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Montag, 9. Mai 2011

09.05.2011: Musik des Tages

Anläßlich der 66. Wiederkehr des Kriegsendes heute ein nachdenkliches Lied über den einen Sieg, der unbedingt nötig ist. Es stammt ursprünglich aus dem Spielfilm "Der weißrussische Bahnhof" und wird hier vom Barden Bulat Okudschawa vorgetragen.



Montag, 14. März 2011

14.03.2011: Musik des Tages

Einer der Kultfilme des sowjetischen Kinos war und ist "Die weiße Sonne der Wüste" aus dem Jahre 1969. Die Mischung aus einem Actionfilm und einer Komödie spielt im Mittelasien der 1920er Jahre und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Dazu hat auch das eingängige Titellied "Wasche blagarodie, gosposha udatscha" (dt. etwa: Euer Wohlgeboren, Frau [besser: Herr] Erfolg) beigetragen. Der Text stammt vom berühmten Bulat Okudschawa, die Musik von Isaak Schwarz, gesungen wird es hier wohl ebenfalls von Okudschawa.



Dienstag, 9. November 2010

Filmkritik: "Speznas"

Meine letzte Filmkritik habe ich vor fast einem Jahr geschrieben, Grund genug, dem deutschen Publikum wieder ein paar interessante Streifen aus Rußland vorzustellen. Wie der Titel bereits nahelegt, geht es um filmische Darstellungen der Spezialeinheiten der RF.

Zunächst die siebenteilige Fernsehserie „Speznas“, die im Jahr 2002 herausgekommen ist. Der Regisseur Andrej Maljukow ist bekannt für seine hochwertigen Actionfilme (die Serie „Diversant“ hatte ich hier schon vorgestellt). Im Mittelpunkt steht ein Team von Offizieren der Militäraufklärung des Leningrader Militärbezirks (welche der GRU untersteht), die unter Führung des Majors Klim Platow diverse Anti-Terror-Aufgaben zu lösen haben: Bekämpfung von Partisanengruppen in Tschetschenien, Ausheben eines Giftlabors mitten in St. Petersburg, Personenschutz für einen Politiker im bürgerkriegsgeschüttelten Tadshikistan oder Einsatz gegen eine international agierende Islamistengruppe in Afghanistan. Dabei zeigen die Helden des Films einen nüchternen Professionalismus, der der Haudrauf-Mentalität der Vertreter des Innenministeriums gegenübergestellt wird.

Den Hintergrund des Drehbuchs bilden natürlich jene von Islamisten verübten Terroranschläge, die Rußland seit Beginn der 1990er Jahre erschüttert haben. Die dargestellten Spezialoperationen (von einer Flugzeugentführung bis zum Ausheben eines B-Waffen-Labors) müssen nicht wirklich so stattgefunden haben, doch liegen sie durchaus im Bereich des Möglichen. Die Serie ist das, was man gute Unterhaltung nennen kann: Weder zu seicht noch zu tiefschürfend, mit guten Actionszenen und realistischen Szenarien. Deshalb wundert es mich, daß sie bisher nicht ins deutsche Fernsehen gekommen ist, wo man uns doch sonst allerlei Plattheiten zumutet.

Die Folgen der Serie sind auch im Internet zu finden, siehe z.B. hier (Tip!), hier, hier, hier und hier.
Die Filmmusik stammt übrigens von der Gruppe Ljube:





Nichts ist so ernst, daß man daraus nicht eine Komödie machen könnte. Das gilt auch für das Thema Spezialeinheiten. Und weil man mit der soeben besprochenen Serie einmal in Petersburg investiert hatte, wurde kurz danach am selben Ort eine zweite mit ähnlichem Thema gedreht: „Russkij speznas“ (2002) und „Speznas po-russki 2“ (2003). Ich muß gestehen, daß ich selten so herzhaft gelacht habe wie beim anschauen dieser Filme. Die beiden Helden sind ebenfalls Offiziere der Militäraufklärung und haben allerlei Abenteuer zu bestehen – wobei diesmal weniger Islamisten als die Anhänger einer obskuren Sekte, die nach der Weltherrschaft streben, Thema sind. Dabei kommen ihnen allerdings regelmäßig Zivilisten in die Quere, genauer gesagt zwei Militariahändler, die die Weltkriegsschlachtfelder rund um St. Petersburg nach verwertbaren Schätzen abgrasen. Diese werden dann zuhause gelagert, und so sieht ihre Wohnung aus wie ein Museum, mit Panzerfaust u.ä. im Bett. Zudem wird stilecht unter Zuhilfenahme von Sprengstoff gefischt. ;-)) Hinzu kommen noch Mitarbeiter anderer Sicherheitsbehörden (namentlich des FSB), die regelmäßig als ein wenig unterbelichtet dargestellt werden.

Die beiden Helden sind schon nicht ganz ernst zu nehmen, ihre Freunde und Kollegen noch weniger. Selbst die Bösewichte kommen irgendwie lustig rüber. (Besonders gefallen mir die Verfolgungsszenen durch die Petersburger Straßen und Kanäle.) Die Serie läßt sich vielleicht am ehesten mit „A-Team“ vergleichen, nur ist sie noch etwas unernster und humorvoller. Und auch hier erhebt sich die Frage, weshalb so etwas dem deutschen Fernsehpublikum vorenthalten wird. Die Einschaltquoten der einschlägigen Comedyserien angelsächsischer Provenienz sollten sich auch damit erreichen lassen.



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Samstag, 16. Oktober 2010

16.10.2010: Spielfilm des Tages

Im Jahre 1995 ist der russische Spielfilm "Die Besonderheiten der nationalen Jagd" (russ. Titel: Osobennosti nazionalnoj ochoty) erschienen. In der Komödie bittet ein junger Finne seinen russischen Freund, ihm die Eigentümlichkeiten des russischen Jagdwesens näherzubringen. So schließen sie sich denn einer illustren Jagdgesellschaft im Nordwesten Rußlands an und erleben dabei einige Abenteuer. Der Film war ein Kassenschlager und ihm folgten weitere, ähnlich aufgemachte Filme, etwa über das Angeln. Nachfolgend kann man ihn in zehn Teilen mit englischen Untertiteln anschauen:
































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Sonntag, 20. Dezember 2009

Im Morgengrauen ist es noch still

In den vergangenen zwei Wochen war es mir möglich, die Neuverfilmung des Klassikers „A sori sdes tichie“ (dt. Titel: Im Morgengrauen ist es noch still) anzusehen. Der Roman von Boris Wassiljew war erstmals im Jahre 1972 verfilmt worden, damals in zwei Teilen mit Spielfilmlänge. 2005 wurde dann eine chinesisch-russische Koproduktion in Angriff genommen, die aus fernsehgerechten zwölf Teilen à 45 Minuten besteht.

Zur Handlung: Ein karelisches Dorf im Frühjahr und Sommer 1942; am Ortsrand befindet sich eine Flakstellung, die von einer Besatzung aus jungen Soldatinnen neu bemannt wird. Das bringt für den Ortskommandanten, einen altgedienten Hauptfeldwebel, allerlei Herausforderungen. Zudem sind die weiblichen Kanoniere nicht unbedingt die besten Soldaten und möchten ihr Kriegshandwerk auf die Flugabwehr beschränken. Wozu muß man als „Senitschik“ mit einem Gewehr umgehen können? Beide Filme berichten von den Anpassungsproblemen der vielen jungen Frauen, die sich nach Kriegsbeginn 1941 in der Sowjetunion zu den Fahnen gemeldet hatten. (Man könnte es auch nennen: Das Problem des Erwachsenwerdens. ;-)) Andererseits wird der alte Soldat durch den Umgang mit den jungen Frauen zwangsläufig ein wenig „ziviler“ - in welcher rein männlichen Kaserne würde er z.B. vor dem Eintreten anklopfen?




Der spannende Teil kommt freilich in der zweiten Hälfte: In der Nähe des Dorfes wird per Fallschirm ein deutscher Kommandotrupp abgesetzt. Dessen Absichten bleiben unklar, aber ein kleiner Trupp, bestehend aus dem Kommandanten und fünf Soldatinnen, nimmt die Verfolgung auf. Zunächst geht es durch ein Moorgebiet und danach durch die typisch nordischen Waldgebiete. Als sich allerdings herausstellt, daß die Deutschen etwa um das dreifache überlegen sind, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen beiden Seiten. Die Sowjets versuchen, einem Gefecht auszuweichen, aber trotzdem nicht die Fühlung zu verlieren.

Eine Soldatin wird zurück ins Dorf geschickt, um Verstärkung zu holen. Leider verliert sie die Orientierung und kommt im Moor um, nur wenige Meter vom rettenden Ufer entfernt. Eine zweite läuft, unter Zurücklassung ihres Gewehrs, durch den Wald, um einen zurückgelassenen Tabakbeutel zu holen. Auch sie kehrt von ihrem „Ausflug“ nicht lebend zurück, sondern fällt im Nahkampf. Eine dritte ist der Belastung psychisch nicht gewachsen, wirft plötzlich ihr Gewehr weg und versucht, mitten durch das Lager der Deutschen hindurch, zu fliehen. Ebenfalls tot. Für das große Gefecht bleiben also nur noch drei Mann übrig – und die schlagen sich bravourös. Doch am Ende wird es auf seiten der Sowjets nur einen, natürlich verwundeten Überlebenden geben: den Hauptfeldwebel.




Insgesamt eine berührende Geschichte, die auch zum Nachdenken anregt. Wie kam es zu diesem hohen Blutzoll? Wohl vor allem durch den Mangel an Ausbildung und Vorbereitung, der durch guten Willen (und Ideologie) allein nicht zu ersetzen ist. Wie orientiert man sich im Gelände? Wie verhält man sich, wenn unmittelbar mit Feindberührung zu rechnen ist? Mitten im Krieg gelten auch für Studentinnen andere Regeln als im tiefsten Frieden an der Uni.

Wenn man sowohl die klassische sowjetische Verfilmung als auch die neue chinesisch-russische gesehen hat, erhebt sich naturgemäß die Frage, welche besser gefällt. Ich bin geneigt zu sagen: die jüngere. Zwar hat der Klassiker für sich, daß er die Handlung etwas kompakter und stringenter darstellt. Doch die Neuverfilmung geht stärker ins Detail, und stellt auch Nebenaspekte dar, was natürlich den Unterhaltungswert steigert. Dafür fehlt ihr der Appell an den Patriotismus der Jugend, welcher in der SU-Fassung stark ist (was m.E. allerdings keinen Minuspunkt darstellt). Und man merkt, daß sie vornehmlich für ein asiatisches Publikum gedacht ist (Wassiljews Buch genießt ich China wohl Kultstatus), denn manche Szenen wirken auf einen Europäer einfach nur komisch.




Erheblich kritisieren muß man freilich die in der Neuverfilmung verwendete Waffentechnik, bei der es das chinesische Fernsehen nicht so genau genommen hat. Daß sowjetischerseits bereits Mosin-Nagant-Karabiner M 1944 geführt werden, könne man vielleicht noch entschuldigen. Aber daß den Deutschen anstatt der MP 40 amerikanische M 3 „Grease Guns“ in die Hand gedrückt werden, ist unverzeihlich. Von weiteren Uniform- und Ausrüstungsdetails der deutschen Seite will ich jetzt gar nicht erst reden. Zudem ist es lächerlich, wie aus einem ordinären Karabiner mittels eines offenkundigen Billig-Zielfernrohrs, das auf die Kimme montiert wird, ein Scharfschützengewehr gemacht werden soll – ohne Einschießen natürlich.

Dennoch lohnt es sich, beide Filme anzusehen, zumal es die Erstverfilmung auch in deutscher Sprache gibt. Ich halte beide für mit die besten Kriegsfilme sowjetischer bzw. russischer Provenienz, denn sie verfügen über eine gute Mischung aus nachdenklichen und Action-Szenen. Die Erstverfilmung ist online auch mit englischen Untertiteln greifbar (Teil 1 beginnt hier, Teil 2 hier); die Neufassung kann man z.B. hier erwerben.
Die ersten beiden Videos in diesem Beitrag stammen aus dem 72er Film, die beiden letzten aus der neuen Serie.




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Samstag, 26. September 2009

Vier Panzersoldaten und ein Hund

Vor zwei Wochen konnte ich mir einen seit Jahren gehegten Wunsch erfüllen und die DVDs einer polnischen Fernsehserie erstehen, die für viele Ostdeutsche Kultcharakter hat. Doch auch in Polen, in Rußland und sogar in Israel hat sie zahlreiche Fans. Die Rede ist von „Vier Panzersoldaten und ein Hund“ (poln. Originaltitel: Czterej pancerni i pies, russ. Titel: Четыре танкиста и собака). Seit ich die Serie 1988 - damals noch im zarten Kindesalter - erstmals im DDR-Fernsehen gesehen hatte, wollte ich sie noch einmal anschauen. Leider war dies in Deutschland bis dato nicht möglich. Die Gründe dafür sind mir schleierhaft, vielleicht ist es Angst vor vermeintlicher kommunistischer Propaganda? Doch in Kolberg war es endlich möglich, eine DVD-Kollektion des polnischen Fernsehens zu erwerben, die glücklicherweise über deutsche und englische Untertitel verfügt.

Die insgesamt 21 Folgen, die auf dem gleichnamigen Roman von Janusz Przymanowski basieren, sind von 1966 bis 1970 entstanden und stellten bei ihrem Erscheinen eine kleine Revolution dar. Wurde doch der zweite Weltkrieg nicht mehr schwermütig, pathetisch und propagandistisch verarbeitet, sondern ein wenig lockerer und sogar humorvoll. Die Serie hat die richtige Mischung von allem, was einen guten Kriegsfilm ausmacht: Abenteuer, Waffen, Kampf, Kameradschaft, Liebe, Pathos, Emotionen, ohne es mit einem davon zu übertreiben. Zudem hält sich die Gewaltdarstellung in Grenzen, weshalb keine „Verrohung der Jugend“ zu befürchten ist.




Inhaltlich geht es um einen jungen Polen namens Janek, der 1943 in der Sowjetunion lebt und sich dort als Jäger verdingt. Eigentlich sucht er seinen Vater, der 1939 einer der Verteidiger der Westerplatte war. Als es nun zur Aufstellung polnischer Truppen in der UdSSR – der Polnischen Volksarmee (poln. Abk.: LWP) – kommt, meldet er sich freiwillig, um für die Befreiung seiner Heimat zu kämpfen. Er und sein Jagdhund Scharik kommen zu einer Panzerbrigade, womit die Abenteuer ihren Lauf nehmen, die ihn und seine Kameraden bis zum Mai 1945 nach Berlin führen werden. (Mehr dazu bei Wikipedia.)
Teile der Handlung sind allerdings rein fiktiv. So halte ich es etwa für unwahrscheinlich, daß Deutschland in Pommern eine Atomfabrik betrieben und im Frühjahr 1945 eine Seelandung zur Evakuierung dieser Fabrik organisiert hat. Auch die säbelschwingenden Kavalleristen, die in zwei Episoden auftauchen, dürften vor allem eine Remineszenz an den Glorienschein vergangener Zeiten sein. Doch sollte man dies unter künstlerischer Freiheit verbuchen, schließlich handelt es sich nicht um eine Dokumentation.

Die Serie ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch hochinteressant. Es wimmelt von mehr oder weniger versteckten Andeutungen zu historischen oder politischen Fragen (wenn man sie denn versteht), ohne daß diese in epischer Breite ausgewalzt werden. Beispiel: Bei ihrem Vormarsch in Pommern greifen sie einen deutschen Jungen auf, der seine Eltern verloren hat. Zum Abschied schenkt ihm der Georgier Gigorij einen Spielzeugfrosch, woraufhin ein Pole meint, Grigorijs Säbel wäre ein besseres Geschenk gewesen, damit der Junge seine Zähne behält. Oder: Im Frühjahr 1945 verlieren sie ihren Jeep, woraufhin sie in ein Lager der Roten Armee einbrechen und einen anderen stehlen. Dabei stellen sie fest, daß es sich um ihr eigenes Fahrzeug handelt. Ihr Kommentar: Unter Nachbarn kann es schon einmal vorkommen, daß man sich gegenseitig beklaut. ;-)



Selbst der Spitzname „Ogonjok“ (dt.: Flämmchen) von Janeks Verlobter Marusia, einer Sanitäterin der Roten Armee, scheint mir kein Zufall zu sein. Denn 1943 ist in der SU ein gleichnamiges Lied entstanden, in dem es um einen Soldaten geht, der seine Liebste so nennt. Überhaupt sind die Frauen ein eigenes Thema in „Vier Panzersoldaten und ein Hund“. Der Held, Janek, kann sogar zwischen zweien wählen. ;-) Und auch seine Kameraden knüpfen Kontakte zum anderen Geschlecht. Dennoch bleibt das alles im Rahmen, ohne sich in schwülstigen Liebeserklärungen zu verlieren. Hier zeigt sich wiederum die Stärke des Films: Lieber ein paar kurze Andeutungen, die die Phantasie des Zuschauers anregen, als ein Auswalzen um jeden Preis. Zudem dürfte dies eher der Realität von Frontbeziehungen im 2. WK entsprechen als alle pathetischen Schilderungen (siehe auch hier).
Mit den gezeigten Soldatinnen sollte man übrigens nicht spaßen, denn sie führen nicht nur Waffen, sie verstehen auch, damit umzugehen. ;-)



Bezeichnend ist ferner die Begegnung mit einem Offizier der alten polnischen Armee, der seit 1939 in einem deutschen Kriegsgefangenenlager saß und gerade freigekommen ist. Er fragt seinen früheren Untergebenen, welcher jetzt in der LWP dient, was er „in dieser Armee“ (nicht: „in unserer Armee“!) tue. Dann nimmt er ein Mosin-Nagant in die Hand, schüttelt es und stellt fest, daß es klappert. Seine Bemerkung dazu: „Die Mauser aus Radom hat nicht geklappert.“

Damit ist bereits angedeutet, daß der Waffenfreund in dieser Serie nicht zu kurz kommt. Janek ist ein hervorragender Schütze, und so sieht man ihn mit einer Jagdflinte, einem Mosin-Nagant-Karabiner, einem Karabiner 98 mit Zielfernrohr und einer PPSch-41. Doch meistens führt er eine erbeutete C-96-Pistole. An Blankwaffen wird ebenfalls einiges aufgeboten. Ich kenne nur wenige Filme, in denen sie derart häufig gezeigt werden und wo sich die Darsteller über die Vorzüge bestimmter Modelle oder eine Klingeninschrift unterhalten. Der geneigte (junge) Zuschauer lernt daraus vor allem, daß ein richtiger Mann immer ein Messer bei sich trägt. (Vielleicht liegt hier der Grund für mein Interesse an Blankwaffen? Irgendeine frühkindliche Prägung muß es doch gewesen sein. ;-))
Doch ein gewaltiger Fauxpas ist den Filmemachern unterlaufen. Während in einer Szene der Folge „Wysoka fala“ kurz ein Sturmgewehr 44 auftaucht und damit auch geschossen wird, ist selbiges danach durch eine AK-47 ersetzt worden (vgl. Bild 4). Das paßt natürlich nicht. Ansonsten hat man sich weitgehend um Originaltreue bemüht, selbst wenn fahrzeugmäßig nur noch die T-34-Panzer zeitgenössisch sind. Doch damit kann der Zuschauer, denke ich, leben.



Erstaunlich offen ist der Umgang mit einem anderen brisanten Thema: Diebstähle oder, moderater formuliert, dem Besitzerwechsel bei mehr oder weniger herrenlosen Sachen. Ein neuer Rekrut namens Tomasz, seiner Herkunft nach Bauernsohn, versucht, möglichst viel Beute zu machen und mit in sein heimatliches Dorf zu nehmen. Egal, ob eine Kuh hinter dem Panzer hergetrieben wird oder ob er sich an einem Plattenspieler (aus einem zerstörten Propagandawagen) oder an typisch deutschen Kuckucksuhren erfreut. Nur mühsam gelingt es seinen Kameraden, ihn insofern zu besänftigen. Hier zeigt sich das Kriegerleben in einer sehr urwüchsigen Form.

Gewiß, auch in „Vier Panzersoldaten und ein Hund“ findet sich Propaganda, allerdings mehr polnisch-patriotische denn kommunistische. Es ist deutlich weniger, als in vielen anderen Filmen, zumal solchen aus der Zeit des Kalten Krieges. Aufgefallen sind mir lediglich drei Szenen: Erstens wird Danzig als polnische Stadt bezeichnet, die man jetzt zurückgewonnen hätte. Ebenso wird alles Land östlich der Oder als genuin polnisch angesehen. Historisch betrachtet ist beides zwar Unfug, aber in Polen wohl nach wie vor herrschende Meinung. Und in der letzten Folge wird gegen pazifistische Tendenzen angegangen, als Gustlik meint, man habe kein Recht, seine Waffen wegzuwerfen, solange es die anderen nicht ebenfalls tun. (Letzteres erachte ich übrigens für eine sehr vernünftige Einstellung.)
Desweiteren hält sich sogar die Germanophobie in engen Grenzen. Ich kenne polnische und sowjetische Filme, in denen die Soldaten der deutschen Wehrmacht durchgängig als sadistische Bestien gezeichnet werden. Dem ist hier erfreulicherweise nicht so.



So, jetzt aber genug gelobt. ;-) Weitere umfangreiche Informationen zur Serie gibt es u.a. hier, hier, hier, hier, hier und hier. Es gab auch einmal eine deutsche Fanseite im Netz, die mittlerweile jedoch verschieden ist. In Polen existiert jedenfalls ein Diskussionsforum sowie ein Blog zur Serie.
Wenn man den polnischen Originaltitel oder die russische Übersetzung in die Videosuche von Google eingibt, so stößt man auf zahlreiche Videos mit Ausschnitten sowie auf mehrere Folgen in voller Länge. Einen Großteil der Filme sollte man außerdem hier und hier (inkl. Musikstücken) finden.
Die DVDs können hierzulande z.B. über Amazon.de bezogen werden. (Insofern ist die Lage besser als bei manchen russischen Filmen, die in Deutschland fast gar nicht erhältlich sind.)




Das erste Video (o.) beinhaltet die Eingangssequenz mit dem Titellied, das von Edmund Fetting gesungen wird. Das zweite stellt den Anfang der ersten Folge und somit Janeks Leben als Jäger in Ostsibirien dar. Im letzten Video singt Marusia ein Lied über die vier Panzersoldaten.

PS: Ja, es gibt ein Happy End. Janek findet seinen Vater - lebend. Und in der letzten Folge wird geheiratet ... ;-)




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26.09.2009: Spielfilm des Tages

Der Regisseur Sergej Bondartschuk hat mehrere Meisterwerke hinterlassen, darunter seine Verfilmung des Tolstoj-Klassikers "Krieg und Frieden". Daraus stammen die vier folgenden Szenen, die die Schlacht bei Borodino am 07.09.1812 darstellen.













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Freitag, 25. September 2009

25.09.2009: Video des Tages

Recht so, Crocodile Dundee! So geht man mit Gesocks um.



Sonntag, 17. Mai 2009

Filmkritik: "Apostol"

Webseiten, die es dem Besucher ermöglichen, Spielfilme online anzusehen, sind ein großer Segen des Internetzeitalters. Auf diesem Weg kann man auch Filme ansehen, von deren Existenz man zuvor nichts wußte. So ist es mir vor einigen Wochen mit der zwölfteiligen russischen Fernsehserie „Apostol“ (dt.: Apostel; vgl. hier und hier) aus dem Jahr 2007 ergangen, die auf Russianremote.com zur Verfügung steht. Beeindruckt hat mich nicht nur die filmische Umsetzung (inklusive der Leistung der Schauspieler), sondern vielmehr noch die Handlung.

Wir schreiben das Jahr 1942. Deutsche Truppen stehen tief auf dem Territorium der Sowjetunion. Ein junger Mann, vom Typ her Lebenskünstler und Kleinkrimineller, war in deutsche Gefangenschaft geraten und hat sich dort der Abwehr als Agent zur Verfügung gestellt. Bei der Infiltration in seine Heimatstadt wird er jedoch, zusammen mit einem Kollegen, erkannt, festgenommen und von den Organen des NKWD verhört. Anstatt auf deren Angebote für ein Doppelspiel einzugehen versucht er zu fliehen – und stirbt dabei. Dem leitenden NKWD-Offizier stellt sich nunmehr die Frage, wie er seine Pläne, mit dem deutschen Nachrichtendienst zu spielen, um die Hintermänner zu enttarnen, weiterverfolgen kann (Codename der Operation: Apostol). Dabei kommt er auf den Bruder des toten Agenten. Damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Jener Mann ist das genaue Gegenteil seines Bruders: ein eher weicher, musischer Mensch, intellektueller Typ, Lehrer in einem kleinen Dorf, kinderlieb und frisch verheiratet. Kurzum: Er führt ein geradezu idyllisches Leben. Und mit dem Einbruch des Krieges und der Geheimdienstintrigen sollte sich das alles gründlich ändern. Die junge Familie wird schweren Prüfungen unterzogen und fast zerstört (man könnte insoweit an Hiob denken).
Es beginnt damit, daß er gegen seinen Willen dem NKWD beitreten und die Identität seines verblichenen Bruders annehmen muß. Zu diesem Zweck muß er sich – da Brillenträger – einer Augenoperation unterziehen. Problem: Der einzige Spezialist, der diese OP durchführen kann, sitzt im Gulag. Ergo muß er entlassen, zurück nach Moskau gebracht und wieder als Chefarzt eingesetzt werden. Kein Problem für den NKWD. Während der Rückfahrt erlebt der Zuschauer die erste von mehreren bedrückenden Szenen des Films: Der Wagen mit dem Ex-Gefangenen an Bord legt einen Zwischenstop in einem anderen Straflager ein, wo der begleitende NKWD-Mann seine Frau besucht, die dort inhaftiert ist. Dort sieht man den harten Burschen dann plötzlich weinen.

In diesem Stil geht es weiter. Erst wird einem Gefangenen als Lohn für seine Kooperation ein Freßpaket gegeben, doch fünf Minuten später bekommt er dann eine Kugel in den Kopf. Oder der leitende NKWD-Offizier wird wegen angeblicher Spionage und Erfolglosigkeit seiner Operation denunziert und von seinen eigenen Kollegen gefoltert. Seine alte Mutter, ebenfalls von der Folter zermürbt, bezichtigt ihren eigenen Sohn, ein deutscher Agent zu sein. Ja, so wird man sich die Realität im stalinistischen Sicherheitsapparat wohl vorstellen müssen; viele Quellen weisen in die gleiche Richtung.
Der junge Held des Films nimmt die vorgesehene Entwicklung. Er lernt seine Rolle als deutscher Agent, wird dann auch erfolgreich in die besetzten Gebiete geschleust und kann sich dort einleben. Doch um welchen Preis! Seiner Frau, die sich jetzt allein um ihren Adoptivsohn kümmern muß, ist gesagt worden, ihr Mann sei bei einem Verkehrsunfall umgekommen. Sie verlangt, die Leiche zu sehen und weiß hinfort, daß er noch lebt. Da sie sich nicht mit der amtlichen Version zufrieden gibt, wird sie in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, gefesselt und unter Drogen gesetzt. Daran zerbricht sie fast. Und als ob das alles nicht schlimm genug gewesen wäre, muß sie auch noch die Vergewaltigungen des Chefarztes über sich ergehen lassen. Ihr Junge befindet sich derweil in einem Kinderheim, aus dem er aber immer wieder wegläuft.

Am Ende des Films, das im Iran spielt, gelingt es dem Helden zwar, den deutschen Agentenführer zu enttarnen (sein eigener Vater!), doch auch dieser Erfolg ist bitter erkauft. So muß er seinen „väterlichen Freund“ aus dem NKWD (der inzwischen wieder im Amt und Würden ist) mit dem Tode bedrohen, um so die Ausreise seiner Familie aus der UdSSR zu erzwingen, da er mit ihnen gemeinsam ein neues Leben beginnen will. Der Film läßt allerdings die Frage, ob es tatsächlich zu einer Familienzusammenführung kommt, offen.

„Apostol“ ist nicht nur ein äußerst spannender Spionagethriller, sondern darüber hinaus auch eine eindrucksvolle Darstellung des stalinistischen Systems. Wer heute Täter ist, kann morgen schon Opfer sein (und umgekehrt). Die Obrigkeit geht rücksichtslos über Leichen; Mitleid oder Fürsorge für die eigenen Leute sind unbekannt. Statt einer für die Betroffenen nachvollziehbaren (System-)Rationalität herrscht die pure Willkür. Ein derartiges, strukturell unfreundliches bis unmenschliches Umfeld zwingt dazu, selbst hart und rücksichtslos zu werden, nur um zu überleben. Folglich hilft es auch nicht weiter, oberflächlich zu moralisieren und die Welt in Gute und Böse einzuteilen, denn dort es gelingt kaum jemandem, seine „Unschuld“ zu bewahren. Man kann den ungeheuren Druck, die starke psychische Anspannung, unter der die Betroffenen - zusätzlich zu allen physischen Leiden - gestanden haben, förmlich spüren.
Der Film trägt auf seine Weise dazu bei, das Leben in der Sowjetunion der Stalin-Ära besser zu verstehen. Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen.

Desweiteren ist bemerkenswert, daß „Apostol“ nicht in irgendeinem Samisdat-Studio entstanden ist, sondern vom offiziösen Ersten Kanal in Auftrag gegeben wurde (der auch den gestrigen Eurovisions-Wettbewerb veranstaltet hat). Damit gesellt sich diese Serie zu einer Reihe weiterer Filme, die in den letzten Jahren entstanden sind und den stalinistischen Terror kritisch aufgearbeitet haben. Das prominenteste Beispiel dafür ist wahrscheinlich die 2006 entstandene Verfilmung von Alexander Solschenizyns Buch „Der erste Kreis der Hölle“ (vgl. hier und hier); Auftraggeber war die staatliche Rundfunkanstalt WGTRK – im Kontext der russischen Gesellschaft also ebenfalls Mainstream. Bedauerlich ist nur, daß diese Tatsachen von manchen pseudoliberalen Volkspädagogen konsequent ignoriert werden, die statt dessen mit der Mär einer angeblichen Stalin-Renaissance im heutigen Rußland hausieren gehen.




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Freitag, 15. Mai 2009

15.05.2009: Musik des Tages

Nachfolgend der zweite Ohrwurm, den ich seit dem Wochenende immer wieder summe: "Nam nuzhna odna pobjeda" (dt.: Wir brauchen einen Sieg). Ursprünglich stammt das Lied aus dem Spielfilm "Belorusskij woksal"; es wird hier von Anita Zoj vorgetragen. Im Text geht es um ein (vermutlich imaginäres) 10. Luftlandebataillon während des Zweiten Weltkrieges.



Montag, 30. März 2009

30.03.2009: Musik des Tages

Zum Wochenstart erfreut uns heute die Musik aus dem Film "V zone osobogo vnimaniya".



Samstag, 14. März 2009

14.03.2009: Spielfilm des Tages

Im Dezember hatte ich den Film hier schon einmal vorgestellt, jetzt ist er auch bei Youtube mit englischen Untertiteln greifbar: "Der Admiral". Erzählt wird in einer freien, aber dennoch teilweise sehr eindrucksvollen Darstellung die Biographie des Admirals Koltschak. Viel Spaß!





(Zum Navigieren zwischen den Teilen 1 bis 12 bitte die Leiste im unteren Teil des Youtube-Fensters oder die Pfeilsymbole auf der rechten und linken Seite verwenden.)

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Samstag, 28. Februar 2009

28.02.2009: Spielfilm des Tages

Im Jahre 2002 ist der heutige Film als deutsch-russische Koproduktion entstanden: "Russische Arche - Eine einzigartige Zeitreise durch die Eremitage" (russ.: Russkij Kowtscheg; vgl. auch hier, hier und hier).

Darin wandert ein unbenannter und nicht gezeigter Erzähler durch den Winterpalast in St. Petersburg und trifft auf zahlreiche wirkliche und erfundene Gestalten aus den letzten dreihundert Jahren der russischen Geschichte. Begleitet wird er dabei vom Marquis de Custine, einem französischen Adligen, der Rußland im Jahr 1839 tatsächlich bereist hatte.
Der Film besteht aus einer einzigen, über neunzigminütigen, mit Steadicam gefilmten Einstellung, in der 33 Räume des Museums passiert und dabei über zweitausend Schauspieler, die meisten davon Statisten, inszeniert werden.

Auf Russianremote.com ist der Film in voller Länge zu sehen. Leider kann er hier nicht eingebettet werden, so daß der Verweis genügen muß.

Bei Youtube sind nur Trailer greifbar, z.B. der folgende:


Samstag, 14. Februar 2009

14.02.2009: Spielfilm des Tages

Der heutige Film mit dem Titel "Die Entführung der 'Savoy'", eine polnisch-sowjetische Koproduktion aus dem Jahr 1979, spielt in Südamerika und erzählt eine fiktive Geschichte. Eine illustre Reisegesellschaft aus Polen, Russen und Franzosen gerät in eine Flugzeugentführung, die von Drogendealern begangen wird. Deren Anführer sind wiederum alte NS-Funktionäre, die sich so ihr Exil finanzieren. Nach einer Notlandung mitten im Dschungel müssen die Helden dann allerlei Abenteuer bestehen ...
Der Film besteht hier aus neun Videos mit englischen Untertiteln.




(Zum Navigieren zwischen den Teilen 1 bis 9 bitte die Leiste im unteren Teil des Youtube-Fensters oder die Pfeilsymbole auf der rechten und linken Seite verwenden.)

Samstag, 31. Januar 2009

31.01.2009: Spielfilm des Tages



Vor 172 Jahren, am 27. Januar 1837, duellierte sich der russische Dichter Alexander S. Puschkin mit dem Gardeoffizier Georges-Charles de Heeckeren d’Anthès. Puschkin wurde in diesem Gefecht schwer verwundet (Bauchschuß) und starb zwei Tage später. (Siehe auch hier.)
Uns modernen Menschen mögen Ehrenhändel wild und fremd erscheinen, im 18. und 19. Jahrhundert gehörten sie bei Offizieren und Akademikern aber einfach zum Leben dazu. Und Puschkin war nicht der erste Prominente, der im Duell gefallen ist.

Im Jahre 2006 wurde dieses "Letzte Duell Puschkins" (russ. Titel: Puschkin, poslednaja duel) verfilmt. Der Film erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Puschkins Sekundanten. Regie führte Natalja Bondartschuk, die Tochter des berühmten Sergej Bondartschuk.

Das erste Video ist nur ein Trailer zum Film - den es hier zudem online in der Originalversion (in voller Länge) gibt. Das zweite Video beinhaltet die englische Fassung des Films - allerdings nur die ersten fünf Minuten, für die Vollversion muß noch ein (kostenloser) Player installiert werden (siehe hier).


Dienstag, 27. Januar 2009

Der Untergang des Empire

Ich habe schon immer gesagt, daß Sean Connery und Roger Moore die einzig wahren James Bond-Darsteller waren. Und daß die besten Bond-Filme diejenigen nach der Originalvorlage von Ian Fleming sind. Bestätigt wurden diese Vorbehalte kürzlich von Daniel Craig in einem Interview, worin er mitgeteilt hat, daß er Angst vor Waffen habe: "James Bond is afraid of guns".
Der gute, alte James Bond ist dahin. Ebenso wie das Empire, dem er in der Stunde seiner Auflösung gedient hatte. Die Nation, die früher die halbe Welt beherrscht hat, empfindet es heute als selbstverständlich, daß sich Geheimagenten vor Waffen fürchten. Tony Blair & Co. haben mit ihrer kollektiven Gehirnwäsche offenbar ganze Arbeit geleistet. :-(

27.01.2009: Video des Tages

Heute vor 172 Jahren, am 27. Januar 1837, fand in St. Petersburg das berümt gewordene Duell, in dem Alexander Puschkin schwer verwundet wurde, statt. (Am Samstag werde ich darauf noch weiter eingehen.)
Puschkin selbst hatte das Thema des Ehrenhändels schon zuvor in seinem Roman "Eugen Onegin" verarbeitet. Dieses Video besteht aus Szenen der Verfilmung des Buches aus dem Jahre 1999. Die Musik mit dem Titel "Romeo und Julia" stammt von Prokofjew.



Samstag, 17. Januar 2009

17.01.2009: Spielfilm des Tages

Im Jahre 1877 tobte einer der zahlreichen Russisch-türkischen Kriege auf dem Balkan. Es ging um die Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft. Vor diesem Hintergrund spielt Boris Akunins Roman "Turezkij Gambit" (dt.: Türkisches Glücksspiel), das als Vorlage für den heutigen Film mit gleichem Namen gedient hat (vgl. auch hier und hier). (Das Buch ist übrigens auch auf Deutsch erschienen.)

Der Held des Films, Erast Fandorin, ermittelt gegen einen türkischen Agenten in den verbündeten Streitkräften. Unterstützt wird er dabei von einer jungen Dame, die eigentlich nur ihren Verlobten (einen Chiffrieroffizier des Stabes) besuchen wollte. Die beiden erleben so zahlreiche Abenteuer ...
Und wie es sich für einen Kriegsfilm gehört, werden dem Zuschauer auch nette Kampfszenen geboten: Revolver und Unterhebelrepetierer auf einem europäischen Kriegsschauplatz, ein Ballon für die Artilleriebeobachtung u.a.m. Das Ganze ist unheimlich spannend gemacht.

Der Film besteht aus zwölf Videos in russischer Sprache mit englischen Untertiteln.



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PS: Als Experiment möchte ich bis zum Frühjahr regelmäßig am zweiten und vierten Samstag jeden Monats einen russischen Spielfilm (in der Regel mit Untertiteln) hier im Blog präsentieren.

Donnerstag, 1. Januar 2009

01.01.2009: Spielfilm des Tages

Zunächst möchte ich meinen Lesern alles Gute für das neue Jahr wünschen!
Happy new year!
С новым годом!


Zu Neujahr ist wieder Gelegenheit, einen klassischen Spielfilm aus der UdSSR anzuschauen: "Kavkazskaya plennitsa" (dt.: Entführung auf kaukasische Art). Eine kurzweilige Komödie von 1967; in diesen acht Videos dankenswerterweise mit englischen Untertiteln versehen.

Über die Handlung schreibt Wikipedia:
"A kind, yet naïve, student named Shurik (Demyanenko) goes to a place in the Caucasus to learn the ancient customs of the locals and falls in love with a girl called Nina (Natalya Varley). Her uncle (Frunzik Mkrtchyan) sells her as a bride without her knowledge and arranges to have her kidnapped by the eccentric trio: Coward, Fool and Experienced. After a failed attempt, the uncle decides to trick Shurik into helping with the kidnapping - telling him that it is a traditional custom and that it was Nina's own wish. Shurik goes through with the kidnapping, and does not figure out what has really happened at first, but with the help of a friend he manages to rescue Nina from her captors."
Viel Spaß! ;-)




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Samstag, 27. Dezember 2008

Die (fehlende) russische Geschichtspolitik

Vorbemerkung: Mein gestriger Beitrag über den neuen Koltschak-Film "Der Admiral" hatte einige wichtige Fragen ausgeklammert, die nachfolgend diskutiert werden sollen, nämlich die geschichtspolitischen Aspekte dieses Films über den russischen Bürgerkrieg. Mit anderen Worten: Was sagt uns "Der Admiral" über den Umgang der Russen mit ihrer Geschichte? Läßt sich am Film und an anderen aktuellen Tendenzen so etwas wie eine staatliche Beeinflussung der Geschichtsdarstellung und -wahrnehmung feststellen?

1. Sowjetnostalgie?

Der Film hat zunächst - wieder einmal - die gern von vielen Medien kolportierte Vorstellung widerlegt, im heutigen Rußland herrsche weithin eine Sowjet- und Stalinnostalgie. Im Gegenteil:
"But it is interesting to note yet another facet of the conflicted Soviet legacy here: In modern Capitalist Russia, the Reds are sneaky and evil, and the Whites are heroic, God-fearing, Tsar-loving real Russians, pure and simple."
Oder wie es die Berliner Zeitung formuliert hat:
"Diese Szene, vor allem aber später der Angriff weißer Truppen unter General Kappel gegen Stellungen der Roten greifen Szenen aus der sowjetischen Filmgeschichte auf und deuten sie um. Wie in "Tschapajew" - dem Filmklassiker über einen roten Truppenführer, der bis heute als geliebte Witzfigur weiterlebt - marschieren die Weißen in Reih' und Glied auf ein Maschinengewehr zu. Aber sie tun das nicht mehr aus zaristischer Überheblichkeit, wie in der Vorlage von 1934, sondern weil ihnen die Munition ausgegangen ist; nicht in Paradeuniformen, sondern als abgerissene tapfere Soldaten.
Auch die Kamera hat die Seite gewechselt und sich unter die Weißen begeben. Diesen ideologischen Seitenwechsel haben viele Kritiker bemängelt. Folgt nun auf die einseitige Verurteilung der Weißen ihre ebenso einseitige Idealisierung - jedenfalls "bis zum nächsten Umsturz", wie die Nesawisimaja Gaseta scherzt? Nur die Filme der späten Sowjetzeit, konstatiert der Kommersant betrübt, hätten ein ausgewogenes Bild der Weißgardisten gezeigt, "die goldene Mitte zwischen Ausgeburten der Schurkerei und Engeln mit Flügelchen"."
Hier zeigt sich, daß es gerade die sog. "Liberalen" in Rußland sind, die der sowjetischen Geschichtsdarstellung hinterhertrauern.

2. Xenophobie?

Ein weiterer Vorwurf, der gegen den Film erhoben wurde, ist der der Fremdenfeindlichkeit:
"It is a French general and Czech forces who, in the end, deliver Kolchak to the Bolsheviks for execution. [...] In line with Russian ideology today, a foreigner can only be a foe, Gladilshchikov wrote."
Abgesehen davon, daß ich mich völlig außerstande sehe, so etwas wie eine zeitgenössische "russische Ideologie" zu erkennen, sprechen die historischen Fakten eine andere Sprache. Ich darf dazu aus Orlando Figes: "Die Tragödie eines Volkes", einem der Standardwerke zur Epoche von Revolution und Bürgerkrieg, zitieren (S. 697):
"Am 4. Januar 1920 erklärte Koltschak seinen Rücktritt, übergab den Befehl über seine Armee an Semjonow und fuhr mit den Tschechen nach Irkutsk, wo er erwartete, den alliierten Missionen übergeben zu werden. Er wurde jedoch hintergangen und an die Irkutsker Bolschewiki ausgeliefert. Soweit es sich heute feststellen läßt, lieferten die Tschechen ihn und sein Gold sehr wahrscheinlich im Tausch gegen eine sichere Durchfahrt nach Wladiwostok aus, von wo aus sie sich schließlich auf ihrer Heimreise rund um den Erdball nach Amerika einschiffen konnten. Weder das politische Zentrum noch die alliierten Missionen unternahmen etwas, um den Admiral zu retten."
Es ist unter Historikern unstrittig, daß die Tschechoslowakische Legion im Bürgerkrieg eine zwielichtige Rolle gespielt hat; ebenso ist das Taktieren namentlich der französischen Interventionstruppen durch zahlreiche Quellen belegt. Mithin gibt es im Film keinerlei Anhaltspunkte für die behauptete Xenophobie.



3. Mangel an Geschichtspolitik und Politischer Korrektheit

Kennzeichnend für das heutige Rußland ist vielmehr die von der Berliner Zeitung mit Verwunderung konstatierte Polarisierung, die der Film ausgelöst hat. Ist der Regisseur Patriot oder Geschichtsrevisionist, wie das Neue Deutschland fragt. Ist der "Admiral" eine Verunglimpfung der Oktoberrevolution oder das längst überfällige Gegengewicht zur jahrzehntelangen kommunistischen Propaganda? Keine dieser Fragen wird eindeutig und endgültig beantwortet. Folglich existieren verschiedene Geschichtsbilder nebeneinander her - ohne daß es zu einer staatlichen Intervention zwecks Durchsetzung einer bestimmten Meinung kommen würde. Dies ist das hervorstechendste Merkmal der aktuellen Geschichtsdebatten in Rußland.
Es gibt eben nicht nur Stalin-Fans, sondern auch solche des Generals Wlassow; nicht nur Anhänger Lenins, sondern auch Verehrer Koltschaks oder Kerenskijs. Alle diese dürfen sich weitgehend frei äußern und miteinander streiten. Dergleichen hat man sich in Deutschland, wo z.B. der § 130 StGB der historischen Forschung eine inhaltliche Linie vorgibt, mittlerweile entwöhnt. Anders kann ich es mir nicht erklären, daß man in den hiesigen Medien so gern und oft auf einseitige Darstellungen ausweicht: entweder beklagt man die "Weißwaschung" Koltschaks oder man behauptet eine angeblich weit verbreitete Stalinnostalgie - und erkennt nicht, daß sich beides gegenseitig ausschließt.

Illustriert wird das eben Gesagte durch die beiden Fotos über und unter diesem Abschnitt, aufgenommen in Moskau im September 2007. Es ist keineswegs ungewöhnlich, an einem Gebäude eine Tafel zu finden, die an irgendwein - mit Lenin verbundenes - revolutionäres Ereignis erinnert. Gleichzeitig ist im selben Gebäude ein Geschäft für Luxusgüter untergebracht und davor stehen zuhauf Nobelkarossen, die sich auch die meisten Deutschen niemals werden leisten können. Wenn Lenin das sehen könnte, würde er vermutlich in seinem Mausoleum rotieren. ;-)

Die in Rußland herrschende Offenheit bezüglich historischer Forschung und der Diskussion ihrer Ergebnisse kann man außerdem daran ermessen, daß zahlreiche russische Historiker Arbeiten zur Präventivkriegsthese vorgelegt haben (und daß darüber auch offen diskutiert wird), für die sie in Deutschland als vermeintliche "Neonazis" stigmatisiert worden wären.



Der Beitrag wird morgen mit einem zweiten Teil fortgesetzt.


Nachtrag (28.12.2008): Die angekündigte Fortsetzung wird es - zumindest in der geplanten Form - vorerst nicht geben, da sich das Thema als sehr komplex erwiesen hat - zu aufwendig und zu lang für ein Weblog. Sollte seitens meiner Leser dennoch Interesse bestehen, bitte ich darum, dies kundzutun. Danke.


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