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Freitag, 12. August 2011

Pausenfüller


Während der derzeitigen Sommerpause im Schießsport habe ich die freie Zeit genutzt und wieder häufiger mit meinem "Universal-Luftgewehr" HW 95 geschossen. Das Schießen im Garten ist schon etwas ganz anderes als auf dem geschlossenen Stand. Um den Erholungseffekt und die Abwechslung vom "Löchlestanzen" zu vergrößern, verwende ich derzeit kaum Ringscheiben, sondern symbolische Darstellungen wie Glücksscheiben oder Tierscheiben. Von beidem bieten diverse Scheibenhersteller wie Braundruck oder Wuttkedruck ein relativ großes Sortiment an.

Das Zielen, insbesondere auf die jagdlichen Scheiben, ist alles andere als leicht. Man sieht durch das Zielfernrohr keine kontrastreichen Ringe in Schwarz-weiß, sondern muß auf den relativ kontrastarmen Tierkörper schießen, wobei der Zielraum nur ungefähr bekannt ist (über bzw. kurz hinter den Vorderbeinen).

Dabei hat sich auch gleich die Gelegenheit ergeben, einige Munitionssorten zu testen, die mir ein Bekannter freundlicherweise überlassen hatte. Dabei haben die von Haender & Natermann für den britischen Markt gefertigten Bisley Long Range ganz hervorragend abgeschnitten. Sie liefen besser als ihren deutschen Verwandten, die H&N Field Target Trophy und genau so gut wie die JSB Jumbo Express. Rundkugeln, wie z.B. von Gamo, sind für LGs wohl nicht zu empfehlen. Sie machen zwar große Löcher in die Scheibe und gehörigen Lärm im Kugelfang, doch ist die Präzision sehr mäßig. Hingegen sind die Flachkopf-Dias von Crosman sehr gut zum Scheibenschießen auf kürzere Distanzen geeignet.

Ach ja, das billige Fernost-Zielfernrohr, welches seit zwei Jahren die HW 95 ziert, hält nach fast 2000 Schuß immer noch, ohne daß es bisher Probleme wegen der aufgetretenen mechanischen Belastungen gegeben hätte.

Im September stehen einige Veränderungen an der Waffe an. Zunächst soll sie einen neuen Schaft bekommen. Ferner wurde bei Steve Pope ein 7,5 Joule-V-Mach-Kit in Auftrag gegeben, was eine Einzelanfertigung sein wird. Und vielleicht kommt auch noch ein neues ZF auf das Gewehr, denn das jetzige hält zwar, ist jedoch nicht gerade lichtstark.


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Dienstag, 7. Juni 2011

Vom Krieg zur gemeinsamen Verantwortung


Am vergangenen Freitag hatte ich Gelegenheit, in Berlin an der deutsch-russischen Konferenz „Vom Krieg zur gemeinsamen Verantwortung für Frieden und Sicherheit in Europa“, die anläßlich des bevorstehenden 70. Jahrestages der Operation „Barbarossa“ veranstaltet wurde, teilzunehmen. (Das Programm ist hier zu finden.) Nachfolgend wird auf einige Aspekte dieser Veranstaltung eingegangen, an der auf beiden Seiten namhafte Politiker und Wissenschaftler teilgenommen haben.

In den Einführungsreferaten von Botschafter Wladimir Grinin und dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses Walter Momper wurde die seit 20 Jahren erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland, etwa auf dem Gebiet der öffentlichen Verwaltung, betont. Momper konnte hier aus seiner Erfahrung der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Moskau berichten. Ähnliches wurde von anderen Teilnehmern vorgetragen. Am unproblematischsten sei die Kooperation auf den Gebieten Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

Im ersten, primär historischen Teil kamen jeweils zwei Historiker aus Deutschland und der RF zu Wort, die durch Co-Referate anderer Teilnehmer ergänzt wurden. Von besonderem Wert waren die Einlassungen Jochen Laufers und seines Kollegen Alexej Filitow, die gemeinsam am nunmehr vierten Band der Quellenedition „Die UdSSR und die deutsche Frage 1941–1948“ arbeiten, der sich insbesondere die Berlinkrise 1948 widmen wird. Schon jetzt deutet sich an, daß dadurch – ebenso wie durch Laufers eigene Forschungen – mancher hierzulande populäre Mythos ins Wanken kommen dürfte.
Laufers These: Nach Kriegsende 1945 richtete sich keine sowjetische Aggressivität nach außen. Vielmehr ging es um eine Absicherung des während des Krieges eroberten Machtbereichs in Osteuropa (Repressivität). In Fragen, die über dieses Territorium hinausgingen, wie z.B. die Meerengenfrage, zeigte Stalin eine erstaunliche Flexibilität und Kompromißbereitschaft.
Daran anschließend fragte Peter Schulze, ob man sich im Westen dessen bewußt gewesen sei und ob der Aufbau gewaltiger Militärapparate nicht möglicherweise instinktiv (also ohne genaue Bedrohungsanalyse) erfolgte.

Im übrigen zeichneten sich Alexander Tschubarjan, Boris Chawkin und Nikolaj Schmeljow durch sachliche und ausgewogene, die neuesten Forschungsergebnisse widerspiegelnde Beiträge aus, die den Verfasser dieser Zeilen für seine weiteren Forschungen angeregt haben.
Besonders Tschubarjan gelang es, die schwierige Gemengelage in der sowjetischen Führung, die sich aus dem Fehlen eines formalisierten und zentralisierten Entscheidungsverfahrens ergab, darzulegen. Manche Entscheidungen der Stalin-Ära werden womöglich nie endgültig zu erklären sein, denn es fehle z.T. schlicht an zeitgenössischen Quellen. Stalin habe vieles nicht schriftlich fixiert und seine Mitarbeiter hätten oft keine eigenen Aufzeichnungen hinterlassen. So auch Molotow, der sich zudem noch kurz vor seinem Ableben in den 1980er Jahren – also lange nach Stalins Tod – weigerte, auf wichtige Fragen sowjetischer Historiker zu antworten. Das hat im konkreten Fall zur Folge, daß die rußländischen Historiker etwa auf die deutschen Protokolle von Molotows Verhandlungen mit Ribbentrop und Hitler zurückgreifen müßten, da es keine Aufzeichnungen der sowjetischen Teilnehmer gebe.

Erhellend auch Peter Jahns Referat über „Täter- und Opferdiskurse in der Kriegserinnerung der deutschen Nachkriegsöffentlichkeit“, der den langsamen Wandel von der Verdrängung der Verbrechen und dem überhöhten Opfermythos von der „Verteidigung des christlichen Abendlandes“ an den fernen Ufern der Wolga hin zur Aufarbeitung nachzeichnete.
Dies veranlaßte eine Konferenzteilnehmerin zu dem durchaus treffenden Kommentar, daß die Niederlage im Zweiten Weltkrieg für die heutigen Deutschen identitätsstiftend geworden sei und sie aus der Vergangenheitsbewältigung neues Selbstbewußtsein – auch auf der internationalen Bühne – zögen.
Damit hatte die Dame schon vorweggenommen, was sich im weiteren Verlauf der Tagung zeigen sollte: Viele der deutschen Teilnehmer haben das Thema „Vom Krieg zur gemeinsamen Verantwortung für Frieden und Sicherheit in Europa“ strikt in einen historischen und einen aktuellen Teil getrennt und so getan, als hielte die Geschichte keine Lehren für die Gegenwart bereit. Die russischen Teilnehmer waren hingegen durchweg bemüht, beides in ihren Betrachtungen zu verbinden.

Alexej Gromyko (übrigens der Enkel des früheren sowjetischen Außenministers) benannte drei Syndrome aus der deutsch-sowjetischen Vergangenheit, die z.T. bis in die Gegenwart wirken: das Versailles-Syndrom (Ausschluß der UdSSR aus der europäischen Sicherheitsarchitektur in Gestalt des Völkerbundes), das München-Syndrom als Symbol für Uneinigkeit und das 22.-Juni-Syndrom als Beschreibung der militärischen Überraschung. Ferner meinte er, falls der berühmte Shukow-Plan vom 15. Mai 1941 – also ein sowjetischer Präventivschlag in den seit Ende 1940 erkannten deutschen Truppenaufmarsch hinein – umgesetzt worden wäre, stünde die Sowjetunion heute noch viel stärker am Pranger als ohnehin. Mithin waren Stalins Weisungen, die jegliche „Provokation“ des Dritten Reiches ausschließen wollten, der einzig gangbare Weg, damit sich der spätere Aggressor nicht auf die Position der Selbstverteidigung zurückziehen konnte.

Daran anschließend drehte sich die Tagung um Probleme der Gegenwart und der mittelfristigen Zukunft. Der darin an prominenter Stelle behandelte Transnistrienkonflikt ist es aufgrund seiner Besonderheiten wert, in diesem Blog demnächst gesondert behandelt zu werden.

Die Bundestagsabgeordneten Gernot Erler und Manfred Grund führten u.a. zur Außenpolitik der Europäischen Union aus. Die EU wolle sich mittels ihrer Nachbarschaftspolitik mit einem Ring befreundeter Staaten umgeben. Gleichzeitig erklärte Erler prononciert, das klassische Denken in Einflußsphären gehöre dem 19. Jahrhundert an und habe im 21. Jh. keine Zukunft. Diese These ruft indes beim Betrachter Erstaunen hervor, denn die Staaten, die mittels der Nachbarschaftspolitik an die EU gebunden werden sollen, wären im Ergebnis nichts anderes als eine exklusive und hierarchische Einflußsphäre der EU. Das geht soweit, daß diese Staaten einen Teil des Gemeinschaftsrechts („aquis communautaire“) übernehmen sollen, ohne allerdings an Formulierung dieser Rechtsakte in irgendeiner Form beteiligt zu sein.

Manfred Schünemann und Peter Schulze haben die sich daraus ergebenden Differenzen zwischen Deutschland bzw. der EU und Rußland sehr treffend resümiert: Die EU will in Osteuropa zwar Freunde haben – aber ausschließlich zu den in Brüssel formulierten Spielregeln. Auf der anderen Seite ist die Rußländische Föderation durchaus zur Integration in europäische Strukturen bereit – aber nur zu gemeinsam ausgehandelten, nicht zu einseitig diktierten Bedingungen.
Man könnte es auch anders formulieren: Der „Westen“ erwartet oft, daß die RF in zentralen politischen Fragen einseitig in Vorleistung geht, ohne daß eine Gegenleistung jenseits eines „feuchtwarmen Händedrucks“ oder freundlichen Schulterklopfens absehbar ist. Früher, namentlich mit Präsident Jelzin, hatte man damit regelmäßig Erfolg, doch seit einigen Jahren ist Moskau immer weniger dazu bereit und erwartet – ganz „altmodisch“ – eine konkrete und einigermaßen gleichberechtigte Zusammenarbeit (Stichwort: Win-win-Situation).
Dieses Dilemma zog sich durch die gesamte Konferenz; seine Auflösung erscheint derzeit kaum möglich, auch wenn seine nüchterne Benennung schon ein Gewinn für die weitere Debatte ist.

Des weiteren wurden von den Referenten und Diskutanten zahlreiche Detailfragen angesprochen, deren Erörterung hier nicht möglich ist. Einer der Höhepunkte war zweifelsohne der Vortrag des Brigadegenerals a.D. Klaus Wittmann, der in erfreulicher Offenheit über das Verhältnis der NATO zu Rußland sprach. Deshalb soll seinen Einlassungen hier etwas mehr Raum gegeben werden, zumal er sämtliche relevanten Punkte angeschnitten hat.

Zunächst konstatierte Wittmann, daß der „Westen“ und Rußland heute keine gegenseitige Bedrohung darstellten; die Kriegsgefahr in Europa gehe gegen Null. Beide Seiten stünden vor gemeinsamen Bedrohungen und Herausforderungen (z.B. Drogenhandel, Terrorismus, Proliferation von ABC-Waffen). Der NATO-Gipfel in Lissabon habe erste Fortschritte gebracht, die jedoch noch nicht konkret genug seien. Die NATO müsse bei der Gestaltung ihrer Beziehungen zur RF ambitionierter vorgehen und brauche ein grundsätzlich neues Programm, das vor allem die Möglichkeiten zur Kooperation betone, denn der Versuch, europäische Sicherheit nicht mit, sondern gegen Rußland zu erreichen, brächte neue Risiken.
Als Probleme bzw. Fehler, die die NATO in der Vergangenheit gemacht habe, benannte er u.a. ein Mißverstehen der russischen Psychologie (Vermitteln eines Gefühls der Ausgeschlossenheit), westlichen Triumphalismus („wir haben den Kalten Krieg gewonnen und ihr habt verloren“) sowie die Nichtratifikation des Angepaßten KSE-Vertrages durch sämtliche Mitgliedsstaaten der NATO, was im Ergebnis zu einem Rückschlag bei der konventionellen Rüstungskontrolle geführt habe.

Insofern unterscheidet sich der Brigadegeneral deutlich (und wohltuend) von einem anderen Referenten – Hannes Adomeit –, dessen Einlassungen in Vortrag und Diskussion sich auf den Tenor bringen lassen, daß die Russen an sämtlichen Problemen im Ost-West-Verhältnis allein schuld seien. Auch einige von Wittmanns Lösungsvorschlägen sind praxisorientiert und erscheinen durchaus realisierbar. So z.B. ein neuer Ansatz für den gescheiterten und inhaltlich mittlerweile obsoleten AKSE-Vertrag, ein neues Format für den NATO-Rußland-Rat, in dem vor allem die gemeinsamen Interessen ausgelotet werden sollen, oder eine verstärkte Kooperation der NATO mit der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS/CSTO), insbesondere hinsichtlich der Probleme in und um Afghanistan.

Andererseits zwingen manche seiner Einlassungen zur kritischen Nachfrage. So meint Wittmann, der Vorwurf, die NATO habe in den 1990er Jahren aus der Schwäche Rußlands Kapital gezogen und sich nach Osten ausgedehnt, sei unberechtigt. Dabei dürfte dies für jeden verständigen Betrachter, der eine Landkarte lesen kann, evident sein. Auch seine Zweifel, es habe seitens der NATO keine Zusagen für den Verzicht auf eine Ostausdehnung gegeben, werden bei einem Blick in zeitgenössische Quellen widerlegt. Was sonst sollte z.B. der Sinn von Artikel 5 Absatz 3 des Zwei-plus-vier-Vertrages sein? Warum sollten seitens der NATO-Staaten 1990 nicht auch weitere, freilich nicht rechtsverbindliche Erklärungen mit ähnlichem Inhalt abgegeben worden sein?

Ferner hat Wittmann (wie auch Erler und Grund) mehrfach ein neues außen- und sicherheitspolitisches Denken innerhalb Rußlands eingefordert. Vor allem die Eliten in Politik und Militär sollten von den überkommenen Denkmustern des Kalten Krieges Abstand nehmen. Dieser Vorwurf ist zum Teil durchaus berechtigt, solche Personen gibt es, auch unter den Journalisten und Publizisten. Allerdings übersieht der frühere General ebenso wie die beiden Abgeordneten zweierlei: Erstens erscheinen einige der rußländischen Vorbehalte durchaus berechtigt, wenn man die Sache nicht aus der Berliner, Brüsseler oder Washingtoner Perspektive betrachtet, sondern von Moskau aus. Deshalb geht der implizit mitschwingende Vorwurf der Irrationalität des russischen Denkens fehl und deutet eher auf einen Mangel an eigener Empathie hin.

Zweitens sollte, gerade wenn ein gemeinsamer Neuanfang gewünscht wird, nicht verschwiegen werden, daß das politische Denken in den Schemata der Blockkonfrontation auch in den NATO-Staaten noch virulent ist. Ist hier etwa kein Umdenken erforderlich?

Es mutet beispielsweise seltsam an, wenn im März diesen Jahres der amerikanische Director of National Intelligence, James Clapper, vor dem Senat davon spricht, daß Rußland für die USA eine schwere Bedrohung darstelle, gegen die man sich unbedingt wappnen müsse. Oder wenn die Außenministerin Hillary Clinton vor dem Kongreß unumwunden einräumt, daß die US-Regierung einen Informationskrieg gegen Rußland (und andere Staaten) führt und dafür neue Haushaltsmittel anfordert. Oder, drittens, der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey, der Rußland mehrfach als „faschistische“ „Diktatur“ beschimpft hat.

Derart „altes Denken“ findet sich in den NATO-Staaten nicht nur auf der politisch-strategischen Ebene, sondern auch auf der militärisch-taktischen. In der Zeitschrift Visier Nr. 3/2010 (S. 131) wird berichtet, daß sich im Pflichtenheft für die Maschinenpistole MP 7 explizit die Forderung befunden habe, daß die kleinkalibrige Munition der MP 7 fähig sein soll, ballistische Schutzwesten rußländischer Produktion zu durchschlagen. Weshalb will die NATO mit ihren Waffen unbedingt russische Schutzwesten durchdringen können? Warum genügen keine abstrakten Kriterien für derartige Tests? Eine Antwort drängt sich auf: Selbstverständlich betrachtet die NATO Rußland nach wie vor als ihren möglichen Hauptfeind, gegen den sich die eigenen Rüstungsanstrengungen zu richten haben.

Drittens sei ein Beispiel für das von Wittmann kritisierte alte Denken genannt, das aus dem Bereich des deutschen „Otto-Normalbürgers“ stammt. Vor einigen Jahren hatte ich eine rußlandbezogene Diskussion mit einem Bekannten aus Hessen, der, als ihm die Argumente ausgingen, bekannte: „Mein Großvater hat gewußt, daß der Feind im Osten steht; mein Vater hat gewußt, daß der Feind in Osten steht; und ich weiß es auch.“ Der junge Mann, dessen genannte Vorfahren bei den Panzertruppen von Wehrmacht und Bundeswehr dienten, war seinerzeit bekennendes Mitglied der Jungen Union und zudem Akademiker, weshalb ich ihm eine bessere Reflektionsfähigkeit zugetraut hätte. Doch nein, statt dessen kam platte Russophobie zum Vorschein, die nicht einmal die – mittlerweile gut dokumentierte – verbrecherische Dimension der deutschen Kriegführung der Jahre 1941 bis 1945 erkennen wollte.

Die Überwindung alter und tiefsitzender Vorurteile und eigentlich obsoleter Denkschemata ist also keineswegs nur in Rußland, sondern auch in den Mitgliedsstaaten von NATO und EU eine drängende Aufgabe. Anderenfalls bleiben vertrauensbildende Maßnahmen im Stadium der guten Absicht stecken.
Leider wurde dies am Freitag von keinem der Teilnehmer thematisiert, denn dann hätte man auch über die Rolle der Medien sprechen müssen. In denen des „Westens“ dominiert seit Jahren ein eindeutig negatives Rußlandbild. Mittlerweile kann dies schon mittels empirischer Untersuchungen belegt werden. Und wenn es ein Medium wagen sollte, gegen diese Einseitigkeit anzuschreiben und sich um mehr Ausgewogenheit und Realitätssinn zu bemühen, dann wird es von den Platzhirschen des Meinungsmonopols – wie etwa in diesem Fall – sofort der „Kreml-Propaganda“ bezichtigt, die die ahnungslosen Deutschen verwirren solle.

Angesichts dessen dürfte das angemahnte und notwendige Umdenken zumindest in Deutschland schwer sein. Die Russen leben ihrerseits schon seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr hinter dem „eisernen Vorhang“, der sie nicht nur von Reisen, sondern auch von Informationen aus dem Rest der Welt abgeschnitten hat. Im Gegenteil, Webportale wie InoSMI.ru, auf denen täglich zahlreiche rußlandbezogene Artikel aus der internationalen Presse ins Russische übersetzt werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. D.h. „Iwan-Normalbürger“ weiß recht genau, wie negativ und z.T. feindselig im Ausland über ihn und sein Land geschrieben wird.
Es liegt auf der Hand, daß dies innerhalb der rußländischen Gesellschaft nicht ohne Rückwirkungen bleiben kann. Die von manchen ausländischen Beobachtern beklagte „anti-westliche“ Stimmung der letzten Jahre ist zu einem Großteil darauf zurückzuführen. Politik und Medienberichterstattung des „Westens“ gegenüber Rußland sind für manche Russen die Bestätigung dafür, daß die Feindbilder sowjetischer Provenienz gar nicht so falsch gewesen sein können. Und damit dreht sich die Spirale des „alten Denkens“ weiter …

Der Begriff erinnert natürlich an das von Michail Gorbatschow in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre propagierte „Neue Denken“ in der Außen- und Sicherheitspolitik. Bedauerlicherweise sind diese Ansätze der gemeinsamen Sicherheit, wie sie auch für die OSZE geplant waren, schon lange steckengeblieben und werden nur noch selten, je nach aktuellem Bedarf, instrumentalisiert. Die OSZE kann die ihr zugedachte Rolle eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems nicht erfüllen, weil einige Staaten ein (auch in Übersee aktives) Militärbündnis bevorzugen. Erfreulicherweise wurde auf der Konferenz auch von deutscher Seite mehrfach eine größere Bedeutung der OSZE angemahnt, auch wenn das von Präsident Medwedew vorgeschlagene Projekt eines Vertrages über europäische Sicherheit keinerlei Aussichten auf eine Realisierung hat.

Ein letzter Punkt, der nicht nur von Wittmann, sondern auch von anderen deutschen Teilnehmern betont wurde, war die Aufforderung, die Deutschen sollten in den Beziehungen zu Rußland Alleingänge vermeiden und nur in Abstimmung mit ihren Partnern in NATO und EU agieren. Grund hierfür seien historisch bedingte Befindlichkeiten in den neuen Mitgliedsstaaten der beiden Organisationen. Die wechselvolle Geschichte z.B. Polens als Argument gegen gute deutsch-russische Beziehungen anzuführen, halte ich für gewagt. Denn entgegen der von einigen polnischen Nationalisten verbreiteten Mythen war Polen im 20. Jahrhundert keineswegs ein wehrloses Opfer „der Russen“. Nicht nur der 1919 vom Zaun gebrochene Krieg, der die Eroberung eines Intermarium genannten polnischen Imperiums bezweckte und u.a. zur Einnahme von Kiew führte, spricht dagegen. Erstaunlich ist, daß dieser Konflikt von manchen polnischen Historikern heute als „Verteidigungskrieg“ verkauft wird (passenderweise in englischer und deutscher Sprache). Bemerkenswert ist ferner, daß von den 16000 bis 20000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die zwischen 1919 und 1924 in polnischem Gewahrsam umgekommen sind, heute kaum noch gesprochen wird, während alle Welt weiß, was 1940 in Katyn und anderen Orten geschehen ist. Diese Aufzählung ließe sich fortsetzen …

Wenn bestimmte Kreise in den osteuropäischen Staaten meinen, einen großteils irrationalen Russenhaß pflegen zu müssen, um ihre nationale Identität zu erhalten, dann ist dies bedauerlich genug. Wir Deutschen sind durch unsere Mitgliedschaft in NATO und EU jedoch nicht dazu verpflichtet, uns die dort populären Geschichtsklitterungen und -mythen zu eigen zu machen. Die Abläufe waren zumeist erheblich komplexer und weniger schwarz-weiß.
Des weiteren legen neuere Forschungen den Schluß nahe, daß die Mitgliedsstaaten von Warschauer Vertrag und RGW keineswegs die willenlosen Objekte sowjetischer Vorherrschaft waren, als die sie heute oft dargestellt werden. Im Gegenteil, die Führungen dieser Staaten haben konsequent eigene Ziele verfolgt und sie der SU bisweilen sogar aufgezwungen. Auch hinsichtlich dieses Punktes wird die Historiographie in den nächsten Jahren hoffentlich dazu beitragen, ein realistischeres Bild der jüngeren Geschichte zu zeichnen.

Zudem sollte nicht vergessen werden, mit welchen Argumenten in den 1990er Jahren in der deutschen Öffentlichkeit die NATO-Osterweiterung beworben wurde. Da hieß es z.B., man dürfe kein Sicherheitsvakuum in Europa entstehen lassen, weshalb die Einbindung der osteuropäischen Staaten in die NATO auch im Interesse Rußlands liegen sollte. Ein interessantes Argument – doch hat die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, daß es nicht zutrifft.
Der Schutzmantel der NATO-Mitgliedschaft hat insbesondere in den drei baltischen Republiken dazu geführt, daß deren Politik immer konfrontativer wurde. Und zwar nicht nur gegenüber der RF als Staat, sondern auch gegenüber den jeweiligen ostslawischen Minderheiten. So sind mittlerweile aus Estland mehrere Fälle bekannt, in denen estnische Ärzte russischsprachigen Patienten die Behandlung verweigert und beschimpft haben – sogar dann, wenn die Patienten bereits die estnische Staatsbürgerschaft erworben hatten (was bekanntlich nicht ganz einfach ist). Dieses Verhalten ist skandalös und hat – zu Recht – zur Entlassung der betreffenden Ärzte geführt.

Gleichwohl darf nicht übersehen werden, daß offenkundig Teile der baltischen Mehrheitsbevölkerung einem radikalethnischen Nationalismus huldigen, welcher in den selbsternannten „Wertegemeinschaften“ NATO und EU eigentlich keinen Platz haben sollte. Beide Organisationen werden im Baltikum jedoch vor allem als Schutzschild gegen „die Russen“ wahrgenommen, so daß man seinem Haß auf die ungeliebten Mitbürger nunmehr freien Lauf lassen kann, ohne auf den Nachbarn Rußland noch irgendwelche politischen Rücksichten nehmen zu müssen.
Insofern haben NATO und EU bei der Krisenprävention kläglich versagt; ihre Osterweiterung hat im Ergebnis nicht zu mehr, sondern zu weniger Sicherheit geführt.
Dieser Befund sollte hierzulande im Auge behalten werden, wenn einige osteuropäische Hardliner von den Deutschen wieder einmal bedingungslose Solidarität für ihren partikularen Kampf gegen Rußland fordern und dabei versuchen, mit Emotionen zu spielen.

Leider hat Wittmann nur wenig zur militärischen Zusammenarbeit zwischen der NATO und der RF gesagt. Er erwähnte zwar gemeinsame Ausbildungs- und Forschungsaktivitäten, doch blieb z.B. die seit Jahren anstandslos laufende Kooperation bezüglich Afghanistan, z.B. die deutschen Truppen- und Gütertransporte auf dem Land- und Luftweg, ungenannt.

Zum Abschluß der Konferenz zog Nikolaj Schmeljow sein Resümee. Er betonte, daß Rußland seinem Selbstverständnis nach ein europäisches Land war und ist, das jedoch aufgrund seiner geographischen Lage zwangsläufig auch Interessen in Asien wahrzunehmen hat. Schmeljow hält alle Diskussionen über eine Mitgliedschaft Rußlands in NATO oder EU für absurd, denn beide Organisationen würden sich schon allein wegen der räumlichen Ausdehnung damit übernehmen. Wünschenswert sei vielmehr eine enge Kooperation, wie sie sich etwa in Gestalt des eurasischen Transportkorridors anbiete. Mit Blick auf die derzeitige Krise in der Finanzpolitik der EU meinte er, daß Rußland sich kein am Boden liegendes Europa wünschen könne. Schmeljow hat, wie auch andere russische Teilnehmer, wert darauf gelegt, daß Europa nicht mit der Organisation „EU“ identisch ist. Das oft gemachte sprachliche Gleichheitszeichen zwischen beiden Termini sei fehl am Platze.


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Sonntag, 18. Juli 2010

Bekennender JSB-Fan ;-)


Im Herbst 2009 bin ich zum Konvertiten geworden: Hatte ich zuvor nicht an die "Wunderkräfte" der Diabolos des tschechischen Herstellers Josef Schulz, Bohumin, geglaubt, so hat mich der praktische Test eines besseren belehrt. Nachdem im April der kleine JSB-Vorrat für mein HW 95 zuende gegangen war, konnte ich erst dieser Tage wieder Nachschub ordern - bei der bewährten Fa. Schneider, welche jetzt auch die etwas selteneren Sorten führt.
Binnen 36 Stunden wurden je 500 Schuß Exact Jumbo Express und Exact Jumbo RS im Kaliber 5,5 mm geliefert. Bei beiden Sorten handelt es sich um mittelschwere Rundkopfdiabolos, wobei die RS (die es auch in 4,5 mm gibt) noch etwas leichter sind und damit besonders für die Märkte gedacht sind, wo - wie in Deutschland - ein relativ niedriges Energielimit für Druckluftwaffen besteht. Die Gewichte liegen bei 0,93 g (Express) und 0,87 g (RS).

Die ersten Tests der beiden Sorten waren für mich wieder überraschend. Über zwei Monate mußte ich mich mit den H&N Field Target Trophy begnügen und meine Schießergebnisse haben sich signifikant verschlechtert. (Überdies sind die H&N FTT teurer als die JSBs.) Aber jetzt sind die Trefferbilder wieder deutlich besser geworden. Ich hätte noch vor einem Jahr nicht geglaubt, welche Unterschiede es zwischen zwei ähnlich konstruierten Dias mit demselben Gewicht geben kann.
Die Jumbo RS haben - freihändig auf 13 m geschossen - leicht bessere Resultate gebracht als die geringfügig schwereren Jumbo Expreß. Dennoch kann ich (bisher) nicht von wirklich deutlich wahrnehmbaren Unterschiede zwischen den beiden Sorten sprechen. Somit kann derzeit auch keine Empfehlung für eine davon ausgesprochen werden. Vielleicht sind mir demnächst ein paar Langstreckentests möglich.

Und damit dieser Beitrag nicht nur meinen unprofessionellen Äußerungen über technische Fragen dient ;-), nachfolgend noch ein Video von einem (Hunter-)Field-Target-Wettkampf im englischen Tawd Vale.





PS: Auf dem obigen Bild liegen LG und Dias auf einer Feldjacke der Fa. Helikon.


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Dienstag, 24. November 2009

Ich Ungläubiger ... ;-)


Lange Zeit habe ich die Lobreden auf die Diabolos von Josef Schulz, Bohumin, für Übertreibungen gehalten. Doch seit einigen Wochen bin ich eines Besseren belehrt. Von der niederländischen Firma Target-Master (die noch akzeptable Preise hat) habe ich 250 Geschosse Exact Jumbo Express im Kaliber 5,5 mm und 500 Exact im Kaliber 5,0 mm bezogen. Und ich bin begeistert. :-) Letztere laufen im Weihrauch HW 80 k deutlich besser als die H&N Field Target Trophy. Die Kombination aus dem HW 95 und den Exact Jumbo Express produziert ebenfalls engere Streukreise als es zuvor mit den H&N FTT in 5,5 mm der Fall war. Allerdings ist hier der Unterschied nicht so groß wie beim HW 80 k.
Trotzdem: Die JSB-Diabolos sind es wert, ihnen treu zu bleiben, sofern man nicht gerade an einen Händler mit Wucherpreisen gerät.


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Sonntag, 25. Oktober 2009

Weihrauch-Parade


In der vergangenen Woche konnte ich sie endlich in Empfang nehmen: Mein von 5,5 mm auf 5,0 mm umgebautes Weihrauch HW 80 k ist fertig. Warum gerade dieses seltene Kaliber? Darüber hatte ich hier schon berichtet; zudem möchte ich langfristig auch noch eines der neuen HW 97 KT im Kaliber 4,5 mm erwerben. Damit hätte ich drei Weihrauch-Luftgewehre in drei verschiedenen Kalibern. Genug also, um ein wenig zu testen und mit der Ballistik zu spielen. Außerdem ist wohl nichts langweiliger, als mehrere gleichartige, nahezu identische Waffen zu besitzen. ;-) Daher also ein HW 95 Luxus in 5,5 mm (oben) und besagtes HW 80 k (unten).

Desweiteren wurden zwei Riemenbügel von Uncle Mike's montiert, so daß ich mit dem LG jetzt auch 1 Zoll breite Gewehrriemen verwenden kann. Besonders die Anbringung am Vorderschaft gestaltete sich schwierig, konnte aber dank den im Netz veröffentlichten Bildern eines polnischen Kollegen gelöst werden. Leider finde ich den Link nicht mehr, aber trotzdem gilt mein Dank dem Unbekannten. :-)

Testen konnte ich das Schmuckstück bereits auf 25 m. Dabei ist mir aufgefallen, daß die H&N Field Target Trophy sehr leicht geladen werden können - für meinen Geschmack sogar zu leicht, denn die Präzision war nicht so gut, wie erwartet. Aber vielleicht helfen hier ja die Wunderdiabolos von JSB, von denen gestern zwei Dosen bei mir eingetroffen sind (je einmal 5,0 und 5,5 mm). (Bestellt wurden sie bei Target Master in den Niederlanden.)
Meine Form war während des Einschießens auch nicht die beste, was bei diesem Wetter allerdings nicht überrascht. Auf dem Schießstand wurde mir von einem Kollegen außerdem dazu geraten, verkupferte Spitzdiabolos zu verwenden. Demgegenüber bin ich aufgrund meines theoretischen Wissens und meiner Erfahrungen zwar skeptisch, aber versuchen kann man es ja einmal.



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Sonntag, 4. Oktober 2009

Tacticoole Kalaschnikows


Im Diskussionsforum der Red Alliance hat vor Jahren ein Nutzer geschrieben, daß ihm die russischen Waffen vor allem deswegen sympathisch seien, weil sie im Gegensatz zu den amerikanischen AR-15-Varianten nicht mit allerlei taktischem Schnickschnack verunstaltet würden. Doch damit ist es vorbei, wie aufmerksame Leser von Backyard Safari bereits hier und hier gesehen haben. Auch in der Rußländischen Föderation geht man mit der Zeit und so verfügen zumindest die Antiterrorspezialisten des Zentrums für Spezialaufgaben (Abk.: ZSN) des FSB (zu dem "Alfa" und "Vympel" gehören) über entsprechend bestückte Waffen.

Im Augustheft der Zeitschrift Bratischka werden sie von einem anonym bleibenden Mitarbeiter des ZSN in einem dreiseitigen Artikel vorgestellt (Titel: Oruzhie antiterrora, dt.: Antiterrorwaffen, S. 63 ff.). Daher stammen die folgenden Bilder; Fotograf war Jurij Muchin.

Der Text enthält darüber hinaus zwei weitere Informationen. Erstens wird man jetzt in der RF während der Weltwirtschaftskrise aus finanziellen Gründen keine komplett neuen Waffensysteme bei den Behörden einführen. Zweitens sucht man - wie hier bereits angedeutet - nach einem neuen Kaliber neben den bekannten 7,62 x 39 mm und 5,45 x 39 mm, um deren Schwächen auszugleichen. Einer gewissen Beliebtheit scheint sich insofern das Kaliber 6,5 mm Grendel zu erfreuen, was angesichts der Hülsenlänge von 39 mm nicht überrascht. Jedenfalls hat das Patronenwerk in Tula bereits mit der Produktion von Patronen in 6,5 mm Grendel begonnen.



Unterschiedliche Varianten der AK-74M.



Eine AK-74M mit Eotech-Visier, Magpul-Schaft und Surefire-Lampe.



Links eine AK-74M, rechts eine AK-104 in 7,62 x 39 mm, beide mit Magpul-Schaft und Eotech.



Maschinenpistole Witjas im Kaliber 9 x 19 mm. Sie basiert auf dem Kalaschnikow-System und soll dessen Modellpalette abrunden; Hersteller ist Izhmash.



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29.07.2009: Video des Tages

Donnerstag, 20. August 2009

20.08.2009: Videos des Tages

Heute führt uns ein Amerikaner in zwei kurzen Videos sein neues Weihrauch HW95 Luxus (auch bekannt als Beeman R9) vor. ;-)







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Montag, 10. August 2009

10.08.2009: Video des Tages

Heute: Ein Test der Crosman Premier Hollow Point Diabolos.



Dienstag, 17. Februar 2009

Infanteriekaliber, die Zweite

Sven Ortmann, über den ich hier schon einmal berichtet hatte, hat kürzlich einen weiteren lesenswerten Artikel über moderne Infanteriekaliber publiziert: "Modern small arms calibers". Zwei interessante Ansätze.


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Donnerstag, 29. Januar 2009

Über Kaliber für Infanteriewaffen ...


... wurde vor kurzem im Firearm Blog sehr intensiv diskutiert. Ausgangspunkt war ein Text von Sven Ortmann (der übrigens auch einen Blog und eine Seite über PDWs betreibt).
Neben höchst interessanten Argumenten kam es allerdings auch zu vereinzelten Untergriffigkeiten gegen Ortmann, der des "Antiamerikanismus" verdächtigt wurde, da er sich geweigert hat, in ein undifferenzierte Loblied à la "In den USA ist immer alles super" einzustimmen oder zuzugeben, daß ausschließlich dort gute Waffen gebaut würden. Bedauerlicherweise muß man einen derart engstirnigen Nationalismus auf amerikanischen Waffenseiten immer wieder feststellen. :-( Es ist der Moderation von Steve, dem Betreiber des Firearm Blogs, zu verdanken, daß die Diskussion dann doch noch halbwegs im Rahmen geblieben ist. Nichtsdestotrotz eine interessante Lektüre.


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Montag, 26. Januar 2009

Zwei Fundsachen ;-)


1. Der (vom Aussterben bedrohte) Pandabär als neues Maskottchen der chinesischen Volksbefreiungsarmee? ;-) (Quelle)


2. Eine nette Lebensweisheit von Rudyard Kipling:
"Ein Mann kann niemals zuviel Rotwein, zu viele Bücher oder zuviel Munition haben."

Samstag, 10. Januar 2009

10.01.2009: Videos des Tages

Der Autor der beiden heutigen Videos hat einen Beschußtest mit drei 4,5 mm-Diabolotypen auf Wachs durchgeführt. Verwendet wurden dabei JSB Predator, H&N/Beeman Crow Magnum und Kodiak Extra Heavy.



(Teil 1)


(Teil 2)

Sonntag, 28. Dezember 2008

28.12.2008: Video des Tages

Der Urheber des heutigen Videos hat einen Beschußtest mit verschiedenen 4,5 mm-Diabolos auf Glas durchgeführt.


Montag, 22. Dezember 2008

Neues von Izhmash

Mitte September 2008 hat Wladimir Pawlowitsch Grodezkij, seines Zeichens Generaldirektor der Ischewsker Maschinenfabrik "Izhmash", in einer "interaktiven Pressekonferenz" die von den Nutzern des Internetdienstes Lenta.ru an ihn herangetragenen Fragen beantwortet. Vor einer Woche habe ich hier bereits darauf hingewiesen. Gestern hatte ich endlich Gelegenheit, den Text komplett zu lesen und ich möchte dem deutschen Publikum die Ausführungen Grodezkijs zu drei interessanten Punkten nicht vorenthalten.

1. Sturmgewehr Abakan

Das in den 1990er Jahren als Ablösung für das Sturmgewehr AK-74 konzipierte und 1994 nominell in den russischen Streitkräften eingeführte Gewehr AN-94 "Abakan" wird seiner Ansicht nach auch mittelfristig nicht in größeren Stückzahlen produziert werden. Somit zählt die Kalaschnikow noch lange nicht zum alten Eisen. Ich persönlich würde das Projekt Abakan damit als im großen und ganzen gescheitert ansehen, was zu einem Gutteil auch an der Konstruktion und den Eigenarten dieses Modells liegen dürfte.

2. Kaliberwahl

Von Interesse sind weiters die Verlautbarungen zu den Kalibern für die Infanteriebewaffnung.
In den 1970er Jahren hatte die UdSSR – wie zuvor schon einige NATO-Staaten – mit dem AK-74 damit begonnen, auf ein kleineres Kaliber (5,45 x 39 mm) umzustellen, das eine flachere Flugbahn, eine höhere Anfangsgeschwindigkeit, leichter zu beherrschendes Dauerfeuer und ein niedrigeres Gewicht versprach. Nun haben allerdings die Kämpfe in Afghanistan und Tschetschenien gezeigt, daß dieses kleine Kaliber auch Nachteile hat, insbesondere auf mittlere Entfernungen und dann, wenn der Gegner mit schußsicheren Westen ausgerüstet ist. Aus diesem Grunde erfreut sich das Sturmgewehr AKM bei den russischen Spezialeinheiten nach wie vor großer Beliebtheit.

Grodezkij verweist in diesem Zusammenhang auch auf die ähnlich gelagerten Erfahrungen der NATO-Truppen in Afghanistan und im Irak. Er sieht also die Notwendigkeit einer "Zwischenpatrone" (zwischen der kleinkalibrigen 5,45 x 39 mm und der großen 7,62 x 54 mm), die auch auf eine Gefechtsentfernung von 500 m und beim Tragen von Schutzwesten einigermaßen sichere Treffer gewährleistet. Daher arbeitet die russische Rüstungsindustrie derzeit an einer Modernisierung des "alten" Kalibers 7,62 x 39 mm. Die M 43-Patrone erscheint ihm als hervorragende Ausgangsbasis für die Entwicklung neuer Munition und vielleicht sogar eines neuen Kalibers.

(Diese Entwicklung konvergiert mit dem in den US-Streitkräften festzustellenden Trend, das Kaliber 7,62 x 51 mm zumindest für Unterstützungswaffen wie Maschinen- und Scharfschützengewehren beizubehalten, da es dem Gegner Deckung wegnimmt (vgl. Visier 1/2009, S. 6 ff.). Ferner wird auch in den USA schon länger an neuen Kalibern für das AR-15 gearbeitet - z.B. 6,5 mm Grendel, .458 SOCOM oder 6,8 mm Remington SPC - um die Schwächen der ebenfalls recht kleinen 5,56 x 45 mm-Patrone auszugleichen.)

3. Druckluft-/CO2-Waffen

Schließlich hat Grodezkij angekündigt, daß Izhmash auch künftig CO2-Waffen im Design der Kalaschnikow anbieten werde. Neben der recht neuen Yunker-5 sind weitere Modelle, einschließlich "skirmingfähiger" Softairwaffen, geplant.


Nachtrag: Sollte bei der Leserschaft Interesse bestehen, kann ich auch noch die Verlautbarungen bezüglich der Saiga-Flinten wiedergeben.

Verwandte Beiträge:
Demnächst neue Kalaschnikow-Modelle?
Abschied von der Kalaschnikow?
17.12.2008: Video des Tages
Von der Katjuscha zur Kursk

Dienstag, 16. Dezember 2008

Spezialmunition

Einen umfangreichen Artikel über Spezialmunition für Handfeuerwaffen aus der Sowjetunion bzw. Russland hat die Patronensammlervereinigung auf ihrer Webseite publiziert: *Klick*.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Robert Beeman, die Zweite

Nachdem ich hier gestern schon einmal auf Robert Beemans Webseite hingewiesen hatte, sollen heute weitere Verweise auf interessante Texte folgen. Zu schade, daß die meiste Literatur über "Adult Airguns" (vulgo: richtige Luftgewehre) auf Englisch verfaßt ist. Aber daran muß man sich wohl gewöhnen.

Airgun Projectiles (Diabolos und andere Geschosse für Druckluftwaffen)

Airgun Ballistics (Ballistik von Druckluftwaffen)

What’s the Best Airgun? (Wie sollte man ein Luftgewehr oder eine Luftpistole auswählen?)

Field Use of an Airgun (hier geht es hauptsächlich um die Jagd mit LGs, allerdings äußert sich Beeman auch zu Fragen der Ballistik u.a.m.)

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Ach, die Journaille!


Da behauptet die Wiener Presse doch glatt, der Grund für die geplante Einführung neuer Waffenmodelle bei der russischen Polizei läge im angeblichen Wunsch nach höherer Durchschlagskraft - weshalb man das Kaliber 5,45 x 39 mm durch 9 x 19 mm ersetzen wolle:
"Die PP-2000 (Kaliber 9mm), die vom KBD-Designbüro in Tula entwickelt wurde, wiegt nur 1,3 Kilo, hat 30-Schuss-Magazine und verglichen mit der Kalaschnikow weniger Rückstoß bei größerer Durchschlagskraft."
Das Gegenteil ist der Fall - und das stand so auch in den originalen Pressemeldungen aus der RF. Ich bin - wie hier schon erwähnt - daran gewöhnt, daß westeuropäische Journalisten kaum sachlich über Rußland berichten. Man kann von diesen Leuten ferner keine detaillierten waffentechnischen Kenntnisse erwarten. Es wirft aber ein bezeichnendes Licht auf die Qualität der Journaille, wenn sie jetzt nicht einmal dazu fähig sind, eine simple Meldung zu übersetzen. :-(


Verwandte Beiträge:
Abschied von der Kalaschnikow?
Nochmals: Abschied von der Kalaschnikow
Backyard Safari wird zitierfähig ;-)
Abschied vom Dragunow?

Samstag, 29. November 2008

Wir werden besser ;-)


Der Winter fordert langsam auch bei meinen Schießgewohnheiten seinen Tribut: es ist kalt, regnet oder schneit und wird früh dunkel. Mithin viele gute Gründe, um auf den Innenschießstand auszuweichen. Gestern Abend habe ich noch schnell eine Wertungsrunde für den Fernwettkampf mit meinem HW80k geschossen - und war ob der guten Ergebnisse überrascht.
Die Distanz von 5 m war mir zwar schon von meinen Fern-Field-Target-Versuchen bekannt, gestern habe ich aber erstmals in der Disziplin 4 auf die üblichen 12er Ringscheiben geschossen. Das Resultat der 30 Schüsse kann man unten sehen: 347 von 360 möglichen Ringen. Verwendet habe ich übrigens die RWS Hobby-Diabolos.

Doch woran lag es? Bin ich über Nacht zu Wilhelm Tell geworden? Ist es gut, abends in abgespanntem Zustand zu schießen? Oder hatte ich einfach nur einen guten Tag?

Wie dem auch sei, es ist in jedem Fall ein gutes Gefühl, solche Streukreise zu produzieren. Auf knapp 12 m im Garten ist mir dies bisher noch nicht gelungen. Und es ist gut zu sehen, wie präzise meine Waffe und mein Zielfernrohr doch sind. :-)
Nachdem meine bis dato beste Plazierung im FWK ein erster Platz von einem Teilnehmer war ;-), bin ich nun gespannt, wie ich in der Novemberwertung in der dichtgedrängten D4 abschneide.

Mittwoch, 19. November 2008

National Ammo Day




Für heute wurde von amerikanischen Waffenfreunden der National Ammo Day ausgerufen. Was sollte man an diesem Tag tun? Klar, Munition kaufen:
"It is a nationwide BUYcott of ammunition. You buy ammunition. 100 Rounds a person."
Mehr über Sinn und Zweck der Aktion erfährt man hier.

Samstag, 8. November 2008

Erster Munitionsvergleich


Heute konnte ich endlich verschiedene Diabolosorten im Kaliber 5,5 mm aus meinem Weihrauch HW80k testen. Eine nicht unwichtige Aufgabe, schließlich sind Geschosse in diesem Kaliber deutlich teurer als die 4,5er, weshalb der Suche nach preiswerter und zugleich präziser Munition eine besondere Bedeutung zukommt.

Bisher hatte ich nur die Diabolo Sport und Field Target Trophy, produziert von Haendler & Natermann, verwendet. Beide Sorten werden von den Kollegen in deutschen und englischen Internetforen für 5,5er HW-Luftgewehre einhellig empfohlen und dürfen deshalb als bekannt vorausgesetzt werden. Sie sind, wie man es von diesem Markenhersteller erwarten kann, sauber verarbeitet.
Der H&N Diabolo Sport ist ein vor allem für das Scheibenschießen bis 15 m konzipierter Flachkopfdiabolo mit einer Masse von 0,89 g (Herstellerangaben), woraus sich bei einem 7,5 Joule-Luftgewehr rechnerisch eine Anfangsgeschwindigkeit von 129,8 m/s ergibt. Man kann zwischen einer glatten und einer geriffelten Version wählen, wobei ich erstere bevorzuge. Bei SWS kostet eine 500er Dose 7,35 € (= 1,5 ct/Stck.).
Beim H&N Field Target Trophy handelt es sich hingegen um einen Rundkopfdiabolo, der vor allem für längere Distanzen - wie sie beim Field Target-Schießen üblich sind - geeignet ist. Bei m = 0,95 g sollte es noch zu einer V0 von 125,6 m/s reichen. Preis für 500 Diabolos: 13,95 € (= 2,8 ct/Stck.).

Erstmals wurde heute der RWS Hobby von RUAG Ammotec, ein geriffelter Flachkopfdiabolo, verwendet. Dabei handelt es sich m.W. um den leichtesten hierzulande erhältlichen 5,5er Bleidiabolo (m = 0,77 g), was zu einer relativ gestreckten Geschoßflugbahn und einer recht hohen V0 von 139,5 m/s führen sollte. Beim Schießen merkt man dies den Hobby tatsächlich an; bei meinem mit den H&N Sport eingeschossenen HW80 saßen die Treffer von Anfang an im Zentrum der Einschießscheibe. Die Verarbeitung ist sauber und über einen Preis von 7,75 € für 500 Stück (= 1,6 ct/Stck.) kann man auch nicht meckern.
Kurzum: Eine gute Alternative bzw. Ergänzung zu den H&N Sport.


Gespannt war ich auf die beiden Diabolosorten des tschechischen Herstellers Kovohutě Příbram. Aus dem Angebot dieser, im Schatten von JSB stehenden, Firma werden in Deutschland zwei Sorten im Kaliber 5,5 mm vertrieben. Sie sind sauber verarbeitet und werden i.d.R. in Dosen mit jeweils 300 Stück ausgeliefert. Der Vertrieb erfolgt u.a. über Sportwaffen-Schneider und 4komma5.
Man kann sie, denke ich, als Geheimtip ansehen, zumal JSB derzeit wegen Umbauarbeiten nicht produziert und schon vor der Produktionspause die 5,5er Diabolos keinen besonders guten Ruf hatten - im Gegensatz zu ihren Verwandten im Kaliber 4,5 mm.

Der Diabolo Standard ist ein geriffelter und relativ flacher Rundkopfdiabolo, der sich als mittelschweres Geschoß (m = 0,93 g) im Segment der H&N FTT tummelt. Die verschossenen Diabolos waren leicht übermaßig, so daß sie gut in die Züge des Laufs gepreßt wurden. Die erreichte Präzision steht - zumindest auf kürzeren Entfernungen - jener der H&N FTT kaum nach; Ergebnisse für längere Distanzen stehen allerdings noch aus. Und in Anbetracht des Preises von 2,95 € pro Dose (= 1 ct/Stck.) sind die Standarddiabolos von KP eine echte Kaufempfehlung!
Anders sieht die Bewertung der auch als Boxergeschosse bezeichneten Spitzdiabolos aus. Mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Form und einer Masse von 0,92 g sind die Geschosse allerdings merklich untermaßig. Entsprechend fällt denn auch die Präzision aus. Selbst wenn man meine Schützenfehler in Abzug bringt, sind die erreichten Streukreise inakzeptabel. Bei einem Preis von 4,65 € (= 1,6 ct/Stck.) bieten diese Diabolos m.E. nicht einmal fürs Plinking ein hinnehmbares Preis-Leistungs-Verhältnis.


Bild 3 v.l.n.r.: H&N Sport, H&N FTT, RWS Hobby, KP Standard, KP Boxer.