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Dienstag, 1. März 2011

"Russland investiert Rekordsumme in neue Waffen und High-Tech-Armee"


In der vergangenen Woche hat der stellvertretende Verteidigungsminister der Rußländischen Föderation eine Pressekonferenz abgehalten, auf der er Eckdaten des staatlichen Rüstungsprogramms bis zum Jahr 2020 bekanntgegeben hat. Die angekündigten umfangreichen Beschaffungen von Militärmaterial sehe ich jedoch mit einiger Skepsis. Nicht, daß die russischen Streitkräfte keinen Bedarf für eine solche Modernisierung hätten. Im Gegenteil, von wenigen punktuellen Ausnahmen abgesehen befinden sie sich heute auf dem technischen Stand der 1970er und 80er Jahre. Ein drastisches Beispiel hierfür ist die Schwarzmeerflotte, deren Kampfschiffsbestand in den nächsten zehn Jahren fast vollständig außer Dienst gestellt werden muß. Der Bedarf für neue Systeme ist somit enorm, auch wenn die Armeestärke in den letzten Jahren deutlich gesunken ist.

Es bleiben jedoch Zweifel an der Umsetzung eines derart ehrgeizigen Programms. Selbst wenn die Finanzierung gesichert wäre, ist es fraglich, ob die zum Teil nur noch aus Rudimenten bestehende Rüstungsindustrie in kurzer Zeit zur geforderten Hochform auflaufen kann. Auf welchen Werften sollen etwa in neun Jahren die angekündigten 100 Marineschiffe gebaut werden? M.W. sind entsprechende Schiffbaukapazitäten derzeit nicht vorhanden. Papier ist bekanntlich geduldig (in Deutschland ebenso wie in Rußland) und man wird wohl noch bis etwa 2015 warten müssen, um die Ankündigungen endgültig zu beurteilen.

Zur Information wird nachfolgend ein Kommentar von RIA Nowosti wiedergegeben:
"[...]

Russlands Verteidigungsministerium hat am Donnerstag Einzelheiten zum „Rüstungsprogramm 2020“ bekannt gegeben.
Bis 2020 sollen 100 Schiffe (darunter 20 U-Boote), 600 Flugzeuge und 1000 Hubschrauber angeschafft werden.

Zudem befindet sich zurzeit ein neuer Langstreckenbomber und eine hochintelligente schwere ballistische Rakete in der Entwicklung. Auch die Soldaten kommen nicht zu kurz. Laut Vizeverteidigungsminister Wladimir Popowkin wird gerade über den Erwerb einer kleinen Partie von modernen Felin-Kampfanzügen verhandelt (Ausrüstung für den „Soldaten der Zukunft“: Waffen, Munition, schusssichere Weste, Schutzhelm mit zwei Displays und einem Mikrofon, Kommunikationsmittel und anderes High-Tech). Russland will bei den Franzosen nur einige Kampfanzug-Partien kaufen. Bis 2020 will Russland eine eigene Soldatenausrüstung entwickeln.

Staatsprogramm 2020

Wie Popowkin auf einer Pressekonferenz in Moskau verkündete, sind zehn Prozent der für das Rüstungsprogramm bereitgestellten Summe (insgesamt über 19 Billionen Rubel, 1 Euro = ca. 40 Rubel) für Forschungen und die Entwicklung neuer Waffen bestimmt.

Den größten Ausgabeposten macht der Kauf neuer Waffen aus. Für dieses Ziel werden zwischen 78 bis 80 Prozent der vorgesehenen Finanzmittel ausgegeben. Russland hat in der Vergangenheit noch niemals so viel Geld für Aufrüstung ausgegeben. Als der russische Premier Wladimir Putin im Dezember des Vorjahres die Zahlen des Programms nannte, gab er zu: „Ich habe Angst davor, diese Zahl laut zu sagen.“

Den Streitkräften wird ebenfalls viel Geld zugeteilt. Laut Popowkin werden 100 Schiffe, darunter 20 U-Boote, 35 Korvetten und 15 Fregatten gekauft. Zudem sollen bis 2020 über 600 Flugzeuge und 1000 Hubschrauber erworben werden. Bereits in diesem Jahr werden mehr als 100 Hubschrauber gekauft. Dazu gehören die neusten russischen Hubschrauber Mi-28, Mi-26, Ka-52 u.a.

Wie Popowkin betonte, werden bis zu zehn Flugabwehrkomplexe S-500 gekauft. Vorher hatte die russische Armee zwar bereits bekannt gegeben, dass neue Flugabwehrraketen in den nächsten zehn Jahren gekauft werden müssen, genauere Zahlen wurden jedoch nicht genannt.

„Ab 2015 sollen die Tests dieses Komplexes beginnen. Zu Beginn basieren die Raketen auf dem S-400-Komplex“, sagte Popowkin. Die Raketensysteme S-500 sollen die Grundlage der sich gerade entwickelnden Luft- und
Weltraumverteidigung Russlands bilden.

Das russische Verteidigungsministerium will außerdem 56 Flugabwehrsysteme S-400 anschaffen. Ein Regiment ist bereits in Elektrostal bei Moskau stationiert. Ein weiteres Regiment soll im März in Dmitrow aufgestellt werden. Danach sollen S-400-Raketen im Fernen Osten installiert werden.

Strategische Kräfte

Popowkin zufolge hat die Entwicklung der strategischen Atomkräfte Priorität im Rüstungsprogramm. Bis 2020 würden acht strategische Atom-U-Boote gebaut, die mit den ballistischen Interkontinentalraketen „Bulawa“ ausgerüstet werden müssten, so Popowkin.

Die sich derzeit in der Testphase befindlichen „Bulawa“-Raketen sollen in diesem Jahr in Dienst gestellt werden. „Sie sollen zusammen mit dem Borej-U-Boot (neues strategisches Atom-U-Boot) in Dienst genommen werden“, sagte Popowkin. Zwei Borej-U-Boote seien bereits einsatzbereit, es gebe jedoch keine Rakete (“Bulawa“).

Sieben der bislang 14 Teststarts der Bulawa-Rakete sind fehlgeschlagen. In diesem Jahr sollen weitere vier oder fünf Teststarts stattfinden. Die Starts scheiterten vor allem deshalb, weil sich der Raketenbauer nicht an die Konstruktionsdokumente gehalten hatte.

Ein weiteres Projekt ist die Entwicklung neuer Langstreckenbomber. Gegen 2015 soll ein technisches Projekt fertig gestellt werden. „Wir forcieren nicht die Entwicklung eines neuen Komplexes der Langstrecken-Fliegerkräfte (strategische Bomber). Gegen 2015 sollen die Langstrecken-Fliegerkräfte ein neues Gesicht bekommen“, so Popowkin.

Russland will zudem hochintelligente schwere ballistische Rakete bauen. Im Unterschied zu den neuen Topol-Feststoffraketen hat eine schwere Rakete mehr Gefechtsköpfe und eine längere Betriebsdauer (35 statt 20 Jahre)

Ausrüstung für „Soldaten der Zukunft“

Bis 2020 will Russland ein Analogon für die Ausrüstung des „Soldaten der Zukunft“ entwickeln.

Diese Ausrüstung müsse mit der aus den USA, Deutschland und anderen Ländern mithalten können, so Popowkin. Russland verhandelt zurzeit mit Frankreich über den Erwerb französischer Felin-Kampfanzüge.

Wie ein Vertreter des französischen Rüstungskonzerns Sagem Defense Securité (SAFRAN Gruppe) betonte, ist der Preis für die Felin-Ausrüstung deutlich niedriger als bei anderen ausländischen Herstellern. Ein deutscher oder US-Kampfanzug samt Ausrüstung schlägt mit 50.000 bis 60.000 Euro zu Buche.

Laut dem Vertreter von Sagem Defense Securité hat das Unternehmen einen Auftrag für 22.600 Kampfmonturen erhalten. Gegen 2014/2015 werden alle 22 französischen Infanteriebataillons mit den Felin-Anzügen ausgerüstet.

Um die Sicherheit der Soldaten gewährleisten zu können, will Russland die Produktion von Panzerfahrzeugen aufnehmen. Mit dem Unternehmen Iveco wurde bereits ein Abkommen über die Produktion der italienischen Panzerwagen in Russland geschlossen. „Das ist der sicherste Wagen der Welt. Das haben die Ereignisse im Irak bewiesen“, so Popowkin."

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Foto: RIA Nowosti.

Samstag, 20. November 2010

Herbstzeit ist Messezeit


Zumindest in Rußland. Dort finden alljährlich im Herbst mehrere Waffenmessen statt. Die wohl bedeutendste für Zivilpersonen ist die Ausstellung Arms & Hunting in Moskau. Vom 14. bis 17. Oktober präsentierten sich im Alten Gostiny Dwor die Aussteller aus aller Welt dem russischen Publikum, wobei der Schwerpunkt auf Jagd- und Sportwaffen sowie Jagdzubehör lag.

Der Fotograf Witalij Kusmin war ebenfalls wieder vor Ort und hat in seinem Blog zwei Bilderserien von der Messe veröffentlicht: Teil 1 und Teil 2. Sie vermitteln einen kleinen Eindruck von der "Waffenszene" in der RF. Und von der Gesetzeslage, denn Nachtzielgeräte sind z.B. nicht verboten.



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Fotos: vitalykuzmin.net.

Sonntag, 7. November 2010

07.11.2010: Videos des Tages

Heute: Ein Bericht über den italienischen Flintenhersteller Fausti und die drei Schwestern, die das Unternehmen leiten.









Montag, 18. Oktober 2010

Russische Schußwaffen

Im September 2010 ist im Motorbuchverlag ein Buch erschienen, auf das alle, die sich für die russische und sowjetische Waffentechnik und -geschichte interessieren, schon lange gewartet haben dürften. Gemeint ist „Russische Schusswaffen – Typen, Technik, Daten“ von Ilya Shaydurov. Der Band ist, wie bereits der Titel nahelegt, ein Übersichtswerk – das erste in deutscher Sprache. Sein Erscheinen war um so wichtiger, als ein Standardwerk aus den 1990er Jahren – D. N. Bolotins „Soviet Small Arms and Ammunition“ – selbst in Rußland kaum noch aufzutreiben ist.

Der Autor des hier anzuzeigenden Buches, dessen Name im Deutschen eigentlich als Ilja Schajdurow transkribiert wird, ist ein ausgewiesener Fachmann, der den größten Teil seiner Ausbildungs- und Berufszeit in der udmurtischen Waffenstadt Ishewsk verbracht hat. Zuerst ein Maschinenbaustudium, dann Promotion und wissenschaftliche Tätigkeit am Insititut für Schußwaffen der Staatlichen Technischen Universität Ishewsk. Von 2005 bis 2009 war Shaydurov wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr. Von dieser Hochschule ist auch das Erscheinen von „Russische Schußwaffen“ gefördert worden. (Leider hat der Verlag auf eine biographische Notiz verzichtet, so daß man auf die Webseite der Uni zurückgreifen muß.)

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel, worin einzelne Waffenarten behandelt werden: Faustfeuerwaffen, Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Gewehre und Karabiner, Kampfflinten sowie Maschinengewehre. Nach einer kurzen Einleitung werden die einzelnen Modelle auf mehreren Seiten in Wort und Bild vorgestellt. Erfreulich ist, daß sowohl bekannte als auch weniger bekannte (Sonder-)Waffen behandelt werden, wobei der Zeitrahmen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute reicht. Im Rahmen der Entwicklungsgeschichte wird auch auf die Konstrukteure eingegangen; sie sind zumeist auch mit einem Bild bedacht worden. Hinzu kommen noch Tabellen mit den technischen Daten sowie Übersichten über die Modellvarianten. Des weiteren sind zu jeder Waffe Fundstellen in Literatur und Internet angegeben. Die Qualität der Texte ist natürlich hoch und entspricht dem, was man von solch einem lexikonartigen Werk erwarten darf.

Zwei Wermutstropfen bleiben allerdings. Erstens liegt der Fokus eindeutig auf behördlich geführten Schußwaffen. Spezifische Jagd- und Sportwaffen werden nur am Rande behandelt, soweit sie auch eine behördliche Verwendung gefunden haben oder aus einer Behördenwaffe entstanden sind. Das ist bedauerlich, denn die sowjetischen Sportwaffenkonstrukteure waren nicht untätig. Zweitens merkt man dem Buch an, daß der Autor es wohl vollständig in deutscher Sprache geschrieben hat. Dies ist eine beachtenswerte Leistung, immerhin waren knapp 400 Seiten zu füllen. Dennoch hätte ein sachkundiger Lektor dem Buch gutgetan, denn manche typisch russischen Sprachkonstrukte sind nur schwer adäquat ins Deutsche zu übersetzen. Ein wenig schmunzeln mußte ich z.B., als an einer Stelle von „Anhängerstaaten“ der Sowjetunion die Rede war – gemeint sind, wie aus dem Kontext hervorgeht, die Nachfolgestaaten der UdSSR.

Doch das sind Kleinigkeiten, die nicht geeignet sind, den Wert von Shaydurovs Werk zu schmälern. Es ist eines jener Bücher, an denen man nicht vorbeikommen kann, sofern man sich für das behandelte Thema auch nur partiell interessiert.

Zumindest bei Teilen der ersten Auflage ist es zu Fehldrucken gekommen, weshalb das Vorwort im Buch fehlt. Es wäre schön, wenn der Verlag dieses auf seiner Webseite publizieren könnte, damit sich die Leser nicht „blind“ und ohne Hinweise des Autors durch das Buch „hangeln“ müssen.


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Mittwoch, 6. Oktober 2010

Deutsche Debatten und die Russen



Wenn man manche Verlautbarungen deutscher Politiker und Journalisten hört, die sich auf Rußland beziehen, dann entstehen zwei Eindrücke: Erstens ist meist nur geringes, im besten Falle oberflächliches Wissen über die Situation in der Rußländischen Föderation vorhanden, was zu Fehleinschätzungen führt. Und zweitens hat die Erwähnung des Namens von Wladimir Putin meist nichts mit der realen Person und ihrer Politik zu tun, sondern dient als negativ besetzte Chiffre in einem rein innerdeutschen Diskurs. Dadurch entsteht der Eindruck, daß die vom Historiker Dietrich Geyer 1986 konstatierte „Konsens stiftende Kraft der Rußlandfeindschaft“ in der deutschen Gesellschaft nach wie vor existiert, selbst wenn die konkreten Anlässe banal sein mögen.

So wurde z.B. im Deutschen Waffenjournal (Nr. 7/2010, S. 9) dem mittlerweile abgewählten BDMP-Präsidenten Volkmar Schilling vorgeworfen, in seinem Verband nach dem „Modell Putin“ herrschen zu wollen. Was als schlagfertiges Argument gedacht war, entpuppt sich jedoch bei näherem Hinsehen als Flop. Denn erstens hat Wladimir Putin – im Gegensatz zu Schilling – nicht zu Verfahrenstricks gegriffen, um im höchsten Amt zu bleiben. Und zweitens erfreut sich Wladimir Wladimirowitsch seit Jahren einer konstant hohen Zustimmung der Bevölkerung. Auch insoweit kann man ihn nicht mit Schilling vergleichen, war dieser Mann dem Vernehmen nach doch schon seit Jahren im gesamten BDMP höchst unbeliebt.

Zweites Beispiel, ebenfalls aus dem DWJ, diesmal Heft 10/2010, S. 53. In seinem Bericht von der ISSF-Weltmeisterschaft verstieg sich der Herausgeber Walter Schulz zu einem Satz, nach dessen Lektüre ich mir verwundert die Augen gerieben habe:
"[…]

Dass von den deutschen Schützen nicht eine Medaillenflut wie von den Chinesen oder Russen zu erwarten sein kann, ist selbstverständlich. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen für die Spitzenschützen, aber auch bei der Förderung und Auswahl des Nachwuchses.

[…]"
Zur Situation des chinesischen Schießsports kann ich mich nicht äußern, wohl aber zu der des russischen (vgl. auch hier). Dort sind viele Faktoren sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport deutlich schlechter als in Deutschland. Es stehen bei weitem nicht genügend moderne Matchwaffen zur Verfügung, so daß im Breiten- und Jugendbereich großteils noch mit Knicklauf-Luftgewehren und jahrzehntealten (und entsprechend „ausgenudelten“) KK-Waffen geschossen werden muß. Bei den Schießständen sieht es kaum besser aus. Die Anzahl der Stände, die qualitativ einem internationalen Standard entsprechen, dürfte gering sein. Ohne genaue Zahlen zu kennen, gehe ich davon aus, daß in der gesamten RF kaum mehr als ein Dutzend Stände mit elektronischer Trefferauswertung existieren (mindestens zwei davon befinden sich in der Umgebung Moskaus). Und wenn man den Berichten russischer Kollegen glauben schenken darf, dann trainieren selbst Mitglieder von Auswahlmannschaften bisweilen unter Bedingungen, die kein deutscher Spitzenschütze akzeptieren würde.

Vor diesem Hintergrund wurden die Sportschützen in der RF selbst von dem hervorragenden Abschneiden ihrer Mannschaft in München überrascht – man hatte eher ein Desaster erwartet.

Was sind denn die – verglichen mit Deutschland – besonders positiven Faktoren im russischen Schießsport? Die Tatsache, daß ein Teil der WM-Teilnehmer de facto Profisportler ist und in Sportklubs der Armee und des Innenministeriums trainiert, ist kein Alleinstellungsmerkmal. Dergleichen ist auch hierzulande der Fall, man denke nur an die Sportfördergruppen der Bundeswehr.

Mir fällt insofern nur die Kinder- und Jugendarbeit ein. Ihr wird in Rußland viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Schüler werden bereits in den Schulen an das Schießen mit Druckluftwaffen herangeführt; es finden auch regelmäßig Vergleichswettkämpfe zwischen Schulmannschaften statt. Dies ist jedoch keine russische Besonderheit. In Polen ist es ebenso und m.E. sogar noch stärker durchorganisiert als in der RF (Stichwort: Schulliga). Zudem darf nicht vergessen werden, daß die viele dieser Jugendlichen nicht über das Schießen mit einfachen LG- und LP-Modellen herauskommen. Möglicherweise funktioniert die Suche von Talenten und deren spätere Förderung bis hin zum Spitzenschützen besser als hierzulande. Trainer aus der ehemaligen UdSSR sind zwar weltweit gefragt, aber ich bezweifle, daß diese über eine Art landestypisches Geheimwissen verfügen.

Resümierend muß festgehalten werden, daß die (materiellen) Bedingungen für den Schießsport als Breitensport in Deutschland weitaus besser sind. Nur kann man sich Spitzenleistungen eben nicht mit Geld kaufen. Vielleicht müssen DSB & Co. – wie in Osteuropa üblich – versuchen, Schüler früher für den Sport zu gewinnen. Allerdings setzt das deutsche Waffenrecht hier sehr enge Grenzen. Zudem dürfte es der veröffentlichten Meinung nicht gefallen, wenn die Schützenvereine zwecks Nachwuchsgewinnung in die Schulen gehen würden.

Vielleicht sollten wir Deutschen uns außerdem die Frage vorlegen, ob wir auch eine Schießsportnation und nicht nur eine Schützennation sind. Denn auch bei der Field-Target-WM 2010, die letzte Woche in Ungarn stattfand, lag die russische Mannschaft im Ranking vor dem deutschen Team. Und in dieser Randdisziplin des Schießsports kann man schlechterdings nicht auf große organisatorische Unterschiede abstellen.

Die beiden Einlassungen im DWJ sind um so bedauerlicher, als man sich in Schwäbisch Hall damit rühmt, eng mit der Zeitschrift Kalaschnikow, einem der beiden führenden russischsprachigen Waffenmagazine, zusammenzuarbeiten.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Rußland als Chiffre in deutschen Diskursen, Teil 3. Über die unselige Kooperation der Firmen Anschütz und Armatix hatte ich hier bereits berichtet. Vor wenigen Tagen hat Armatix versucht, zurückzuschlagen, indem Lutz Belger (Armatix’ „Sales Manager“) einen längeren Kommentar im Tetra-Gun-Blog von Michael Kuhn verfaßt hat. Folgende Stelle des Elaborates ist mir besonders aufgefallen:
"[…]

Gleichzeitig ist ein zweiter Hersteller aus Russland auf uns zugekommen, um uns davon zu überzeugen die Entwicklung mit deren Firma zu realisieren. Da wir als deutsche Firma ausschließlich zu 100 % in Deutschland produzieren, damit Arbeitsplätze entstehen und gesichert werden, ist die Einstellung unserer Firma eindeutig, das wir uns mit der Entwicklung und Produktion zum Standort Deutschland mit den hier ansässigen Unternehmen bekennen. Und Sie können versichert sein, das die russische Firma unterstützt vom russischen Staat ein sehr hohes Kapital mit eingebracht hätte.

[…]"
Um es kurz zu machen: Ich halte die Behauptung, daß ein staatseigener Waffenhersteller aus Rußland versucht haben soll, sich bei Armatix einzuschmeicheln, für unwahr (kann es aber natürlich nicht beweisen). Warum? Erstens muß man wohl Deutscher sein, um der absonderlichen Sicherheitsphilosophie der Fa. Armatix überhaupt etwas abgewinnen zu können. Zweitens erhebt sich die Frage, wo der angebliche rußländische Waffenhersteller seine derart ausgestatteten Waffen denn absetzen will? Im eigenen Land wohl eher nicht, denn ich bezweifle, daß viele Jäger und Schützen aus der RF ihr sauer verdientes Geld für solch teuren Nonsens wie Smart-guns ausgeben würden.

Gehen wir also davon aus, daß sich Armatix diese Geschichte ausgedacht hat. Dazu würden auch andere Aspekte passen. Zunächst die Angst vor der Bedrohung aus dem finsteren Osten, für die Deutsche schon immer empfänglich waren. Dann die patriotische Firma A., die standhaft einen Ausverkauf deutscher Hochtechnologie an irgendwelche zweifelhaften Russen (die uns vielleicht der pöse Putin persönlich geschickt hat) verhindert und damit deutsche Arbeitsplätze gesichert hat. Und die deutschen Legalwaffenbesitzer sollen – so der Subtext der zitierten Passage – den Firmen A. und A. gefälligst dankbar sein und ihre Produkte kaufen, denn sie haben als wahre Altruisten nicht etwa schnöden Kommerz, sondern nur unser aller Wohlergehen im Sinn.

Abschließend noch eine vierte Story zum Thema. Kürzlich hat der Grünen-Chef Cem Özdemir im Kontext der Proteste gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ sinngemäß geäußert, daß die baden-württembergische Polizei vorgegangen sei, wie in Putins Rußland. Doch auch dieses scheinbar treffende Argument paßt nicht. Erstens habe ich bei der Auflösung unerlaubter Demos in der RF bisher noch keine Wasserwerfer im Einsatz gesehen, dafür waren die Menschenmengen einfach zu klein. Mehr als Wegtragen und in Busse verbringen ist in Moskau nicht üblich. Zweitens ist festzuhalten, daß die Demos, bei denen eingeschritten wurde, eben verboten worden waren (vgl. auch § 15 IV des deutschen Versammlungsgesetzes). Dergleichen war bei der Kundgebung gegen Stuttgart 21 gerade nicht der Fall.
(Zur Komplexität des Themas Demonstrationsrecht in Rußland siehe auch hier und hier.)

Die halbgebildeten Grünen haben dabei freilich einen anderen, viel treffenderen Aspekt übersehen. In einen Wald nahe der Stadt Chimki im Moskauer Umland sollte eine Schneise geschlagen werden, um eine dringend benötigte neue Straße bauen zu können. Dagegen hat sich Protest geregt und dieser war alles andere als friedlich. Es blieb nicht nur bei Blockaden und Hungerstreiks einzelner Ökoaktivisten, nein, es flogen auch Steine, es kam zu Brandstiftungen und Prügeleien. Trotz dieser gewaltsamen und illegalen Formen des Protests haben sich die selbsternannten Waldschützer letzten Endes durchgesetzt: Das Bauprojekt wurde im August vorläufig gestoppt, um es erneut zu diskutieren und zu bewerten.
Wenn man also unbedingt Parallelen zwischen Stuttgart 21 und den Verhältnissen in der RF ziehen will, dann doch wohl die, daß die politischen Entscheidungsträger in Berlin und Stuttgart von ihren Kollegen in Moskau lernen sollten. Sie brauchen Mut, um das extrem unpopuläre Großprojekt vorerst einzufrieren und es ggf. nur in einer weniger einschneidenden Form fortzusetzen.


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Bild: moskau-berlin-express.de.

Donnerstag, 19. August 2010

Boykottiert Anschütz!


Seit Dienstagabend tobt ein Sturm durch die deutschen Waffenforen. Durch das Öffentlichwerden eines bisher noch vertraulichen Prospektes wurde die Zusammenarbeit des rennomierten Sport- und Jagdgewehrherstellers Anschütz mit der berühmt-berüchtigten Sicherungsfirma Armatix bekannt. Anschütz arbeitet an sog. "smart guns", also Schußwaffen, die über eine elektronische Sicherung verfügen sollen. Nachdem es erste Vermutungen gab, es könnte sich um eine Fälschung handeln, hat Anschütz am Mittwochnachmittag das ganze mit folgender E-Mail, die auch ich erhalten habe, bestätigt:
"Sehr geehrte Damen und Herren,

wir beziehen uns auf Ihre E-Mail und Anfrage zu unserem Projekt "Biathlon-Sportgewehr mit integriertem armatix Target Control" System. Wir freuen uns, dass Sie Ihre Anfrage direkt an uns gerichtet haben, um Näheres direkt aus erster Hand von ANSCHÜTZ zu erfahren. Gern geben wir Ihnen hierzu weitere Hintergrundinformationen.

Verbandsseitig sind Überlegungen aufgekommen, wie zum Beispiel der Biathlonschiesssport noch sicherer gemacht werden kann. Von verschiedenen Seiten wird zum Beispiel auch der Einsatz von ungefährlichen Laser-"Waffen" untersucht und getestet. Unter anderem sind uns diese neuen Entwicklungen natürlich auch bekannt geworden. Auch die Entwicklungen im modernen Fünfkampf (Laserpistole anstatt Luftpistole) sind uns bekannt.

Parallel dazu ist die Firma armatix auf uns zugekommen. Nach langen Gesprächen wurde letztendlich ein Versuchsprojekt aufgesetzt, die armatix Target Control Technik in ein Biathlongewehr einzubauen und die Funktionsweise zu testen.

Während der ISSF Weltmeisterschaft in Sportschießen 2010 in München haben wir als auch die Firma armatix ein Biathlongewehrmuster mit dieser Technologie vorgestellt. In diesen Zusammenhang gab es viel positives Feedback, insbesondere auch von Seiten verschiedener Verbandsfunktionäre auf nationaler und internationaler Ebene.

Wir sehen diese Technologie als einen möglichen Schritt, das Sportschießen für Kinder und Jugendliche im Anfängerbereich sicherer zu machen und im Zusammenhang mit dieser Technologie die eventuelle Möglichkeit der schrittweisen Aufhebung der Altersbegrenzung nach unten zu realisieren. Das würde bedeuten, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland vielleicht wieder ab 10 Jahren mit einer Kleinkaliberwaffe schießen können. Das zu erreichen, wäre ein schönes Ziel! Ich bin der Meinung, dass heutzutage aktiv verschiedene Wege gegangen werden müssen, um der Schrumpfung unseres Marktes eventuell entgegenwirken zu können. Diese Entwicklung und die immer stärkeren rechtlichen Beschränkungen verfolge ich mit Sorge.

Natürlich ist dieses Ziel ein langer und mühsamer Weg, bei dem es die Hilfe und die Zusammenarbeit aller bedarf: Mit uns als Industrie und Hersteller, mit Verbänden wie Jägern und Sportschützen und vor allen Dingen auch mit der Presse und den Medien.

Es ist eigentlich wie in jeder Sportart: Je früher ich als Kind mit der jeweiligen Disziplin beginne, umso besser bin ich im Junioren- und Erwachsenenalter. Das bedeutet, dass wir auch in den nächsten Jahren noch Sieger im Sportschießen und Biathlon bei Europa-, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen stellen können.

Weiter haben wir mit diesem System ein Argument gegenüber Eltern, Waffengegnern und -kritikern, die auf Grund von Ängsten vor den Gefahren, welche angeblich mit dem Sportschießen und dem Privatbesitz von Waffen verbunden sind, diese zu nehmen.

Es ist nicht unser Ziel, alle Waffen mit diesen armatix System auszurüsten. Es soll rein als Alternative oder Option für das Anfängerschießen im Kinder- und Jugendbereich gelten und damit einen erhöhten Grad der Sicherheit schaffen. Mit dem auf der WM in München gezeigten Prototyp und der daraus resultierenden Informationsbroschüre wollten wir die erste Resonanz vor internationalem Publikum, Brachenkennern und Schützen einholen und die war sehr positiv.

Die Informationen in der auf der WM ausgelegten Broschüre und der darin enthaltene und dargestellte Jagdbereich sind bisher nur eine Idee, die als Grundlage für Diskussionen dienen sollte. Eine offizielle Broschüre als PDF-Datei wurde von uns bisher noch nicht veröffentlicht !!!

In diesem Sinne bedanken wir uns auch bei Ihnen über Ihre Stellungnahme. Ihre Meinung, egal ob positiv oder negativ, ist uns auch wichtig. Gerne nehmen wir Ihre Wünsche, Bedenken, Ideen und Meinungen auf, um bei zukünftigen Projekten sowie Weiterentwicklungen diese einfließen zu lassen.

Sie wissen, wie sehr der Privatbesitz von Waffen hier in Deutschland und auch in vielen anderen Ländern des Weltmarktes in der Kritik steht. Viele nationale und internationale Hersteller der Branche und Sportverbände suchen daher nach Alternativen und Technologien, die den Kritikern Gegenargumente liefern. Und ich denke, mit der Target Control haben wir eventuell eine solche Alternative, um weiterhin mit "scharfen Waffen" schießen zu dürfen.

Die Sportveranstaltung "Biathlon auf Schalke" wird das nächste Mal wahrscheinlich schon mit Laserwaffen ausgetragen werden...... Diese kommen nicht aus dem Hause ANSCHÜTZ.

Freundliche Grüße aus Ulm

J.G. ANSCHUTZ GmbH & Co. KG

Jochen Anschütz
Geschäftsführer"
Damit sind sämtliche Zweifel an der Authentizität der PDF-Datei beseitigt. Der genannte Prospekt kann hier heruntergeladen werden. Bei Waffen-online, Co2air.de und Gun-Forum.de können die Diskussionen darüber nachgelesen werden. Auch werden dort die technischen und politischen Gründe erläutert, weshalb derartige Systeme Unfug sind und nicht die von Jochen Anschütz erhoffte Wirkung entfalten werden. Eine gute Zusammenfassung hat der Schützenverein Roland aus Bad Bramstedt auf seiner Webseite gegeben:
"[...]

Die fadenscheinlichen Begründungen für die Notwendigkeit dieses Systems sollten eigentlich jedem auffallen - z.B.: "Verbandsseitig sind Überlegungen aufgekommen, wie zum Beispiel der Biathlonschiesssport noch sicherer gemacht werden kann." Hä? Biathlon ist unsicher? Wieviele Verletzte oder Tote gab es denn letzte Saison?

Aber auch über den Hinweis auf die Möglichkeit, das Jugendtraining zu unterstützen, kann man eigentlich nur lachen... Was ist denn sicherer? Ein Jugendlicher, der durch eine Aufsichtsperson an den verantwortungsvollen Umgang mit Schusswaffen herangeführt wird oder ein junger Schütze, der daran gewöhnt ist, daß das Ding in seiner Hand sowieso nur funktioniert, wenn irgendeine Elektronik die Waffe freigibt? Was macht dieser Jugendliche denn, wenn er mal sein erstes KK-Gewehr in der Hand hält? Ich mag da gar nicht daran denken....

Eine berechtigte Frage stellte ein User bei Waffen-Online sinngemäß: "Wo war denn Herr Anschütz, als die Altersbeschränkungen für das Jugendtraining beschlossen wurden? Da wäre eine Möglichkeit gewesen, sich als starker Partner für die Interessen der Nachwuchsförderung im Schießsport zu erweisen..."

Angenommen das Waffengesetz würde eine solche Sicherungsfunktion fordern, hätte ich an einem solchen Vorhaben nichts zu meckern, da jede Firma Geld verdienen und seine Stellung am Markt behaupten muss. Aber nichts da! Hier hat eine Firma Geld gewittert und versucht nun - ohne eine Forderung des Gesetzgebers - einen Fuß in die Tür zu bekommen und arbeitet schleichend und vorauseilend gegen seine eigene Kundschaft.

Um es zusammenfassend auf den Punkt zu bringen: Die Firma Anschütz präsentiert uns hier ein Produkt, das die Lösung für ein Problem ist, welches sie selbst ersonnen haben! Dabei scheuen sie nicht davor zurück, mit Firmen zusammenzuarbeiten, die man guten Gewissens als die Totengräber des freiheitlichen und legalen Waffenbesitzes in Deutschland nennen kann.

[...]"
Alsbesonders perfide empfinde ich, daß Anschütz einerseits den Weg für weitere Verschärfungen des Waffenrechts ebnet (vielleicht in der Hoffnung, sich so ein faktisches Monopol zu schaffen?), sich aber andererseits als Retter des Sportschießens ausgibt und von seinen Kunden Respekt verlangt. Vor allem die bisherigen Käufer von Anschütz-Waffen werden ins Gesicht geschlagen, traut ihnen das Ulmer Unternehmen doch offenbar nicht zu, verantwortungsvoll damit umzugehen.

Was ist jetzt zu tun? Da wir in einer Marktwirtschaft leben, sollten Unternehmen - in diesem Fall Anschütz - auf die Signale ihrer Kundschaft reagieren. Und die Kundschaft will von Anschütz nicht für dumm verkauft werden. Deshalb gibt es nur ein Mittel, um das Management von seiner fehlgeleiteten Politik zu überzeugen: ein Boykott. Vom heutigen Tage an soll kein Euro mehr in die Kasse dieser Firma fließen, die die Interessen ihrer Kunden leichtfertig verraten hat. Sollen sie doch von ihren dreißig Silberlingen leben und sich am Jahresende die Folgen ihrer absurden Ideen auf Heller und Pfennig ausrechnen. Kein deutscher Legalwaffenbesitzer, der noch einen Funken Ehre im Leib hat, kann es sich jetzt noch erlauben, mit Anschütz Geschäfte zu machen.

Dieser Boykott soll solange aufrecherhalten werden, bis sich Anschütz vollständig, vorbehaltlos und glaubhaft von jeglicher Kooperation mit Armatix distanziert hat.
Ich halte es jedoch für untunlich, diesen Boykott auf andere Unternehmen, die mit Anschütz zusammenhängen, auszuweiten. So besitzt Anschütz nur 51 % der Anteile von Steyr Sportwaffen in Österreich. Ein Boykott dieser Firma würde also auch andere treffen; zudem wäre es hilfreich, wenn Anschütz seine Umsatzeinbrüche nicht etwa auf eine geringere Gesamtnachfrage nach Sportwaffen zurückführen könnte, sondern auch bilanziell eindeutig wäre, daß nur Anschütz Ulm, nicht jedoch die gesamte Branche, verloren hat.
Nur so ist das Signal wirklich verständlich. Ich habe nämlich den Eindruck, daß Geschäftsführer Jochen Anschütz extrem naiv und unbeholfen ist und so ein deutsches Traditionsunternehmen gegen die Wand fährt. Da barucht es starke Signale, um ihn aus seinen Träumen aufzuwecken und in die deutsche Realität des Jahres 2010 zurückzuholen.

Für geradezu albern halte ich allerdings Ideen, Anschütz-Waffen, die man bereits besitzt, deshalb zu zerstören. Die alten Gewehre können ja nichts für die verfehlte Politik des jetzigen Managements. Es geht nicht um eine allgemeine Abstrafung von Anschütz, sondern um ein ökonomisches Signal an diese Firma, welches lautet: So nicht!

Und falls jetzt jemand Bedenken äußern sollte, daß ein Boykottaufruf unzulässig sei, dem kann ich zwei einschlägige Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts entgegenhalten. In den Fällen Lüth und Blinkfüer wurden diese Fragen hinreichend geklärt. Es bleibt also dabei: Boykottiert Anschütz und kauft dort weder Neuwaffen noch Zubehör! In Deutschland gibt es noch mehr Waffenhersteller, die politisch anders agieren, deren Produkte sich jedoch mit denen von Anschütz messen können.


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Grafik: Bopper.

Mittwoch, 18. August 2010

Langsam kommt Bewegung in den Markt


Am 1. April 2008 ist in Deutschland § 42a WaffG in Kraft getreten und mit einem Schlag wurde es unmöglich, geschätzte 97 % der auf dem Markt befindlichen Taschenmesser legal zu führen. Weite Teile der hiesigen Messerindustrie haben diese Neuregelung ignoriert und weiter fleißig ihre Einhandmesser verkauft. Doch langsam bessert sich die Lage und es kommen Zweihandmesser in modernem Design auf den Markt.

Führend ist dabei der Messerdesigner Dietmar Pohl - und zwar nicht nur bei seinen früheren Arbeitgebern, sondern auch in seiner eigenen Firma. Die bringt nun mit dem Modell Bravo One Outdoor ein reines Zweihandmesser auf den Markt. Im Gegensatz zu Pohls großen Klappmessern der "Alpha"-Serie ist dieses kleiner dimensioniert und somit uneingeschränkt EDC-tauglich. Das Bravo One entspricht ziemlich exakt meinen Anforderungen an ein solches Alltagsmesser. Einzig der Preis von voraussichtlich etwa 130 € ist ein wenig hoch, aber damit werde ich leben können. (BTW: Liest Pohl hier vielleicht mit? ;-)) Einziger Wermutstropfen: Das Messer soll erst im Herbst lieferbar sein.

Für die Zukunft sollte Pohl auch über andersfarbige Griffe (z.B. sandfarben) und weitere Klingenvarianten für die "Bravo"-Reihe nachdenken.

Hoffentlich ziehen andere namhafte Hersteller bald nach, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Leider sieht es etwa bei der Fa. Böker insofern eher schlecht aus. Auch der neueste Katalog strotzt vor Einhandmessern. Selbst das Modell Exskelibur, welches ich eigentlich für eines der wenigen modernen Zweihandmodelle gehalten hatte, wird im neuen Böker-Katalog als Einhandmesser mit Daumenöffnung beworben. :-( Reinrassige Zweihandmesser scheinen hingegen die neuen Modelle Haddock und Cox zu sein - doch muß man deren eigenwilliges, von einem Dänen entworfenes Design schon mögen und mit Preisen von 160 bzw. 180 € sind sie alles andere als billig.

Also, verehrte deutsche Messerindustrie: Wir warten immer noch.


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Foto: www.pohlforce.de.

Dienstag, 20. Juli 2010

Aktuelles aus der russischen Waffenindustrie


In der Vergangenheit hatte ich über verschiedene Entwicklungen der Waffenindustrie in Rußland berichtet. Dazu zählte auch die - aus deutscher Sicht nur schwer nachvollziehbare - Preisentwicklung. So wurde im Forum Talks.guns.ru behauptet, daß Innenministerium und Föderaler Sicherheitsdienst derzeit nur Präzisionsgewehre des finnischen Herstellers Sako beschaffen würden, weil ihnen das in Ishewsk produzierte Modell SW-98 zu teuer geworden sei.
Dieser Tage habe ich nun einen Zeitungsartikel auf Gazeta.ru finden können, in dem konkrete Zahlen genannt werden. Es handelt sich um ein Interview mit dem Duma-Abgeordneten Igor Barinow, der zugleich Mitglied des Verteidigungsausschusses des Parlaments ist. Auf die Frage nach den Kosten des im Inland produzierten Rüstungsmaterials antwortet Barinow:
"[...]

Die Preise für die Produkte des militärisch-industriellen Komplexes wachsen stärker als die Inflation und die Löhne. Zum Beispiel [die Rakete] Topol ist innnerhalb von drei Jahren zweieinhalb mal teurer geworden, und das Scharfschützengewehr kostete zu Beginn der 2000er Jahre weniger als 30.000 Rubel und jetzt kauft das Ministerium für Verteidigung [die Gewehre] für 400.000 [Rubel].

[...]"
Rechnet man die eben genannten Rubelpreise für das SW-98 in Euro um, dann betrug der Preis zunächst knapp 770 € und ist später bis auf rund 10.250 € pro Waffe gestiegen. Den Hauptgrund für diese drastische Verteuerung sieht der Abgeordnete im Fehlen genügender Konkurrenz. M.a.W.: Es gibt in der RF zu wenige Anbieter, die somit als Monopolisten agieren können.

Dies treibt die staatlichen Nachfrager zu Käufen im Ausland. War man das schon seit Jahren von den diversen Sicherheitsbehörden gewöhnt, so sind die jüngsten Beschaffungsvorhaben des Verteidigungsministeriums ein Alarmsignal: Drohnen in Israel, evtl. Landungsschiffe in Frankreich (Stichwort: "Mistral") und u.U. sogar Panzerungen für SPWs in Italien oder Deutschland. Dieses Ministerium war bis dato eine sichere Bank, denn es hat grundsätzlich nur in Rußland selbst eingekauft. Jetzt sollte die russische Waffenindustrie jedoch aufwachen und sowohl an ihren Preisen als auch an ihrer Qualität arbeiten.

In die gleiche Richtung gehen auch die Bemerkungen, die Präsident Dmitrij Medwedew anläßlich der Amtseinführung des neuen stellvertretenden Verteidigungsministers Wladimir Popowkin gemacht hat:
"[...]

Aber hier wird die methodische, akribische Arbeit gefordert, insbesondere mit den Lieferanten der technischen Kampfmittel, weil sie manchmal verwöhnt werden, nicht die nötige Qualität liefern und für uns sehr unangenehme Preissteigerungen auftreten.

[...]"
Daß die rußländische Regierung dabei auch vor dem "Schlachten heiliger Kühe" in der Rüstungsindustrie nicht zurückschreckt, hat in den letzten anderthalb Jahren die Krise des unrentablen Waffenherstellers Molot bewiesen. Seit zwei Monaten wird mit der italienischen Firma Beretta über ein Joint Venture verhandelt, mit dem der Kernbereich von Molot - die Fertigung von Handfeuerwaffen - gerettet und modernisiert werden soll. Im Fokus sollen dabei Dienstpistolen sowie Jagd- und Sportwaffen stehen. Für die Umstrukturierung von Molot hat die Regierung im Juni 171 Mio. Rubel (ca. 4,39 Mio. €) bereitgestellt. Das Geld soll vor allem Umschulungsmaßnahmen für entlassene Mitarbeiter und ähnlichen Zwecken dienen.

Für die Waffenhersteller in Ishewsk, namentlich Izhmash und Izhmekh, wurden kürzlich in der Presse ebenfalls radikale Maßnahmen diskutiert. Die oben erwähnten hohen Preise und allgemeine Unrentabilität könnten dort mittelfristig zu größeren Umstrukturierungen führen. Izhmash hat kürzlich eine neue Webseite erstellt, auf der die zahlreichen Zivilwaffen des Unternehmens intensiv (und zweisprachig) beworben werden. Damit findet der Zivilmarkt neue Aufmerksamkeit, während der Behördenmarkt ein wenig zu stagnieren scheint - gerade auch hinsichtlich von Neuentwicklungen wie der AK-200.

Bleibt zu hoffen, daß sich für die Jagd- und Sportwaffen auch geeignete deutsche Importeure finden, die bereit sind, diese nicht gerade kleinen Sortimente bei uns zu vertreiben, ggf. auch auf eine Einzelbestellung hin. Denn eines ist kurios: Zivilwaffen aus einheimischer Produktion sind in Rußland selbst nicht teuer. Wenn sie jedoch in Deutschland auf den Markt kommen, dann liegen die Preise häufig bei 150 bis 250 Prozent des russischen Ladenpreises. Die oben behandelte Preisentwicklung der Behördenwaffen korreliert offenbar nicht mit jener des Jagd- und Sportsegmentes. Anders formuliert: Wenn russische Waffen hierzulande z.T. recht teuer sind, dann liegt das eher an den Importeuren als an den Herstellern.



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Die Fotos sind bei Izhmash entstanden (Quellen: venividi.ru, www.ej.ru).

Mittwoch, 14. Juli 2010

Eine armselige Vorstellung



Gelegentlich mußte ich hier schon grantelige Artikel veröffentlichen, um meiner Verärgerung über die Geschäftspraktiken in Teilen der deutschen Waffenbranche Ausdruck zu verleihen. Vorsicht, heute ist es wieder soweit. ;-)

Beginnen wir mit der bekannten Firma B. aus S. Sie tritt als Importeur und deutscher Vertreter eines russischen Messerherstellers auf, doch findet sich aus dessen großem Angebot nur ein kleiner Bruchteil auf der Webseite der Fa. B. (und dann noch zu vergleichsweise horrenden Preisen – doch darüber will ich mich nicht beklagen, Monopolgewinne eben). Da die Fa. B. lieber eigene Produktbezeichnungen erfindet, anstatt die des Herstellers zu verwenden, kann man nie sicher sein, welches Messer man genau erhält.
So erging es auch mir: Ein bestimmtes Modell stand auf der Wunschliste, ein anderes (aber ähnlich aussehendes) wurde geliefert. Nun gut, so dachte ich mir in meiner Naivität, dann schickst du das Messer eben zurück und legst einen freundlich formulierten Brief bei, in dem du um die Beschaffung des gewünschten Modells bittest und die Übernahme aller eventuell entstehenden Zusatzkosten zusicherst.
Pustekuchen – die Firma B. aus Solingen hielt es nicht für nötig, mit mir zu kommunizieren. Auf meinen Brief kam keinerlei Reaktion, nicht mal eine kurze Absage. Lediglich das bereits bezahlte Geld wurde leise wieder zurückerstattet.

Nächstes Beispiel: die Firma S. aus M. Die Fa. S. ist ein Versandhändler für „taktische“ Produkte und mit der sehr bekannten Fa. H., die als Importeur und Großhändler auftritt, „verwandt“. Beide Unternehmen residieren in Mellrichstadt unter der gleichen Anschrift und schalten regelmäßig halb- und ganzseitige Annoncen in den einschlägigen Fachzeitschriften. Doch wenn man als potentieller Kunde mit ihnen Kontakt aufnehmen möchte, wird man sein blaues Wunder erleben. Die Firma H. hat in der Vergangenheit auf mehrere Ansprechversuche per E-Mail gar nicht reagiert. Auf telefonische Anfragen erhielt ich wenigstens ausweichende Antworten; O-Ton: „Fragen Sie doch in einem Vierteljahr noch mal nach“. Als ich dies tat – s.o., nichts.

Doch zurück zur Firma S. Im Februar verspürte ich den dringenden Wunsch, zwei Produkte eines amerikanischen Herstellers von taktischer Ausrüstung zu bestellen. Die erste Anfrage ging unerwartet gut, die gewünschten Artikel könne man in zwei bis drei Wochen besorgen. So habe ich am 9. Februar 2010 eine Bestellung aufgegeben. Daraufhin passierte, man ahnt es schon, lange Zeit nichts. Die avisierten drei Wochen verstrichen, nach fünf Wochen schickte ich eine erste Nachfrage per E-Mail, die – natürlich – ohne Antwort blieb. Im März rief ich dann einmal an, wo man mir sagte, daß es eine Bestellung auf meinen Namen nicht gebe. So schickte ich also eine weitere E-Mail, worauf mir gesagt wurde, daß man sich nach der IWA darum kümmern wolle. Doch auch dann passierte nichts.
Nach weiteren ereignislosen Wochen begann das Spiel von vorne: Telefonat, keine Bestellung auf meinen Namen gefunden, E-Mail, warten. Doch dann geschah ein Wunder: Mitte April wurde mir endlich einer der bestellten Artikel geliefert.
Der zweite mußte allerdings erneut in den USA bestellt werden, denn mein Auftrag war wieder einmal verschlampt worden. Ich hatte nur insofern Glück, als Artikel Nummer 1 zufällig in Mellrichstadt am Lager war.
Als ich die Hoffnung schon längst aufgegeben und mich anderweitig umgetan hatte, kam Ende Mai doch noch ein Paket. Nun ja, zu spät. So ging Artikel Nr. 2 eben wieder zurück, verbunden mit einem Brief, in welchem ich den soeben beschriebenen Ablauf noch einmal kurz dargelegt habe. Reaktion darauf: Keine. Das Geld wurde mir zurückerstattet, aber auf eine Entschuldigung warte ich noch heute. Die Fa. S. war sogar so frech, mir für die beiden getrennten Lieferungen zweimal die Versandkosten zu berechnen.

Fazit: Die Firma S. weigert sich (ebenso wie ihr Mutterhaus H.), mit ihren Kunden angemessen zu kommunizieren. Wenn längere Lieferzeiten entstehen – was aus verschiedenen Gründen immer der Fall sein kann! –, dann erwarte ich, darüber informiert zu werden. Es geht jedoch nicht an, daß aus zugesagten drei Wochen drei Monate werden. Noch viel schlimmer ist das unprofessionelle Agieren insgesamt. Wie kann es sein, daß aufgegebene Bestellungen mehrfach (!) verlorengehen? Offenbar funktioniert das interne Controlling überhaupt nicht. Warum besitzen die Mitarbeiter nicht das geringste Verantwortungsgefühl, so daß man als Kunde ständig nachfragen muß? Weshalb wird nicht versucht, das verlorengegangene Vertrauen des Kunden etwa durch einen kleinen Rabatt zurückzugewinnen? Dadurch könnte man auch die überaus strapazierte Geduld des Bestellers streicheln.

Nein, statt dessen „business as usual“. Anscheinend war mein desaströses Erlebnis mit der Fa. S. für die Damen und Herren in Mellrichstadt Alltag, weshalb sie ihr eigenes, absonderliches Verhalten gar nicht mehr erkennen können. Das Schlimme ist ja nicht, daß Fehler passieren (dies ist immer möglich, darüber bin ich mir im klaren), sondern daß dieselben Fehler ständig wiederholt werden und die Mitarbeiter diese überhaupt nicht erkennen.
Nun ja, ich werde diesen Anbieter in Zukunft meiden. Und ich wünsche ihm – und allen Unternehmen der deutschen Waffenbranche, die ähnlich dilettantisch agieren – ein schnelles Ende in Form der Insolvenz. Denn so straft der Markt das Versagen eines Anbieters ab. Dem Herrgott sei für den Kapitalismus gedankt.


PS: Aus diversen Berichten weiß ich, daß meine Erfahrungen vielleicht außergewöhnlich sein mögen, aber dennoch keine Einzelfälle sind. Gerade die Marotten der Firmen aus Mellrichstadt sind wohlbekannt. Und die Probleme sind nicht auf Deutschland beschränkt. Dieser Schütze aus Österreich hat große Schwierigkeiten, akzeptable KK-Munition zu bekommen.

PPS: Um evtl. Mißverständnissen vorzubeugen: Das obige Bild dient lediglich der Illustration. Es stammt von der Shot Show 2010; das Unternehmen, dessen Stand dort abgebildet ist, ist mir gänzlich unbekannt.


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Freitag, 25. Juni 2010

Militärstruktur und Rüstungsprojekte in Rußland


Zu Beginn dieses Monats hatte ich mich hier intensiv mit der seit Herbst 2008 in der Rußländischen Föderation laufenden Militärreform beschäftigt. RIA Nowosti hat in der vergangenen Woche einen dazu passenden Kommentar mit dem Titel "Straffere Struktur für Russlands Armee: Noch viele Fragen offen" von Ilja Kramnik publiziert. Diesen nachfolgend wiedergegeben, um meine bisherigen Ausführungen zu ergänzen:
"[...]

Russland will im Zuge der Militärreform die sechs Wehrkreise abschaffen und Kommandos einführen.

Die vor 150 Jahren geschaffenen Wehrkreise sollen durch vier operativ-strategische Kommandos mit Hauptquartieren in Chabarowsk, Jekaterinburg, Sankt Petersburg und Rostow am Don ersetzt werden. Die neuen Kommandostrukturen sollen von den Befehlshabern geleitet werden, denen alle Streitkräfte einschließlich Marine, Luftstreitkräfte und Luftabwehr unterstellt sein sollen.

Die Kommandos werden beträchtlich größer als die Wehrkreise sein. Das Kommando Ost soll den Wehrkreis Fernost und einen Teil des Wehrkreises Sibirien sowie die Pazifikflotte umfassen. Die Wehrkreise Moskau und Leningrad sollen als Kommando West vereint werden. Das Kommando Süd soll auf der Grundlage des Nordkaukasischen Wehrkreises entstehen. Auch die Schwarzmeerflotte, deren Stärke etwas gekürzt werden soll, und die Kaspische Flottille sollen dem Kommando Süd angehören.

Eine Reform, in deren Verlauf die Wehrkreise durch Kommandos für alle Teilstreitkräfte ersetzt werden, war seit langem fällig. Doch ihre Umsetzung ruft zahlreiche Fragen hervor. Die erste Frage ist, inwiefern das russische Offizierskorps und die Generäle bereit sind, Verbände zu leiten, die sehr unterschiedliche Kräfte umfassen. Die zweite Frage ist, ob und wie diese Verbände auf die Bedrohungen in ihren umfassenden Zuständigkeitsbereichen im In- und Ausland reagieren können. Die größte Frage betrifft die Leitung der Flotte, unter anderem in entfernten Gebieten wie im Indischen Ozean, im Mittelmeer und anderen strategisch wichtigen Gegenden.

Damit die Leitung der Teilstreitkräfte-übergreifenden Kommandos effizient ist, müssen die Marineoffiziere bei deren Führung eine größere Rolle spielen. Sonst wird die Marine aus einer selbständigen Teilstreitkraft de facto zu einer „seegestützten Abteilung der Armee". Dadurch sind viele Aufgaben der Marine gefährdet.

Es gibt ebenfalls viele Fragen zur Ausrüstung der Truppen und Stäbe mit neuen Führungs- und Kommunikationsanlagen. Ohne entsprechende technische Ausrüstung wird der Umbau der Verbände nicht das notwendige Ergebnis bringen. Im Gegenteil: Dadurch wird die Lenkbarkeit der Truppen selbst im Vergleich zur heutigen Situation sich radikal verschlechtern. Die jetzige Situation ist beileibe nicht ideal.

Auch die Ausstattung der Truppen durch moderne Kampfmaschinen ist ein großes Problem, obwohl das Liefertempo und -menge in der letzten Zeit angestiegen ist. Das Problem wird durch die Widersprüche im Verwaltungssystem der staatlichen Rüstungsaufträge verstärkt. Es gibt nämlich zwei parallel existierende Ressorts, nämlich Rosoboronsakas (Behörde für Rüstungsaufträge) und Rosoboronpostawka (Agentur für Waffenlieferungen), deren Aufgaben sich stark überschneiden. Der Chaos bei der Verwaltung der staatlichen Rüstungsaufträge und die Finanzkrise haben 2009 dazu geführt, dass viele staatliche Rüstungsverträge nicht abgeschlossen wurden. Außerdem ist das System nicht transparent und gegen Korruption gefeit genug.

Am stärksten liegen die Ausstattung der Truppen mit modernen Führungs- und Kommunikationssystemen, der Bau von neuen Flugzeugen für die Luftstreitkräfte und Schiffen für die Marine zurück. Dort werden die vereinbarten Lieferfristen am häufigsten nicht eingehalten. Es muss aber bemerkt werden, dass in diesen Fällen oft nicht nur das Verteidigungsministerium, sondern auch die Auftragnehmer die Schuld daran tragen.

[...]"
Hier müssen auch die an das deutsche Vorbild angelehnten Pläne für die Privatisierung von Dienstleistungen erwähnt werden.



Die im obigen Text angesprochenen Probleme bei der Entwicklung und dem Einkauf neuer Wehrtechnik haben kurz danach ein "Personalopfer" gefordert. Der Leiter der Beschaffungsbehörde Rosoboronpostawka mußte seinen Stuhl räumen. Kramnik schreibt dazu:
"[...]

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat den Chef der Agentur für Waffen- und Spezialtechniklieferungen (Rosoboronpostawka) entlassen.

Viktor Tscherkessow, dessen Treiben in den letzten Jahren bei den Kollegen und in der Regierung nicht immer auf Verständnis traf, muss seinen Stuhl räumen. Zu seiner Nachfolgerin wurde Nadeschda Sinikowa ernannt.

Die Agentur wurde 2007 auf Initiative von Vizepremier Sergej Iwanow zur Kontrolle der Rüstungsausgaben ins Leben gerufen. Sie sollte dabei helfen, der Korruption unter den Generälen und Direktoren der Rüstungsbetriebe den Garaus zu machen.

Nach dem neuen Schema sollten die Auftraggeber aus Verteidigungs-, Innenministerium, Inlandsgeheimdienst FSB und aus sonstigen Sicherheitsstrukturen Waffen und Technik anfordern, während die Agentur die Verträge schließt, die Zahlungen vornimmt und die Technik den Auftraggebern übergibt.

Zuerst wurde die Agentur von Alexander Denissow, Vizechef der Agentur für militärisch-technische Zusammenarbeit, geleitet. Am 12. Mai 2008 wurde er von Tscherkessow abgelöst, der bis dahin der Drogenkontrollbehörde (Gosnarkokontrol) vorgestanden hatte.

Der Führungswechsel bei Rosoboronpostawka war seit langem fällig. Viele kritisierten zu Recht die Ausführung des staatlichen Rüstungsauftrags, vor allem bei der Versorgung der russischen Armee mit neuer Technik. Im Mai wurde die Agentur, für die bis dahin die Regierung zuständig war, dem Verteidigungsministerium unterstellt. Vom juristischen Standpunkt aus bedeutet das, dass für die Waffenlieferungen wieder eine militärische Behörde verantwortlich ist.

Übrigens wurden die Waffenlieferungen im Grunde ohnehin vom Verteidigungsministerium gelenkt: Deren Kontrolle erfolgte über die dem Verteidigungsministerium unterstellte Behörde für Rüstungsaufträge (Rosoboronsakas), deren Aufgaben fast dieselben waren wie von Rosoboronpostawka. Viele Experten verwiesen darauf, dass Rosoboronpostawka nicht ausreichend Befugnisse habe.

Der Wirrwarr um die Verwaltung des Rüstungsauftrags führte, mit der Finanzkrise multipliziert, 2009 dazu, dass viele Verträge nicht abgeschlossen wurden, während die Transparenz und die Widerstandsfähigkeit gegenüber der Korruption weiterhin zu wünschen übrig ließen. Im Ergebnis wurde der staatliche Rüstungsauftrag von 2009 laut Angaben des Verteidigungsministeriums trotz 100-prozentiger Finanzierung lediglich zur Hälfte erfüllt.

Besonders ungünstig wirkt sich das auf die Ausstattung der Truppen mit modernen Verwaltungs- und Kommunikationsmitteln aus, genauso verhält es sich auch beim Bau neuer Flugzeuge und Schiffe für die Luftwaffe und Kriegsflotte. In diesem Bereich wurden bereits vereinbarte Termine mehrmals verschoben oder sogar aufgehoben. Gesagt sei allerdings, dass daran oft nicht nur das Verteidigungsministerium schuld ist, sondern auch die Auftragnehmer: Die Unternehmen gehen häufig Verpflichtungen ein, denen sie nicht gewachsen sind.

Die Tatsache, dass Rosoboronpostawka dem Verteidigungsministerium unterstellt wird, kann als die Absicht verstanden werden, der Doppelherrschaft in der Verwaltung des Rüstungsauftrags ein Ende zu setzen und die Kontrolle über Käufe bei Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow zu konzentrieren, der offenbar das Vertrauen der Staatsführung genießt. Davon zeugt auch die Wahl der neuen Agenturchefin: Nadeschda Sinikowa ist Serdjukow schon aus gemeinsamen Zeiten in Sankt Petersburg bekannt.

Vermutlich wird dieser Personalwechsel im Rahmen des Rüstungsauftrags nicht der letzte sein: Das Bestehen von zwei fast identischen Behörden, die obendrein unter dem Dach des Verteidigungsministeriums vereint sind, ist offensichtlich überflüssig, deshalb ist zu erwarten, dass das eine Amt vom anderen "verschlungen" wird.

Aber durch einen Personalwechsel und neue Richtlinien, die die Aufgaben der entsprechenden Behörden regeln, lässt sich die Situation nicht von Grund auf verändern. Damit das System der Lieferungen von Waffen und Technik an die Armee normal abläuft, müssen die Gesetze mit nachfolgender Anpassung des Systems geändert werden.

[...]"
Siehe dazu bitte außerdem hier, hier und - grundlegend - hier.



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Fotos: www.mil.ru.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Druckluftwaffen in der frühen DDR

Nachfolgend werden einige Artikel aus der GST-Zeitschrift Der Sportschütze (bzw. deren Vorgängerorgan Sportschießen und Pferdesport) aus den 1950er Jahren wiedergegeben, welche die technische Entwicklung von (Haenel-)Druckluftwaffen in den Anfangsjahren der DDR dokumentieren. (Ab 1957 waren LGs für die Allgemeinheit erhältlich.) Morgen wird es um die (wettkampf-)sportliche Seite gehen.
Zunächst ein Bericht über die Waffenherstellung im Ernst-Thälmann-Werk Suhl (1957):




Der zweite Artikel richtet sich an die Kunden und gibt Hinweise für Pflege und Handhabung (1957):




Jetzt wird das erste Wettkampf-Luftgewehr von Haenel, das Modell 4, vorgestellt (1959):



Abschließend noch zwei Berichte von der Leipiziger Messe aus den Jahren 1955, 1957 und 1959, in denen es u.a. um Druckluftwaffen aus Suhl und Brünn geht:





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Dienstag, 1. Juni 2010

AK-200 - Die neuen Kalaschnikows


Vor einer Woche haben russische Medien über die Vorstellung einer Serie neuer Kalaschnikow-Modelle durch die Firma Izhmash berichtet, die unter dem Namen AK-200 laufen wird (vgl. hier, hier, hier und hier). Anlaß war ein Besuch von Ministerpräsident Putin in Ishewsk.

Bei den neuen Sturmgewehren handele es sich um die schon im Jahre 2008 angekündigte Weiterentwicklung der bewährten AK-74M- bzw. AK-100-Serie. Die neuen AKs sollen nicht nur präziser und zuverlässiger als ihre Vorgänger sein, sondern zudem serienmäßig mit Anbaumöglichkeiten für diverses Zubehör wie Zielfernrohre, Leuchtpunktzielgeräte, Laser etc. ausgestattet sein. Deshalb werden die neuen Gewehre mit einer Masse von 3,8 kg auch 500 Gramm schwerer sein als die AK-74M. Überdies sollen ab Werk Magazine mit Kapazitäten von 30, 50 und 60 Schuß verfügbar sein.
Damit hätte die rußländische Waffenindustrie Anschluß an die weltweiten Trends moderner Infanteriewaffen gefunden und die Kalaschnikownutzer wären nicht mehr auf "After-Market"-Produkte wie z.B. gesonderte Picatinny-Schienen angewiesen.

Die neue Waffe soll im kommenden Jahr in Truppenversuchen getestet werden. Lenta.ru berichtet, daß sowohl das Innenministerium (MWD) als auch der Föderale Sicherheitsdienst (FSB) bereits Interesse an der AK-200 bekundet hätten. Demgegenüber hält sich das Verteidigungsministerium bedeckt, worauf auch das Fachmagazin NWO hinweist. Zum einen seien in den letzten Jahren mehrfach moderne Waffen wie z.B. das Gewehr Abakan oder die Pistole Wul konstruiert worden, die jedoch nie über das Prototypen- oder bestenfalls das Kleinserienstadium (für Spezialeinheiten) hinausgekommen sind. Zweitens seien die Arsenale der Armee gut mit den vorhergehenden Kalaschnikowmodellen gefüllt, weshalb es keinen Grund für großangelegte Neubeschaffungen gebe.
(Insofern ist auch die derzeit laufende Militärreform zu berücksichtigen. Es gibt Teile des rußländischen Militärs, die stärker modernisierungsbedürftig sind als die Handfeuerwaffen.)

Daher bleibt abzuwarten, was aus diesem neuen Projekt werden wird. Die avisierte Nachfrage aus dem Inland wird jedenfalls kaum hinreichen, um die Kosten zu decken. Somit dürfte die Frage nach den Exportaussichten entscheidend sein.



Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti hat einen längeren Text von Ilja Kramnik zu diesem Vorgang publiziert, den ich nachfolgend wiedergebe:
"[...]

Das Schnellfeuergewehr Kalaschnikow wird weiterhin seinen Dienst in der russischen Armee tun.
Das teilte Wladimir Gorodezki, Direktor des Maschinenbauwerkes von Ischewsk (Ischmasch), wo die weltbekannten Automatikgewehre hergestellt werden, am vergangenen Dienstag mit. Nach seinen Worten startet das Verteidigungsministerium kommendes Jahr die Tests einer neuen Modifikation der Waffe. Das Basismodell wird mit dem Index AK-200 bezeichnet.

Laut vorliegenden Informationen ist das neue Maschinengewehr leichter und ergonomischer. Wegen der Zusatzausrüstung (optisches Visier, Laser-Zielanweiser usw.), mit der jedes Gewehr ausgestattet wird, wird das Gesamtgewicht aber von den jetzigen 3,3 auf 3,8 Kilogramm steigen.

Inwieweit entspricht diese Modifizierung den Bedürfnissen der russischen Streitkräfte und den modernen Kampfanforderungen? Um diese Frage zu beantworten, müssen die Vorwürfe an die russische Waffenlegende (und dass Kalaschnikow längst eine legendäre Waffe ist, muss wohl nicht neu bewiesen werden) berücksichtigt werden:

1. Geringe Präzision bei Einzelschüssen und große Zielabweichung bei Feuersalven im Vergleich zu westlichen Sturmgewehren. Vor allem sind diese Mängel für die Modelle des 7,62-mm-Kalibers typisch.

2. Moderne optische Visiere lassen sich schwer aufbringen.

3. Ergonomische Mängel des standardmäßigen Spanngriffs.

4. Veraltetes offenes Visier.

Probleme mit der Schusspräzision wären Experten zufolge hauptsächlich durch die Qualitätsförderung von seriell hergestellten Waffen und Munition lösbar. Es ist kein Geheimnis, dass in verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Zulieferteilen hergestellte AK-Gewehre einer Modifikation ganz unterschiedliche Qualität haben können.

Was die Zielabweichung und den Rückstoß angeht, so sind sie aufgrund der Konstruktion bedingt. Für die Beseitigung dieser Mängel sind also neue konstruktive Entscheidungen erforderlich - wenigstens solche, die für die Modifikation AK-107/108 getroffen wurden, deren Rückstoß dank ausbalancierter Automatik geringer ist.

Solche Änderungen werden aber letztendlich die Einführung eines neuen Systems von automatischen Waffen zur Folge haben, was unter den aktuellen Wirtschaftsbedingungen wohl unangebracht ist. Ein anderer Ausweg bestünde in der Verwendung von neuen Modellen der Mündungsbremse, die den Rückstoß wesentlich verringern könnte.

Die Probleme bei der Installierung von optischen Visieren auf den AK-Waffen sind mit den konstruktiven Besonderheiten des Installation der Optik nicht gestattet - nach jeder Abnahme und Aufsetzung des Deckels müsste das darauf (beispielsweise mit einer Picatinny-Schiene) montierte Visier neu eingestellt werden.

Bis zuletzt wurde die Optik auf den AK-Gewehren mit einem Träger auf der linken Seite des Gehäuses montiert, was die Verwendung von Visieren verschiedener Arten wesentlich einschränkte. Zur Lösung dieses Problems haben die Gewehre der 200er Serie die Picatinny-Schiene auf dem Gasabzugrohr. Außerdem ist der Deckel des Gehäuses anders konstruiert. Der Deckel ist nicht mehr abnehmbar, sondern abklappbar, was die Steifheit der Konstruktion erhöhte und gestattete, darauf die Schiene aufzubringen, dank der ganz verschiedene optische und Kollimatorvisiere verwendet werden können.

Das offene Visier wurde von vielen Experten als veraltet anerkannt. Viele andere Experten finden allerdings, dass das offene AK-Visier unter den typischen Gefechtsbedingungen durchaus nach wie vor effektiv ist und nur unwesentlich modernisiert werden sollte.

Im Großen und Ganzen erfordert das AK-200-Modell keine radikale Modernisierung der jetzigen Produktionslinien, die für den Übergang zu einem neuen Waffensystem notwendig wäre.

[...]

Das Innenministerium und der Inlandsgeheimdienst FSB denken derzeit über den Kauf von limitierten Partien der neuen Maschinengewehre nach. Alles hängt von der Entscheidung des Verteidigungsministeriums ab. Wenn das AK-200 in Serie geht, wird das den Anschluss Russlands an den globalen Trend zum Verzicht auf die nicht besonders erfolgreiche Entwicklung von „Zukunftsschusswaffen" und zur Verbesserung der aktuellen Systeme durch die Förderung ihrer Ergonomie und Zusatzausstattung bedeuten. Russland würde das übrigens sehr gut passen: Wegen der turbulenten Ereignisse in den vergangenen 20 Jahre ist hier die Entwicklungsphase der „Zukunftswaffen" nahezu unbemerkt verlaufen.

[...]"


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Fotos: RIA Nowosti.

Samstag, 22. Mai 2010

22.05.2010: Videos des Tages

Die Mitarbeiter des polnischen Waffenhandelsunternehmens Kolter lassen ihre Kunden an den Eindrücken der IWA 2010 teilhaben, wobei Druckluftwaffen ein Schwerpunkt sind.











PS: Frohe Pfingsten!

Freitag, 7. Mai 2010

Beretta könnte Molot übernehmen


Vor einem Jahr war der russische Waffenhersteller Molot infolge der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten (ich hatte darüber berichtet). Heute hat nun die Moscow Times einen längeren Artikel veröffentlicht, wonach die italienische Firma Beretta eine Partnerschaft mit Molot eingehen könnte, um so besser auf dem russischen Markt Fuß zu fassen:
"[...]

Italian firearms maker Beretta agreed to consider opening a production unit in Russia, Russian Technologies chief Sergei Chemezov told Prime Minister Vladimir Putin, according to a government transcript released Thursday.

If the deal materializes, Beretta could supply the country's special forces and police, Chemezov said in a meeting late Wednesday with Putin and Kirov Governor Nikita Belykh.
A foreign producer would find the Russian market largely pristine because the country's own defense companies mainly supply the armed forces, experts believe.

Chemezov said talks were underway with Beretta about creating a joint venture on the premises of a floundering defense factory — named Molot [...] — near Kirov. Owned by Chemezov's state corporation, Molot makes hunting rifles, pellet pistols and a range of civilian goods, such as parts for oil and gas equipment.

At the meeting, Chemezov reported that the federal and local governments had made good on a promise to pay the factory's workers their back salaries, worth 300 million rubles ($9.9 million), which he described as the “biggest wage arrears” in Russia. As a way to keep the jobs, Molot may house the joint venture “planned” by Beretta, “hopefully in the beginning of next year,” he said.
In addition to pistols for police and special forces, the venture would crank out hunting and competition guns for sale in Russia and the former Soviet republics, Chemezov said.

Stefano Quarena, a Fabbrica d'Armi Pietro Beretta spokesman, said he was unaware of the talks.
“We need to investigate,” he said by telephone from Gardone Val Trompia, Italy. “I need to check with the owners of the company.”
He did say Russia was a “strategic” market for the company wh ere it set up a local distributor, named Russian Eagle, in 2008 to build a sales network and further study demand.

Boris Vesnin, a spokesman for Belykh, said the Kirov regional government was being informed about the talks but had no knowledge about the size of the planned investment.
A source familiar with the situation said contacts with the Italian company were at a very early stage and that neither side had named any financial estimates.

[...]

Russian gun manufacturers have fallen behind the worldwide trend of developing firearms that cater to the needs of special operations and law enforcement agencies, such as having a larger magazine to confront gangs, said Ruslan Pukhov, director of the Center for the Analysis of Strategies and Technologies, an independent defense industry think tank.
As a result, the country's agencies have taken to importing foreign-made firearms, he said.
Based in a country with closer ties to Russia than some other Western states, Beretta may well invest in a Russian production facility if it wants so, Pukhov said. Chemezov, on the other hand, is a heavyweight lobbyist capable of securing enviable sales, he said.

The government in 2009 included Beretta-92 guns, along with some other foreign models, on the list of firearms that prosecutors and police investigators can wear for self-defense. The Interior Ministry, which received permission in 2007 to use foreign firearms, said in December that it had begun equipping its special units with Austria's Glock 17 pistols.
Other authorized foreign manufacturers include the Czech Republic's Ceska Zbrojovka, Austria's Steyr Mannlicher Gmbh & Co KG and Germany's Heckler & Koch.

[...]"
Die Verhandlungen wären - sofern es sich nicht um eine Presseente handelt - noch in einem sehr frühen Stadium, so daß noch kein Ergebnis abzusehen ist. Dennoch ist der Vorstoß von Beretta interessant, erfreuen sich doch italienische Jagdwaffen auf dem russischen Markt großer Beliebtheit, wie ein Blick auf zahlreiche Waffen- und Jagdmessen belegt. Mal sehen, was daraus wird, denn der Behördenmarkt alleine dürfte für die Italiener kaum den ganzen Aufwand lohnen.

Im übrigen ist der Artikel schlecht recherchiert, denn selbstverständlich bietet auch Baikal (Izhmekh) Großkaliberpistolen schon seit Jahren mit doppelreihigem Magazin an, die auch bei den Behörden der RF eingeführt sind. Wenn es - wie behauptet - nur darum ginge, müßte man keine ausländischen Kurzwaffen einführen. Journalisten eben ...

Nachtrag: Das ganze scheint doch keine Ente zu sein. Die gewöhnlich gut informierte Internetzeitung Lenta.ru behandelt das Thema in einem Artikel vom 06.05. ebenfalls recht ausführlich. Demzufolge sollen im neuen Gemeinschaftswerk neben GK-Pistolen vor allem Jagd- und Sportwaffen für den GUS-Markt gefertigt werden. Die Verhandlungen werden von der Rüstungsholding Rostechnologii geführt, die derzeit anscheinend versucht, nicht mehr rentablen Rüstungsunternehmen eine neue Perspektive zu eröffnen.
Lenta.ru deutet ferner an, daß demnächst in der rußländischen Waffenindustrie - z.B. bei Izhmash - weitere Umstrukturierungen ins Haus stehen könnten. Die dort produzierten Waffen seien im Vergleich zu solchen ausländischer Provenienz zu teuer. Das habe ich zwar in russischen Waffenforen auch schon mehrfach gelesen (einheimische Präzisionsgewehre wie das SW-98 sollen teurer sein als ein Sako TRG), kann es aber aufgrund meiner bescheidenen Kenntnis des deutschen Waffenmarktes und der hiesigen Preise nicht recht glauben.


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