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Mittwoch, 14. September 2011

Der neue Schaft ist angekommen


Einige Wochen hat es gedauert, doch vor wenigen Tagen konnte ich den neuen Schaft für mein Weihrauch HW 95 in Empfang nehmen: ein Modell No. 9 aus der italienisch-indonesischen Werkstatt von Andrea Gentlini. :-) Es ist bereits das zweite "Ginb"-Produkt, das ich besitzen darf; die Qualität steht außer Zweifel.

Ein schöner Lochschaft: führig, aber nicht so leicht wie der Standardschaft, andererseits auch nicht zu schwer die viele Matchschäfte. Das Luftgewehr schießt sich damit viel angenehmer, denn das berüchtigte "Springen" hat durch die zusätzliche Masse stark nachgelassen.

Nun warte ich noch auf das 7,5-Joule-V-Mach-Kit, was wohl erst im Oktober fertig sein wird.





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Donnerstag, 16. Dezember 2010

Schneeflöckchen, weiß Röckchen


Eigentlich hätte hier dieser Tage ein Wettkampfbericht erscheinen sollen. Die Schützenkollegen aus dem polnischen Kolberg hatten mich für den 11. und 12. Dezember zur 3. Offenen Meisterschaft der Wojewodschaft Westpommern in den Druckluftdisziplinen eingeladen. Diese Einladung hatte ich dankbar angenommen und schon ein Hotel gebucht.
Doch die winterlichen Witterungsverhältnisse haben mich leider von dieser Reise abgehalten. Die Deutsche Bahn zerrt seit über zwei Wochen an meinen Pendlernerven, wenn sie für eine Strecke, die sonst in 61 Minuten bewältigt wird, meist zwischen zwei und vier Stunden benötigt. Deshalb verspürte ich keine Lust, für eine kurze Wochenendreise zweimal zehn bis zwölf Stunden Reisezeit zu investieren, obwohl sechs bis sieben Stunden die Regel wären.

Nichtsdestotrotz hat die Meisterschaft in Kolobrzeg mit insgesamt 93 Teilnehmern stattgefunden. Als „Stargast“ war Renata Mauer-Różańska, ihres Zeichens mehrfache Olympiasiegerin, zugegen. Am Sonntag wurde jeweils ein „australisches Finale“ (also die zehn besten männlichen und weiblichen Schützen zusammen) für LG und LP ausgetragen. Die Wettkampfergebnisse sind hier zu finden; Bilder gibt es hier. Meinen Glückwunsch an die Sieger!



Kehren wir noch einmal kurz zum Thema Winter zurück. In der FAZ erschien kürzlich ein lesenswerter Kommentar von Eckart Lohse: „Dauermobilität im Grenzbereich“. Dennoch erhebt sich die Frage, warum namentlich die Deutsche Bahn von jedem Wintereinbruch so überrascht wird. Ich war auch schon im Winter in Rußland unterwegs und muß sagen, daß auch dort Züge fahren – und zwar einigermaßen pünktlich. Und dort sind die Temperaturen oft ein wenig niedriger und die Schneehöhen geringfügig größer als hier in Mitteldeutschland.

Gänzlich unverständlich ist, wie ein bisher doch eher mäßiger Winter zu dramatischen Zuständen wie in der sachsen-anhaltischen Großstadt Dessau-Roßlau führen kann. Die derzeitige Lage ist doch nicht einmal annähernd mit einem echten „Katastrophenwinter“ wie 1978/79 zu vergleichen. Nachdem die Stadtverwaltung vor Wochen noch verkündet hatte, die Salz-Lager seien voll und man sei für den Winter gerüstet, wird nun über einen Engpaß an Streumitteln geklagt und der Winterdienst stark eingeschränkt. (Wie machen es nur die Menschen in Skandinavien, schließlich kommt dort das öffentliche Leben während der kalten Jahreszeit nicht zum Erliegen?)
Vielleicht sollte man auch zu einer bewährten Methode aus der DDR greifen: Die 1.400 Beamten und Angestellten der Stadtverwaltung (bei knapp 88.000 Einwohnern, hinzu kommen noch die Mitarbeiter der Eigenbetriebe und kommunalen Gesellschaften!) treten schichtweise zum Schneeschippen an, anstatt sich in gutgeheizten Büros den Allerwertesten breitzusitzen. Gerne dürfen sie dabei auch ein fröhliches Liedlein trällern. Dann bekämen wir Bürger für unsere Steuern wenigstens ein bißchen Unterhaltung geboten. ;-)

Ach ja, sollte die angebliche Erwärmung des Klimas auf der Erde nicht zum Ende schneereicher Winter führen? Zumindest wurde dieses Szenario vor Jahren von den Klimaaktivisten und Ökofanatikern verkündet. Mittlerweile hat ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb verkünden sie nun, daß der starke Winter in diesem und dem vergangenen Jahr ebenfalls ein Zeichen der Erderwärmung sein soll. Diese Widersprüche in der Argumentation der Wetterapokalyptiker wurden von Dirk Maxeiner aufgezeigt: „Der Staat ist jetzt auch fürs Wetter zuständig“. Ich sehe mich jedenfalls außerstande, die Schreckensvisionen weiter ernstzunehmen.



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Bilder: www.kskolobrzeg.za.pl.

Montag, 22. November 2010

Suhler Sportwaffen


Obwohl sie zeitlich noch nicht lange zurückliegt, ist die Entwicklung des Schießsports und der dazugehörigen Waffen in der DDR mit vielen Fragezeichen versehen, von denen sich ein Teil wohl niemals mehr auflösen lassen wird. Das ist mein Fazit nach der Lektüre von zwei Büchern aus der Feder Ernst G. Dieters: "Luftgewehre und Luftpistolen nach 1945 aus Suhl und Zella-Mehlis" und "Sportgewehre und Sportpistolen Kaliber .22 aus Suhl und Zella-Mehlis". Der unter einem Pseudonym schreibende Autor war früher in der Suhler Waffenindustrie tätig. Mit seinen beiden Schriften hat er profunde Studien der ostdeutschen Zivilwaffenentwicklung vorgelegt. Es werden nicht nur die verschiedenen Druckluft- bzw. Kleinkaliberwaffen in Wort und Bild vorgestellt, er beantwortet zudem auch Grundlagenfragen (z.B.: wie funktionieren die diversen Systeme von Druckluft- und CO2-Waffen). Des weiteren gibt er Einblick in die Waffenindustrie, die ja nicht nur aus dem bekannten Ernst-Thälmann-Werk (später: FAJAS), sondern auch aus privaten Büchsenmachern bestand, sowie die dortigen Abläufe. Und nebenbei wird noch so manches andere Thema gestreift.

Dabei hat Dieter sich, soweit ersichtlich, um eine penible Auswertung aller möglichen Quellen bemüht: Werksunterlagen, Akten des Suhler Beschußamtes, Presseberichte, Gespräche mit weiteren Zeitzeugen etc. Er hat nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, doch ist die Systematik der Bücher (Quellenverweise usw.) etwas eigenwillig und gewöhnungsbedürftig. Außerden ist die häufige Verwendung von Anführungszeichen auch bei allgemein bekannten Fachbegriffen nicht recht nachvollziehbar.
Als Leser glaubt man zunächst kaum, vor welchen Schwierigkeiten der Autor gestanden haben muß, denn für manche nach 1945 in Suhl gefertigten Waffentypen existieren keine Realstücke mehr, sondern nur noch Fotos und Zeichnungen. Der Grund hierfür liegt in der zu DDR-Zeiten geübten rigorosen Verschrottungspraxis von nicht mehr benötigten Waffen. Doch auch die Herstellerunterlagen sind bisweilen nur unvollständig erhalten geblieben.

Das Luftgewehrbuch ist ja schon seit längerem als "Haenel-Bibel" bekannt und anerkannt, doch auch der zweite Band, der sich mit den Kleinkalibergewehren und -pistolen beschäftigt, enthält manches Schmankerl. Dazu zählt vor allem das kurze Kapitel über den Schießsport in der DDR.
Dort weist er u.a. darauf hin, daß bis 1969 die UIT-Disziplinen breitensportlich betrieben worden sind. Damals wurden auch Erlaubnisse für den privaten Besitz von Sportwaffen erteilt. Erst danach wurden diese Genehmigungen widerrufen und die Privatwaffen eingezogen. Zeitgleich wurde der Schießsport aufgespalten. Für die normalen DDR-Bürger standen fortan nur noch eine Hnadvoll nationaler Disziplinen zur Verfügung, für die zudem teilweise nur qualitativ zweitklassige Waffen verwendet wurden. Die internationalen Disziplinen und die entsprechenden Matchwaffen waren nur ausgesuchten (Nachwuchs-) Leistungssportlern vorbehalten. Als Gründe hierfür nennt Dieter primär ökonomische Zwänge (Matchwaffen sind teuer) sowie die Neuprofilierung der GST als Wehrorganisation, in der der Sport als Selbstzweck eine geringere Rolle spielte.

Zurück zu den Büchern. Mit ihnen hat der Autor Männern wie Erich Krempel, Richard Greiner, Heinz Gladitz und anderen ein schönes Denkmal gesetzt. Sie waren nicht nur gute, z.T. sogar herausragende Schützen, sondern haben als Konstrukteure und Techniker auch an der Sportwaffenentwicklung mitgewirkt. Es ist bedauerlich, daß das Segment Sportwaffen zu DDR-Zeiten eine kleine Nische war und selbst im Management des Thälmann-Werkes auf Widerstände traf (Jagdwaffen waren - und sind - wohl lukrativer). Noch bedauerlicher ist, daß nach der Wiedervereinigung in den 90er Jahren die Herstellung von Sportwaffen in Suhl meines Wissens vollständig eingestellt worden ist. Somit wird man den nach 1945 dort produzierten Waffen schon heute einen kulturhistorischen Rang attestieren müssen, zumal bereits jetzt ein Mangel an Realstücken besteht, wurden doch manche Matchgewehre nur in kleinen Serien gebaut.

Abschließend noch eine ein wenig themenfremde Anmerkung: Dieter erwähnt mehrfach sog. "Feldposteinheiten" der in der DDR stationierten sowjetischen Truppen, die in Suhl Waffen beschafft haben. Dieser Tatbestand ist freilich weniger mysteriös als der Autor glauben mag. In der Sowjetarmee traten alle Dienststellen und Einheiten aus Geheimhaltungsgründen nach außen nur mit ihrer Feldpostnummer auf. Die dahinter stehenden, ganz normalen Einheiten haben einfach Jagd- oder Sportwaffen in Suhl bestellt - sei es zum Zwecke der Jagd auf den eigenen Liegenschaften, sei es zum Training der militäreigenen Sportmannschaften. Heute, im Zeitalter detaillierter internationaler Abrüstungsverträge, ist die Praxis der Feldpostnummern natürlich obsolet, auch wenn sie in vielen Nachfolgestaaten der UdSSR noch immer an den Kasernen angebracht werden. Doch mittlerweile weiß jeder, welche Einheit dort stationiert ist und sich hinter dem Code verbirgt.


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Sonntag, 5. September 2010

Ein neues altes Anschütz-Luftgewehr


Mitte August konnte ich via Egun ein Anschütz 250 erwerben und bin seither stolzer Besitzer einer Matchwaffe. Damit sind sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen worden. Zum einen brauchte ich ein Luftgewehr mit Dioptervisierung, zum anderen wollte ich schon immer eine "antike" Waffe mit Geschichte besitzen. Und das ist bei diesem Anschütz 250 der Fall. Es wurde Ende der 1960er Jahre, noch vor Einführung des "F", gefertigt, ist also erheblich älter als ich es bin. ;-) Und es hatte mit der desaströsen Politik des derzeitigen Anschütz-Managements nichts zu tun.



Ein erster Test hat gezeigt, daß es nach wie vor Matchqualitäten besitzt, sofern man als Schütze damit umgehen kann. ;-) Das LG sieht im Original noch schöner aus als auf den Auktionsbildern. Und der oder die Vorbesitzer sind offenbar schonend damit umgegangen, denn es finden sich nur wenige Kratzer am Schaft (meist auf der Unterseite), die man ohne weiteres entfernen könnte. Bevor ich die Anschütz in den Schießbetrieb integrieren kann, müssen jedoch noch Wechselkorne beschafft werden, denn mit dem eingebauten Korn komme ich leider nicht zurecht. Doch dann sollte dem Schießspaß und den engen Streukreisen nichts mehr im Wege stehen. :-)





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Mittwoch, 1. September 2010

Pistolen-Upgrade


Zunächst ein Lob an die Firma Rink Formgriffe: Der vor zweieinhalb Wochen bestellte neue Griff für meine IZh-46 ist pünktlich nach zehn Tagen bei mir angekommen. Er paßt natürlich, auch dank der Einstellmöglichkeiten. (Rink ist m.W. der einzige deutsche Anbieter von Griffen für russische Kurzwaffen.) Das, wenn man so will, Haltegefühl ist völlig neu und für meine Hand erheblich angenehmer als der alte Standardgriff. Vor allem, weil der rechte Zeigefinger jetzt besser den Abzug erreichen kann. Und die Optik ist, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend.



Ein Wermutstropfen ist jedoch festzuhalten. Durch den neuen Griff hat sich die Lage der Luftpistole in meiner Hand verändert. Leider ist damit auch das alte Leiden der Schmerzen im rechten Handgelenk zurückgekehrt. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe und auch ringzahlmäßig wieder auf dem vorhergehenden Stand bin.





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Montag, 16. August 2010

Zuwachs und ein Abgang


Ein, zugegeben, mehrdeutiger Titel. ;-) Zuwächse kann ich hinsichtlich meiner Leistungen mit der Luftpistole vermelden. Im bis dato besten 40-Schuß-Programm, geschossen am 7. August, kam ich auf 322 Ringe; die besten 10er Serien lagen bei 85 Ringen. Das ist gewiß nicht überwältigend, aber für meine bescheidenen Anfänge doch schon viel. Die Leistungsentwicklung seit der Umstellung auf die internationale LP-Scheibe und zugleich den neuen FWK ist im obigen Diagramm dargestellt (die Ausschläge nach unten haben etwas mit meiner psychischen Form an den betreffenden Tagen zu tun).
Kurzfristig steht die Bestellung eines Rink-Formgriffes für meine IZh-46 an, damit ich mit der LP endlich besser klarkomme.

Kommen wir zu dem Abgang, den ich zu vermelden habe. Nach langem Zögern habe ich am Freitag via Egun mein HW 80 K verkauft und einen überraschend guten Preis erzielt. Das Luftgewehr war schön und ich werde wohl auf absehbare Zeit keine Waffe mehr besitzen, die so schön ist. Doch die Ästhetik alleine hilft nur bedingt weiter, auch wenn Dostojewskij einmal schrieb, daß Schönheit die Welt erlösen werde. Für ein LG in dieser Konfiguration hatte ich einfach keine Verwendung mehr: Einen Knicker habe ich mit dem HW 95 bereits, für Field Target und Benchrest präferiere ein prellschlagfreies Gewehr und nur für das Schießen mit Diopter hätte ich noch einmal 100 € in eine solche Zieleinrichtung investieren müssen. Kurzum, das HW 80 stand nur noch im Schrank und war, ökonomisch gesprochen, totes Kapital. Nun wurde selbiges verflüssigt.

Das hat mich in der vergangenen Woche dazu gebracht, über meinen mittelfristig absehbaren Luftgewehrbedarf nachzudenken. Da ich diese derzeit nicht sammeln möchte (hier stehen bzw. liegen schon genug Bücher und Messer herum ;-)), soll jedes LG eine bestimmte Funktion erfüllen. Einzige Ausnahme sind meine CO2-Waffen aus Rußland, die ich vor allem als Sammlerstücke und weniger als Gebrauchsgegenstände betrachte.

Das HW 95 dient mir als universelle "Haus- und Hofflinte" und wird auch mit am häufigsten genutzt. Das Thema Universalgewehr wäre damit abgehakt.

Zweitens braucht es ein LG mit Diopter. Die ISSF-Weltmeisterschaft hat mich daran erinnert, daß ich mich mehr im Schießen mit einer derartigen Waffe üben muß - in allen drei Anschlagsarten, versteht sich. Zu diesem Behufe konnte ich ebenfalls am Freitag ein älteres, aber gut erhaltenes und schönes Anschütz 250 erwerben, das sich jetzt schon auf dem Weg hierher befinden sollte. Keine moderne Matchwaffe, ich weiß, aber für meine Zwecke sollte es genügen. Lediglich die wohl schwierige Ersatzteilversorgung bereitet mir einige Sorgen.

Drittens will ich endlich das Field-Target- und Benchrestschießen intensiver in Angriff nehmen. Dazu hatte ich zunächst an ein Preßluftgewehr im Kaliber 4,5 mm gedacht. Doch dessen Kosten rechtfertigen einen Erwerb wohl kaum, denn ich befürchte, daß ich es nicht allzu oft verwenden werde. Mithin halte ich nunmehr Ausschau nach einem Vorkomprimierer von einem der einschlägigen deutschen Hersteller (Feinwerkbau, Walther, Anschütz), der mit möglichst geringem Aufwand hergerichtet werden soll. Das bezieht sich vor allem auf die Montage eines Zielfernrohrs.

Mittel- bis langfristig kann ich freilich nicht von Federdruckgewehren aus dem Hause Weihrauch lassen. Der Unterhebelspanner HW 97 K ist bekanntlich Kult und wird irgendwann auch einmal in meinem Arsenal zu finden sein - dann allerdings im interessanten Kaliber 5,0 mm, von dem ich mich trotz der Trennung vom HW80 nicht verabschiedet habe.


Ein Bild, was nicht mehr aktuell ist. Demnächst gibt es ein Update.


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Freitag, 6. August 2010

WM-Eindrücke III


Die ISSF-Weltmeisterschaft in München ist in ihre zweite Phase eingetreten, in der verstärkt die nicht-olympischen Schießdisziplinen ausgetragen werden. Damit wird es auch um die Berichterstattung etwas ruhiger werden. ISSF TV möchte von diesen Wettbewerben immerhin Video-Zusammenfassungen produzieren.
Zur WM-Halbzeit hat die ISSF gestern mittag einen vorläufigen Medaillenspiegel veröffentlicht. Sonach sieht die Bilanz für Rußland (Platz 2 mit 6 Gold, 4 Silber, 6 Bronze) und, mit ein paar Abstrichen, auch für Deutschland (Platz 6 mit 2 G., 3 S., 2 B.) gar nicht so schlecht aus. Die Chinesen sind natürlich nicht zu schlagen, oder, wie es vorgestern ein Amerikaner formuliert hat: Der chinesische Schießsportverband ist der stärkste der Welt.



Ein Exempel dafür bot am Mittwoch das Medal Match der Frauen in der Disziplin Laufende Scheibe. Gold und Silber gingen an zwei relativ junge Chinesinnen, während Irina Ismalkowa aus Rußland nur auf Platz 3 kam - obwohl sie älter war und das Schießen auf die Laufende Scheibe ältere Teilnehmer begünstigen soll, da diese geduldiger seien. ;-) Die beste deutsche Starterin Anne Weigel kam auf Platz 8, die in Rußland sehr erfolgreiche Julia Ejdenson auf Rang 7.
Wenn man die Ergebnistabelle vom Juniorinnenwettbewerb in derselben Disziplin betrachtet, so ist es kaum übertrieben, von einer ukrainischen Dominanz zu sprechen, allerdings waren dort keine Schützinnen aus China am Start. In der Mannschaftswertung gewannen die Ukrainerinnen Gold, die deutschen Damen Silber und die russischen kamen auf Platz 3.



Das Highlight des Mittwochs war ohne Zweifel das Finale der Männer im Dreistellungskampf mit dem KK-Gewehr. Es war spannend, doch am Ende konnte Peter Sidi aus Ungarn trotz eines technischen Problems den Weltmeistertitel und damit nach der silbernen mit dem LG seine zweite Medaille bei dieser WM erringen (1275,6 Ringe). Silber ging an Jinseop Han (Südkorea) und Bronze an Nemanja Mirosavljev aus Serbien; Konstantin Prichodtschenko (Rußland) kam "nur" auf Platz 4; bester Deutscher war Maik Eckhardt (14.).
Sidi ist m.E. der stärkste Gewehrschütze dieser WM; heute tritt er schon wieder an, diesmal im Liegendkampf auf 300 m mit dem GK-Freigewehr. Er macht - ebenso wie der KK-Liegendweltmeister Sergej Martinow - einen sehr sympathischen Eindruck. Vielleicht könnte man beide als Aushängeschilde für unseren Sport verwenden, sind sie doch - wie 99,99 % aller WM-Teilnehmer - das Gegenteil jenes Menschenschlages, als der wir Schützen und Waffenbesitzer oft dargestellt werden.
Ein wenig verwundert hat mich in den Gewehrdisziplinen das nicht besonders gute Abschneiden von Matthew Emmons aus den USA. Woran dies wohl liegen mag?



Bei den Juniorinnen mit der Luftpistole waren gestern die Starter aus Asien wieder führend; Gold ging mit 382 Ringen an Tsagaandalai Khongorzul aus der Mongolei, die schlechteste Schützin (Elvira Teberga) kam auf 343. Olga Kaweschnikowa (geb. Nikulina), die mit der KK-Sportpistole Gold gewonnen hatte, wurde mit 367 Ringen nur 41. Beste Russin im Wettkampf war Swetlana Medwedewa (28.), beste Deutsche Carolin Schiller (42.).
Immerhin konnten die jungen Polinnen in der Mannschaftswertung Bronze erringen. Im übrigen scheint das Pistolenschießen den Mongolen gut zu liegen, man denke nur an die mittlerweile eingedeutschte Schützin Munkhbayar Dorjsuren. ;-)



Im Doppeltrap der Männer kam es zu einigen Überraschungen. Wassilij Mosin aus Rußland hatte den Vorkampf als Erster abgeschlossen und dabei den Weltrekord egalisiert (147 Treffer - von 150). Im Finale mußte der Arzt aus Kasan dann allerdings dem Amerikaner Joshua Richmond den Vortritt lassen, der mit 50 von 50 Treffern den Finalweltrekord egalisierte (insgesamt 196 Treffer). Sodann kam es zum Stechen um Platz 2 zwischen Mosin und dem Chinesen Binyuan Hu, das Mosin erst nach 30 Schuß für sich entscheiden konnte.
Mosin konnte damit (nach Alexej Alipow im Trap) die zweite WM-Medaille für die Rußländische Schützenunion in den Flintendisziplinen gewinnen.
Noch kurz zu den Mannschaftswertungen: Im Doppeltrap der Männer siegte das Team der USA vor Rußland und Großbritannien, die deutsche Mannschaft kam auf Platz 10. Bei den Junioren war die Rang- und Medaillenfolge Rußland, Italien, USA.



Was gibt es sonst noch zu berichten? Im am Mittwoch ausgetragenen Juniorenwettbewerb mit der KK-Sportpistole hat Alexander Alifirenko (Rußland) Bronze geholt, bester Deutscher war Andreas Heise (8.). Im (nicht übertragenen) Wettkampf Laufende Scheibe Mixed der Frauen am Donnerstag gingen alle Einzelmedaillen nach China; in der Mannschaftswertung kam Rußland nach China auf den Silberrang, Bronze holten die ukrainischen Schützinnen und die deutschen wurden vierte.



Die Frage, mit welchen Waffen bei der WM die Siege errungen wurden, treibt offenbar viele Schützen um. Es ist nicht einfach, Informationen darüber zu erhalten. Immerhin hat Igor Ruljow für einige Kurzwaffendisziplinen statistische Übersichten erstellt. Die Firma Walther hat auf ihrer Webseite die mit Walther-Waffen erzielten Erfolge aufgelistet. Außerdem finden sich dort Bilder und Berichte ebenso wie Videos (Youtube) von der WM.



Aprospos Waffe. Auf der WM wurden nicht nur die neuen LG- und LP-Modelle von Walther vorgestellt, sondern auch die neue KK-Sportpistole SP-08 (auch bekannt als SP 22 oder SP 1). Maßgeblich entwickelt wurde sie von Jefim Chajdurow, auf den Weg gebracht von der Firma Demjan aus Moskau, die eigens dafür eine Tochter in Österreich gegründet hat. Nunmehr ist auch der bekannte österreichische Waffenkonstrukteur und Geschäftsmann Gerd-Carlo Männel in das Projekt eingestiegen. Ich bin gespannt, wie sich das fertige Produkt schlagen und vor allem wann es auf den Markt kommen wird.



Abschließend noch eine etwas tiefsinnigere Anmerkung: Bei den Gewehrwettbewerben ist mir bei einigen (nicht allen!) Schützen aus Rußland aufgefallen, daß sie ihr Gewehr in den kurzen Pausen zwischen den Schüssen nicht auf dem Ständer ablegen, sondern lieber festhalten. Das ist m.E. aus psychologischer Sicht interessant (sofern man keine Vulgärpsychologie betreibt und in jeder Waffe einen Penisersatz sieht). Haben diejenigen, die ihr Gewehr ablegen, ein distanzierteres Verhältnis zu ihrer Waffe?
Ähnlich auch, wenn man die Übertragungen bzw. Videoaufzeichnungen der Finals ansieht. Manche Schützen legen ihre Waffe sofort weg oder bekommen sie weggenommen, andere halten sie hingegen siegesbewußt in die Höhe oder küssen sie sogar, während ins Publikum gelächelt wird und selbiges applaudiert. Es ist überhaupt schön zu sehen, daß sich das Schießen immer mehr zu einem zuschauerfreundlichen Sport entwickelt hat. Und wie jeder Sport, so braucht auch das Schießen seine Rituale.



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Fotos: ISSF, www.shooting-russia.ru.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Neuer LP-Fernwettkampf


Mehrfach habe ich hier in meinem Blog schon darüber berichtet, daß ich leider keinen DSB-Verein in der Nähe habe und deshalb mit einem Fernwettkampf Vorlieb nehmen muß. Bis dato war das nur der über das Forum Co2air.de organisierte. Bedauernswerterweise war ich dort in letzter Zeit der einzige Schütze, der mit der Luftpistole auf 10 m angetreten ist. Mir ist klar, daß meine Resultate nicht berauschend sind, deshalb wäre ein wenig Wettkampfatmosphäre, in der ich nicht automatisch auch den ersten Platz belege, sehr sinnvoll.

Erfreulicherweise habe ich am Wochenende eine Alternative gefunden, so daß ich am o.g. FWK wohl nur noch mit Langwaffen teilnehmen werde. Organisiert wird diese LuPi-"Gentleman-Liga" von Olga und Bogdan K., einem engagierten Schützenehepaar aus Dortmund. Er ist Pole, sie Russin, und beiden gemeinsam ist nicht nur das Kurzwaffen-, sondern auch das Field-Target-Schießen. (Wer ein wenig in den einschlägigen russischen und polnischen Foren mitliest, hat die Nutzer "Fencer" und "Hexer" vielleicht schon virtuell kennengelernt.)

An diesem Fernwettkampf nehmen bis dato 37 Schützen teil, darunter viele Polen, aber auch schon einige Deutsche (Informationen im polnischen Original und einer deutschen Übersetzung). Die Regeln sind einfach und entsprechen dem internationalen Standard: 40 Schuß einhändig auf die 10 m entfernte ISSF-LP-Scheibe (17 x 17 cm). Die Ergebnisse können bis 12 Uhr des letzten Tages im Monat online eingereicht werden. Und für den Januar 2011 ist wohl auch ein "real-life"-Treffen zwecks Ausschießen einer Finalrunde geplant.
Wenn darüber hinaus noch Fragen bestehen, kann man Bogdan hier kontaktieren; er spricht fließend Deutsch. Die Veranstalter führen unter den Teilnehmern auch eine Verlosung mit kleinen Preisen durch.

Der Entschluß, den Fernwettkampf zu wechseln, ist mir nicht übermäßig schwer gefallen. Gewöhnungsbedürftiger war allerdings die Umstellung von den bisher verwendeten 12er Ringscheiben (14 x 14 cm) auf die internationale LP-Scheibe. Bei letzterer ist der Spiegel deutlich größer. Doch nach einigen Startschwierigkeiten dürfte mir auch dies gelungen sein. Oben ist mein erster 40-Schuß-Durchgang zu sehen, den ich gestern früh im Garten auf 12 m mit der IZh-46 geschossen habe. 276 Ringe von 400 möglichen - ich hatte es mir schlechter vorgestellt. ;-)

Es wäre schön, wenn sich noch mehr Luftpistolenschützen an diesem Fernwettkampf beteiligen würden, denn die polnisch-deutsche Sprachbarriere ist doch wohl - auch dank Einrichtungen wie Google Translate - kein ernsthaftes Hindernis.


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Sonntag, 18. Juli 2010

Bekennender JSB-Fan ;-)


Im Herbst 2009 bin ich zum Konvertiten geworden: Hatte ich zuvor nicht an die "Wunderkräfte" der Diabolos des tschechischen Herstellers Josef Schulz, Bohumin, geglaubt, so hat mich der praktische Test eines besseren belehrt. Nachdem im April der kleine JSB-Vorrat für mein HW 95 zuende gegangen war, konnte ich erst dieser Tage wieder Nachschub ordern - bei der bewährten Fa. Schneider, welche jetzt auch die etwas selteneren Sorten führt.
Binnen 36 Stunden wurden je 500 Schuß Exact Jumbo Express und Exact Jumbo RS im Kaliber 5,5 mm geliefert. Bei beiden Sorten handelt es sich um mittelschwere Rundkopfdiabolos, wobei die RS (die es auch in 4,5 mm gibt) noch etwas leichter sind und damit besonders für die Märkte gedacht sind, wo - wie in Deutschland - ein relativ niedriges Energielimit für Druckluftwaffen besteht. Die Gewichte liegen bei 0,93 g (Express) und 0,87 g (RS).

Die ersten Tests der beiden Sorten waren für mich wieder überraschend. Über zwei Monate mußte ich mich mit den H&N Field Target Trophy begnügen und meine Schießergebnisse haben sich signifikant verschlechtert. (Überdies sind die H&N FTT teurer als die JSBs.) Aber jetzt sind die Trefferbilder wieder deutlich besser geworden. Ich hätte noch vor einem Jahr nicht geglaubt, welche Unterschiede es zwischen zwei ähnlich konstruierten Dias mit demselben Gewicht geben kann.
Die Jumbo RS haben - freihändig auf 13 m geschossen - leicht bessere Resultate gebracht als die geringfügig schwereren Jumbo Expreß. Dennoch kann ich (bisher) nicht von wirklich deutlich wahrnehmbaren Unterschiede zwischen den beiden Sorten sprechen. Somit kann derzeit auch keine Empfehlung für eine davon ausgesprochen werden. Vielleicht sind mir demnächst ein paar Langstreckentests möglich.

Und damit dieser Beitrag nicht nur meinen unprofessionellen Äußerungen über technische Fragen dient ;-), nachfolgend noch ein Video von einem (Hunter-)Field-Target-Wettkampf im englischen Tawd Vale.





PS: Auf dem obigen Bild liegen LG und Dias auf einer Feldjacke der Fa. Helikon.


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Freitag, 18. Juni 2010

Der Beginn des Sportschießens mit Luftgewehren

Nachdem gestern die technische Seite behandelt wurde, geht es heute um den Beginn des sportlichen Schießens mit Druckluftwaffen in der DDR. Die Artikel stammen ebenfalls aus der GST-Zeitschrift Der Sportschütze bzw. deren Vorgängerpublikation Sportschießen und Pferdesport.
1. Das Training mit dem Luftgewehr (1955):



2. Ist Leistungssport mit dem Luftgewehr möglich? (1956)



3. Im Jahre 1959 wurden erste nationale Wettkampfregeln entworfen:



4. Mit diesem kleinen Artikel sollen jugendliche LG-Besitzer für die Teilnahme am organisierten Schießsport motiviert werden (1960):



5. Jetzt werden die ersten internationalen Regeln vorgestellt (1960):



6. Abschließend ein Bericht vom ersten DDR-Vergleichsschießen für Luftgewehrschützen in Leipzig (Februar 1960), dem "Schützenmekka" der DDR in den 1950er und 60er Jahren:




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Donnerstag, 17. Juni 2010

Druckluftwaffen in der frühen DDR

Nachfolgend werden einige Artikel aus der GST-Zeitschrift Der Sportschütze (bzw. deren Vorgängerorgan Sportschießen und Pferdesport) aus den 1950er Jahren wiedergegeben, welche die technische Entwicklung von (Haenel-)Druckluftwaffen in den Anfangsjahren der DDR dokumentieren. (Ab 1957 waren LGs für die Allgemeinheit erhältlich.) Morgen wird es um die (wettkampf-)sportliche Seite gehen.
Zunächst ein Bericht über die Waffenherstellung im Ernst-Thälmann-Werk Suhl (1957):




Der zweite Artikel richtet sich an die Kunden und gibt Hinweise für Pflege und Handhabung (1957):




Jetzt wird das erste Wettkampf-Luftgewehr von Haenel, das Modell 4, vorgestellt (1959):



Abschließend noch zwei Berichte von der Leipiziger Messe aus den Jahren 1955, 1957 und 1959, in denen es u.a. um Druckluftwaffen aus Suhl und Brünn geht:





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Samstag, 12. Juni 2010

Luftpistolenschießen wird immer populärer

Die junge Schützin Jekaterina Barsukowa mit ihrer Trainerin Jelena Abarinowa.


Wer sich angesichts der Überschrift fragt, ob von Deutschland die Rede ist, den kann ich beruhigen: Nein, natürlich nicht. Hierzulande wird weiter gegen jede Art von Schießsport gehetzt - selbst dann, wenn lediglich harmlose Druckluftwaffen Verwendung finden (siehe z.B. hier und hier). In Schottland sind die Waffengegner sogar noch weiter; dort werden jetzt sämtliche Luftgewehre und -pistolen unter Erlaubnispflicht gestellt. Aber noch gibt es, auch in Europa, Gesellschaften, die sich diesen Dekadenzerscheinungen widersetzen. Rußland gehört dazu.

Der deutschsprachige Dienst des Rundfunksenders Stimme Rußlands hat am 29. Mai einen interessanten Beitrag über das LP-Schießen von Moskauer Jugendlichen gebracht. Darin wird auch ein Blick auf die Entwicklung des Schießsports in der RF geworfen, wo die Frauen langsam zu dominieren scheinen:
"[...] Dieses Jahr - 2010 - kann als Olympisches Jahr bezeichnet werden. Die Winterolympiade in Vancouver ging zu Ende, und im August wird in Singapur die erste Sommer-Olympiade der Junioren im Alter von 14 bis 18 Jahren stattfinden. Eine der Sportarten, die dort vertreten sein werden, ist das Luftpistolenschießen. Die verdiente Trainerin Russlands Jelena Abarinowa brachte [der Reporterin, E.K.] Anna Akopowa das Luftpistolenschießen bei.

Die Schützlinge von Jelena Abarinowa sind Sieger der Europa-Meisterschaft. Jekaterina Barsukowa brachte aus Deutschland 3 Silbermedaillen der jüngsten Wettkämpfe. Sie sagte, dass die deutsche Auswahlmannschaft im Luftpistolenschießen eine sehr starke Konkurrenz für Russland darstellt. Aber man hat überall Angst vor unseren Sportlern.

In Tschechien fanden praktisch gleichzeitig mit den Wettkämpfen im Luftpistolenschießen in Deutschland internationale Wettkämpfe teil, aber ältere Sportler. Die Deutschen gewannen alle Medaillen. Was die Wettkämpfe unter den Junioren in Deutschland betrifft, so gewann meine Freundin Katja Lewina eine Goldmedaille. Ich dachte bis zum Schluss, dass ist siegen wird, aber sie schoss besser.

Die Trainerin der höchsten Kategorie im Pistolensportschießen Jelena Abarinowa arbeitet mit ihren sechs Schützlingen in der Moskauer Schule der olympischen Reserve Nr. 2. Es stellte sich heraus, dass in der Schule nur Mädchen sich mit dem Schießen befassen. Als unsere Korrespondentin fragte, worauf das zurückzuführen ist, erläuterte die Trainerin. Es ist schwer zu sagen, wer mehr Sport treibt - die Jungen oder die Mädchen. Das Schießen assoziiert sich mehr mit Männern, aber bei uns gibt es keine Privilegien aus Geschlechtsgründen. Warum Mädchen? Sie waren einfach würdiger als jene Jungs, die versuchten in unsere Schule aufgenommen zu werden. Man muss bestimmte Verpflichtungen erfüllen, um in der Schule der olympischen Reserve zu lernen. Man muss eine gute Gesundheit haben, sehr gut lernen, weil parallel zum Schießen der Bildungsprozess verläuft, und natürlich sportliche Errungenschaften demonstrieren. Die Ergebnisse dieser Mädchen entsprachen den Anforderungen. Alle kommen aus verschiedenen Städten, unter ihnen gibt es keine Moskauerinnen.

Wenn sie bei den russischen Wettkämpfen erfolgreich auftreten, dann haben sie Chancen in die Auswahlmannschaft des Landes zu gelangen und an Europa- und Weltmeisterschaften teilzunehmen. Zwei hervorragende Sportlerinnen, über die wir bereits sprachen, gewannen die Lizenz, die ihnen das Recht gibt an den Olympischen Spielen der Junioren in Singapur im Sommer 2010 teilzunehmen. Die Spezialisierung der Mädchen ist die Pistole, weil zum Schießen auch das Gewehrschießen gehört. In Moskau gibt es nur in dieser Schule eine Abteilung für Schießen.

Warum entschloss sich Jekaterina Barsukowa für diese, wie es scheint, männliche Sportdisziplin? Sie sagte im Gespräch mit unserem Korrespondenten:

„Die Eltern meiner Freundin sind Trainer im Schießen, und wir gingen ein Mal zum Schießplatz, wo sie arbeiten. Man schlug mir vor zu schießen. Mir gefiel das. Das Schießen war für mich zuerst wie ein Hobby. Dann hat man mir vorgeschlagen mich damit professionell zu befassen, ich verhielt mich zur Sache ernst. Dann nahm ich an Wettkämpfen teil, die in Smolensk stattfanden. Ich trat erfolgreich auf und wollte etwas Besseres erreichen. Dieses Streben ging so weit, dass ich etwas Größeres erreichen will".

Vielleicht werden Mädchen aus der Moskauer Schule der Olympischen Reserve Nr. 2 in absehbarer Zukunft Olympiasiegerinnen in Singapur und danach auch bei der Olympiade in London 2012 sein."

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Foto: Anna Akopowa/german.ruvr.ru.

Samstag, 22. Mai 2010

22.05.2010: Videos des Tages

Die Mitarbeiter des polnischen Waffenhandelsunternehmens Kolter lassen ihre Kunden an den Eindrücken der IWA 2010 teilhaben, wobei Druckluftwaffen ein Schwerpunkt sind.











PS: Frohe Pfingsten!

Dienstag, 11. Mai 2010

Zur Lage des Schießsports in Rußland


Von Beginn an habe ich hier auf Backyard Safari hin und wieder über die Entwicklung des Sportschießens in Rußland berichtet. Die folgenden, sehr allgemeinen Einlassungen (die ich schon im Meisterschaftsbericht versprochen habe) sind keine wissenschaftliche Analyse, vermutlich nicht einmal ein seriöser journalistischer Text, denn dazu fehlt es ihnen an substantieller, nicht-virtueller Recherche. Es geht vielmehr darum, gewisse Impressionen zu vermitteln, wobei ich mich selbstverständlich um eine objektive Darstellung bemühen werde. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß ich bestimmte Aspekte falsch wahrnehme oder schief wiedergebe. In diesem Fall bitte ich um einen kritischen Kommentar. Als wichtigste Informationsquelle, auch hinsichtlich weiterer Verweise, dient mir das Forum Talks.guns.ru, insbesondere jener Teil, der sich mit den „traditionellen“, also den ISSF-Disziplinen befaßt.

Beginnen wir mit den waffenrechtlichen Grundlagen. Das Waffengesetz der Rußländischen Föderation stammt aus den 1990er Jahren und ermöglicht den privaten Besitz von Schußwaffen. Allerdings in unterschiedlicher Abstufung. Druckluftwaffen bis zu einem Kaliber von 4,5 mm und einer Energie von 7,5 Joule sind erlaubnisfrei. Alle anderen Langwaffen bedürfen einer „WBK“, wobei diese für einen nicht vorbestraften Bürger ohne größere Probleme erhältlich ist. Restriktiver scheint die Vergabe von Erlaubnissen für Kurzwaffen zu sein, obwohl auch in Rußland IPSC- und ähnliche Wettbewerbe ausgetragen werden. Das soll für heute genügen; Details des russischen Waffenrechts bleiben einem späteren Artikel vorbehalten, zumal derzeit eine Gesetzesänderung bezüglich der sog. Traumawaffen diskutiert wird.



Einen Aufschwung haben in den letzten Jahren neue, aus dem Ausland importierte Schießsportdisziplinen erlebt. Zum Teil auch deshalb, weil sie für die aufstrebende Mittelschicht von Interesse waren und nicht dem verstaubten Image der traditionellen Disziplinen entsprochen haben. Zum Teil aber auch deshalb, weil man hier nicht von vorgefundenen, halb-öffentlichen, halb-privaten (und oftmals nicht funktionierenden) Organisationsstrukturen abhängig war und sich seine eigenen gemäß dem „Bottom-up“-Prinzip aufbauen konnte, die dem bürgerlichen Selbstbewußtsein eher entsprochen haben.

Nehmen wir als Beispiel das Luftgewehrschießen. Jeder darf sich ein Luftgewehr kaufen und – theoretisch – überall damit schießen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis aus dem fallweisen Plinking mehr wurde und sich Gleichgesinnte zusammengefunden haben. Heute existiert in Rußland eine agile Druckluftwaffenszene, in der man nicht nur Field Target, sondern auch Benchrest, Varmint und andere Disziplinen schießt, die oftmals kreativ zusammengestellt werden. Viele Schützen verfügen mittlerweile über erlaubnispflichtige Waffen, die zumeist aus dem Ausland importiert wurden. Aus dem einstigen Zeitvertreib ist somit ein ernsthafter (und teurer) Sport geworden.
Eine ähnliche Entwicklung möchte ich dem GK-Benchrestschießen und den dynamischen Disziplinen (insonderheit IPSC) attestieren. Sie sind, wenn man so will, in Mode.

Das kann man von den traditionellen Disziplinen, die mit Kleinkaliber- und Druckluftwaffen geschossen werden, nicht gerade behaupten. Der größten Beliebtheit dürften sich noch das Flintenschießen erfreuen, sind diese Waffen doch weitverbreitet und gelten als die traditionellen Jagdwaffen. Sportlich wird damit nicht nur auf Wurfscheiben, sondern, mittels Flintenlaufgeschossen, auch auf normale Papierscheiben geschossen.



In den KK- und DL-Disziplinen macht sich wohl der Niedergang des vor Jahrzehnten führenden sowjetischen Schießsports am stärksten bemerkbar. In den Foren wird regelmäßig geklagt: Es fehlt an qualifizierten Trainern, an einigermaßen modernen Schießständen, an geeigneten Waffen (die nicht schon 30 Jahre alt sind), ja sogar an Übungsmunition. Für die Olympischen Spiele 2012 prophezeien manche ein Desaster. Als Hauptproblem wird der Mangel an Geld genannt.
Man ist es von früher her gewöhnt, daß der Staat für alles aufkommt, schließlich war Schießen ein Volkssport. Ganz vereinzelt wird gar die Meinung vertreten, die Aufgabe des Schützen bestehe darin, den Ruhm seines Vaterlandes bei internationalen Wettkämpfen zu mehren; im Gegenzug müsse sich die Obrigkeit um die Bedürfnisse des Schützen kümmern. Doch der Sozialismus ist in Rußland seit 20 Jahren vorbei und Schießen ist nun einmal – leider – kein Sport für Arme. Ich habe den Eindruck, daß manchen dieser Schützen die Initiative (und z.T. sicher ebenso das dicke Bankkonto) fehlt, um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Anstatt nach Sponsoren zu suchen, verhandelt man lieber endlos mit der Stadtverwaltung über Mittel für die Renovierung eines maroden Schießstandes.
Doch es gibt auch positive Gegenbeispiele. Schützen, die sich ihre eigenen Waffen und Munition kaufen und sich ggf. auf einem kommerziellen Stand einmieten. Oder ganze Klubs, die nur noch pro forma den offiziellen Sportstrukturen (siehe dazu unten) angehören, finanziell jedoch eigene Wege gehen.



An dieser Stelle möchte ich Michail A. Schterzer vorstellen. Er ist nicht nur ein guter Pistolenschütze, er engagiert sich zudem für die Entwicklung der ISSF-Disziplinen im Gebiet Kaluga. Das tut er nicht nur im versteckten Kämmerlein, sondern auch öffentlich. In seinen Publikationen kritisiert er regelmäßig Mißstände, jedoch nicht in einem jammervollen, sondern in einem sachlichen Ton. Er meint z.B., daß der Staat eigentlich genügend Geld für die Entwicklung des Schießsports zu Verfügung stelle (und macht dies für seine Region an konkreten Zahlen fest). Von den vielen Millionen ginge jedoch in einem Kompetenzwirrwarr diverser regionaler und kommunaler Behörden so viel verloren, daß unten, an der Basis, kaum etwas ankomme.
(Wer der russischen Sprache mächtig ist, sollte sich seine hier veröffentlichten Artikel zu Gemüte führen. Bei Talks.guns.ru firmiert er unter dem Pseudonym „Golden Mike“.)

Doch diese Kritik trifft offenbar nicht überall und nicht in gleichem Maße zu. Es gibt auch Schützen, die davon berichten, daß sie diese Probleme nicht haben.



Jetzt muß etwas zu den Organisationsstrukturen des Schießsports gesagt werden, wenngleich sich die Russen wohltuend von der deutschen Vereinsmeierei abheben. Ganz oben haben wir die Strelkowyj Sojus Rossii (Abk.: SSR, dt.: Schützenunion Rußlands). Sie vereinigt als Dachverband nicht nur die Schützen der ISSF-Disziplinen, sondern darüber hinaus auch Benchrester und IPSC-Schützen, die (ebenso wie die Flintenschützen) in eigenen Teilverbänden organisiert sind. Neben und außerhalb der SSR existieren ein Field-Target-Verband sowie ein gesonderter Verein der Druckluftschützen.

Die SSR, deren derzeitiger Vorsitzender Wladimir Lissin ist und der sowohl natürliche als auch juristische Personen angehören, gliedert sich wiederum in regionale Teilverbände, welche die Hauptarbeit leisten. Ihnen sind die einzelnen Schießsportklubs angeschlossen. Wobei der Name Klub nicht zwangsläufig bedeuten muß, daß es sich um einen Verein im Rechtssinne handelt. Viele dieser Klubs existieren an Schulen und entsprechen damit den Arbeitsgemeinschaften deutscher Schulen. Andere sind rechtlich völlig selbständig (im Sinne eines deutschen e.V.), wieder andere sind an die DOSAAF (die einige Jahre ROSTO hieß) angeschlossen oder gehören zum Innen- oder Verteidigungsministerium (Stichwort: Sportsoldaten). Letztere sind weitgehend öffentlich finanziert.



Die DOSAAF war früher eine Wehrsportorganisation (wie die GST in der DDR), heute ist sie ein Dachverband für diverse Sportarten und betreibt ferner das größte Fahrschulnetz in Rußland. Die Organisation ist auch einer jener Kanäle, über die der Staat den Schießsport direkt fördert – sofern das Geld nicht unterwegs irgendwo versickert …

Viele Schießstände gehören der öffentlichen Hand, entweder der DOSAAF oder aber den Kommunen (vor allem in Schulen untergebrachte Stände). In den Schulen bringt man vielen Schülern durchaus Grundlagen des Schießens bei und es werden auch regelmäßig Wettbewerbe zwischen den einzelnen Schulen ausgetragen. Aber alles, was über die „Basics“ hinausgeht, wird schwierig. Mancherorts existieren spezielle Jugendgruppen, die der Vorbereitung auf den Leistungssport dienen sollen. Das ist der Schwerpunkt der staatlichen Förderung: Junge Talente und künftige Olympiateilnehmer.
Auf einer menschlichen Ebene kann ich die Verbitterung älterer Schützen über diese Schwerpunktsetzung verstehen, aber es hindert sie niemand daran, „ihr eigenes Ding zu machen“. Das ist der Unterschied zur Sowjetzeit. Und es gibt, wie gesagt, auch Leute die das tun und sich nicht auf das Jammern verlegen. Gewiß, dann muß man mit Bürokraten kämpfen, aber das müssen private Waffenbesitzer heutzutage auf der ganzen Welt.



Langsam scheinen sich jedoch auch die traditionellen Disziplinen wieder zu erholen. Im April ist ein jahrelanger Rechtsstreit um das Schießstandgelände bei Moskau, auf dem 1980 die Olympiawettbewerbe ausgetragen worden sind und das kurz vor dem Abriß stand, positiv für die Sportverbände ausgegangen. Schießstände werden saniert oder neu errichtet, in den letzten Jahren etwa in Lipezk und St. Petersburg. Und auch viele Schützen haben es satt, sich mit „ausgenudelten Vereinshuren“ abzumühen und können sich jetzt, dank des gewachsenen Wohlstandes, eigene Waffen leisten.

Allenthalben wird der Mangel an talentiertem Nachwuchs beklagt. Die breitensportliche Basis sei heute zu dünn, um genügend neue Leistungssportler aufbauen zu können. Zudem seien die Schießergebnisse im Vergleich zur Zeit vor 20 oder 30 Jahren deutlich schlechter. Die männliche Jugend ziehe es vor, sich vor dem Computer zu vergnügen und dabei zu verweichlichen; in manchen Klubs würden schon zu 80 % Mädchen trainieren und dabei bessere Resultate erzielen als die Vertreter des „starken Geschlechts“. Aussichtsreiche Sportler und gute Trainer würden es zudem oft vorziehen, ins Ausland zu gehen, wo sie sich, auch wegen ihrer Fertigkeiten, bessere Aussichten erhoffen.



Zumindest die letzte Klage ist nachweislich berechtigt. Wie gehaltvoll die übrigen sind, vermag ich nicht abzuschätzen. Aber es scheint wirklich sehr starke regionale Unterschiede zu geben, die auch vom Engagement der jeweiligen verantwortlichen Funktionäre und Beamten abhängen. Leider sehe ich mich außerstande, die internationale Position des russischen Schießsports einzuschätzen. Ganz erfolglos scheinen seine Vertreter jedoch nicht zu sein, weder in den ISSF-Disziplinen noch etwa im Field Target.

Fest steht, daß sich der Schießsport in der RF auf zwei verschiedenen Bahnen entwickelt: Die traditionellen Disziplinen sind in einer schon länger andauernden Krise, wohingegen sich die neuen Disziplinen zunehmender Beliebtheit erfreuen. Letzteres sicher nicht nur wegen ihrer Anziehungskraft auf moderne Menschen, sondern auch wegen der finanziellen Eigenständigkeit. Man wartet nicht auf „die da oben“, sondern packt selbst zu. Gleichwohl ist bemerkenswert, daß die SSR nach wie vor eine organisatorische Klammer ist, die beide Trends miteinander verbindet. Obwohl es auch in Rußland die leider hinlänglich bekannten Grabenkämpfe zwischen den einzelnen „Fraktionen“ der Schützen gibt, ist das Band zwischen ihnen nach wie vor nicht zerschnitten.

PS: Hier finden sich weitere Fotos russischer Sportschützen.



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Fotos: www.stjag.ru, picasaweb.google.com/359867, picasaweb.google.com/voskres.