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Montag, 3. Oktober 2011

Der Schießstand in Mytischtschi




Es gibt einen sowjetischen Actionfilm über die Zeit des Zweiten Weltkrieges, der eine eigenartige Eingangsequenz aufweist. Parallel zur Vorstellung der Schauspieler werden Bilder aus verschiedenen Sportarten gezeigt. Ferner führt einer der Soldaten eigenartige Schießkunststücke vor. Der Film heißt "Otrjad osobogo nasnatschenija" (dt.: Abteilung besonderer Bestimmung oder einfach Sonderabteilung) und stammt aus dem Jahre 1978. Die Handlung läßt sich kurz zusammenfassen: Eine kleine Gruppe von Spezialkämpfern wird hinter den deutschen Linien abgesetzt, um einen beim Rückzug zurückgebliebenen Raketenwerfer vom Typ "Katjuscha" zu zerstören. Das ist durchaus spannend, doch viel interessanter finde ich die Vorstellung der Soldaten in den ersten Minuten des Films (siehe obiges Video). Die Einheit besteht nämlich fast ausschließlich aus Leistungsportlern verschiedener Disziplinen. Und eine solche Spezialeinheit hat es in der SU tatsächlich gegeben.

Im Juni/Juli 1941 wurde in Moskau die Selbständige Motorisierte Schützenbrigade besonderer Bestimmung (russ. Abk.: OMSBON) vom NKWD formiert. Das Personal bestand größenteils aus Freiwilligen, an denen damals kein Mangel bestand, darunter viele Studenten und Sportler aus Moskau und Umgebung. Dies bescherte ihr den Spitznamen "sportliche Spezialeinheit". Später erreichte die Brigade eine Stärke von rund 2500 Mann und gliederte sich in zwei Schützenregimenter plus Unterstützungseinheiten. Obwohl die Organisation recht konventionell war, nahm die OMSBON nicht nur an der Schlacht um Moskau Ende 1941 teil, sondern stellte vor allem Aufklärungs- und Diversionsgruppen auf, die hinter die deutschen Linien verbracht wurden, um dort den kleinen Krieg zu führen. Anfang 1943 wurde die Brigade in dieser Form aufgelöst.

Am 9. Mai 2011 trafen sich die OMSBON-Veteranen im Moskauer Dynamo-Stadion, um ihrer gefallenen Kameraden zu gedenken:





Der bulgarische Emigrant Iwan Winarow, der seit den 1930er Jahren Offizier der Roten Armee war und dort in der Auslandsaufklärung diente, beschrieb die Aufstellung der Brigade in seinen Memoiren wie folgt:
"[…]

Das Internationale Regiment der Sonderbrigade zählte am Anfang nicht ganz tausend Soldaten. Fast ein Drittel, etwa dreihundert Genossen, waren spanische Emigranten. Die anderen waren Tschechoslowaken, Polen, Österreicher, Ungarn, Jugoslawen, Deutsche, sechs Vietnamesen, Franzosen, Finnen. Es gab sogar einige Engländer im Regiment, Mitglieder der Kommunistischen Partei Großbritanniens, die der Krieg auf einer Moskaureise überrascht hatte. Die österreichischen Genossen stellten nach den Spaniern die stärkste Gruppe. […]

Die Zusammensetzung des Regiments änderte sich ständig. Immer noch trafen im Winter 1941 ausländische Genossen in Moskau ein, die ihre Parteiführungen von Baustellen und Instituten des ganzen Landes riefen. Andere Genossen stellten wieder nationale Brigaden auf, Grundstock für die Bruderarmeen, die später an der Seite der Roten Armee den Kampf gegen die Aggressoren aufnahmen. […]

Das zweite Regiment der Sonderbrigade stellten Moskauer Partei- und Komsomolfunktionäre, Mitarbeiter der Aufklärung und Gegenaufklärung sowie Mitglieder der Moskauer Sportorganisation „Dynamo“. Zu diesen Truppenteilen gehörten also hochqualifizierte, militärisch gutausgebildete und für Sonderaufgaben vorbereitete Genossen, die jeden Auftrag erfüllen konnten. Welche Aufgaben hatten sie?

Ursprünglich war die Sonderbrigade zur Sicherung Moskaus aufgestellt worden. Später änderte sich die Lage an der Front und damit auch die Aufgabe. Die Brigade wurde größer und verwandelte sich in eine Basis für die Ausbildung der Kundschafter- und Fallschirmgruppen, die hinter der Front wirkten. Sie entwickelte sich auch zu einer Zentrale für die Koordinierung, Hilfe und Organisation der Partisanenbewegung im Rücken des Feindes.
Im Oktober/November [1941] hatte die Brigade nur eine einzige Aufgabe, die Verteidigung der sowjetischen Hauptstadt.

Unter der Leitung der Kommunistischen Internationale, der Militäraufklärung und des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten wurde die Sonderbrigade in kurzer Zeit vervollständigt, organisiert und ausgerüstet. Kommandeur der Brigade wurde M. F. Orlow, der als Kommunist schon am Bürgerkrieg teilgenommen hatte, Kommissar Oberst A. A. Maximow und Stabschef Oberstleutnant F. J. Sedlowski. Kommandeur des Internationalen Regiments wurde W. W. Gridnew und ich wurde Kommissar. Die meisten Offiziere der Brigade kannte ich von der „Frunse“-Akademie oder aus der gemeinsamen Arbeit in der Verwaltung Aufklärung.

Die Sonderregimenter waren in den Gebäuden der Volkskommissariate für Verteidigung und für Innere Angelegenheiten stationiert und taten dort ständig Dienst.
Als sich die faschistischen Truppen Moskau unmittelbar näherten, ging auch die Sonderbrigade an die Front. Ihr Abschnitt war etwa 30 Kilometer breit und einen Kilometer tief. Der Stab der Sonderbrigade befand sich in einem Raum des Hauses der Gewerkschaften.

[…]" (I. Winarow: Kämpfer der lautlosen Front, 3. Aufl., Berlin 1984, S. 215 f.)



Ein erstes Konzept für den Einsatz von Spezialkräften im Rücken des Gegners hatte im Sommer 1941 der Schriftsteller und frühere Nachrichtendienstoffizier Dmitrij N. Medwedew vorgelegt. Medwedew hatte 1939 ausscheiden müssen, nachdem sein Bruder den stalinschen Repressionen zum Opfer gefallen war; erst nach Kriegsbeginn wurde er reaktiviert. Ins Werk gesetzt wurde sein Konzept u.a. von Wjatscheslaw Gridnew, zunächst Chef des 1. Regiments und ab August 1942 der gesamten Brigade. Gridnew hatte zuvor in den Grenztruppen und der Auslandsaufklärung des NKWD gedient.

Die ersten Ausbildungsbasen für die Soldaten der OMSBON waren das Moskauer Dynamo-Stadion und die Schießanlage in Mytischtschi, welche nordöstlich der Hauptstadt liegt und ebenfalls zur Sportorganisation Dynamo gehörte. Der Schießstand war 1925 errichtet worden und diente vor allem dem Schießtraining von Polizisten. In der Kriegszeit dominierte die militärische Nutzung, während danach die sportliche in den Vordergrund trat. Nach der OMSBON hielt eine Scharfschützenschule auf dem Gelände Einzug. Auch in den Folgejahren haben auf den dortigen Bahnen z.B. die Scharfschützen der Spezialgruppe "Alfa" trainiert.



Die Trennlinie zwischen reinem Schießsport und vormilitärischen Training wurde in der Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten ohnehin nie so stark gezogen wie etwa in Deutschland. Während man in der UdSSR (und heute in ihren Nachfolgestaaten) in jedem guten Schützen einen potentiellen Vaterlandsverteidiger
erblickt, war man selbst in der DDR um eine strikte Unterscheidung bemüht. Aufschlußreich sind in dieser Hinsicht verschiedene Artikel, die in den Jahren 1958 bis 1960 in der Zeitschrift Der Sportschütze erschienen sind. Viele ostdeutsche Schützen wollten vor allem unpolitische und unmilitärische Nur-Sportler sein. (Vgl. insbesondere W. Schöer: Scharfschütze oder Sportschütze?, in: Der Sportschütze 8/1958, S. 20.)

Doch zurück nach Mytischtschi. Dieser Schießstand hatte für den sowjetischen Sport eine große Bedeutung und war fast schon legendär (insoweit paßt der Vergleich mit dem Stand in München-Hochbrück). Nach größeren Umbauten wurde hier die UIT-Weltmeisterschaft 1958 ausgetragen. 1980 folgten die Schießwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele und 1990 erneut die ISSF-WM. Die Anlage war eine der größten ihrer Art in der UdSSR; dort wurden zahlreiche nationale und internationale Wettkämpfe ausgetragen. Ferner waren und sind dort zahlreiche Schießklubs beheimatet.

Nach dem Ende der UdSSR begann eine Odyssee um das Gelände, das zwischenzeitlich unter obskuren Umständen mehrfach die Besitzer gewechselt hat und heute der Errichtung von Luxusvillen dient. Der Schießbetrieb wurde schon vor Jahren weitgehend eingestellt und die Schießstände verfielen oder wurden sogar abgerissen. Derzeit wird ein Rechtsstreit mit dem Ziel geführt, die Anlage an Dynamo zurückzugeben und wieder für den Schießsport herzurichten. Ob dieses Unterfangen trotz eines positiven Gerichtsurteils vom April 2010 gelingen wird, bleibt abzuwarten. Immerhin haben es die Moskauer im Oktober letzten Jahres geschafft, eine Demonstration für die Wiederherstellung des Schießstandes zu organisieren (siehe auch das Video unten).





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Dienstag, 14. Juni 2011

Fjodor W. Tokarew (1871-1968)

Heute vor 140 Jahren, am 14. Juni 1871, wurde der spätere russische Waffenkonstrukteur Fjodor Wassiljewitsch Tokarew geboren. Er kam in einer armen Kosaken-Familie, die in der Staniza Jegorlykskaja (bei Rostow am Don) lebte, zur Welt. Seit seinem elften Lebensjahr arbeitete er bei Dorfhandwerkern. 1885 trat er in eine Berufsschule für Metallverarbeitung ein und kam erstmals mit dem Bau von Schußwaffen in Berührung. 1888 wurde er - wie bei den Kosaken üblich - Soldat und besuchte eine Unteroffiziersschule in Nowotscherkassk, wo er zum Waffenmeister ausgebildet wurde. Ab 1892 diente er als Waffenmeister im 12. Donkosaken-Regiment.

Von 1896 bis 1900 studierte Tokarew an der Militärtechnischen Schule in Nowotscherkassk und verließ diese als Offizier. Danach kehrte er als leitender Waffenmeister ins 12. Regiment zurück. 1907 wurde er an die Offiziersschießschule in Oranienbaum (bei St. Petersburg) kommandiert. Diese Schule war, zusammen mit den am selben Ort vorhandenen Waffenschule und Schießplätzen, eines der Zentren des Waffenbaus im Zarenreich. Bekannte Konstrukteure von Handfeuerwaffen wie Fjodorow oder Degtjarjow wirkten in Oranienbaum.


Fjodor Wassiljewitsch in seiner Werkstatt.


An diesem Ort begann Fjodor Wassiljewitsch seine Entwicklungsarbeit. 1910 legte er einen ersten Prototypen für die Konversion des Mosin-Nagant-Repetiergewehrs in einen Halbautomaten vor. Die Arbeiten an diesem Projekt gingen bis zum Kriegsausbruch 1914 weiter. Während des 1. WK war Tokarew in der Waffenfabrik von Sestrorezk tätig, zuletzt als als Technischer Direktor. 1919, nach der Oktoberrevolution, wurde er als "Militärspezialist" in die Waffenfabrik nach Ishewsk geschickt; 1921 wechselte er nach Tula. Damit hat Tokarew in fast allen russischen Waffenfabriken seiner Zeit gearbeitet.

Von 1921 bis 1925 arbeitete er an einer Modernisierung des schwerem Maschinengewehrs Maxim, dem "Maxim-Tokarew Modell 1925". Zwei Jahre danach legte er den Prototypen einer "Maschinenpistole Tokarev Modell 1927" vor. Diese vollautomatische Waffe verschoß die vom Nagant-Revolver her bekannte Patrone 7,62 x 38 mm.



Ab 1930 beteiligte er sich am Wettbewerb für eine neue sowjetische Armeepistole. Sein Entwurf mit einem modifizierten Browningverschluß wurde als "Tula-Tokarew Modell 1930" bezeichnet und ging als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. 1933/34 wurde die TT-30 weiterentwickelt und schließlich unter dem Namen TT-33 (Tula-Tokarew Modell 1933) als offiziell als neue Seitenwaffe in die sowjetischen Streitkräfte eingeführt. Dort löste sie den Nagant-Revolver M 1895 ab. Bis zum 22. Juni 1941 wurden in Tula rund 600.00 Tokarew-Pistolen produziert. Insgesamt werden es wohl über 1,7 Mio. Stück gewesen sein.
Die TT-33 wurde eine der erfolgreichsten Kurzwaffen des 20. Jahrhunderts, nicht nur wegen ihrer Beteiligung am Zweiten Weltkrieg. Neben der Sowjetunion wurde sie in Polen, Ungarn, Rumänien, China, Jugoslawien und Nordkorea hergestellt; Dutzende von Staaten haben bzw. hatten sie eingeführt. Noch heute bietet Izhmekh in Rußland Schreckschuß- und CO2-Varianten an, was für die Popularität der Waffe spricht.


Eines der bekanntesten sowjetischen Propagandabilder aus dem 2. WK:
Ein Offizier führt den Sturmangriff seiner Einheit an und hält dabei eine TT-33 in der rechten Hand.


Seit Beginn der 30er Jahre arbeite Fjodor Tokarew wieder an Entwürfen für ein Selbstladegewehr. 1933 stellte er einen neuen Prototypen vor. Nach weiteren Arbeiten wurde es 1938 unter dem Namen "Selbstladegewehr Tokarew Modell 1938" (SWT-38) in die Rote Armee eingeführt. Wegen geringfügiger Änderungen erhielt es zwei Jahre später die Bezeichnung "SWT-40".
Dieses Gewehr entwickelte sich zum Markenzeichen der sowjetischen Marineinfanterie; eine größere Anzahl wurde auch als Scharfschützengewehr eingerichtet. Taktisch gesehen sollte das SWT-38/40 in der Infanterie die Maschinenpistolen ergänzen und die Repetiergewehre ablösen - so wie auch das Garand und das Gewehr 41. Die Beliebtheit des SWT-38/40 unter den sowjetischen Soldaten hielt sich in Grenzen, bei den deutschen war es jedoch gefürchtet.
Obwohl über 1,6 Mio. Exemplare produziert worden waren, verschwand das SWT-40 kurz nach Ende des 2. WK aus dem Bestand der aktiven Truppe. Es wurde zunächst vom SKS und dann vom AK-47 abgelöst. Seiner Pistole war hingegen eine weitaus längere Dienstzeit beschieden. Auf Basis des SWT-40 wurde übrigens auch ein Vollautomat entwickelt, der sich jedoch nicht bewährte.



Zwischenzeitlich war Fjodor Tokarew, der mit seinen Waffenentwicklungen entscheidend dazu beigetragen hatte, daß sein Heimatland den Zweiten Weltkrieg überleben konnte, der Doktortitel verliehen worden (1941). Bereits 1933 wurde er als Held der Arbeit und 1940 als Held der sozialistischen Arbeit geehrt.

Nach Kriegsende arbeite Tokarew, der das Renteneintrittsalter schon lange überschritten hatte, weiter in der Waffenbranche. Er wirkte u.a. an den Tests für neue sowjetische Pistolen mit und schrieb Aufsätze. 1948 brach er kurzzeitig aus den angestammten Geleisen aus und entwickelte die Fotoapparate FT-1 und FT-2, deren Fertigung in Krasnogorsk bis 1965 lief. Der Konstrukteur blieb bis ins hohe Alter aktiv. Am 7. Juni 1968, im gesegneten Alter von 97 Jahren, ist Fjodor Wassiljewitsch Tokarew verstorben. Sein Grab befindet sich in Tula. Dort und in St. Petersburg tragen Straßen seinen Namen.
(Mehr über ihn ist hier zu finden.)


Die tschechoslowakische Scharfschützin Marie Ljalková mit einem SWT-40 während des 2. WK.


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Fotos: Wikipedia, www.tokarev.com.

Samstag, 19. Februar 2011

Spetsnaz XII: KGB-Truppen in der DDR

Vor kurzem bin ich während eines Besuchs im Deutsch-russischen Museum Karlshorst auf zwei dort ausgestellte Urkunden aufmerksam geworden, die nicht recht in das Gesamtbild der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) passen. Mit der Urkunde Nr. 1 wurde ein Soldat belobigt, wobei darauf das Konterfei von Feliks Dzierżyński, dem Gründer der sowjetischen Tscheka, abgebildet ist. Urkunde Nr. 2 war für den Sieger in einem Sportwettkampf – allerdings prangt darauf nicht das Wappen des Armeesportklubs, sondern der Sportorganisation Dynamo, in der vor allem Angehörige der anderen Sicherheitsbehörden organisiert waren. Beide Urkunden waren im Truppenteil mit der Feldpostnummer (w/tsch p/p) 70803 ausgestellt worden. Eine daran anknüpfende Recherche ergab, daß es sich dabei um das 105. Regiment des KGB gehandelt hat (dazu unten ausführlich).

Dieses Regiment war nicht die einzige in der DDR stationierte sowjetische Militäreinheit, welche nicht dem Verteidigungsministerium, sondern dem Komitee für Staatssicherheit (KGB) unterstand. Da selbige Truppenteile kaum bekannt waren (und es bis heute sind), sollen sie nachfolgend kurz vorgestellt werden – auch wenn es sich um eine rein historische Darstellung handelt. Die Strukturen der sowjetischen Sicherheits- und Nachrichtendienste in Ostdeutschland werden hierbei nur am Rande gestreift.


Kontrollpunkt eines Postens der NKWD-Truppen an der „Straße des Lebens“ (nahe Leningrad, ca. 1942/43).


Truppen des NKWD/MWD in der SBZ und frühen DDR

Während der Frühjahrsoffensive der Roten Armee 1945 kamen auch Einheiten der Truppen des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten der UdSSR (russ.: Wojsk NKWD SSSR) nach Deutschland. Bei den Oberbefehlshabern der Fronten waren Stäbe für die Sicherung des Hinterlandes gebildet worden, die mit Personal aus dem NKWD besetzt waren und denen die NKWD-Einheiten unterstanden. Deren Aufgaben waren insbesondere die Bewachung deutscher Kriegsgefangener, die Zerschlagung noch intakter deutscher Militäreinheiten, die sich bisher der Roten Armee entzogen hatten, die Bekämpfung zurückgebliebener Aufklärungs- und Diversionskräfte (Stichwort: Werwolf) und das Vorgehen gegen Plünderer und Marodeure (insbesondere aus den eigenen Reihen). Kurzum: Sie sollten für Ruhe und Ordnung im Rücken der sowjetischen Front sorgen und ein Aufflammen des von der NS-Propaganda angekündigten Partisanenkrieges verhindern.

Bei Kriegsende im Mai 1945 waren vier verschiedene Sicherheitsbehörden der UdSSR im besetzten Deutschland angekommen. Erstens die militärische Spionageabwehr Smersch, die es doppelt gab – einmal in der Roten Armee und einmal in der Seekriegsflotte. (Smersch existierte von 1943 bis 1946 war während der Sowjetzeit die einzige Abwehrorganisation, die innerhalb der Streitkräfte arbeitete und dabei nicht einer Behörde außerhalb des Militärs unterstand.) Drittens das Volkskommissariat für Staatssicherheit (NKGB), ab 1946 Ministerium (MGB). Dieses war 1943 (wieder-)gegründet worden und umfaßte die zivile Spionageabwehr, die politische Auslandsaufklärung und weitere polizeiliche und nachrichtendienstliche Funktionen. Viertens das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD), ab 1946 ebenfalls Ministerium (MWD). Hinzu kam später noch die Abteilung Inneres der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), welche für den Aufbau und die Kontrolle der deutschen Verwaltungsbehörden einschließlich der Polizei verantwortlich war.


Berlin-Karlshorst, 8. Mai 1945: Soldaten des 105. Grenzregiments sichern das Gelände der Wehrmachtspionierschule, in dem die Kapitulation der deutschen Streitkräfte unterzeichnet wird.


Das NKWD/MWD war in der Sowjetunion zu dieser Zeit ein „Gemischtwarenladen“, dem verschiedenste Behörden unterstanden: Die allgemeine Schutz-, Verkehrs- und Kriminalpolizei (Miliz), der Grenzschutz, die Inneren Truppen (eine Art Bereitschaftspolizei), die Straflager (GULag), die Kriegsgefangenenlager (GUPWI), die Feuerwehr, der Luftschutz (MPWO), das Paß- und Meldewesen, die Standesämter u.a. Somit ist es unzutreffend, vom NKWD ausschließlich als einer „Geheimpolizei“ zu sprechen, zumal dieses Tätigkeitsfeld 1943 in das NKGB ausgelagert worden war. Der stellvertretende Volkskommissar für innere Angelegenheiten Iwan Serow war in den Jahren 1945/46 die maßgebliche Figur im sowjetischen Sicherheitsapparat in Deutschland. Ihm unterstanden (in diversen Funktionen) sämtliche der genannten Behörden.

Von den genannten Sicherheitsbehörden verfügte nur das NKWD über einen militärischen Zweig in Gestalt der Grenz- und Inneren Truppen. Mithin wurden personalintensive Sicherheitsaufgaben in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) diesen Einheiten übertragen. Im Frühjahr 1945 waren dies noch die o.g. Aufgaben, hinzu kam noch der allgemeine Polizeidienst, da die deutschen Sicherheitsstrukturen aufgehört hatten, zu existieren. Des weiteren oblag ihnen die Überwachung der Demarkationslinien zwischen den Besatzungszonen (einschließlich der neuen deutschen Ostgrenze) sowie die Bewachung von Internierten, die gem. Besatzungsrecht in den Speziallagern untergebracht wurden*.


Rekonstruktion der Uniform eines Offiziers der Grenztruppen (1943/45). Man beachte die charakteristische grüne Mütze.


In den Jahren 1946/47 erfolgte nach der Abberufung Serows eine Diversifizierung der sowjetischen Sicherheitsorgane in der SBZ. Die militärische Gegenspionage Smersch wurde aufgelöst und in das Ministerium für Staatssicherheit integriert. Das MWD verlor die meisten Kompetenzen in der SBZ; seine polizeilich-nachrichtendienstlichen Strukturen, die zeitweise parallel zu denen des MGB existiert hatten (inkl. Gefängnissen) wurden aufgelöst bzw. in das MGB überführt. Der große Gewinner dieser Reorganisation war also das MGB.
Dem MWD verblieben die Lager sowie einige Aufsichtskompetenzen sowie die besagten Truppenteile, die nunmehr alle zu den Inneren Truppen gezählt werden. Ende 1946 befanden sich 7 Regimenter des MWD (ca. 8.000 Mann) in der SBZ; 1947 waren es nur noch ca. 5.500 Mann. Diese Reduzierung hängt auch mit dem Aufbau deutscher Polizeikräfte zusammen, die viele der bisher den MWD-Truppen obliegenden Aufgaben übernahmen. Formell gehörten letztere zwar noch zum Innenministerium, operativ unterstanden sie in der SBZ jedoch ausschließlich Dienststellen des MGB. Versorgt wurden sie über die Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen (GSBT), also über das Verteidigungsministerium.


Die erste Fahne des 105. Grenzregiments.


Zwischen 1945 und 1957 waren verschiedene Einheiten der Truppen des NKWD/MWD/MGB in Ostdeutschland stationiert. Am 01.07.1945 gab es noch 11 Grenzregimenter, bis zum 01.01.1947 hatte sich diese Zahl auf 5 reduziert. Zu Beginn der 1950er Jahre waren es wieder mehr geworden (1953: 10 Schützenregimenter der Inneren Truppen). Am 15.06.1956 unterstanden der Verwaltung der Inneren Truppen des MWD in der DDR noch 5 Schützenregimenter, 1 selbständiges Mot. Schützenbataillon, 1 Ausbildungsregiment, 1 Fernmeldebataillon, 1 Musikkorps sowie kleinere Unterstützungseinheiten. Ein Jahr später wurde diese Verwaltung aufgelöst; die unterstellten Einheiten verlegten zumeist wieder in die Sowjetunion oder wurden ebenfalls aufgelöst.

Da die Inneren Truppen faktisch die Exekutivorgane des MGB-Apparates waren, wurden sie entsprechend ihrer o.g. Aufgaben sehr dezentral eingesetzt. Beispielsweise gehörten im Jahre 1947 zwanzig MWD-Soldaten zur MGB-Operativgruppe Neuruppin; im übrigen bestand diese Gruppe, die für einen Kreis zuständig war, aus 8 operativen MGB-Offizieren, 8 Dolmetschern sowie weiterem Hilfspersonal.


Soldaten und Offiziere des 105. Regiments während eines Ausflugs in den Potsdamer Parks (1967).


Die soeben gemachten Ausführungen vermitteln nur einen groben Überblick über die Entwicklung des sowjetischen Sicherheitsapparates in der SBZ bzw. DDR. Zur Vertiefung sei u.a. auf die Texte von Foitzik, Kozlov und Petrov verwiesen. Innerhalb der UdSSR folgten bis zum Ende der 1950er Jahre verschiedene Reorganisationen, die sich insbesondere in den Namen und der Zuordnung der hier behandelten Militäreinheiten niederschlugen. So wurde 1953 nach Stalins Tod das MGB aufgelöst und wieder in das MWD integriert. Ein Jahr später wurde dieser Schritt wieder rückgängig gemacht, nachdem der früher fast allmächtige Sicherheitschef Lawrentij Berija hingerichtet worden war. Im Jahr 1954 erfolgte die Gründung des Komitees für Staatssicherheit (KGB) als De-facto-Ministerium. Die Inneren Truppen waren seit 1947 dem MGB unterstellt, bevor sie wieder in den Geschäftsbereich des MWD zurückkehrten.

Bis Mitte der 1950er Jahre wurde der Umfang des sowjetischen Sicherheitsapparates in der DDR immer weiter reduziert und die ihm obliegenden Aufgaben an ostdeutsche Dienststellen übertragen. Infolgedessen haben fast alle hier dislozierten Truppenteile des MWD/MGB die DDR verlassen. Im folgenden soll es um jene gehen, die auch danach noch in Ostdeutschland stationiert waren.


Eine Funkstation der Nachrichtenkompanie des 105. Rgt. in den frühen Jahren.


Das 105. Regiment

Aufgestellt wurde das 105. Grenz-Regiment der Truppen des NKWD am 26. Januar 1942 im belagerten Leningrad. Seine Hauptaufgabe bestand in der Sicherung der im Winter 1941/42 eingerichteten „Straße des Lebens“, über die die nahezu vollständig eingeschlossene Stadt versorgt wurde. Ferner wurden – wie in vielen Einheiten des NKWD, die nicht unmittelbar an der Front eingesetzt waren, üblich – Scharfschützengruppen aufgestellt, die temporär verschiedenen Verbänden der Roten Armee unterstellt waren und mit ihnen gemeinsam kämpften**. Im Verlauf des Krieges sollen die Scharfschützen des 105. Regiments insgesamt 6957 gegnerische Soldaten getötet haben.

Im Sommer 1942 verlegte das Regiment an die Wolchow-Front; 1944 kam es im Zuge des Vormarsches der 3. Baltischen Front während der Rigaer Operation nach Pskow und Riga. Dort war das unmittelbare Hinterland der sowjetischen Truppen zu sichern. Im Sommer 1944 wurde das 105. Grenzregiment nach Weißrußland in den Raum Grodno befohlen. In dieser Region galt es vor allem, die tausenden deutschen Soldaten, die infolge der Operation Bagration nunmehr weit hinter der Frontlinie zurückgeblieben waren, „einzusammeln“ und in Kriegsgefangenenlager zu verbringen. Außerdem waren vor dem Rückzug der Wehrmacht sowohl in der Ukraine als auch in Belorußland zahlreiche Agenten deutscher Nachrichtendienste zurückgelassen worden, die ausfindig gemacht werden sollten.



Im März 1945 wurde das Regiment der auf Berlin marschierenden 1. Belorussischen Front von Marschall Shukow unterstellt. Hier bestanden die Aufgaben wieder in der Eskortierung deutscher Kriegsgefangener und der allgemeinen Sicherung des Hinterlandes, etwa durch die Bewachung von Brücken und Kraftwerken. Ende April 1945 verlegte das 105. Grenzregiment im Eilmarsch in den Raum Berlin; Anfang Mai befand sich der Regimentsstab in Friedrichsfelde. Der NKWD-Bevollmächtigte dieser Front, der oben bereits erwähnte Iwan Serow, hatte von Stalin persönlich den Befehl erhalten, nach Hitler und den anderen „Granden“ des Dritten Reiches zu fahnden. Zu diesem Zweck wurden von Serow auch Einheiten des 105. Regiments eingesetzt. Die Soldaten nahmen somit in vorderster Linie an der Erstürmung von Reichstag und Reichskanzlei teil. Ferner bewachten sie das Gelände der Pionierschule in Berlin-Karlshorst während der Unterzeichnung der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945. Dabei ergab es sich, daß der Federhalter des Generalfeldmarschalls Keitel seinen Dienst versagte und ihm der im 105. Grenzregiment dienende Sergeant Bergin einen Kugelschreiber reichen mußte.

Für Verdienste während des Zweiten Weltkrieges hat das 105. Grenzregiment den Rotbannerorden, den Orden des Roten Sterns sowie den Ehrennamen „Rigaer“ erhalten; weiters wurden 4320 seiner Soldaten mit Orden und Medaillen geehrt.


Auf dem Hof der Kfz-Kompanie in Rummelsburg.


Nach der Kapitulation änderten sich die Aufgaben des Regiments, das zu dieser Zeit aus 3 Bataillonen bestand, ein wenig. Seine Soldaten übernahmen allgemeine Polizeifunktionen im Stadtgebiet von Berlin, bewachten und eskortierten Kriegsgefangene und versuchten, den Exzessen ihrer Kameraden Einhalt zu gebieten. Im Frühjahr 1945 wurde dazu das Stadtgebiet Berlins in verschiedene Sektoren eingeteilt, die jeweils einem NKWD-Regiment zugewiesen worden. Die Soldaten des 105. patrouillierten laut einem Befehl vom 17.05. in Lichtenberg, Friedrichsfelde und Karlshorst, im August waren sie dann für Weißensee, Lichtenberg, Pankow und Prenzlauer Berg verantwortlich.

Ab Ende Oktober – Berlin war mittlerweile eine Vier-Sektoren-Stadt geworden – übernahmen Teile des 105. Grenzregiments die Kontrollen zwischen dem sowjetischen Sektor von Groß-Berlin und der SBZ. Ferner wurden Mannschaften zur Unterstützung von Operativgruppen der Smersch gestellt.
1949 hatte sich die Tätigkeit des 105. Schützenregiments der Inneren Truppen schon sehr stark auf die Sicherung sowjetischer Dienststellen in Berlin und dessen Umland konzentriert.
In den folgenden Jahren befanden sich große Teile des Regiments in Berlin-Weißensee, um 1963 nach Karlshorst „zurückzukehren“.


Ausbildung im Gelände.


Bis zum Abzug des 105. Regiments aus dem wiedervereinigten Deutschland wurde es mehrfach umbenannt, wobei lediglich die Ordnungsnummer erhalten blieb. Zunächst 105. Grenzregiment, schon kurz nach Kriegsende 105. Schützenregiment der Inneren Truppen, danach 105. Motorisiertes Schützenregiment der Inneren Truppen, sodann 105. Spezial-Regiment des KGB, später wohl wieder 105. Mot. Schützenregiment des KGB und zum Schluß (seit 1989) 105. Spezial-Abteilung bzw. 105. Grenzabteilung.
Mit der letzten Namensänderung kehrte die Einheit auch formal wieder zu den Grenztruppen zurück. De facto und de jure waren die dort dienenden Soldaten seit 1958 immer „Pogranitschniki“ gewesen, doch waren sie während ihres Aufenthaltes in der DDR als reguläre Soldaten der Sowjetarmee getarnt. Statt der Grenzeruniform wurde die der motorisierten Schützen der Landstreitkräfte getragen, inkl. aller Effekten. Außenstehende wurden lediglich stutzig, als sie bemerkten, daß diese Soldaten nicht den Tag der Sowjetarmee (23. Februar), sondern den Tag des Grenzsoldaten am 28. Mai festlich begingen.

Die Jahre 1957/58 brachten größere Veränderungen für das 105. Regiment. Zum einen wurde im Februar die Verwaltung der Inneren Truppen des MWD in der DDR aufgelöst. Infolgedessen gewann es den Status eines selbständigen Regiments und gehörte nun wieder zu den Grenztruppen der UdSSR. Zweitens wurde die Hauptverwaltung der Grenztruppen aus dem Innenministerium herausgelöst und dem Komitee für Staatssicherheit zugeordnet. Damit war auch das 105. Regiment für seine besonderen Aufgaben in der DDR aufgestellt, denn es war längst kein klassisches Infanterie- oder Polizeiregiment mehr.


Eines der wenigen Fotos, das einen Soldaten des 105. Regiments in der DDR in Grenztruppenuniform ("ПВ") zeigt.


Seine Aufgaben bestanden hauptsächlich im Wach- und Sicherungsdienst. Die in Berlin stationierten Teile bewachten die sowjetische Botschaft (Unter den Linden) inklusive Nebengebäuden. Anfang der 1950er Jahre gehörten dazu 41 Objekte. Ferner mußten die offizielle KGB-Residentur in Karlshorst sowie weitere (mehr oder minder geheime) Objekte des KGB in der gesamten DDR gesichert werden. (Dazu zählte in den 80ern auch Wladimir Putins Büro in Dresden.) Das zweite große Tätigkeitsfeld lag im Süden der DDR und hieß Wismut. Anfang der 50er Jahre hatte dort ein komplettes MWD-Regiment den Uranabbau bewacht (153 Wachobjekte). Nachdem diese Aufgaben sukzessive an DDR-Behörden übergeben worden war, beschränkte sich die Tätigkeit der KGB-Einheiten auf die Begleitung der Transporte von Sachsen bis nach Brest an der polnisch-sowjetischen Grenze.

Nicht nur die Aufgaben, sondern auch die Organisation der Einheit änderten sich im Laufe seiner Geschichte mehrfach. Mitte der 1980er Jahre gliederte sich das 105. Spezialregiment wie folgt:
  • Berlin-Karlshorst: Stab, 4 Wachkompanien, 1 Nachrichtenkompanie, 1 Kommandantendienst-Kompanie, 1 Versorgungskompanie, 1 Chemischer Zug, Unteroffiziersschule, Militärorchester;
  • Schneeberg (Sachsen, früher Bezirk Karl-Marx-Stadt): 20. selbständiges Wachbataillon mit 4 Kompanien für die Begleitung der Urantransporte (Feldpostnr.: 27304; in den Jahren 1954 bis 1957: 11. Grenzregiment mit Standort Karl-Marx-Stadt).
Damit war – neben der Wismut-Bewachung – auch das bis 1957 eigenständige Fernmeldebataillon des MWD in verkleinerter Form im 105. Regiment aufgegangen. Die genannte Fernmeldekompanie des ist jedoch vom weiter unten behandelten 44. Fm-Regiment zu unterscheiden; letzteres hatte ein besonderes Tätigkeitsfeld.


Soldaten des 105. vor dem Hauptgebäude der KGB-Residentur in Karlshorst. Gut zu erkennen sind die Uniformen der Sowjetarmee ("CA").


Das Personal des 105. Regiments bestand großteils aus Wehrpflichtigen, die dort ihren zweijährigen Grundwehrdienst ableisteten. Besonders fähige Wehrpflichtige wurden, wie im sowjetischen Militär üblich, zu Unteroffizieren ausgebildet. Die Offiziere und Berufsunteroffiziere kamen aus den Grenztruppen. Offiziere hatten in der Regel an einer Offiziershochschule der Grenztruppen oder der Sowjetarmee studiert. Letzter Kommandeur im Jahre 1991 war Oberst Morkowkin.
Die Lebensbedingungen im 105. Regiment sollen sich nach Zeitzeugenberichten kaum von denen anderer sowjetischer Einheiten, die in der DDR stationiert waren, unterschieden haben. So hatte man etwa in Schneeberger Kaserne eine Schweinezucht aufgebaut, um so Versorgungsengpässen beizukommen. Trotz ihrer besonderen Aufgaben und dem elitären Titel einer Einheit „spezieller Bestimmung“ waren die Soldaten des 105. kaum privilegiert.

Nach der deutschen Wiedervereinigung begann 1991 – nach 46 Jahren ununterbrochener Präsenz in Deutschland – der Abzug der 105. Grenzabteilung. Am 28.04.1992 verließen die letzten Soldaten Berlin, wo sie bis zum Schluß Wachdienst in der nunmehr rußländischen Botschaft geleistet hatten. Die Abteilung kam in die Ukraine und wurde, unter Beibehaltung ihres Namens, in den neuformierten ukrainischen Grenzschutz aufgenommen. Erster Standort war des Gebiet Lwiw (dt.: Lemberg), später verlegte sie nach Tschernihiw (russ.: Tschernigow). Dort befindet sich heute auch das Museum der Einheit.

Nebenbei: Das 105. Regiment ist nicht mit der sowjetischen Berlinbrigade zu verwechseln, welche gleichfalls in Karlshorst, allerdings in einer anderen Kaserne, stationiert war. Diese war ein regulärer Verband der Sowjetarmee. Ihre korrekte Bezeichnung lautete 6. Selbständige Garde Mot. Schützenbrigade (Feldpostnummer 64944) und sie bestand aus 3 Panzer- und 3 Mot. Schützenbataillonen sowie Unterstützungseinheiten.


Ein Funker im Gelände.


Das 10. Wachbataillon

Seit 1946 oblag die Spionageabwehr in den sowjetischen Streitkräften nach Auflösung von Smersch (wieder) dem Ministerium für Staatssicherheit, ab 1954 dem KGB. Konkret zuständig war dessen Dritte Hauptverwaltung. Diese bildete innerhalb der Militärbehörden und bei den Stäben der Großverbände sog. Sonderabteilungen, welche die konkrete Abwehrarbeit vor Ort leisteten. Das war auch bei den in der DDR stationierten Truppen der GSSD/WGT der Fall.

Die Verwaltung der Sonderabteilungen (UOO) bei der GSSD befand sich in Potsdam, temporär möglicherweise auch in Karlshorst. Die 3. HV des KGB lehnte sich an die Militärstrukturen an und hatte somit auch eine eigene, von anderen Diensteinheiten des Komitees unabhängige Führungs- und Kommunikationsstruktur. Neben der Zentrale existierten noch 7 Sonderabteilungen in den sechs Armeen der Landstreitkräfte und der 16. Luftarmee.

Der Potsdamer UOO unterstand unmittelbar das 10. Selbständige Wachbataillon, ebenfalls in Potsdam stationiert, welches die Feldpostnummer 74487 führte. Über die Zusammensetzung der Einheit und die konkreten Aufgaben liegen nahezu keine Informationen vor. Neben der – logischen – Sicherung der Dienstobjekte der Sonderabteilungen erscheint manches denkbar, was jedoch nach dem derzeitigen Kenntnisstand des Verf. nicht belegt ist und kaum über den Status von Gerüchten hinausgeht.


Gemeinsame Ausbildung von SPW-Besatzungen der Kfz-Kompanie und Soldaten einer Wachkompanie des 105. Rgt. nahe Berlin.


Das 44. Fernmelderegiment

In der Sowjetunion existierte ein vom öffentlichen Telefonnetz unabhängiges Leitungsnetz, an das nur wichtige Dienststellen von Partei, Regierung, Militär und Sicherheitsdiensten angeschlossen waren. Zusätzlich konnten Telefongespräche über dieses Netz mit dem System „WTsch“ u.ä. verschlüsselt werden (zu den technischen Aspekten und Begrifflichkeiten vgl. hier). Einrichtung, Wartung und Betrieb dieses Netzes der Regierungsfernmeldeverbindungen oblag zunächst dem NKWD/MWD, dann nach 1954 dem KGB. Dort war konkret die Abteilung „S“, welche ab 1959 Abteilung für Regierungsverbindungen hieß, zuständig. 1969 wurde diese Abteilung zur Verwaltung aufgewertet. (Bisweilen wird für dieses Tätigkeitsfeld in der Literatur auch der Begriff Spezialnachrichtenverbindungen verwendet. In der RF ist heute der FSO dafür zuständig.)

Ihr waren für den technischen Teil ihrer Aufgabe die Truppen der Regierungsverbindungen unterstellt. Im Jahre 1960 umfaßte diese Truppen in der UdSSR 15 Fernmelderegimenter; weitere 8 Bataillone, 6 Kompanien und 3 Knotenpunkte waren im Ausland disloziert. In den folgenden Jahren wurde die Zahl dieser Truppen von ca. 13.000 auf knapp 4.200 Mann reduziert, die sich auf 4 selbständige Fernmelderegimenter verteilten: das 3. Regiment in Baku, das 29. im Kaukasus, das 35. in der Ukraine und das 44. in der DDR, das nachfolgend im Fokus steht. (Notabene: Dies ist keineswegs der gesamte Personalbestand der Abteilung/Verwaltung für Regierungsverbindungen, sondern nur der ihres militärischen Zweiges, also der „Kabelaffen“ und „Strippenzieher“.)


Scharfschütze mit SWD Dragunow.


Über die Geschichte des 44. Regiments für Regierungsverbindungen des KGB ist kaum etwas bekannt. In einer Liste von NKWD-Einheiten aus dem Jahre 1943 ist es nicht verzeichnet. Für das Jahr 1952 wird ein 11. Fernmelderegiment des MWD in der DDR genannt. Derartige Fernmeldekräfte waren bereits seit 1945 in der SBZ anwesend, um ein gesichertes Kommunikationsnetz für wichtige Dienststellen der Besatzungsbehörden und -truppen aufzubauen. Schließlich folgten sie bereits während der Kämpfe des Zweiten Weltkrieges stets der Front, um die höheren Stäbe miteinander und mit dem Hinterland zu verbinden.
Der Stab des 44. Regiments hat sich in Wittenberg befunden; dort soll ebenfalls das unterstellte 107. Bataillon für Regierungsverbindungen stationiert gewesen sein. Die Informationen über die innere Organisation und die konkreten Aufgaben des Regiments sind leider sehr spärlich. Anno 1960 waren in der DDR 3 Bataillone für Regierungsverbindungen stationiert; möglicherweise ist diese Zahl auch später konstant geblieben.

Die Feldpostnummer des 44. Regiments lautete 34008. Sein Personal dürfte im Kern ebenfalls aus Wehrpflichtigen bestanden haben. Desgleichen darf davon ausgegangen werden, daß die Einheiten des Regiments nach außen als reguläre Fernmeldetruppe der Sowjetarmee abgetarnt waren. Möglicherweise war nicht einmal den einfachen Soldaten bekannt, daß ihre Einheit dem Komitee für Staatssicherheit und nicht dem Verteidigungsministerium unterstellt war. (Diese Annahme könnte ebenfalls für das o.g. 10. Wachbataillon zutreffen, das wohl ohnehin vornehmlich in Objekten der Sowjetarmee zum Einsatz gekommen ist.)


ABC-Ausbildung.


Neben dem 44. Regiment gab es noch den 56. Selbständigen Knotenpunkt der Regierungsverbindungen in Cottbus-Dissenchen. Dieser führte die Feldpostnummer 11465.
Im übrigen waren auch ostdeutsche Dienststellen, namentlich des MfS, in den Betrieb des WTsch-Netzes eingebunden. An selbiges waren natürlich auch die Partei- und Staatsführung der DDR sowie Führungsorgane der NVA angeschlossen.


Der Musikzug des 105. Regiments.


Hoffentlich konnte dieser Artikel einige interessante Einsichten vermitteln, obwohl es sich um ein rein historisches Thema handelt, das nur bedingt etwas mit den Sicherheitsbehörden des heutigen Rußlands zu tun hat, die das eigentliche Thema der Speznas-Reihe sind.


Zeremonie im 105. Spezialregiment des KGB mit der dritten Regimentsfahne (1970er oder 80er Jahre).


Anmerkungen

* Vgl. hierzu ausführlich S. Mironenko / L. Niethammer / A. v. Plato (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945 bis 1950, 2 Bde., Berlin 1998, sowie ergänzend A. Hilger / U. Schmidt / G. Wagenlehner (Hrsg.): Sowjetische Militärtribunale, 2 Bde., Köln/Weimar/Wien 2001/2003.

** Vgl. zum Thema Scharfschützen auch Iwanow et.al., S. 181 ff.




Funkstationen der Fernmeldekompanie des 105. Regiments werden entfaltet.



Bibliographie

Aleksandrow, A.: Materialien zu den Grenztruppen, www.soldat.ru.

Aleksandrow, A. / Iwanow, I.: Materialien zu den Inneren Truppen, www.soldat.ru.

Bailey, G. / Kondraschow, S. / Murphy, D.: Die unsichtbare Front - Der Krieg der Geheimdienste im geteilten Berlin, Berlin 2000.

Bekesi, L. / Török, G.: KGB & Soviet Security Uniforms & Militaria 1917-1991, Ramsbury 2002.

Foitzik, J.: Organisationseinheiten und Kompetenzstruktur der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland, in: Mironenko / Niethammer / v. Plato (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945 bis 1950, Bd. 1, Berlin 1998, S. 117 ff.

Iwanow, I. et.al.: Geschichte der Grenztruppen der UdSSR, Berlin 1988.

KGB SSSR, shieldandsword.mozohin.ru (Organisationsstrukturen).

Klimow, A.: Obespetschenie obschtschestwennoj besoipanosti Wnutrennimi wojskami NKWD-MWD SSSR na territorii Sapadnoj Ukrainy w 1940-1950-e gody, in: Woenno-istoritscheskij Shurnal 12/2008, S. 13 ff.

Klimow, A.: Primenenie soedinenij i tschastej Wnutrennich wojsk NKWD-MWD SSSR sa granizej w 1940-1950-e gody, in: Woenno-istoritscheskij Shurnal 1/2010, S. 43 ff.

Kozlov, V.: Die Operationen des NKVD in Deutschland während des Vormarsches der Roten Armee (Januar bis April 1945), in: Mironenko / Niethammer / v. Plato (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945 bis 1950, Bd. 1, Berlin 1998, S. 132 ff.

Kratkaja chronika istorii organow i wojsk prawitelstwennoj swjasi, www.aboutphone.info.

Maslow, K. et. al.: Ispytannye wojnoj - Pogranitschnye wojska 1939-1945 gg., Moskau 2008.

Petrov, N.: Die Apparate des NKVD/MVD und des MGB in Deutschland 1945-1953, in: Mironenko / Niethammer / v. Plato (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945 bis 1950, Bd. 1, Berlin 1998, S. 143 ff.

Regierungsnachrichtenverbindungen ..., scz.bplaced.net.

Slushiwschie w 105-m. Musej, www.pogranec.ru.

Soedinenija i tschasti Gruppogo podtschinenija, www.gsvg.ru.

105-j pogranitschnyj polk wojsk NKWD (2 f)/ 105-j pogranotrjad, g. Tschernigow, w/tsch 2253, srpo.ru.





Der Weg des 105. Regiments: Von Leningrad über Berlin in die Ukraine.


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Spetsnaz VI: Der Föderale Wachdienst (FSO)
Spetsnaz VIII: Geschichte der Marineinfanterie (1)

Fotos: www.pogranec.ru, rkka.ru, www.off-road-drive.ru.

Samstag, 9. Oktober 2010

09.10.2010: Bilder des Tages


Im Frühjahr 2010 fand in der Tschechischen Republik die Europameisterschaft militärischer und polizeilicher Scharfschüten statt. Zwei Teilnehmer aus Rußland berichten im Forum Talks.guns.ru von ihren Erlebnissen und haben dort auch zahlreiche Fotos eingestellt, wovon ich drei ausgewählt habe. Das im zweiten Bild gezeigte Gewehr ist übrigens ein CZ 750.




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Dienstag, 14. September 2010

14.09.2010: Bilder des Tages


Im Mai 2010 hat in Ungarn ein internationaler Wettkampf von Scharfschützen aus Militär und Polizei stattgefunden, bei dem Teams aus der Ukraine und China sehr gut abgeschnitten haben. Einige Teilnehmer haben im Forum von Talks.guns.ru zahlreiche Bilder ins Netz gestellt, darunter auch die hier gezeigten. Mehr davon sind hier zu finden.




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Freitag, 13. August 2010

Neue Organisation der russischen Streitkräfte


Was im Juni noch Gerüchte und Vorabinformationen waren, ist nun offiziell: Die Streitkräfte der Rußländischen Föderation erhalten ab dem 1. Dezember 2010 eine neue schlankere Führungsorganisation. Die bisherigen Militärbezirke aufgelöst und statt dessen vier teilstreitkraftübergreifende Operativ-strategische Kommandos (OSK) gebildet.

Der Chef eines OSK wird sämtliche Truppenteile der Land- und Luftstreitkräfte, der Luftverteidigung und der Marine in seinem Verantwortungsgebiet führen. Lediglich die Strategischen Raketentruppen, die strategischen Bomber und U-Boote sowie die Kosmostruppen werden weiterhin unter dem Kommando des Generalstabs bleiben. Ebenso wie die Luftlandetruppen (WDW), die als Reserve des Oberkommandos gelten. Somit bleibt abzuwarten, wie die WDW künftig organisiert sein werden, da die bisherige Doppelstruktur mit zentral und territorial unterstellten Verbänden (Luftlandedivisionen und Luftsturmbrigaden) vorerst fortgesetzt wird.
Darüberhinaus wird das OSK auch für die paramilitärischen Formationen anderer Ministerien und Behörden operativ verantwortlich sein. Das sind namentlich die Inneren Truppen des MWD, die Zivilschutztruppen und die Grenztruppen. Hier bleibt abzuwarten, wie sich diese Regelung, die einen neuen (und nicht unbedingt sinnvollen) Dualismus zwischen Verteidigungsministerium und der jeweiligen Fachbehörde schafft, auswirken wird.

Das OSK West wird seinen Sitz in St. Petersburg haben und den Moskauer und Leningrader Militärbezirk (MB), die Baltische Flotte und den Besonderen Kaliningrader Bezirk umfassen. Kommandeur: Generaloberst Arkadij Bachin.
Das OSK Süd hat sein Hauptquartier in Rostow am Don. Es wird gebildet aus dem Nordkaukasischen MB, den westlich der Wolga gelegenen Teilen des Wolga-Ural-MB, der Schwarzmeerflotte und der Kaspischen Flotille gebildet. Kommandeur: Generalleutnant Alexander Galkin.
Das OSK Mitte mit Stab in Jekaterinburg wird die übrigen Teile des bisherigen Wolga-Ural-Militärbezirks sowie die westlichen Teile des Sibirischen MB bis zum Baikalsee umfassen. Kommandeur: Generalleutnant Wladimir Tschirkin.
Das vierte OSK Ost (Sitz: Chabarowsk) besteht aus den östlichen Teilen des Sibirischen MB, dem Fernöstlichen MB, der Pazifikflotte und dem Besonderen Gebiet Kamtschatka. Kommandeur: Admiral Konstantin Sidenko.
Das war nur eine Kurzfassung, ausführlicher (inkl. Karten) habe ich mich damit schon vor zwei Monaten befaßt.

Die hinter den OSK stehende Idee ist zwar nicht neu, dergleichen war von sowjetischen und russischen Offizieren schon vor Jahrzehnten angedacht worden. Jetzt wird dieser Ansatz jedoch endlich durchgreifend umgesetzt, was im Ergebnis zu einem Bedeutungsverlust für die zentralen Kommandobehörden in Moskau führen wird.

Ilja Kramnik schreibt dazu:
"[...]

Dem bisherigen System der Militärbezirke, das seit fast 150 Jahren bestand, hatte auf anderen Prinzipien beruht. Dem Befehlshaber eines Militärbezirks waren die auf dem entsprechenden Territorium stationierten Landtruppen unterstellt. Seine Vollmachten erstreckten sich aber nicht auf andere Teilstreitkräfte außer der Frontflieger, die manchmal als Test den Befehlshabern der Militärbezirke unterstellt wurden.

Die Kommandostrukturen (außer den Seestreitkräften) wurden nur während der Kriegshandlungen auf operativer Ebene vereinigt, wenn den Frontbefehlshabern alle an der Frontlinie operierenden Kräfte unabhängig von der Teilstreitkraft unterstellt waren, außer es handelte sich um wenige Sondereinsatztruppen und die Fernfliegerkräfte, die unmittelbar dem Hauptquartier des Obersten Befehlshabers unterstellt waren. Das Zusammenwirken mit der Kriegsmarine erfolgte durch die operative Unterstellung der Flottenkräfte dem operativen Kommando der an einer Seeküste operierenden Front (oder einer in der Nähe von großen Strömen bzw. Gewässern, wo Kriegsflottillen bestanden, operierenden Fronten) oder durch die Koordinierung von Aktivitäten durch übergeordnete Stellen.

In der Nachkriegszeit wurde die Gründung von vereinigten Stäben angesichts der erweiterten Möglichkeiten der Luftwaffe sowie der Marine im Kampf gegen auf dem Land stationierte Kräfte sowie dank dem Entstehen von neuen Verwaltungssystemen, die die Koordinierung der Aktivitäten verschiedener Teilstreitkräfte ermöglichten, ziemlich üblich im Westen. Jetzt wurde dieses System auch in Russland als zweckmäßig anerkannt.

Die geographische Aufteilung der neuen Militärbezirke ist durch die wichtigsten Richtungen der möglichen Kampfhandlungen der russischen Streitkräfte bedingt. Dem Westlichen Militärbezirk gehören Vereinigungen an, die traditionell für die Aktivitäten auf dem europäischen Kriegsschauplatz und in nahe gelegenen Gewässern bestimmt waren. Der Südliche Militärbezirk ist für den Kaukasus, das Schwarze und das Kaspische sowie für das Mittelmeer und den westlichen Teil des Indischen Ozeans zuständig.

In den Aufgabenbereich des Militärbezirks Zentrum gehört außerhalb Russlands ganz Zentralasien von Kasachstan bis zum Hindukusch. Der Östliche Militärbezirk verteidigt die östlichen Grenzen Russlands und operiert im Stillen Ozean und im Asiatisch-Pazifischen Raum.

Die neue Verwaltungsstruktur soll bis zum 1. Dezember dieses Jahres stehen. Einzelne Elemente wurden beim jüngsten Manöver „Wostok 2010" getestet. Der Aufbau von Kommandos ist die Abschlussphase des Übergangs der Streitkräfte zum dreistufigen Verwaltungssystem: vereinigtes strategisches Kommando - operatives Kommando - Brigade. In der ersten Phase wurden bereits im Rahmen der alten Verwaltungsstruktur neue Brigaden gebildet. Dann wurden die Armeestäbe in operative Kommandostäbe umgewandelt. Jetzt sind die Stäbe der höchsten Ebene an der Reihe.

Die neuen Kommandos werden die Truppen nicht nur in Russland, sondern auch außerhalb des Landes befehligen. Jedes Kommando hat seinen eigenen Zuständigkeitsbereich, und in diesen Grenzen wird der Stab des Vereinigten strategischen Kommandos für alle Teilstreitkräfte verantwortlich sein.

Eine unabhängige Kommandostruktur werden nur die strategischen Raketentruppen behalten, die ausschließlich dem Obersten Befehlshaber unterstellt sind.

Gleichzeitig mit dem Aufbau der vereinigten Kommandos wurde in der russischen Armee eine andere Reform vollzogen: Eine einheitliche Struktur der materiellen und technischen Versorgung ist gebildet worden. In ihr werden die Rückwärtigen und die Rüstungsdienste zusammengelegt, die sowohl für die Versorgung der Truppen mit Brennstoff, Lebensmitteln und anderem Nachschub als auch für die Zustellung von Waffen und Munition zuständig sein wird. Zuvor waren für diese Aufgaben verschiedene Dienste verantwortlich gewesen. Jetzt wird sich der für Rüstung zuständige Vizeverteidigungsminister ausschließlich mit der Entwicklung, Einführung und Produktion von neuen Waffen- und Rüstungsarten befassen.

Eine Reform des Verwaltungssystems der Armee, insbesondere der Aufbau von teilstreitkräfteübergreifenden Kommandos statt bisheriger Militärbezirke war schon längst nötig, aber der Mechanismus zu ihrer Umsetzung ruft viele Fragen hervor. Die erste und wichtigste lautet: Sind russische Offiziere, vor allem Generäle, wirklich imstande, diese Vereinigungen mit unterschiedlichen Teilstreitkräften zu managen?

Die zweite Frage: Können diese Vereinigungen auf die vielfältigen Gefahren operativ reagieren, die in ihren großen Zuständigkeitsgebieten auf dem Landesgebiet und außerhalb des Landes entstehen können? Vor allem gilt das für die Flottenführung, wenn sich russische Schiffe in entlegenen Gebieten des Kriegsschauplatzes (im Indischen Ozean, im Mittelmeer und anderen strategisch wichtigen Gebieten) befinden.

Damit die Verwaltung effektiv arbeitet, soll die Rolle der Marineoffiziere in den teilstreitkräfteübergreifenden Kommandos rapide zunehmen, denn sonst würde sich die Kriegsflotte aus der selbständigen Teilstreitkraft de facto in eine „Marineabteilung der Armee" verwandeln, so dass sie den Großteil der Aufgaben nicht erfüllen könnte.

Fragezeichen entstehen auch hinter der Versorgung der Truppen und Stäbe mit modernen Führungs- und Kommunikationsanlagen. Ohne entsprechende technische Möglichkeiten wird die Umstrukturierung der Truppenvereinigungen so gut wie erfolglos bleiben. Und was noch schlimmer ist: die Lenkbarkeit der Truppen, die ohnehin nicht ideal ist, wird noch schlechter.

Man muss feststellen, dass sowohl die militärische als auch die zivile Führung des Verteidigungsministeriums den Mangel an modernen Führungs- und Kommunikationssystemen als eines der größten Probleme der Armee betrachtet. Staatschef Medwedew verfügte vor kurzem, die Stäbe mit neusten Führungs- und Kommunikationsmitteln in den kommenden zwei oder drei Jahren auszustatten.

Die Probleme bei der Ausbildung der Offiziere und deren Fähigkeit, die teilstreitkräfteübergreifenden Vereinigungen zu führen, können nicht über Nacht gelöst werden. Es werden noch Jahre vergehen, bis die neue Verwaltungsstruktur funktioniert. Diese Jahre werden die schwierigsten für die russischen Streitkräfte sein.

Auch die Probleme bei der Ausrüstung der Armee lassen sich nur schwer lösen. Die Waffen, die vor 20 bzw. 30 Jahren hergestellt wurden und schon veraltet sind, sind auch ein Hindernis bei der Entwicklung eines effektiven Kampfmechanismus. In diesem Sinne können die Hoffnungen nur mit dem neuen staatlichen Rüstungsprogramm von 2011 bis 2020 verbunden werden, falls es erfolgreicher als die vorigen Programme erfüllt wird.

[...]"
Nachtrag: Am Mittwoch wurde auf einer Pressekonferenz mitgeteilt, daß die Heeresflieger - auf dem Umweg über die OSKs - wieder aus dem Kommando der Luftstreitkräfte ausscheiden werden, dem sie seit 2002 unterstehen.



Bibliographie und weiterführende Links:

I. Kramnik: Medwedew verpasst Armee neue Kommandostruktur

N.N.: Na tschetyrjech wetrach

N.N.: General Staff Chief Makarov’s Press Conference

N.N.: OSK Commanders Will Directly Control Navy and Air Forces

N.N.: Interim OSK Commanders Named

N.N.: Frontal, Army Aviation to OSK Commanders

A. Chramtschichin: Tschetyrje wektora rossijskoj oboronoj



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Fotos: www.mil.ru.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

21.10.2009: Video des Tages

Tja, gelernt ist gelernt. Mehr kann man zu dieser alten Dame, die noch als sowjetische Scharfschützin im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, nicht sagen. Und sie hat sich gut gehalten.




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Donnerstag, 8. Oktober 2009

08.10.2009: Bilder des Tages


Nachdem ich hier bereits das polnische Kampfmesser wz. 55 vorgestellt habe, sollen heute und morgen Fotos gepostet werden, die das Messer "im Einsatz" zeigen bzw. uns einen Eindruck von der polnischen Volksarmee in der (Früh-) Zeit des Kalten Krieges vermitteln.









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