Dienstag, 9. Februar 2010

09.02.2010: Musik des Tages

Heute: Steve Lee aus Australien mit seiner Hymne "I like guns". Ja, ich ebenfalls. :-)


Sonntag, 7. Februar 2010

Neue Geschichtsbilder

Heute sollen drei von ihrem Charakter her sehr unterschiedliche Bücher vorgestellt werden, die ich während der letzten Monate gelesen habe und die ein gemeinsames Thema verbindet: der Zweite Weltkrieg und die Stalin-Ära – und wie sie heute, im nachkommunistischen Rußland erinnert werden.

Zunächst ein Roman aus der Feder Georgij Wladimows: „Der General und seine Armee“ (München 1997). Dieses Buch ist zunächst für den Leser nicht ganz leicht zugänglich, doch dann breitet sich eine spannende und einfühlsame Erzählung aus. Der Held des Buches, ein General der Roten Armee, hat so ziemlich alle Höhen und Tiefen durchlebt, die es für ihn geben konnte. Erst Aufstieg als fähiger Offizier, dann in die Fänge der Säuberungen geraten und inhaftiert – lediglich der Kriegsbeginn am 22. Juni 1941 rettet ihn vor dem Exekutionskommando. Daraufhin wieder als Kommandeur eingesetzt, macht er den Rückzug und die Winterschlacht vor Moskau mit und wird dort schwer verwundet. 1943/44, während des Vormarsches, ist er in der Ukraine eingesetzt, verkracht sich dabei mit den maßgeblichen Teilen der Frontnomenklatura (einschließlich Chruschtschow) und wird schließlich nach Hause beordert.

Der Roman ist sehr dicht geschrieben, wobei – für den Leser nicht immer ganz leicht zu durchschauen – verschiedene Zeitebenen miteinander verwoben werden. Inhaltlich spiegelt er die ganze Tragik und die seelischen Verwüstungen des 2. WK aus der heutigen russischen Sicht wieder: die Einsicht, daß auch der eigene Staatschef ein Verbrecher ist, die Nationalitätenkonflikte innerhalb der UdSSR (mit zwei Georgiern – Stalin und Berija – im Zentrum der Macht), die Bewertung des Generals Wlassow und jener Soldaten, die ihm in die Russische Befreiungsarmee (ROA) gefolgt sind, das Verhältnis zwischen den Sowjetbürgern, die Intrigen und Ränke innerhalb der Elite usw. usf.

In diesem Buch gibt es kein einfaches Gut und Böse, weiß und schwarz, hingegen werden sehr viele Grautöne sichtbar – so, wie das Leben nun einmal ist. Doch der Autor setzt ganz bewußt Akzente, die sich von dem gängigen sowjetischen Geschichtsbild unterscheiden und so einen Kontrapunkt zu den überkommenen Vorstellungen setzen – ohne dabei allerdings in den Fehler zu verfallen, die ideologischen Vorzeichen einfach umzukehren.
Nicht ganz einfach zu lesen, aber dennoch gut und (ich muß gestehen) ergreifend.

Der zweite Titel – „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ (Berlin 2004) von Swetlana Alexijewitsch – ist in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung zu verorten und ergänzt den Ausstellungsband des Museums Karlshorst hervorragend. Die Autorin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Berichte von weiblichen Soldaten der Roten Armee zu sammeln und aufzubereiten. Das ist ihr im großen und ganzen auch gelungen, doch ich bin – mit gutem Grund – gegenüber einem solchen reinen „Oral History“-Ansatz skeptisch, insbesondere wenn mehr Wert auf die Vermittlung von Gefühlen als auf eine korrekte Darstellung der Fakten gelegt wird. Daher sollte das Buch als Baustein und keineswegs als Gesamtgeschichte betrachtet werden, denn dafür ist es zu subjektiv. Letzteres gibt die Autorin auch unumwunden zu, wenn sie ausführt, daß sie die weibliche Geschichte des Krieges schreiben wolle. Abgesehen von dieser methodischen Kritik zeigt sich auch bei Alexijewitsch eine erfreuliche Abkehr von den sterilen und unpersönlichen Heldenmythen der Sowjetzeit.

Die beiden soeben genannten Bücher hätten ohne eine grundstürzende Veränderungen in der sowjetischen und russischen Geschichtsschreibung nicht entstehen können. Ich meine damit den gegen die tradierten sowjetischen Geschichtsbilder gerichteten Revisionismus. Mitte der 1980er Jahre begann die öffentliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Stalin-Ära und seither gibt es keine Fragestellung, vor der russische Historiker zurückschrecken würden (z.B. die Präventivkriegsthese für das Jahr 1941 oder die Opfer des Archipel Gulag).

Eine erste Dokumentation dieses Revisionismus in der Geschichtswissenschaft hat 1998 Wolfgang Strauss unter dem Titel „Unternehmen Barbarossa und der russische Historikerstreit“ vorgelegt.
Vieles von dem dort geschriebenen ist aufgrund unserer schnellebigen Zeit heute nur noch von wissenschaftsgeschichtlichem Interesse. Wichtig und m.E. bis heute zutreffend sind jedoch die von Strauss skizzierten Unterschiede der rußländischen im Vergleich zur deutschen „Vergangenheitsbewältigung“. Z.B.:
"[…]

Der russische Revisionismus berücksichtigt die schwer traumatisierten Verfolgungs- und Kriegsopfer, in der Gewißheit, daß das Verzeihen in den Lagern und Schützengräben nicht gestorben ist. Das russische Volk verweigert sich einer Selbstverhöhnung und Selbstverdammung, es will keinen nachträglichen Bürgerkrieg, eine neue „Tschistka“, keine demokratische Entkommunisierung per Ächtungslisten, Publikationsverbote, Tribunale.

Vergangenheitsbewältigung in Rußland kennt keine russophobe Seelenlandschaft. Betroffenheitsfanatiker sucht man vergeblich, Betroffenheitsrituale sind nicht an der Tagesordnung.

[…]" (S. 23 f.)
Ein Beispiel dafür ist etwa der von einer kleinen, aber lautstarken Minderheit kritisierte Versuch, die Bewertung der Geschichte dem Bürger zu überlassen anstatt sie staatlicherseits vorzugeben.
Auch im Schlußwort hat der Autor eine Beobachtung gemacht, die sich mit meinen Erfahrungen – insbesondere hinsichtlich der Außenpolitik der RF – deckt:
"[…]

Vom Internationalismus jeglicher Art, ob kommunistischen oder kapitalistischen Ursprungs, hat das schwergeprüfte russische Volk genug, genug mit Sicherheit für die nächsten 100 Jahre, genug vermutlich für alle Zukunft. Diese Erkenntnis liegt dem Schaffen der Revisionisten Rußlands zugrunde, und sie vereint alle Kontrahenten im „russischen Historikerstreit“." (S. 181 f.)

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Freitag, 5. Februar 2010

05.02.2010: Videos des Tages

In den letzten Tagen stand das Thema Erste Hilfe hier auf Backyard Safari sehr weit oben auf der Agenda. Zur Abrundung nachfolgend ein fünfteiliger Film von Nutnfancy über ein größeres Erste-Hilfe-Set für den Outdooreinsatz. Ich finde diese Videos sehr interessant und der Mann hat sich viele Gedanken gemacht, doch ich muß gestehen, daß ich sie bis dato noch nicht alle gesehen habe. ;-)
















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Dienstag, 2. Februar 2010

Warum immer auf die Eisenbahn?


Die Eisenbahnstrecken von und nach St. Petersburg müssen auf Terroristen und sonstige gestörte Personen eine große Faszination ausüben. Bereits 2007 und 2009 war es zu Bombenanschlägen gekommen. Für das erste Attentat, bei dem es "nur" 60 Verletzte gegeben hatte, sind mittlerweile zwei Inguschen verurteilt worden. Und auch für das im letzten November, bei dem 26 Menschen ums Leben gekommen sind, und bei dem es - besonders perfide! - eine zweite Bombe gab, die sich gegen die Hilfskräfte richtete, haben Islamisten die Verantwortung übernommen.

Heute früh um 04.15 Uhr Ortszeit kam es nun zu einem Sprengstoffanschlag auf den Gleiskörper im südlichen Stadtgebiet von Petersburg, an einer Strecke, die zum Baltischen Bahnhof führt und über die großteils Regional- und Vorortzüge (sog. Elektritschkas) fahren. (In der Nähe des Tatortes wohnen übrigens Freunde von mir, die glücklicherweise nicht betroffen sind.) Ersten Ermittlungen zufolge soll der Sprengsatz relativ schwach gewesen sein (200 bis 400 g TNT-Äquivalent), weshalb es lediglich einen Verletzten gab - ein Bahnmitarbeiter, der mit einer Motordraisine unterwegs war, um die Strecke zu kontrollieren. Mittlerweile konnte wohl auch ein Versteck, von dem aus die Bombe gezündet worden ist, gefunden werden. (Vgl. z.B. hier, hier und hier.)

Dieses Video (leider nur auf Russisch) vermittelt einen (zumindest visuellen) Eindruck von der Unfallstelle (ein direktes Einbinden des Videos ist leider nicht möglich):

Новости дня

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У пострадавшего в результате взрыва машиниста перелом ноги

Состояние здоровья 37-летнего Константина Махонина - машиниста, пострадавшего в результате взрыва на железной дороге в Петербурге, оценивается как удовлетворительное. Он находится на лечении в травматологическом отделении Дорожной больницы, куда он поступил с переломом ноги.

Da in der deutschsprachigen Berichterstattung einiges durcheinander läuft, hier noch zwei Klarstellungen von Fakten:
1. Die Strecke war beschädigt und deshalb für einige Stunden gesperrt, schließlich mußten Gleise ausgetauscht werden.
2. Die Ermittlungen führen derzeit drei Behörden: Die Transport-Miliz, weil sie auf dem Bahngelände örtlich zuständig ist; der Föderale Sicherheitsdienst (FSB), weil er bei Straftaten im Zusammenhang mit terroristischen Aktionen immer sachlich zuständig ist (der FSB-Chef ist in Personalunion Leiter des gesamtstaatlichen Anti-Terror-Komitees); sowie das Ermittlungskomitee der Generalstaatsanwaltschaft (so hoch gehangen ebenfalls wegen des Terrorverdachts). Das ist ein ganz normales Prozedere und bietet keinerlei Anlaß für irgendwelche Spekulationen.
3. Dasselbe gilt für den Straftatbestand, aufgrund dessen das Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. Illegaler Sprengstoffbesitz (Art. 222 des StGB der RF) ist bei solchen Fällen der Standardvorwurf, der ggf. auf andere Tatbestände erweitert wird.

Aufgrund der Durchführung des Anschlags, insbesondere der geringen Menge an Sprengstoff, schießen schon wieder die wildesten Gerüchte über den Hintergrund ins Kraut. Die Durchführung erscheint auch aus meiner Sicht für eine der bekannten islamistischen Terrorgruppen zu unprofessionell. Diese Leute können das besser.
Aber auch die These, irgendjemand (die Regierung? oder gar der Bösewicht Putin persönlich?) wolle Terrorangst schüren, ist doch ziemlich abwegig. Gerade nach den Attentaten im November 2009 (ja, es gab noch ein zweites) ist die Terrorangst real und es wird gerade an neuen Sicherheitskonzepten für den Bahnverkehr gearbeitet (vgl. hier und hier). Da muß niemand künstlich nachhelfen nachhelfen.
Am wahrscheinlichsten erscheint mir als Täter ein einzelner Amateur: entweder jemand mit einem islamistischen Hintergrund oder einfach ein Jugendlicher, der die Experimente mit seinem Chemiebaukasten übertrieben hat. Alles andere, auch die Variante mit dem "Warnschuß" einer kriminellen Organisation, ist m.E. abwegig. (Doch auch meine Gedanken sind derzeit nur spekulativ und es kann auch gar nicht anders sein!)

Dies waren meine Überlegungen, bis ich die Ausführungen eines Funktionärs der Partei "Jabloko" lesen mußte:
"[...]

Die oppositionelle Jabloko-Partei befürchtet, die Explosion könnte von der Regierung als Anlass benutzt werden, um die oppositionelle Bewegung im Land an den Pranger zu stellen.
Der Vorsitzende der Petersburger Jabloko-Sektion Maxim Resnik gab zu bedenken, dass dies bereits bei der Bombenexplosion im Mac Donald’s-Restaurant am Newski Prospekt geschehen sei. Weil am selben Tag eine Demonstration der Opposition stattgefunden habe, seien sie damals sofort als Urheber für den Anschlag verdächtigt worden, obschon sich später herausgestellt hatte, dass ein Rechtsextremer den Sprengsatz gelegt habe.

[...]"
Wie kommt der Mann nur auf die Idee, einen Zusammenhang zwischen der Politik seiner Partei und dem heutigen Anschlag herzustellen? Diese Idee erscheint doch absurd und sie ist, soweit ich das überblicke, auch in den spekulationsfreudigen russischen Medien bisher nicht erörtert worden. Warum also? Oder waren Resniks Sätze eine freudsche Fehlleistung und die Linksliberalen von Jabloko gehen insgeheim doch schon mit dem Terrorismus schwanger - so wie ihre Gesinnungsgenossen im 19. Jahrhundert?


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Foto: www.vesti.ru.

Erste Hilfe für Fortgeschrittene ;-)


Ein unerwartet freundlicher Kommentar zu meinem letztwöchigen Artikel über Notfallsets hat mich zu einigen weiteren Gedanken angeregt. (Ehrlich gesagt: Ich hatte nicht damit gerechnet, das jemand diesen Text liest. ;-))

Ganz wichtig ist es (wie am Donnerstag auch schon ausgeführt), den Zusammenhang zwischen Ausrüstung und Ausbildung im Auge zu behalten. Andererseits wird man ganz ohne Ausrüstung oft auch recht hilflos sein. (Mal ehrlich, wer ist im Ernstfall wirklich bereit, ohne Beatmungsmaske oder -folie jemanden zu beatmen, der sich zuvor übergeben hat?) Der Schritt bis zu einem auf die eigenen Anforderungen abgestimmten Erste-Hilfe-Set ist dann fast schon zwangsläufig, insbesondere dann, wenn man nicht regelmäßig auf einen Kfz-Verbandskasten zurückgreifen kann. M.E. können dafür die vielen, auch im Internet kursierenden Ausrüstungslisten ein guter Anhalt sein (ein guter Tip sind die diversen US-Messer-, Outdoor- und Survivalforen), doch befreien sie nicht von der Aufgabe, sich selbst Gedanken zu machen. Zumindest für meine Anforderungen hat noch kein vorgefertiges Paket gepaßt. Dabei ist weiters zu beachten, was man u.U. tagtäglich mit sich führen kann und will - hier wird oft der Grundsatz gelten, daß weniger mehr ist.

Zur Ausbildung: M.E. ist der Erste-Hilfe-Kurs mit 16 Unterrichtsstunden das absolute Minimum. Der für den PKW-Führerschein vorgeschriebene Kurs Lebensrettende Sofortmaßnahmen (8 Stunden) ist nur ein Auszug aus dem "großen" EH-Kurs mit dem Schwerpunkt Straßenverkehr.
Die im EH-Kurs erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sollten regelmäßig durch ein Erste-Hilfe-Training (8 Stunden) aufgefrischt werden. Empfohlen wird hier ein Rythmus von zwei Jahren, was mir persönlich jedoch zu lange ist, weshalb ich mich darum bemühe, alljährlich ein EH-Training zu absolvieren. (Manchmal sind die ausbildenden Hilfsorganisationen bereit, einen Preisnachlaß zu gewähren, sofern man keinen Teilnahmenachweis - etwa für den Arbeitgeber - benötigt. ;-))



Darüber hinaus kann man sich, zumindest theoretisch, auch zum Rettungshelfer oder Rettungssanitäter ausbilden lassen. M.E. sind zur (freilich begrenzten) Vertiefung der EH-Kenntnisse jedoch andere Kurse geeigneter, sofern man nicht mit den "Halbgöttern in weiß" konkurrieren will. ;-) Die Rede ist von den Sanitätslehrgängen, wie sie in unterschiedlicher Form von den Hilfsorganisationen, aber auch von einigen kommerziellen Rettungsdienstschulen angeboten werden.
Ich selbst beabsichtige demnächst, einen Kurs mit dem Titel "Sanitäter aller Fachbereiche" zu belegen. Er dauert 24 Stunden und umfaßt (vor allem mit Blick auf die diversen Katastrophenschutz-Fachdienste) eine praxisorientierte Erweiterung und Vertiefung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. Dazu gehören dem Vernehmen nach auch solche Themen wie der Transport von Verletzten u.a.m. M.E. sind die dafür aufgerufenen 180 € gut investiertes Geld, denn das Unternehmen ist sowohl in der Ausbildung als auch in der Rettungsdienstpraxis bewährt.
Sofern man einen qualifizierten Anbieter in der Nähe hat, kann man auch eine speziellen Lehrgang z.B. für Erste Hilfe im Outdoorbereich belegen. Möglicherweise wäre zudem eine Defibrillatorausbildung keine schlechte Idee.

In den gängigen Kursen kommen regelmäßig drei Themen, die ich im Hinblick auf Outdoor-Situationen für wichtig halte, zu kurz. Das Lehrpersonal und dessen Richtlinien gehen von einem Notfall im urbanen Raum aus, bei dem der Rettungsdienst reglär funktioniert und innerhalb der wenige Minuten dauernden Hilfsfrist vor Ort ist. Das wird in der "Pampa" jedoch oft nicht der Fall sein. Deshalb sollte man sich m.E. zusätzlich mit folgenden Themen etwas intensiver befassen:
1. Umgang mit Frakturen und Brüchen sowie das Schienen derselben. Hier kann man sich u.a. mit Samsplint u.ä. Systemen vertraut machen.
2. Anlegen von Verbänden. Früher wurde das in den EH-Lehrgängen bis zum bitteren Ende geübt (habe ich selbst bei den Jungen Sanitätern in der Grundschule noch erlebt ;-)), heute ist es allerdings aus der Mode gekommen. Doch wenn der angelegte Verband absehbar einige Stunden halten muß, dann sollte man sich insoweit etwas mehr Mühe geben.
3. Transport von Verletzten. Hier vor allem der Umgang mit Krankentrage, Bergetuch, Spineboard sowie die behelfsmäßige Herstellung solcher Mittel. Warum? Man kann den Verletzten in manchen Situationen nicht einfach an einer schlecht zugänglichen Stelle mitten im Wald liegen lassen, sondern muß ihn z.B. in die Nähe eines Weges bringen.

Des weiteren sollte man bereits durch die EH-Kurse mit dem Stillen von Blutungen durch Druckverbände und ggf. Abbinden vertraut sein. Für diesen Zweck bietet z.B. die Fa. Söhngen ein fertiges Druckverbandspäckchen an, das möglicherweise für jemanden interessant ist, der evtl. mit der Behandlung von Schußverletzungen rechnen muß (z.B. Jäger).



Wie hält man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse nun außerhalb organisierter Lehrgänge frisch? Beispielsweise durch das Selbststudium. Ich habe insofern das Lehrbuch "Erste Hilfe konkret" von L. Rothe und V. Skwarek als sehr hilfreich empfunden. Alle relevanten Fragen werden angesprochen und in einer Sprache, die auch für medizinische Laien verständlich ist, behandelt.
Ergänzend, wenn es etwa um den Transport von Verletzten und die Kunst der Verbände geht, könnte man auch auf Lehrbücher aus der "guten alten Zeit" des Kalten Krieges zurückgreifen. Aus meiner Bibliothek kann ich die folgenden Titel empfehlen: "Rettungs- und Bergungsarbeiten" (Berlin 1974), "Schutz vor Massenvernichtungsmitteln - Lehrbuch der Zivilverteidigung" (Berlin 1976), "Bergung im Selbstschutz" (Köln 1985) und, sofern man mit dem Stil einer Dienstvorschrift klarkommt, die KatS-DV 260 (Bonn 1981, hier als PDF-Datei).

Von meinem vorletzten Rußlandbesuch hatte ich mir als Souvenir dieses EH-Lehrbuch mitgebracht. Darin erscheinen mir vor allem die grafischen Darstellungen besonders instruktiv. Einige Unterschiede zu den in Deutschland vermittelten Inhalten fallen schon ins Auge. So werden z.B. im Rahmen der Ersten Hilfe fleißig Schmerzmittel verabreicht und es wird eher abgebunden als hierzulande üblich. Ferner war mir die dort vorgeführte Drei-Helfer-Methode bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung bis dato unbekannt. (Die Bilder unten vermitteln einen kleinen Eindruck des Buches.)
Was lehrt uns dieser Befund? Deutschland ist nicht der Nabel der Welt. Auch andernorts macht man sich Gedanken und kommt möglicherweise zu ungewöhnlichen, aber dennoch nachvollziehbaren Ergebnissen.






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Montag, 1. Februar 2010

"Sexed Pistols"

Die deutschen Hochschulen sind in den letzten 100 Jahren von mehreren verheerenden Plagen heimgesucht worden. Es begann in den 1930er Jahren mit der Diskriminierung der Juden, die zur Entfernung eines bedeutenden Teils der wissenschaftlichen Elite geführt hat. Es setzte sich nach 1945 in der DDR mit der Ideologisierung im Sinne des Marxismus-Leninismus fort, die bisweilen ganz seltsame Blüten getrieben hat, wenn etwa nach spezifisch kommunistischen Formen der Rinderzucht gesucht wurde - als ob es die Rindviecher interessieren würde, in welchem politischen System sie leben. Auch die BRD blieb von Erschütterungen nicht verschont, hier sei nur das Stichwort "1968" genannt. In der Folge kam es zum Aufstieg und Fall einer extrem ideologiebeladenen Disziplin wie der Friedensforschung. (Nicht alle "Friedensforscher" waren borniert, es gab auch ein paar sehr selbstkritische Intellektuelle wie z.B. Herfried Münkler.)

Das offenkundige Verfallsstadium einer weiteren "Forschungsrichtung", deren Thesen ebenfalls höchst problematisch sind, ist leider noch nicht erreicht, denn trotz ihrer Zweifelhaftigkeit fließen weltweit noch reichlich öffentliche Fördermittel. Die Rede ist von den sog. "Gender Studies". Deren Forschungsanliegen besteht darin, alle möglichen gesellschaftlichen Entwicklungen auf ihre "Geschlechterrelevanz" hin zu untersuchen. Früher war man insoweit noch offener und sprach von der Diskriminierung der Frauen. Schon hieran wird deutlich, wie eng bei den Gender Studies das (theoretisch zweckfreie) akademische Forschungsinteresse mit politischem Aktionismus verwoben ist. Man könnte es auch volkstümlicher formulieren: Die "Gender-Forscher" vermuten in jedem Furz der Weltgeschichte eine Verschwörung der Männer gegen die Frauen. Und jeder, der es sich wagt, daran und an den daraus abgeleiteten Maßnahmen wie dem "Gender Mainstreaming" öffentlich zu zweifeln, muß mit erheblichen Nachteilen rechnen.

Vor wenigen Wochen ist nun ein Buch veröffentlicht worden, das die Ansätze der Friedens- und der Geschlechterforschung kombiniert: "Sexed Pistols - The Gendered Impacts of Small Arms and Light Weapons". Bereits der Verlagstext vermittelt einen Einblick in die bizarre Gedankenwelt der Waffengegner:

"[...]

Every day, small arms and light weapons (SALW) kill and maim, wound and threaten millions of adults and children, whether combatants and civilians in war zones or gangs and communities in degraded “peacetime” environments that are characterized by large-scale violence. Due to their widespread availability, mobility and ease of use prolific SALW have become central to maintaining social dislocation, destabilization, insecurity and crime in the build-up to war, in wartime and in the aftermath of violent conflict. Small arms are misused within domestic settings, as well as in public spaces, and they affect everyone in the community without regard to sex or age. Although the impacts of these weapons can be vastly different for women and men, girls and boys, a careful consideration of gender and age is rare in the formulation of small arms policy, of planning small arms collection or control, or even in small arms research. To counter the effects of prolific SALW, their role in reinforcing and maintaining gender- and age-specific violence must be more deeply analysed and the results applied at the policy and operational level. This work should be undertaken in war-afflicted contexts, in societies suffering from elevated levels of social violence and/or severe underdevelopment, and in those tolerant of the presence of individually owned firearms.

Contributors to the book draw on experience and research from around the world on the nexus of gender, age, violence and small arms in developing and developed countries. Their findings feed into a number of recommendations for future policy formulation, programme implementation and research designed to further illuminate and counteract the firing of the “sexed pistol”.

[...]"
Die "Forscher" hängen einem (absurden) mystifizierenden Waffenbegriff an: Nicht etwa Menschen töten andere Menschen, oh nein, es sind die bösen Waffen, die das quasi von alleine tun. Und so setzt sich die Aneinanderrreihung von Unsinn fort. Auch in der deutschen Waffenrechtsdebatte des vergangenen Jahres wurde ja besonders auf die männlichen Jugendlichen abgestellt - ein Argument, dem freilich nur eine kurze Halbwertzeit beschieden war. Nämlich so lange, bis eine Bonner Schülerin einen Anschlag auf ihre Schule plante.
Interessant und besorgniserregend ist die Tatsache, mit welcher Vehemenz in diesem Buch (aber nicht nur dort!) offenkundiger Unsinn als Wissenschaft verkauft wird. Und die "Wissenschaftler" drängen massiv zu politischem Handeln, denn es geht den Herausgebern expressis verbis um die stärkere Kontrolle des privaten Waffenbesitzes.

Da überrascht es mich nicht mehr, in welchem Umfeld sich Autoren und Herausgeber bewegen. Denn das Buch ist an der United Nations University entstanden und wird von der IANSA - genauer: von ihrem "Women's Network" - aktiv beworben. Geht man auf die Webseite dieses Netzwerks, so hat man wirklich ein Erlebnis ... Verglichen mit diesen, von missionarischem Eifer besessenen Pseudosozialwissenschaftlern waren die alten, hartgesottenen Marxisten doch geradezu angenehme Zeitgenossen, die wenigstens partiell noch einer rationalen Argumentation zugänglich waren. Aber hier toben sich die glaubenskämpfenden Kontrollfreaks aus.

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte - und so stellt die folgende Grafik das simplifizierende und damit absurde Weltbild der IANSA hinreichend dar:



Dennoch müssen wir diese Entwicklungen aufmerksam beobachten und Gegenargumente formulieren. Denn der politische und öffentliche Einfluß der notorischen Waffengegner ist - gerade in Europa - trotz der Fadenscheinigkeit ihrer Argumente bemerkenswert (siehe z.B. das Aktionsbündnis Winnenden).

Zum Abschluß noch ein Nachsatz, damit meine Ausführungen nicht mißverstanden werden. Natürlich ist das Geschlecht ein nicht zu vernachlässigender sozialer Faktor, den es auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen zu berücksichtigen gilt. Doch kann dies innerhalb der Soziologie ohne weiteres geleistet werden; man muß dazu keine neue "Wissenschaft" erfinden, die von zweifelhaften Grundannahmen ausgeht.


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Grafik 2: www.iansa.org.

Sonntag, 31. Januar 2010

31.01.2010: Videos des Tages

Zum gestrigen Beitrag paßt der folgende Film von Ray Mears, worin er Belarus besucht, dort ehemalige Partisanen aus dem 2. WK trifft und nebenbei noch ein paar Bushcrafttechniken vorführt.
(Diese Geschichte wird übrigens auch im Film "Defiance" (dt. Titel: Unbeugsam) aufgegriffen.)















Samstag, 30. Januar 2010

Partisanenromantik


Liegt es einfach an der die Gedanken anregenden Mittelgebirgslandschaft oder gar am genius loci? Seit einigen Monaten bin ich des öfteren in Thüringen unterwegs und habe mich seither wieder einmal intensiver mit dem Partisanenkampf während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. Die Anfänge dieses Interesses liegen schon lange zurück. Prägend dafür waren nicht nur die wenigen Schuljahre in der DDR, sondern auch westeuropäische Schriften. Seien es die Klassiker – etwa von Dachs „Totaler Widerstand“ und die „Winke für Jagdeinheiten“ – oder eher analytische Arbeiten wie z.B. Hahlwegs „Guerilla – Krieg ohne Fronten“, Schmitts „Theorie des Partisanen“, von der Heydtes „Der moderne Kleinkrieg als wehrpolitisches und militärisches Phänomen“ oder van Crevelds „Zukunft des Krieges“.

Dabei hatte ich die vielfältigen Partisanenaktivitäten an der Ostfront nur wenig beachtet. Zu dicht schien mir lange das Gewirr aus Propagandalügen und Halbwahrheiten, zu sehr legten einige angelsächsische Publikationen der 1990er Jahre nahe, daß es einen auch nur ansatzweise erfolgreichen Partisanenkampf de facto nicht gegeben habe. (Wenn man manche sowjetische Bücher aus der Nachkriegszeit liest, so könnte man fast den Eindruck gewinnen, es habe in manchen Teilen Weißrußlands mehr Partisanen als überhaupt Landeseinwohner gegeben. ;-))
Dazu kam im Zuge der sog. Wehrmachtsausstellung die These, daß deutscherseits die Partisanenbekämpfung (oder zeitgenössisch formuliert: der Bandenkampf) auf dem Gebiet der UdSSR nur ein Vorwand für die Judenvernichtung gewesen sei. Doch die Lektüre eines Bildbandes sowie die Forschungen über die Vorbereitung von Untergrundkämpfern für den Fall eines dritten Weltkriegs haben diesen Eindruck verändert. Es muß sowjetischerseits nicht unerhebliche Erfolge gegeben haben, sonst hätte man sich dort nicht noch Jahrzehnte später so intensiv mit dieser Facette der Kriegführung beschäftigt und sie wäre nicht so stark im kollektiven Gedächtnis (insbesondere in Belarus und der Ukraine) haften geblieben.



Von den klassischen Partisanen – also den (zivilen) Landeseinwohnern, die in die Wälder gegangen sind –, sind analytisch die Aufklärungs- und Diversionsgruppen zu unterscheiden, die vom militärischen Nachrichtendienst GRU und vom Staatssicherheitsdienst (NKWD bzw. NKGB) zumeist per Fallschirm hinter den deutschen Linien abgesetzt worden sind. Diese Unterscheidung wurde in der älteren sowjetischen Literatur oft nicht getroffen (hier war die Bezeichnung „Partisan“ sehr umfassend), in der jüngeren russischen hingegen schon. Nachfolgend soll es vor allem um diese Form der Aufklärung, Sabotage und Propaganda gehen, denn das waren die Aufgabenfelder der eingesetzten Gruppen.
Die Verluste der „Raswedtschiki“ (russ. für Aufklärer) waren jedoch beträchtlich. Es hat wohl geradezu legendäre Soldaten und Offiziere gegeben, die zahlreiche Einsätze erfolgreich durchgeführt haben. Doch gerade in der Endphase des Krieges, als sich der Einsatzraum zunehmend auf deutsches Gebiet verlagerte, hatten viele der eingesetzten Gruppen nur geringe Überlebensaussichten. Das kann man etwa auf dieser Webseite anhand der 1944/45 über Ostpreußen abgesetzten Einheiten erkennen.

Dort und auch in der jüngeren russischen Literatur, die sich von der Propaganda und Geheimnistuerei der Sowjetzeit befreit hat, kann man ein weiteres Detail ersehen: Bereits damals wurden die eingesetzten Spezialeinheiten mit individuell festgelegten Namen bezeichnet, z.B. „Moros“ (dt.: Frost) oder „Pobeditel“ (dt.: Sieger). Dieser Tradition ist man in der RF bis heute treu geblieben – im Geschäftsbereich des Innenministeriums ganz offiziell (z.B. „Witjas“, „Rus“, „Pereswet“, „Merkurij“) und im Föderalen Sicherheitsdienst inoffiziell („Alfa“, „Vympel“).



Doch zurück zum Zweiten Weltkrieg. Einen Sonderfall der sowjetischen „Fallschirmagenten“ stellen jene Deutschen dar, die sich in den Dienst der UdSSR gestellt haben, um gegen Hitler zu kämpfen. Seien es bekehrte Kriegsgefangene oder alte Kommunisten, spätestens mit der Gründung des Nationalkomitees Freies Deutschland und dem Vordringen der Roten Armee gen Westen wurden sie für die sowjetische Aufklärung immer wichtiger. Während sie in der DDR-Literatur oftmals als „antifaschistische Widerstandskämpfer“ gefeiert und in der BRD ebenso kritisch gesehen wurden (ausnahmsweise sachlich ist G. Nollau: „Gestapo ruft Moskau“), ohne daß man allzuviel über ihre konkrete Tätigkeit wußte, hat sich eine Autorin doch Mühe gegeben, daß Schicksal einer solchen Aufklärungsgruppe einigermaßen sachlich nachzuzeichnen. Die Rede ist von Barbara Neuhaus und ihrem Buch „Funksignale vom Wartabogen“.

Eine Gruppe von fünf Deutschen springt im August 1944 in der Nähe von Tschenstochau im Generalgouvernement mit dem Fallschirm ab. Ihr Auftrag: Aufklärung der deutschen Truppenbewegungen und anderer Ziele, wobei sie sich bis ins Reichsgebiet, nach Berlin, vorarbeiten sollen und sich als Angehörige des Nationalkomitees Freies Deutschland ausgeben. Ihre Erlebnisse werden von Neuhaus eindringlich geschildert, wobei sie sich erfreulicherweise von früheren DDR-Darstellungen derselben Gruppe abhebt. Es geht ihr nicht mehr um die blinde Glorifizierung. Nicht unproblematisch ist allerdings die gewählte Darstellungsweise. Das Buch ist zwar kein Roman, genügt aber auf der anderen Seite auch nicht den Anforderungen an einen wissenschaftlichen Text.

Zwei darin behandelte Probleme möchte ich hervorheben: Zum einen die Zusammenarbeit der fünf Deutschen mit der Roten Armee und anderen, im gleichen Raum operierenden Aufklärungsgruppen (die hier als Partisanen tituliert werden). Zum zweiten die Verhältnisse im damals als Generalgouvernement bezeichneten Polen. War das Verhältnis vieler Polen, gerade auch der einheimischen Partisanen, zu den fünf Deutschen allein aufgrund ihrer Nationalität sehr angespannt, so scheint es auch einen mehr oder weniger stillen Bürgerkrieg unter den Polen selbst gegeben zu haben. Während sich in der Volksgarde eher die linken Kräfte sammelten, um mit der UdSSR gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen, so waren es in der Heimatarmee wohl eher die rechten, die gegen Deutschland und die SU gleichermaßen kämpfen wollten. Es wird sogar behauptet, daß antikommunistische Kader der Heimatarmee bisweilen als zu links oder sowjetfreundlich geltende Landsleute der Gestapo in die Hände gespielt hätten. Sollte dieser Vorwurf berechtigt sein, so wäre dies ein Schlag gegen die weit verbreiteten Hagiographien der Heimatarmee.

Das Ende des Kalten Krieges hat zu einer weitgehenden Offenlegung der Archive der am 2. WK beteiligten Staaten geführt. So konnte denn im Jahre 2004 der Sammelband „Krieg im Äther – Widerstand und Spionage im Zweiten Weltkrieg“ erscheinen (hrsg. von H. Schafranek und J. Tuchel). Darin geht es um den Kampf Deutscher gegen den Nationalsozialismus von außen. Obgleich es auch einige Beiträge über britische oder französische Aktivitäten gibt, befasst sich doch die Mehrzahl auf die eine oder andere Weise mit der Sowjetunion. Sie sind durchweg faktengesättigt und reichhaltig mit Fußnoten versehen.
Für den hier interessierenden Aspekt des Partisanenkrieges sind zwei Texte von besonderer Bedeutung, da die darin enthaltenen Informationen in deutscher Sprache wohl sonst kaum zu finden sind: erstens F. Chaustovs Essay über „Operative Gruppen sowjetischer Fallschirmagenten in den Kriegsjahren“ und zweitens N. Petrovs Abhandlung über die Organisation der Staatssicherheitsorgane und ihre Diversionstätigkeit. Der geneigte deutsche Leser wird hier viel Neues erfahren, wenngleich eine weitere Vertiefung dann wohl nur noch in der russischsprachigen Literatur möglich ist.

Um noch einmal auf das Buch an sich zurückzukommen: Es ist amüsant, wenn im Aufsatz von P. Huber („Sowjetische und parteikommunistische Nachrichtenkanäle in der Schweiz“) – der ansonsten sehr gut ist! – behauptet wird, bestimmte Archivbestände in Rußland seien für die Forschung nicht zugänglich, während ein zweiter Autor (H. Coppi) ausführlich aus eben jenen, angeblich unerreichbaren Dokumenten zitiert.
Der Sammelband darf heute wohl als repräsentativ für den Stand der Forschung gelten.



Gänzlich anders ist der Charakter des dritten hier zu besprechenden Buches: Waclaw Bilinskis „Der Tod lauert am Wolnapaß“ ist ein in den 1960er Jahren in der DDR erschienener Roman (und nicht mal ein besonders guter, zumindest ist die deutsche Übersetzung ziemlich schlecht), der jedoch ein Schlaglicht auf die Zeit kurz nach dem 2. WK wirft. Die Helden sind polnische Grenzsoldaten, die sich anno 1946 im Dreiländereck Polen-Tschechoslowakei-UdSSR mit allerlei Banditen herumzuschlagen haben. Am schlimmsten treibt es die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA), die - von den USA wegen ihres Antikommunismus unterstützt - gegen ihre alten und neuen Feinde in Polen und der Sowjetukraine kämpfte. Trotz sowjetischen und polnischen Befriedungsaktionen wie etwa der Operation „Weichsel“ ist es diesen Partisanen noch bis Anfang der 1950er Jahre gelungen, Unsicherheit zu verbreiten.
Der Roman zeigt, wie sehr in dieser Gemengelage nationale und politische Konflikte miteinander verwoben waren. Erstaunlicherweise spielt die kommunistische Ideologie im Buch so gut wie keine Rolle. Ebenso lassen sich die historisch tatsächlich stattgefundenen Maßnahmen der polnischen Regierung (für die sich m.E. gute Gründe finden lassen) auf Marx oder Lenin zurückführen. Die heute populäre Sicht auf die osteuropäischen Staaten als vollständig moskauhörige Satelliten dürfte insofern stark überzogen sein.



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Donnerstag, 28. Januar 2010

Für den Notfall vorgesorgt


In der letzten Woche bin ich daran erinnert worden, daß ich mich wieder intensiver um meine Erste-Hilfe-Ausrüstung kümmern sollte. Bereits seit etwa zehn Jahren – seit eine Kollegin direkt neben mir „umgekippt“ ist und von einem zufällig anwesenden Rettungssanitäter wiederbelebt werden mußte – habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, meine Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig (meist jedes Jahr) aufzufrischen und zudem immer eine kleine Menge Sanitätsmaterial mit mir zu führen.

Damit sind schon die wichtigsten Fragen angesprochen: Fähigkeiten und Material. Wozu sollte man sich mit „Survival“-Kenntnissen wie Fallenbau oder Notangeln befassen, wenn man nicht einmal in der Lage ist, eine ordentliche Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen und so Notfälle, die jederzeit und an jedem Ort auftreten könnten, zu bewältigen? Oder, ein anderes Extrem, was ich in einem deutschen Militärforum beobachten konnte: Da beginnen Reservisten, die Mühe haben dürften, überhaupt einen Druckverband richtig anzulegen, damit, sich Infusionen zu besorgen und während ihrer Wehrübungen mitzuführen. In denselben Kreisen scheint das Abbinden bei Gefäßverletzungen mittlerweile als Allheilmittel zu gelten – schließlich haben es die als Vorbild gesehenen Amerikaner im Irak und in Afghanistan vorgemacht und außerdem spart man sich damit die lästigen Druckverbände.
Ich habe nichts gegen das Abbinden an sich, auch wenn es in Deutschland nicht mehr explizit gelehrt wird. Doch auch hierzulande weiß das Rettungsfachpersonal, daß man bei bestimmten Verletzungen keine andere Chance hat, um die Blutung zu stoppen (allerdings wird dies meist nur hinter vorgehaltener Hand gesagt). Vielmehr stört mich, wenn Abbinden als alternativlos dargestellt wird und man zudem so tut, als wäre die Extremsituation eines Feuergefechts im Mittleren Osten mit den meisten Notfällen in Mitteleuropa vergleichbar.
Dies gilt insbesondere für jene Zeitgenossen, die meinen, bei Chemikalien wie z.B. Quikclot handele es sich um wahre Wundermittel, obwohl sie unter Fachleuten höchst umstritten sind. Ich kann für meine Person nur hoffen, daß ich nie einem überspannten und schlecht ausgebildeten „Hobbyretter“ in die Hände falle, der es zwar gut meint, aber schlecht macht – etwa, indem er mir beim Versuch, eine Infusion zu legen, die Arme zersticht und danach eine kleine Wunde, für die ein ordinäres Verbandspäckchen reichen würde, mit Quikclot „behandelt“, um mich schließlich, 17 Sekunden vor Eintreffen des Notarztes, zu intubieren. ;-)



Doch zurück zum Thema Ausrüstung. Da ich relativ mit dem Auto meist nur auf kürzeren Strecken unterwegs bin, habe ich häufig keinen Zugriff auf den Kfz-Verbandskasten. Über die Jahre habe ich deshalb mehrere Erste-Hilfe-Sets zusammengestellt, wovon ich heute zwei regelmäßig mitführe. Das wichtigste ist ein kombiniertes Überlebens- und EH-Paket, welches in Anlehnung an die in den USA vieldiskutierte „Bug-Out Bag“ entstanden ist. Mir dient es jedoch mehr als „Ausrüstung zum Nachhausekommen“, denn als Pendler, der den ÖPNV nutzt, will ich auf Störungen nicht gänzlich unvorbereitet sein.

Der „Überlebens“-Komponente besteht aus einem Notponcho, einer Alu-Rettungsdecke, Streichhölzern, einem Teelicht, Reservebatterien für meine Fenix-Taschenlampe, einer weiteren Kleinstlampe, Taschenwärmern, einem Knicklicht, Streichhölzern und Feuerzeug, Kompaß, Trillerpfeife, Wasserentkeimungsabletten, 1 Kondom, 10 m Paracord, Klebeband (Duct Tape), Isolierband, Kabelbinder, Notizblock und Stift, Erfrischungstüchern, Toilettenpapier und einer Löffel-/Gabel-Kombination. (Zwei bis drei (Taschen-) Messer und ein bis zwei Taschenlampen sind ohnehin immer am Mann oder in der EDC-Tasche. ;-))
Die „medizinische“ Komponente beinhaltet mehrere Verbandspäckchen sowie Mull- und Elastikbinden (wichtig für Druckverbände), Kompressen, ein Brandwundenverbandstuch, Heftpflaster, Sicherheitsnadeln, ein Dreiecktuch sowie das am häufigsten gebrauchte EH-Material: Wundschnellverbände (vulgo: Pflasterstrips in verschiedenen Größen). Dazu kommen eine Beatmungsfolie (für eine richtige Beatmungsmaske war leider kein Platz), Schutzhandschuhe, Desinfektionstücher, eine Schere sowie kleine Mengen an Medikamenten (Vitamintabletten, Schmerzmittel etc.).
Untergebracht ist das alles im Vorgängermodell dieser Tasche von Tasmanian Tiger, die nicht nur robust, sondern auch Molle-fähig ist und die ich ohne Vorbehalte empfehlen kann. Bei der Füllung wurde vornehmlich auf Produkte der Fa. Söhngen zurückgegriffen, denn diese sind meist hochwertiger und länger haltbar als viele 08/15-Produkte aus dem Supermarkt.

Das soeben vorgestellte Paket ist fast mein täglicher Begleiter in Aktentasche oder Rucksack. Wenn ich mit meinem Maxpedition Jumbo Versipack unterwegs bin, so ist dieser analog ausgestattet, wobei die Ausrüstung – mit Ausnahme des Sanitätsmaterials, für das es eine gesonderte Tasche gibt – auf die diversen Fächer verteilt wurde.

Vor einer Aufgabe habe ich mich aber seit zwei Jahren gedrückt: Ich besitze nach wie vor kein dezidiertes Erste-Hilfe-Set für meine Outdooraktivitäten. Ich hatte zwar schon einmal ein Paket zusammengestellt, das dann aber – da zu groß – verworfen werden mußte. Zudem konnte ich bisher keine Tasche finden, die meinen Anforderungen wirklich entsprechen würde. Sie darf ruhig ein paramilitärisches Aussehen haben, aber vor allem muß sie sich mittels Molle-Clips o.ä. Systemen am Rucksack befestigen lassen. Die Füllung lehnt sich an die DIN 13160 an, wobei es spezifische Ergänzungen gibt, auf die ich in der „Pampa“ nicht verzichten möchte (z.B. SamSplint zum Schienen von Brüchen, Beatmungsmaske). Des weiteren soll dieses EH-Set die Funktion einer Reiseapotheke erfüllen, es um verschiedene Medikamente ergänzt wird.

Die von den einschlägigen Herstellern „taktischen“ Zubehörs angebotenen Taschen sind für den von mir angedachten Verwendungszweck entweder zu klein oder zu groß. Entweder passen nur ein paar Verbandpäckchen hinein oder die Tasche ist so groß, daß man einen halben RTW darin unterbringen könnte. ;-) Bei den bekannten zivilen Herstellern sieht es nur unwesentlich besser aus. Mittlerweile bin ich soweit, mir einfach ein paar Taschen zu bestellen, sie testweise zu füllen und mich danach für eine zu entscheiden.

Ausdrücklich abraten möchte ich von einer San-Tasche, die ursprünglich auf ein Modell der US-Streitkräfte zurückgeht, mittlerweile aber auch von zahllosen Firmen nachgebaut wird (siehe z.B. hier oder hier). Diese Tasche läßt sich kaum sinnvoll füllen (man braucht zahllose weitere Plastebeutel), wenn es denn geschafft wurde, so kann man sie am Körper nicht stabil tragen, weder am Trageriemen noch am Koppel. Von einer Befestigung am Rucksack oder einem Verstauen in demselben mußte ich sofort Abstand nehmen, da zu klobig. Wenn es denn unbedingt eine Surplustasche sein soll, dann lieber das gute, alte DDR-Modell.



Noch in der Planungsphase befindet sich ein weiteres Projekt – ich nenne es einmal „Notfallrucksack“ – an dessen Fortführung mich die jüngsten Bilder aus Haiti erinnert haben. Damit ist jedoch keineswegs das gemeint, was üblicherweise im Rettungsdienst darunter verstanden wird. Vielmehr lehnt er sich an den sog. Bergungsrucksack an, den ich während meines Dienstes im Katastrophenschutz kennengelernt habe und den ich für ein hervorragendes Konzept halte: klein, aber durchdacht.
Besagter Bergungsrucksack war für den schnellen Zugriff bei Gebäudeschäden und zur Rettung von Leichtverletzten bzw. Leichtverschütteten vorgesehen. Es gab ihn in drei Zusammenstellungen (vgl. KatS-LA 220, S. 551 ff.). Dabei wurden eine Wolldecke und eine kleine Zusammenstellung von Sanitätsmaterial mit Schutzausrüstung und diversen Werkzeugen kombiniert (z.B. Bergungsbeil mit Säge und Kratze, Bindeleine, Bergungstuch, Wolldecke, Wagenheber, Klappspaten, Beitel u.a.m.).

So etwas Ähnliches schwebt mir auch vor. Bezüglich des Erste-Hilfe-Materials werde ich mich wiederum an der Liste gem. DIN 13160 orientieren. Dazu sollen dann noch einige Werkzeuge kommen, die sich möglichst universal auch bei privaten Notfällen i.w.S. – etwa im Straßenverkehr – einsetzen lassen (z.B. ein Klappspaten). Zudem hätte ich damit ein wenig Ausrüstung für meinen Dienst in der hiesigen Wasserwehr in der Hinterhand, denn es ist nicht so recht klar, was die Kommune stellt.
Offen ist jedoch auch hier noch die Frage des richtigen Behältnisses – die handelsüblichen Notfallrucksäcke für den RD erscheinen mir jedenfalls ungeeignet. Möglicherweise gibt es spezielle Modelle für die Bergrettung, die den Anforderungen eher entsprechen (zwei mittelgroße Fächer, je eines für Sanitätsmaterial und Werkzeug). Vielleicht weiß hier einer meiner Leser Rat?

Nun ja … hoffentlich habe ich meine Stammleser damit nicht allzu sehr gelangweilt, aber das Thema Erste Hilfe gehört im weitesten Sinne ebenfalls zum Themenbereich dieses Blogs.


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