, die der russischen Armee jedoch zu positiv gesehen worden. Die Mobilmachungsbasen und Flugplätze seien im Kriegsfall viel zu nahe an der Front und könnten somit leicht ausgeschaltet werden. Die Heranführung von Kräften und Mitteln aus anderen Gebieten Rußlands könne fast nur über die ebenfalls sehr verwundbare Transsibirische Eisenbahn geschehen.

Chramtschichin räumt zwar ein, daß viele der Einzelübungen von Wostok-2010 positiv verlaufen seien. Dennoch sieht er jetzt die politische Führung gefordert, ihre Verteidigungspolitik im Fernen Osten zu überdenken. Man brauche starke konventionelle Kräfte in der Region und eine Rückkehr zur Divisionsstruktur, um abschreckend wirken zu können. Die Option einer Verstärkung durch die seines Erachtens insgesamt zu wenigen Brigaden der übrigen Militärbezirke sei unzureichend. Das Manöver habe zwar gezeigt, daß Rußland dort stärkere Kräfte konzentrieren könne, jedoch sei dies sehr aufwendig gewesen und habe den Rest der russischen Streitkräfte – insbesondere die Schwarzmeer- und Nordmeerflotte – von wichtigen Einheiten entblößt.



Nachwort

Jedem, der die sicherheitspolitische und militärtheoretische Diskussion in den NATO-Staaten ein wenig verfolgt, werden viele Elemente von Wostok-2010 bekannt vorkommen. Das Ansinnen von politischer und militärischer Führung, das rußländische Militär zu verschlanken und gleichzeitig zu modernisieren erscheint löblich. Es gibt jedoch Grenzen der Übernahme von fremden Ideen, insbesondere wenn sie von Seemächten (im geopolitischen Sinne) wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien entwickelt wurden. Im Gegensatz dazu ist Rußland eine klassische Landmacht, mit großer territorialer Ausdehnung und langen Grenzen. Und zu Lande muß Logistik anders organisiert werden als zu Wasser.

Das diesjährige Manöver war die Fortsetzung von mehreren kleineren Übungen im vergangenen Jahr. „Sapad-2009“ (dt.: West 2009) wurde, wie der Name schon sagt, in den westlichen Landesteilen gemeinsam mit Belarus durchgeführt; „Kawkas-2009“ (dt.: Kaukasus 2009) u.a. waren hingegen eine rein russische Angelegenheit. Im nächsten Jahr wird sich dieser Kreis mit der Übung „Zentr-2011“ (dt.: Mitte 2011) schließen, die vermutlich in Westsibirien, dem Verantwortungsgebiet des zukünftigen OSK Mitte, stattfinden wird.



Bibliographie und weiterführende Links:

D. Gorenburg: Vostok-2010: Another step forward for the Russian military

I. Kramnik: „Wostok 2010“: Härtetest für erneuerte Armee

I. Kramnik: Seemanöver: Russland braucht mehr Kriegsschiffe

A. Chramtschichin: Njeadekwatnyj „Wostok“

N.N.: Serdjukow nje weljel ustrajwat wojnu dwuch armij

N.N.: Testing Army Reforms in Vostok-2010

N.N.: Battalion Travels Lighter in Mobilnost Redux

N.N.: Old Weapons Good Enough, or Worn Out?

N.N.: Not Enough Officers in ‘New Type’ Brigades?

I. Kramnik: Brennpunkt Zentralasien: Was Russlands Armee drohen kann

M. Chapman: Naturally Kurilly

O. Grizenko: Kurilskaja pretensija

Großmanöver „Ost-2010“ (weitere Materialien von RIA Nowosti)

Berichte und Videos des Fernsehsenders Swesda vom Manöver

A. Chramtschichin: Tschetyrje wektora rossijskoj oboronoj

A. Chramtschichin: Milliony soldat pljus sowremennoje woorushenije



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29.11.2008: Bilder des Tages

Karte: mapsof.net; Fotos: RIA Nowosti.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Partisanen vom Amur



Es ist eines der bekanntesten roten Lieder aus dem russischen Bürgerkrieg, das nicht nur in viele Sprachen übersetzt, sondern - mit geändertem "weißem" Text - von den ehemaligen Gegnern der Roten im Ausland gesungen wurde: "Partisanen vom Amur". Den deutschen Text sollte jeder in der früheren DDR aufgewachsene noch heute kennen ;-):
"Durch's Gebirge, durch die Steppen zog
Unsre kühne Division
Hin zur Küste dieser weißen,
Heiß umstrittenen Bastion.

Rot vom Blut, wie unsere Fahne,
War das Zeug, doch treu dem Schwur,
Stürmten wir die Eskadronen,
Partisanen vom Amur.

Kampf und Ruhm und bittere Jahre!
Ewig bleibt im Ohr der Klang,
Das Hurra der Partisanen,
Als der Sturm auf Spassk gelang.

Klingt es auch wie eine Sage,
Kann es doch kein Märchen sein:
Wolotschajewska genommen!
Rotarmisten zogen ein.

Und so jagten wir zum Teufel
General und Ataman.
Unser Feldzug fand sein Ende
Erst am Stillen Ozean."



Hinsichtlich des historischen Hintergrundes dieses Liedes war ich bis dato skeptisch, schließlich ist wohlbekannt, wie freizügig die Sowjets bisweilen im "Erfinden" von Traditionen und in der Pflege derselben waren. Doch in der vergangenen Woche ist mir ein Artikel im Heft 10/2009 des Wojenno-Istoritscheskij Shurnal (dt.: Militärhistorische Zeitschrift) aufgefallen. Mit seiner Abhandlung "Die Rolle der Partisanenbewegung im Kampf gegen die japanische Intervention im Fernen Osten in den Jahren 1918 bis 1920" unternimmt es der Autor W. G. Chitryj, die im russischen Originaltext noch stärker als in der deutschen Übersetzung besungenen Partisanen aus ihrer weihevollen Anonymität zu holen und mit Leben zu erfüllen.



Wir schreiben das Jahr 1918. Seit Herbst 1917 befinden sich erste amerikanische Truppen in Wladiwostok, die seit Frühjahr 1918 durch japanische Kontingente verstärkt werden. Letztere beschränken sich allerdings nicht mit der Herrschaft über die Hafenstadt, sondern stoßen entlang der Transsibirischen Eisenbahn weit Richtung Westen bis zum Baikalsee vor. Das offizielle politische Ziel der Intervention bestand in der Unterstützung der Weißen im russischen Bürgerkrieg (insbesondere von Admiral Koltschak) sowie in der Evakuierung der Tschechoslowakischen Legion über den Pazifik in ihre Heimat.



Über diese von allen Interventionsmächten (USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada u.a.) geteilten Ziele hinaus hatte Japan jedoch eine "hidden agenda": Die Japanisierung des russischen Fernen Ostens. Zu diesem Zweck wurden Siedlungskolonien gegründet (insgesamt ca. 50.000 Personen) - und eine davon, in Nikolajewsk am Amur, wurde durch einen "Zwischenfall" 1920 berühmt. Im März hatte eine Partisanenabteilung unter Führung des Anarchisten Triapizyn die Stadt umzingelt, in der es neben 350 japanischen und 300 "weißen" Soldaten auch 450 japanische Kolonisten gab. Als im Mai eine Entsatzexpedition der japanischen Armee eintraf, waren alle der vorgenannten entweder gefallen oder füsiliert worden. Dasselbe Schicksal sollte dann aber auch Triapizyn ereilen.



Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das expandierende Japan seine begehrlichen Blicke auf diesen Teil der Welt geworfen und seither nicht davon abgelassen (siehe auch hier). Jetzt schien eine günstige Chance gekommen. Mit einem Truppenkontingent von rund 70.000 Mann - das war das Zehnfache der amerikanischen Truppen - waren die Japaner die uneingeschränkte Führungsmacht im Fernen Osten und in Sibirien sowie in den angrenzenden Gebieten Chinas. Diese militärische Macht wurde durch politisch-diplomatische Manöver abgesichert, etwa die Unterstützung für Grigorij Semjonow (das ist der im Lied besungene Ataman) und Robert von Ungern-Sternberg. Beide Männer verfolgten ihre eigene Agenda (Ungern-Sternberg ernannte sich z.B. selbst zum Diktator der Mongolei) und waren, bei Lichte betrachtet, nicht nur Separatisten, sondern überhaupt zwielichtige und ziemlich unappetitliche Figuren.



Angesichts dieser offensichtlichen Bedrohung durch die japanischen Okkupanten wie durch ihre blutrünstige Landsleute ist es nicht überraschend, daß sich aus den Einwohnern des russischen Fernen Ostens Partisanengruppen gebildet haben. Regionale Schwerpunkte waren das Amurgebiet, die Region Chabarowsk und Primorje. Die Organisation war, den Zeitumständen entsprechend, sehr divers, weshalb man eine alles bestimmende Rolle der Bolschewiki oder der Roten Armee wohl verneinen muß. Eine zentralere Führung durch die Streitkräfte der Fernöstlichen Republik war erst in der zweiten Periode des Konflikts (1920-1922) gegeben. Dazu kam die ethnische Heterogenität der Partisanen: Russen, Koreaner, Chinesen u.a. Völkerschaften waren vertreten; es gab in ihren Reihen sogar freigelassene deutsche und österreichische Kriegsgefangene. (Manche Gruppen dürften allerdings kaum besser als ordinäre Banditen gewesen sein.)



Im Februar 1919 sollen allein im Amurgebiet rund 10.000 Partisanen operiert haben. Ihre zumeist aus Kavallerie und Infanterie gemischten Abteilungen hatten in der Regel eine Stärke zwischen etwa 50 und 200 Mann. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen die Verbindungswege der Japaner. Der Schwerpunkt lag dabei auf Attacken gegen die Eisenbahnlinien, über die ja nicht nur die japanischen, sondern auch die weißen Truppen im Osten Sibiriens versorgt wurden. Von Februar bis Oktober 1919 sollen 327 Eisenbahnbrücken durch Partisanen zerstört worden sein. Sofern sich die Gelegenheit ergab, wurden allerdings auch japanische Garnisonen und ganze Städte angegriffen. Bis zum November 1919 verlor die japanische Armee bei diesen Kämpfen 572 Gefallene und 483 Verwundete; hinzu kommen 436 Soldaten, die infolge von Erkrankungen verstorben sind. Insgesamt verloren die Japaner während ihres Rußlandabenteuers über 5.000 Tote.



1921 gab es mit der von Japan unterstützten Gründung der sog. Küstenrepublik ein letztes Aufbäumen der weißen Bewegung im Fernen Osten. Doch diesem Versuch war nur eine kurze Dauer beschieden. Im September/Oktober 1922 verließen die japanischen Truppen als letzte der Interventionsmächte das russische Festland (Nordsachalin blieb bis 1925 besetzt) und im Dezember zog die Rote Armee in Wladiwostok ein. Die Partisanen vom Amur hatten gesiegt. In ihrem jahrelangen Kleinkrieg hatten sie nicht nur ihre weißen Gegner besiegt, sondern auch erheblich stärkere japanische Truppen aus dem Land geworfen. Für Tokio war die Intervention zu einer nicht mehr tragbaren Belastung geworden, die erhebliche finanzielle Mittel verschlang (insgesamt ca. 900 Mio. Yen).




Die ersten Bilder stammen aus amerikanischen und japanischen Quellen. Die letzten vier zeigen hingegen Partisanen sowie Soldaten der Roten Armee.
Bezeichnend sind die Fotos 1 bis 3 (s.o.) im Vergleich mit dem letzten. Alle sind in Wladiwostok entstanden: zunächst paradieren die Interventionstruppen, doch am Ende triumphiert die Rote Armee.






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Freitag, 19. Dezember 2008

19.12.2008: Bild des Tages


Das heutige Bild zeigt japanische Schülerinnen bei der vormilitärischen Ausbildung in den 1930er Jahren. Mich interessiert vor allem, welche Waffe dort benutzt wird. Ein Arisaka-Gewehr ist es definitiv nicht. Vielleicht ein (mir unbekanntes) Luftgewehr oder gar nur ein funktionsloses Exerzier- bzw. Dekomodell? Ein Kleinkalibergewehr erscheint mir jedenfalls unwahrscheinlich.

Montag, 15. Dezember 2008

Japanische Propagandabilder ...


... aus der Zeit des Ersten Weltkrieges hat ein russischer Blogger aufgetan. Und diese sind m.E. höchst interessant. Japan war 1914 auf Seite der Entente in den Krieg eingetreten. Allerdings blieb die im selben Jahr erfolgte Eroberung der deutschen Kolonie Kiautschou in China die einzig bedeutende japanische Militäroperation.

Die Propagandabilder, die auf die eigene Zivilbevölkerung abzielten, zeigen nun die japanische Armee im Gefecht mit deutschen und österreichischen Verbänden. Der vermeintliche Kriegsschauplatz liegt jedoch nicht in Europa, sondern im fernöstlichen Rußland: in Wladiwostok, Chabarowsk, am Ussuri und an der Transsib. Hier vermischen sich zwei Motive: der (real gar nicht stattfindende) Kampf gegen die Mittelmächte und die Spannungen mit dem (nominell verbündeten) Russischen Kaiserreich, die sich bereits 1904/05 in einem Krieg entladen hatten und nach der Oktoberrevolution mit zur Besetzung weiter Teile Sibiriens durch japanische Truppen führen sollten.

Letzteres war zum Zeitpunkt des Erscheinens der Zeichnungen freilich noch Zukunftsmusik. Genießen wir also diese 16 Kleinodien der fernöstlichen Kunst. ;-)