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Montag, 7. November 2011

Jagdausstellung in Oranienbaum


Der Name des anhaltischen Städtchens Oranienbaum dürfte zumindest Geschichtsinteressierten nicht ganz unbekannt sein. Hier ließ ab 1683 die Fürstin Henriette Catharina von Anhalt-Dessau, eine geborene von Oranien, ein Schloß errichten. Selbiges wird seit knapp zehn Jahren restauriert und dient als Museum. Schwerpunkt des sehenswerten Ensembles, zu dem - wie sollte es im Dessau-Wörlitzer Gartenreich anders sein - auch ein Park samt Orangerie gehört, sind die niederländischen Einflüsse, welche die neue Fürstin aus Den Haag nach Mitteldeutschland gebracht hat.



Doch das Oranienbaumer Schloß birgt in einem Seitenflügel noch ein weiteres Kleinod: eine Ausstellung über die Jagd im Fürstentum Anhalt-Dessau. Das hat natürlich lokale Gründe, denn seit Leopold I., dem "alten Dessauer", wurde Oranienbaum vor allem als Jagdschloß genutzt. Es ist den Ausstellungsmachern vor zwei Jahren gelungen, eine zwar kleine, aber dennoch aussagefähige Exposition auf die Beine zu stellen. Es ist alles da, was man erwartet: alte Dokumente, Stiche, Bilder, Waffen (darunter auch solche von Dessauer Büchsenmachern), Jagdutensilien und Trophäen. (Wegen der schlechten Lichtverhältnisse am Besuchstag ist die Qualität meiner Fotos leider sehr mager.) Allein das ist eine Leistung, denn viele Dokumente und Realstücke sind über die Zeit - bisweilen schon lange vor 1945 - verlorengegangen.



Dem Besucher wird anschaulich gemacht, was die herrschaftliche Jagd in einem Kleinstaat wie Anhalt bedeutet hat. Die Darstellung ist ordentlich und sachlich, was angesichts der schrillen Töne heutiger Jagdgegner schon ein Wert an sich ist. Leider wird die Ausstellung von der Museumsleitung nicht offensiv vermarktet. Allgemein zugänglich ist sie nur am Wochenende; wochentägliche Besucher müssen ausdrücklich danach fragen. Doch es lohnt sich, zumal Oranienbaum leicht über die A 9 zu erreichen ist.



Weitere Informationen:
Offizielle Webseite
Wikipedia
Zeitungsartikel über die Jagdausstellung





Mittwoch, 12. Oktober 2011

Die russische Episode der Malteser

Borovikovsky, Vladmir (1757-1825) - 1800 Portrait of Paul I, Emperor of Russia (Russian Museum)


Kürzlich bin ich bei Flickr auf das obige Gemälde von Wladimir Borowikowskij gestoßen. Es entstand im Jahre 1800 und zeigt den russischen Kaiser Paul I. Auf seinem Gewand ist das Malteserkreuz zu erkennen. Doch wie kommt ein orthodoxer Herrscher, der nach seiner Geburt lutherisch getauft worden war, dazu, sich mit den Insignien des römisch-katholischen Ritterordens von Malta zu schmücken?



Wir schreiben das Jahr 1798. Napolen marschiert durch Europa und nimmt auch den kleinen Mittelmeerstaat Malta ein. Der seit 1530 dort ansässige Orden verläßt die Insel; viele Ritter fliehen nach Rußland, wo der Zar sie aufnimmt und ihnen große Ländereien zur Verfügung stellt. Damit ist das Überleben des Ordens in einer turbulenten Epoche erst einmal gesichert. Aus Dankbarkeit wählten die Ritter ihren neuen Schutzherrn am 16. Dezember 1798 zum Großmeister des Malteserordens.



Doch das russische Asyl der Malteser sollte nur Episode bleiben. Zum einen, weil das Zarenreich doch ein wenig abgelegen war; zum zweiten, weil Paul I. bereits im Jahre 1801 stirbt. Dennoch hat sie in Rußland auch bauliche Spuren hinterlassen. Gemeint ist damit die von 1798 bis 1800 durch den Architekten Giacomo Quarenghi errichtete Malteserkapelle. Sie befindet sich mitten im Zentrum von Sankt Petersburg und ist Teil des Palais des Grafen Woronzow. Die Kapelle ist, auch aufgrund ihrer Abgeschiedenheit, ein architektonisches Kleinod. Sie war jedoch nicht die einzige katholische Kirche in Petersburg, wobei mir nicht bekannt ist, ob sie heute noch als Gotteshaus dient. (Die Position des Altars deutet jedenfalls darauf hin.)



Heute dient die Malteserkapelle (russ.: Maltijskaja kapella) vor allem als Konzertsaal. Dazu prädestiniert ist sie auch durch ihre Orgel, die ja der orthodoxen Kirchenmusik fremd ist. Einen Schwerpunkt bildet insoweit natürlich deutsche und westeuropäische Musik, in diesem Jahr viel Bach und Ritter. Ich selbst konnte die Kapelle im September 2007 während eines Konzerts im Rahmen des internationalen Festivals für Alte Musik kennenlernen. Die Atmosphäre und Akustik sind beeindruckend.



Weitergehende Informationen wie Konzerttermine, Kartenpreise usw. sind auf der offiziellen Webseite zu finden. Solche Veranstaltungen sind für die breite Öffentlichkeit auch die einzige Möglichkeit, die Malteserkapelle zu besichtigen, denn heute ist im Woronzow-Palais die St. Petersburger Suworow-Kadettenschule untergebracht. D.h. daß das gesamte Areal in der Regel für Zivilisten nicht zugänglich sind. Wenn man sich in "Piter" aufhält und dort gerade ein Konzert stattfindet, sollte man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.




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Fotos: www.maltacapella.ru, fotki.yandex.ru/users/vladimafan.

Montag, 14. März 2011

14.03.2011: Musik des Tages

Einer der Kultfilme des sowjetischen Kinos war und ist "Die weiße Sonne der Wüste" aus dem Jahre 1969. Die Mischung aus einem Actionfilm und einer Komödie spielt im Mittelasien der 1920er Jahre und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Dazu hat auch das eingängige Titellied "Wasche blagarodie, gosposha udatscha" (dt. etwa: Euer Wohlgeboren, Frau [besser: Herr] Erfolg) beigetragen. Der Text stammt vom berühmten Bulat Okudschawa, die Musik von Isaak Schwarz, gesungen wird es hier wohl ebenfalls von Okudschawa.



Sonntag, 9. Mai 2010

Sonderausstellung in Dessau-Roßlau


Der Förderverein für ein Militärhistorisches Museum Anhalt (der sich im vergangenen Jahr heftigen Anfeindungen ausgesetzt sah) führt anläßlich des 65. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkrieges eine Sonderausstellung durch. Sie ist nicht groß - was angesichts des kleinen Vereins auch nicht zu erwarten gewesen wäre -, doch wird das Kriegsende hier in der Region Anhalt gut dargestellt - mit allem, was dazugehört (Dokumente, Uniformen, Waffen etc.). Armee Wenck, der Vorstoß der US-Truppen von Westen und jener der sowjetischen von Osten usw. Wer hier in der Nähe wohnt, sollte sich die Ausstellung, die noch bis zum 16. Mai zu sehen ist, einmal anschauen und auch die ansonsten vorbildliche Arbeit des Vereins würdigen. Für den 13.05. ist eine große Fahrzeug- und Technikschau geplant. Gestern hatte der Verein bereits Kranzniederlegungen auf den hiesigen deutschen und sowjetischen Soldatenfriedhöfen organisiert.



Öffnungszeiten:
08.05 und 09.05.2010 - von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
10.05. bis 12.05.2010 - von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr
13.05.2010 - von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
14.05.2010 - von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr
15.05.2010 - von 10:00 Uhr bis 00:00 Uhr (lange Nacht der Museen)
16.05.2010 - von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr (Internationaler Museumstag).



Anschrift: Militärhistorisches Museum Anhalt, Am Finkenherd 1, 06862 Dessau-Roßlau, Ortsteil Roßlau.



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Samstag, 13. Februar 2010

13.02.2010: Video des Tages

Im folgenden Video stellt ein Reporter verschiedene Militärmuseen in Moskau vor.




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Das Museum polnischer Waffen

Samstag, 31. Oktober 2009

31.10.2009: Videos des Tages

Unter den außerhalb Sankt Petersburgs gelegenen Residenzen nimmt Puschkin, das frühere Zarskoje Selo, wo sich im Katharinenpalast das (neue) Bernsteinzimmer befindet, eine herausragende Stellung ein. Desgleichen - zumindest im Sommer - Peterhof mit seinen berühmten Fontänen. Mir gefallen hingegen Schloß und Park von Pawlowsk am besten. Im klassizistischen Stil errichtet (dem ich mich ohnehin sehr verbunden fühle), ist Pawlowsk nicht so überlaufen wie die anderen Touristenmagneten, wovon die beiden heutigen Videos einen kleinen Eindruck vermitteln.







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Samstag, 5. September 2009

Das Museum polnischer Waffen


Das Museum der polnischen Waffen (poln.: Muzeum Oręża Polskiego) in Kolberg ist - neben einem Mineralienmuseum - einer der wenigen kulturellen Höhepunkte dieses eher beschaulichen Kurortes an der Ostseeküste. Demzufolge ist es meist auch gut besucht, und zwar nicht von finster dreinblickenden "Militaristen" im Tarnanzug, sondern von erstaunlich vielen jungen Eltern mit ihren Kindern, was den unverkrampften Umgang mit Waffen in der polnischen Gesellschaft indiziert.

Hier kann man eine große Auswahl an Blank- und Handfeuerwaffen, Uniformen und Militaria besichtigen. Die Darstellung ist sehr professionell, so werden z.B. alle Uniformen zusammen mit den passenden Effekten, Seitenwaffen etc. präsentiert. Inhaltlich geht es um alle Waffen, die auf dem Gebiet des heutigen Polen verwendet worden sind - vom Mittelalter bis etwa 1945. Dabei ist die Zuordnung allerdings sehr großzügig, weshalb auch die Bewaffnung der diversen polnischen Legionen in fremden Diensten ausführliche Beachtung gefunden hat.



Neben dem Museumsgebäude werden auf einem Freigelände Großgeräte wie Geschütze, Panzerfahrzeuge und Flugzeuge präsentiert. Der Eintritt ist recht preiswert und kostet inkl. Fotogenehmigung 8 Zloty (~ 2 €). Außerdem gehört zum Museum das Museumsschiff "Fala" (vgl. hier), welches im Hafen von Kolberg liegt.
Wie bei allen Waffen- und Militärmuseen stellt sich auch hier die Frage: Lohnt sich ein Besuch? Meine Antwort: Ja, unbedingt, aber man muß nicht extra deswegen aus Deutschland anreisen. Doch wenn man in der Nähe ist, sollte man unbeding hereinschauen.
Die folgenden Bilder vermitteln einen Eindruck von der Ausstellung.



Adresse: Ulica Emilii Gierczak 5, 78-100 Kołobrzeg

(Link bei Google Maps)

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite (poln.)
Wikipedia (poln.)



Bilder 3 + 4: Mittelalterliche Waffen und Rüstungen.



Waffen aus dem 18. Jahrhundert.



Waffenkuriositäten: oben Stiftfeuerevolver und Stockdegen, unten Vorderladerpistolen mit Bajonett.




Oben Nagant-Revolver, unten diverse Revolver aus den polnischen Aufständen des 19. Jh.




Uniformen der polnischen bewaffneten Kräfte nach 1918.



Auch zahlreiche deutsche Waffen gehörten zur gemischten Ausrüstung der jungen polnischen Armee, hier etwa P 08 und C 96 (9 mm).



In der Zwischenkriegszeit wurden Mauser-Gewehre zur Standardbewaffnung. Rechts ein Gewehr, das ich bisher nur aus der Literatur kannte: Mosin-Nagant-Karabiner, in Polen nach dem 1. WK für die Aufnahme eines 98er Bajonetts aptiert.




Bemerkenswert: Das Hakenkreuz als Uniformabzeichen polnischer Gebirgsjäger anno 1939.



Sowjetische Maschinengewehre aus der Zeit des 2. WK.



Sowjetische Infanteriewaffen, die während des 2. WK und danach von polnischen Einheiten geführt worden sind.



Dazu zählen auch diese beiden Selbstladegewehre: rechts ein SWT-40, links ein von Simonow konstruiertes AWS-36.



Sowjetische Kurzwaffen, in der Mitte der Vorläufer der berühmten Pistole TT-33, eine ebenfalls von Tokarew konstruierte TT-30.



Uniformierung der polnischen Verbände, die während des 2. WK im Rahmen der Roten Armee gekämpft haben.



Bodenfunde aus der Schlacht um Kolberg (1945).



Uniformen der polnischen Armee aus den Jahren 1944/45.



Nachtrag: Zwei literarische "Beutestücke" aus dem leider nicht sehr üppigen Museumsladen.


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Samstag, 11. Juli 2009

Das Bereitschaftsmuseum


Dieses und viele weitere Bilder aus dem Beredskapsmuseet im schwedischen Helsingborg finden sich hier.

Montag, 9. März 2009

Schwere Geschütze ...


... und andere Waffen, Fahrzeuge und Geräte aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Moskauer Zentralmuseum des Großen vaterländischen Krieges ausgestellt sind, hat Vitalij Kusmin fotografiert:
Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.

Samstag, 7. März 2009

Das Blockademuseum


Zum vorläufigen Abschluß der Reihe über Museen in Rußland möchte ich ein Petersburger Museum nennen, von dessen Besuch ich - bis auf Weiteres - abrate. Das der Blockade Leningrads im Zweiten Weltkrieg gewidmete Blockademuseum hat den Zeitenwechsel 1991 irgendwie verschlafen. Ausstellung und Führungen sind noch im typisch sowjetischen Propagandastil gehalten, der für jeden, der daran nicht gewöhnt ist, eine Zumutung darstellt. (So wurde z.B. der Winterkrieg 1939/40 im Jahr 2006 noch immer als sowjetischer Verteidigungskrieg dargestellt.) Obgleich natürlich ein Kriegsmuseum i.e.S. und auch entsprechend ausstaffiert, sollte man von einem Besuch solange Abstand nehmen, bis das Museumskonzept irgendwann einmal gründlich überarbeitet worden ist.

Welche Hinweise kann man dem angehenden Rußlandtouristen sonst noch mit auf den Weg geben?
1. Die meisten Reiseführer kann man, kurz gesagt, vergessen. Am besten fährt man, zumindest in Moskau und St. Petersburg, mit dem Baedeker.
2. Zur besseren Orientierung sollte man zumindest das kyrillische Alphabet kennen.
3. Zahlreiche nützliche und aktuelle Tips (auch rechtlicher Natur) findet man im Rußlandforum.
Ansonsten wünsche ich viel Spaß! :-)

Mittwoch, 4. März 2009

Puschkin (Zarskoje Selo)


Eines der Kleinodien von St. Petersburg liegt rund 20 Kilometer südlich der Großstadt: Puschkin, das frühere Zarskoje Selo. In der Stadt leben nicht nur 80.000 Menschen, dort befindet auch eines der größten Schloß- und Parkensembles Rußlands. Am bekanntesten ist natürlich das vor ein paar Jahren wiederhergestellte Bernsteinzimmer im zentral gelegenen Katharinenpalast. Aber auch der Alexanderpalast bietet historische Atmosphäre, lebte doch dort die letzte Zarenfamilie bis zu ihrer Verbringung nach Jekaterinburg, wo sie später auch ermordet wurde.



In den diversen Gebäuden der Anlage finden - wie bei Museen dieser Größenordnung üblich - mehr oder weniger wechselnde Ausstellungen statt. Dabei kommt der militärgeschichtlich Interessierte ebenso wie der "08/15-Tourist" auf seine Kosten, werden doch auch Waffen, Uniformen u.ä. gezeigt.



Puschkin (Zarskoje Selo) gehört zum Standardprogramm der meisten Petersburgbesucher, insbesondere der Reisegruppen, so daß ich hier nicht mehr viel schreiben muß.
Ist eine individuelle Anreise geplant, so empfiehlt sich eine der geführten Touren, die von diversen Reiseveranstaltern im Umkreis des Gostinyj Dwor angeboten werden. Nur für "Fortgeschrittene" ist es angeraten, mit dem Vorortzug ("Elektritschka") ab dem Witebsker Bahnhof oder dem Bus zu fahren (ausführlicher hier). Die beiden letzten Varianten sind gleichwohl die spannendsten und interessantesten, kann man doch so ein wenig Land und Leute außerhalb der Großstadt kennenlernen.
(Link bei Google Maps)



Weiterführende Links:
Offizielle Seite des Museums (russ.)
Wikipedia (dt.)
Zarskoje Selo bei Russland Aktuell (dt.)
Informationen und Bilder (russ.)