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Sonntag, 8. Januar 2012

Journalisten und die Wahrheit

Хмурое небо под ярким солнцем

Seit seiner Gründung im Jahre 2008 besteht eine der Aufgaben dieses Blogs in der Korrektur irreführender oder schlicht falscher Medienberichte über die Rußländische Föderation. Immer wieder sind uns dabei Journalisten aufgefallen, welche die Verhältnisse in Rußland nicht nur falsch interpretieren oder darstellen, sondern zum Teil zu groben Lügen wie dem Fälschen von Zitaten greifen. Nachfolgend wieder drei Beispiele aus den vergangenen Wochen.

1. In der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) vom 28. Dezember 2011 durfte eine Kommentatorin folgenden Satz zum besten geben, in dem die gesamte Abscheu einer Intellektuellen vor dem "Putin-Regime" enthalten ist: "Als Václav Havel starb, schwieg das offizielle Russland."
Dummerweise entspricht diese Behauptung nicht der Wahrheit. Bereits am 19. Dezember hatte die rußländische Botschaft in Prag der dortigen Regierung die Beileidsbekundungen der Staatsführung der RF übermittelt - so, wie es international üblich ist. Daß Havel in Rußland nur wenig Sympathie genießt, hat vor allem damit zu tun, daß sein Antikommunismus immer eine stark russophobe Konnotation hatte. Allein Havels Verlautbarungen der letzten Jahre sprechen insofern Bände. Insofern unterschied er sich stark vom derzeitigen tschechischen Präsidenten Václav Klaus, welcher zu Moskau ein nüchtern-geschäftsmäßiges Verhältnis pflegt.

2. Im "Europastudio" des ORF ereifert sich Susanne Scholl, Moskaukorrespondentin des ORF und eine der größten deutschsprachigen Schwarzmalerinnen, regelmäßig über die angeblich so schlimmen Verhältnisse in Rußland. In der jüngsten Sendung meinte sie, daß in der RF angesichts der Eurokrise die Sektkorken knallen würden (O-Ton).
Daraufhin mußte der Politologe Gerhard Mangott intervenieren und Scholl an ein paar nüchterne Fakten erinnern, die eine solche Sektlaune ausschließen: "Angesichts der Tatsache, dass Russland 45 Prozent seiner Exporte auf dem Binnenmarkt der EU absetzt, d.h. von der Nachfrageentwicklung seiner Produkte auf diesem Markt sehr abhängig ist und angesichts des Umstandes, dass die Russländische Zentralbank 45 Prozent ihrer Hartwährungsreserven in Euro handelt," hält er Scholls Einlassungen für alles andere als glaubwürdig. Dieser Einschätzung schließe ich mich an.

3. Die zum DuMont-Konzern gehörende MZ hat sich in ihrer Ausgabe vom 20.12. eine Zitatfälschung geleistet, neben der selbst die Fehler des Herrn zu Guttenberg verblassen. Wolfgang Jung, Korrespondent der Deutschen Presseagentur in Moskau, hat in einem Artikel über die neue Staatsduma geschrieben:
"Kritiker bemängeln seit langem, dass das Parlament eine "Durchwink-Maschine" für Kreml-Projekte sei. Man kann es auch mit dem Satz des Putin-Vertrauten und bisherigen Duma-Chefs Boris Gryslow halten: "Die Duma ist kein Ort für Diskussionen!" Noch Fragen?"
Dummerweise hat Boris Gryslow, der von 2003 bis 2011 Vorsitzender der Staatsduma war, den ihm angelasteten Ausspruch ("kein Ort für Diskussionen") nie getätigt, auch wenn dies in zahllosen Medienberichten behauptet wird. Tatsächlich hat Gryslow am 29.12.2003 auf die Frage einer anderen Abgeordneten u.a. geantwortet:
"Mir scheint, daß die Staatsduma nicht der Ort ist, wo man politische Schlachten ausfechten und irgendwelche politischen Losungen und Ideologien vertreten muß, sondern sich mit einer konstruktiven, effektiven gesetzgeberischen Tätigkeit beschäftigen soll."
Gegen diese Einlassung Gryslows kann man schwerlich etwas haben, denn die Hauptaufgabe der Duma besteht - wie bei allen Parlamenten - nun einmal in der Gesetzgebung.

Das vom DPA-Mitarbeiter Wolfgang Jung, der MZ und anderen Journalisten kolportierte Märchen, wonach der Parlamentspräsident in seinem Haus nicht diskutieren wolle, ist das typische Beispiel für eine Zeitungsente. Der eine Journalist schreibt die Falschinformation vom anderen ab, ohne selbst zu recherchieren und sich um den O-Ton zu bemühen. Der Fall zeigt außerdem, mit wie wenig Sorgfalt die deutschen Medien über Rußland berichten. Die negative Meinung ist der Journaille weitaus wichtiger als ordentliche, nüchterne und faktengesättigte Arbeit. Und zur Not lügt man eben auch, denn die meisten Deutschen werden die Lüge schon mangels Sprachkenntnissen nie erkennen können.

Das seit etwa acht Jahren in der politischen Berichterstattung gepflegte alt-neue Feindbild namens Rußland strahlt nunmehr auch auf den Unterhaltungsbereich aus. So hat die ARD ihren Zuschauern Anfang Januar im Spielfilm "Russisch Roulette" ein Gruselbild vom Leben in Sankt Petersburg vermittelt. Der Film war freilich ein Reinfall - warum, kann man in diesen Kommentaren von Deutschen nachlesen, die in Petersburg leben und denen sich ob des ARD-Machwerkes die Haare sträuben.


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Sonntag, 11. April 2010

Schießsport im Fernsehen


Am Freitag Nachmittag gab es eine kleine Sensation: Eurosport hat um 17.30 Uhr eine halbstündige Aufzeichnung von der Europameisterschaft der Druckluftwaffenschützen, die im März im norwegischen Meraker stattgefunden hatte, ausgestrahlt. Am 15.04. wird es, wie der DSB berichtet, auf demselben Kanal eine zweite EM-Reportage geben.

Der gezeigte "Top-Gun"-Wettbewerb war m.W. in dieser Form eine Weltpremiere und ein hervorragendes Beispiel für fernsehtaugliche und zuschauerfreundliche Schießwettkämpfe. Schenkt man dem TV-Kommentator Glauben, dann stammte die Idee für diesen Wettkampf übrigens von der Strelkowyj Sojus Rossii (dt.: Schießsportunion Rußlands; Abk.: SSR). Deren Vorsitzender Wladimir Lissin - Wissenschaftler, vermögender Unternehmer und seit seinem 14. Lebensjahr Sportschütze (während seiner Studienzeit war er z.B. Kapitän der Auswahlmannschaft seiner Uni) - ist derzeit auch Chef des europäischen Dachverbandes und hat sich dem Vernehmen nach sehr stark für die Eurosport-Berichterstattung engagiert. Wobei Schießen im Gastgeberland Norwegen ohnehin sehr populär ist (siehe z.B. hier und hier).

Im europaweiten Vergleich (und erst Recht in Deutschland) besaßen Fernsehberichte von Schießsportveranstaltungen außerhalb der Olympischen Spiele bisher Seltenheitswert. Das ist jedoch nicht überall so. Beispiel Rußland: Dort überträgt der Spartenkanal RTR-Sport, der zur staatlichen Medienholding WGTRK gehört (und ein direkter Konkurrent von Eurosport auf dem TV-Markt ist bzw. war), regelmäßig von großen Wettkämpfen. Eine (nicht gerade kleine) Liste der Videos hat die SSR hier zusammengestellt, die Berichte selbst sind auf einen Sportportal abgelegt. Als Exempel möchte ich auf diesen Zusammenschnitt von den Russischen KK-Meisterschaften 2009 verweisen. Das sieht und hört sich sehr gut an.

Und jetzt die Frage aller Fragen: Warum ist dergleichen in Rußland und anderen Staaten möglich, aber nicht in Deutschland? Die Antworten kennen wir; mit mangelndem Zuschauerinteresse allein dürfte es weniger zu tun haben (die Russen sind nicht weniger fußballbegeistert als die Deutschen). Unsere staatlichen Anstalten für elektronische Volksverdummung steuern jedoch größtenteils einen strikten Anti-Waffen-Kurs, der von derartigen Übertragungen nur gestört würde. Denn erstens sähen dann die Zuschauer, daß Schützen ganz normale Menschen und keine kranken "Waffennarren/-verrückten/-fanatiker" sind. Und zweitens müßte man dann ja den pösen Sportmordwaffen, deren gesellschaftliche Ächtung man anstrebt, ein Forum bieten. Beides wäre für die Manipulatoren in den Medien natürlich tödlich. Somit überrascht es mich nicht, daß sich ausgerechnet der Privatsender Eurosport dieser Aufgabe angenommen hat.

Tja, manche Länder haben eben eine (keineswegs übertriebene) Waffenkultur und pflegen diese, während bei uns gerade die letzten Reste beseitigt werden.
Deshalb ist es um so erfeulicher, daß sich nun auch langsam im deutschsprachigen Raum (halb-)private Initiativen formiert haben, welche die Ignoranz des Schießsports durch die traditionellen elektronischen Medien durch die Möglichkeiten des Internets kompensieren wollen. Vorreiter sind natürlich die Österreicher mit Schiessport.tv, das bereits als Youtube-Projekt begonnen hatte. Wenigstens bei Youtube ist jetzt auch der Deutsche Schützenbund unter dem Namen SportschiessenTV aktiv, während sich die ISSF schon länger um eine audiovisuelle Vermittlung des Sports, auch bei Youtube, bemüht. Hoffen wir insofern auf eine gute Entwicklung und darauf, daß die Bandbreite der Videos aus deutschen Schützenlanden noch breiter wird.

PS: Ich habe mir gestern einmal die Strukturen der SSR angesehen. Die schaffen es doch tatsächlich, über verschiedene Unterorganisationen die olympischen Disziplinen neben IPSC- und sonstigen Großkaliberschützen in einem Dachverband zusammenzuhalten, ohne daß es zu dem aus Deutschland bekannten gegenseitigen Zerfleischen und moralisierenden Distanzieren kommen würde. Respekt!



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Screenshots: Bloodygood.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Nur ein wehrloses Opfer ist ein gutes Opfer


Dieser Tage ist eine Nachricht durch die Medien gegangen, die für viel veröffentlichtes Entsetzen gesorgt hat. Dominik Brunner, der vor vier Monaten in München einigen bedrängten Jugendlichen beistehen wollte und deshalb totgeschlagen wurde, soll - Gott sei bei uns - irgendwann einmal in einer Boxschule trainiert haben. Zumindest behauptet das der Spiegel:
"[...]

Die Jugendlichen stiegen in die S-Bahn, in der auch Dominik Brunner saß, Markus Sch. und Sebastian L. folgten ihnen. Der 50-Jährige wollte die Jugendlichen beschützen und schlug ihnen vor, mit ihm in München-Solln auszusteigen. An der Haltestelle soll Brunner laut Zeugen dem Fahrer der S-Bahn zugerufen haben: "Jetzt gibt's hier hinten Ärger."

Brunner hat nach SPIEGEL-Informationen mindestens ein Jahr lang in einer Boxschule trainiert. Zeugen berichteten, er habe die Fäuste gehoben und sei auf die beiden Angreifer zugegangen. Dann habe er den ersten Fausthieb gesetzt und einen der beiden Täter ins Gesicht getroffen.

Bislang war nur bekannt, dass Brunner einem der Täter auf dem Bahnsteig zur Selbstverteidigung einen Schlag verpasst hatte. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sollen die beiden Angeklagten in Richtung Brunner gelaufen sein, während dieser aggressiv gewirkt habe. Dies habe der S-Bahn-Fahrer ausgesagt. Andere Zeugen haben die Situation jedoch ganz anders wahrgenommen. Nicht Brunner, sondern die beiden mutmaßlichen Täter hätten sich aggressiv verhalten.

[...]"
Es dürfte kein Zufall sein, daß gerade dieses durch seine militante Anti-Waffen-Haltung bekannte Blatt diese Information lanciert, die dann auch von anderen Medien bereitwillig aufgegriffen wurde. Und es überrascht nicht, daß im selben Text deutlich auf den starken Alkoholkonsum der mutmaßlichen Täter hingewiesen wird. Denn damit haben wir zwei stichworte, die der verhausschweinte, von den linksliberalen Mainstreammedien verdummte Bundesbürger braucht, um den Fall Brunner neu zu bewerten.

Erstens die rührselige Geschichte von den Jugendlichen, die auf die schiefe Bahn geraten sind und im Drogen- und Alkoholrausch fast gar nicht anders handeln konnten. Man kennt das ja ...

Und zweitens - das ist besonders brisant - wird Brunner zumindest implizit eine Mitschuld an seinem Tod zugesprochen. Wie kann man bloß in einer Boxschule trainieren und dann gegenüber den Schlägern auch noch die Arme hochnehmen?! Das ist ja aktive Gewaltanwendung! Aber dergleichen tut man doch nicht, schließlich leben wir im pazifistischen Deutschland. Hierzulande gilt: Nur ein wehrloses Opfer ist ein gutes Opfer. Wer es sich wagt, Angreifern ebenfalls mit Gewalt entgegenzutreten, wird mit denselben fast auf eine Stufe gestellt. Um so mehr, wenn es sich - wie im Fall Brunner - um Nothilfe (vgl. § 32 II StGB) zugunsten anderer Menschen handelt. Hierzulande wird viel von Zivilcourage und dergleichen gefaselt, doch wenn jemand wie Domik Brunner damit Ernst macht und der rechtswidrigen Gewalt aktiv entgegentritt, so wird ihm der posthume Heldenstatus schnell wieder aberkannt.

Diese jüngste Entwicklung hat mich wieder an drei Artikel in der Zeitschrift Eigentümlich frei erinnert, die mir schon im Herbst 2009 aufgefallen waren und die jetzt neue Aktualität erlangen. Wolfgang Halder denkt über Gewalt und Zivilcourage nach:
"[...]

Solange dieser Staat uns Bürgern keine effektive Selbstverteidigung mit Waffen gestattet, hat er auch kein Recht, von uns Zivilcourage zu verlangen, weil wir sonst entweder vom Pöbel ins Krankenhaus oder ins Grab geprügelt werden oder selbst zum Täter gemacht werden. Und solange dem so ist, sollten Eltern ihre Kinder – und auch sich selbst – auf solche Situationen vorbereiten, so weit das möglich ist, damit sie sich selbst helfen können und wissen, wie sie andere so zum Helfen bringen, dass niemand zu Schaden kommt, denn bis der Inhaber des Gewaltmonopols in Gestalt der Polizei da ist, ist es oft zu spät.

„Wie können Menschen so etwas tun?“ – das sei laut einem Kommentar der „Süddeutschen Zeitung“ der Kern des Problems. Falsch. So etwas haben Menschen schon immer getan. Es kommt darauf an, auf solche Situationen vorbereitet zu sein – damit Menschen wie Dominik Brunner für ihren Mut belohnt werden und nicht mit dem Leben bezahlen müssen.

[...]"
Andreas Tögel bezweifelt, daß Zivilcourage tatsächlich gefragt ist und brandmarkt das Versagen unseres verlogenen Staates:
"[...]

Dies deshalb, weil „Experten“, insbesondere Politiker, Psychologen und Polizeioffiziere, im Falle gewaltsamer Bedrohungen regelmäßig und ausnahmslos dazu raten, sich nur ja nicht zu wehren, um größeren Schaden (vom Täter?) abzuwenden. Routinemäßig wird von diesen „Experten“ das Davonlaufen als Ultima ratio empfohlen. Weil Widerstand oder gar Gegenwehr gegenüber Verbrechern seit Jahr und Tag geradezu als grobe Fahrlässigkeit gebrandmarkt werden. Nur nicht wehren! Nur nicht am Ende selbst zu Waffe greifen (über die ja – dank der kriminalitätsfördernd restriktiven Waffengesetzgebung unserer Nanny-Staaten beinahe nur noch Gangster verfügen), da diese vom Angreifer „entwendet“ werden und gegen ihren Besitzer eingesetzt werden könnte – was für ein zynischer Witz!

[...]"
Und Dirk Friedrich lobt Brunner als vorbildliches Individuum.

Eine Gemeinheit haben sich Spiegel & Co. bisher jedoch verbeten: Brunner aufgrund seines Boxtrainings als potentiellen Killer zu diffamieren, der eine tickende Zeitbombe gewesen sei und nur auf eine Konfrontation gewartet habe, in welche die drei bedauernswerten Drogenkonsumenten dann zufällig hineingeraten seien.
Aber vielleicht kommt das auch noch, denn hier geht es weniger um die Person Brunners als vielmehr um die Folgen seines Todes: Einigen unserer Mitbürger dürfte seither klargeworden sein, daß der Staat sie bewußt in einem Zustand der Wehrlosigkeit hält, weshalb sie kriminellen Gewalttätern schutzlos ausgeliefert sind. Nachdem der Spiegel und andere Presseorgane im Frühjahr und Sommer 2009 die Waffenrechtsdebatte kräftig angeheizt hatten, drohte ihnen seit dem Tod Brunners die Deutungshoheit zu entgleiten. Denn die spontane Reaktion auf diesen Zwischenfall muß aus Sicht der Pazifisten und Waffengegner besorgniserregend gewesen sein: Wer wollte jetzt noch daran glauben, daß Passivität moralisch besser sei als Gegenwehr? Also muß man versuchen, an Brunners Image zu kratzen und einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit zu finden (das Boxtraining). Er weicht eben vom deutschen Idealbild des "guten" - weil wehrlosen und "unschuldigen" - Opfers ab und muß daher demontiert werden.

Fragt sich nur, ob dieses Unterfangen gelingt. Mich beeindruckt Brunners Mut jedenfalls nach wie vor und ich kann nur sagen: Gut, daß er seine vermutlich marginalen Nahkampffähigkeiten so gut einsetzen wollte. Gewiß, er ist mit seinem Versuch tragisch gescheitert, doch sollte er uns allen als Vorbild und sein Tod als Fanal dienen, um endlich mit der verfehlten Politik von gewaltloser Zivilcourage, dem Kult der Friedfertigkeit um jeden Preis und der Entwaffnung der rechtschaffenen Bürger Schluß zu machen. Positive Beispiele gibt es etwa aus Österreich zu vermelden.

Nachtrag: Einen konkreten, praktischen Zweck verfolgen die vermeintlichen Enthüllungen über Dominik Brunner außerdem. Es dürfte der Staatsanwaltschaft jetzt schwerfallen, seine Tötung vom Gericht als Mord einstufen zu lassen. Denn dazu fehlt es an der berühmten Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers.


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Foto: www.faz.net.

Donnerstag, 16. Juli 2009

16.07.2009: Video des Tages

So wird in Österreich, genauer gesagt: in Tirol, für den Schießsport geworben. Verglichen damit sind wir Deutschen ziemlich altbacken und rückständig. :-(



Donnerstag, 2. Juli 2009

"Der russische Phönix"

Seit etwa drei, vier Jahren ist Rußland wieder stärker in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit gerückt. Im Fernsehen werden nicht mehr nur die ewig gleichen Reportagen über die kalte Taiga, den Wodka und Obdachlose, sondern auch politische Berichte gesendet. Und die großen Tageszeitungen haben die Verantwortung für Kommentare über die russische Politik zunehmend von den Moskau-Korrespondenten hin zu den deutschen Redaktionen verlagert. Zudem sind viele, oft populärwissenschaftlich angehauchte Monographien aus der Feder von mehr oder weniger sachkundigen Experten (bzw. solchen, die sich dafür halten) erschienen.

Ein ausgewiesener Experte (und daher zu einer Äußerung berufen) ist der österreichische Politologe, Hochschullehrer und Blogger Gerhard Mangott, dessen im Frühjahr erschienenes Buch „Der russische Phönix – Das Erbe aus der Asche“ hiermit angezeigt werden soll. Mangotts Forschungsschwerpunkte liegen auf den internationalen Beziehungen im allgemeinen und der Sicherheitspolitik im besonderen. In wissenschaftstheoretischer Hinsicht würde ich ihn bei den Realisten verorten.

Mangotts Darstellung der jüngsten rußländischen Geschichte beginnt während des Auseinanderbrechens der Sowjetunion und endet im Jahre 2008 mit der Analyse der Politik des neuen Präsidenten Medwedew. In der Sache geht es ihm nicht um ein Sittengemälde oder um eine allgemeine Gesellschaftsgeschichte, sondern – in klassischer Manier – um die Innen- und Außenpolitik und die damit zusammenhängenden ökonomischen und sozialen Aspekte. Dabei ist ihm eine kompakte und gut lesbare Abhandlung gelungen, die trotzdem geeignet ist, auch dem im Stoff stehenden Leser zahlreiche neue Einsichten zu vermitteln.

Das Buch zeichnet sich vor allem durch seinen konstruktiv-kritischen Ansatz aus. Mangott nennt die Probleme der Putin-Ära deutlich beim Namen, ohne dabei – wie viele andere – in eine Verklärung der Regierungszeit Boris Jelzins zu verfallen. So werden etwa die Ereignisse vom September 1993 (aus denen die heutige Staatsordnung erwachsen ist) zutreffenderweise als Jelzin-Putsch eingeordnet. Auch andere „heiße Eisen“ wie der Kaukasus oder die Frage der Energiesicherheit werden ausführlich erörtert. Dabei kommt Mangott zu schlüssigen Ergebnissen, die dem deutschsprachigen Durchschnittsleser aber ein wenig ungewöhnlich erscheinen könnten, da sie hierzulande in den Mainstreammedien kaum vorkommen.

Deshalb ist „Der russische Phönix“ auch eine echte Kaufempfehlung. Eine derartige Kombination aus hervorragender Sachkenntnis, glasklarer Argumentation und differenzierender Analyse, die nicht von ideologischen Voreingenommenheiten getrübt wird, ist derzeit nur selten zu finden. (Es gibt sogar Autoren – Beispiel: Michael Stürmer –, die Bücher über Rußland schreiben, ohne überhaupt der Sprache mächtig zu sein oder über imtimere Kenntnisse des Landes zu verfügen.)


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Dienstag, 26. Mai 2009

War Mozart ein potentieller Amokläufer?

Ein weiterer herber Schlag für alle Gutmenschen und Waffenhasser: Der hochverehrte Wolfgang Amadeus Mozart war Teil einer Schützenfamilie. Die Salzburger Nachrichten decken auf:
"[...]

Was nur wenigen Mozartliebhabern bekannt ist: Die Familie Mozart war eine begeisterte Schützenfamilie! Das Scheibenschießen gehörte im Salzburger Tanzmeisterhaus zu den beliebtesten Sonn- und Feiertagsunterhaltungen.

[...]

Mozart schrieb am 4. Juli 1781 seiner "liebsten, besten Schwester" Nannerl aus Wien: "Nun wird wohl bald das Schützenmahl sein? Ich bitte solemniter auf die Gesundheit eines getreuen Schützen zu trinken; wenn mich einmal wieder das Bestgeben trifft, so bitte ich es mir zu schreiben, ich will eine Scheibe mahlen lassen." Mozart war damals 25 Jahre alt und seit sieben Jahren Mitglied der kleinen, aber feinen Schützen Compagnie seines Vaters Leopold. Das Bölzelschießen kannte er bereits seit 1763, wie ein Brief aus London bestätigt. Regelmäßig geschossen hat der erfolgreiche, aus Italien zurückgekehrte junge Opernkomponist aber erst ab dem Spätherbst 1773, als die Familie Mozart aus der endgültig zu klein gewordenen Wohnung in dem Geburtshaus in der Getreidegasse in die große, noble Wohnung auf dem Hannibalplatz, dem heutigen Makartplatz zog. Im hellen Tanzmeistersaal war nicht nur Platz genug zum Musizieren, sondern der hohe Raum eignete sich auch ideal zum Bölzelschießen.

Mit "Windbüchsen" oder "Bölzelbüchsen" Was war nun dieses "Bolz- oder Bölzelschießen"? Da Erzbischof Colloredo jede Sonn- und Feiertagsunterhaltung, also a l l e Spiele, ja sogar das Musizieren (!) in Privathäusern, Gast- und Kaffeehäusern bis 4 Uhr nachmittags strengstens verboten hatte, das Schießen auf dem Schießstand aber erlauben musste, nützten die schlauen Salzburger Bürger die Gelegenheit und vergnügten sich nach dem Sonntagsbraten mit dem lustigen und spannenden Bölzelschießen, bevor sie sich um Punkt vier Uhr an die Kartenspieltische setzten!

Geschossen wurde mit "Windbüchsen" oder "Bölzelbüchsen", heute würde man sagen: mit Luftdruckgewehren, auf eine 18 mal 18 Zentimeter große Holz- oder Papierscheibe auf eine Distanz von 8-10 Metern. Die kleinen "Bölzel" hatten eine Stahlspitze und Schweinsborsten als Führung. Der 1. Preis = "Das Beste" war meist ein Gulden, bei den weiteren Preisen ging es immer nur um Kreuzerbeträge. Ein Bestgeber oder eine Bestgeberin, denn Frauen nahmen gleichberechtigt an dem Wettschießen teil, stiftete die Preise, ließ eine lustige Scheibe mit einem originellen Text malen und musste auch für Speis und Trank sorgen. Um dieses Bölzelschießen zu organisieren, gab es in den Salzburger Bürgerhäusern mehrere "Compagnien" wie die große des Mozartfreundes Ferdinand von Schiedenhofen im Alten Rathaus oder eben die kleinere von Leopold Mozart im Tanzmeisterhaus. In ihren besten Zeiten hatten diese 14 Mitglieder, eine Schützenlade, ein Schützenbuch, strenge Regeln und Gesetze und da ein Schießen weder versäumt noch verschoben werden durfte, muss es zwischen 1773 und 1787 mindestens 500 "Schüsse" gegeben haben! In den Mozartbriefen ist fast einhundert Mal davon die Rede und in den Tagebüchern Nannerls wird das Bölzelschießen öfter erwähnt als musikalische Ereignisse. Wann immer Mozart auf Reisen war, wurde ihm genauestens über das Salzburger Schützentreiben Bericht erstattet, es wurde sogar stellvertretend für ihn geschossen.

Dank der vielen Leopoldbriefe kennen wir auch die verschiedenen (manchmal ziemlich frechen und derben) Texte Wolfgang Amadées. Im Winter 1777 kann man in einem Brief nach Mannheim lesen: "Gestern gab H: Zahlmeister das Beste, es war auf der Scheibe die Nannerl beym Clavier, wie sie sitzt und spielt, der Pimperl sitzt vor ihr auf dem Clavier und wartet auf. alles recht schön gemahlt, natürlich, sogar die Kleidung der Nannerl genau getroffen und auch der Pimperl. Keine Verse waren dabey, ich werde aber itzt hinnach etwas darauf schreiben."

[...]

Für den Sommer 1783 haben wir im Tagebuch seiner Schwester Nannerl eine Reihe hochinteressanter Hinweise auf das mozartische Lieblingsspiel. Es wurde im Tanzmeisterhaus zu Ehren der Wiener Gäste nicht nur jeden Sonntag ein großes "Schüssen" veranstaltet, sondern es gab auch ein Begrüßungs- und Abschiedsschießen, ein Geburtstagsschießen und noch eine Reihe "Extraschießen". Mozart musste dabei oft das Beste geben.

Übrigens war diese ganze Bölzelschießerei eine kostspielige Angelegenheit. Erstens musste man der Kassierin Nannerl ein Leggeld in die Schützenkasse bezahlen, zweitens musste man in regelmäßigen Abständen das "Beste" und andere Preise stiften, drittens musste man parallel dazu bei den Salzburger "Bildlmalern" à 30 Kreuzer dazu die Scheiben malen lassen und schließlich musste man sich auch eine eigene "Bölzelbüchse" kaufen. Eine neue kostete ca. 20 Gulden, wie wir von E. Schikaneder wissen. Auch Mozart besaß ein eigenes Scheibengewehr und im Verlassenschaftsverzeichnis Leopold Mozarts tauchen gleich zwei "Bölzl büchß mit eisernen Lauf" auf, welche bei der Versteigerung einmal 12 Gulden 1 Kreuzer und 5 Gulden 31 Kreuzer erbrachten.

[...]

Das Bölzelschießen in Salzburg, ebenso wie die anschließenden Kartenspiele, Gesellschaftsspiele, Lotteriespiele waren für Mozart ein wichtiger und unverzichtbarer Ausgleich nach seiner intensiven und anstrengenden Kompositionsarbeit. Er brauchte diese Ablenkung und meist harmlose Unterhaltung vor und nach den stundenlangen Noten- und Textschreibarbeiten in höchster Konzentration, sei es am Vormittag nach dem Orgeldienst im Dom oder in den Nächten, in denen er seine vielen Sonaten, Sinfonien, Serenaden, Märsche, Divertimenti, Messen, Lieder und Arien (KV 317-KV 366) in einem unbeschreiblichen Tempo niederschrieb. Das nachmittägliche Bölzelschießen brachte ihm Spannung und Unterhaltung, angenehme und auch wichtige Begegnungen. Es bot ihm unzählige Gelegenheiten zu Ausgelassenheit und es war eine willkommene Gelegenheit, die vielen menschlichen Enttäuschungen und beruflichen Fehlschläge früherer Jahre vergessen zu machen!

Und nun, da Mozart keine finanziellen Sorgen mehr hatte, wird er wohl, bis zum Tode des Vaters, geblieben sein, was er seit über einem Jahrzehnt ohne Unterbrechung war: Der "getreue Schütze" Wolfgang Amadée Mozart." vollständig lesen


Schießen war also auch für das österreichische Musikgenie eine erheiternde Freizeitbeschäftigung mit ausgleichender Wirkung. Hat ihn das zum gewalttätigen Amokläufer gemacht? Offenkundig nicht, ebensowenig wie Millionen anderer Schützen. Eine Tatsache, die vielen Akteuren in Medien und Politik nicht schmecken dürfte. Wird Mozarts Musik jetzt aus den Schulen verbannt, um diese als (vermeintlichen) "Hort der Gewaltfreiheit" zu erhalten? Werden junge Nachwuchsmusiker künftig ihre "Betroffenheit" und "Abscheu" vor dem Altmeister äußern, um sich so die Zuneigung des Mainstreams zu sichern?


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Waffenphilosophie
Erinnerung an Andreas Hofer

Samstag, 18. April 2009

Erinnerung an Andreas Hofer

Die Welt hat kürzlich einen netten Text über den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer veröffentlicht - und erinnert zugleich an Carl Schmitt, einen der wichtigsten Staats- und Völkerrechtslehrer des 20. Jahrhunderts:
"[...]

Er war Pferdehändler und Kneipier, mit einem Talent für das schnelle Geschäft, mit dem er seinen Erbgasthof "Am Sand" bei St. Leonhard in Passeier vor dem Ruin rettete. Deswegen nannte man ihn auch "Sandwirt". Zeitgenössische Darstellungen zeigen Andreas Hofer (1767-1810) als hünenhafte Gestalt, die ihre bayerischen und französischen Gegner um Körper- und moralische Größe überragte. Das mag patriotischer Folklore geschuldet sein.

Doch als er am 8. April 1809 den Freiheitskampf der Tiroler gegen das napoleonische Besatzungsregime proklamierte, schrieb er Weltgeschichte. Kein Geringerer als der umstrittene wie wirkungsmächtige Staatsrechtler Carl Schmitt stellte den "wirklichen Guerilla-Volkskrieg", der damals losbrach, an den Beginn seiner "Theorie des Partisanen" (1963).
Denn der Freiheitskampf der Tiroler entlud sich zeitgleich mit der spanischen Erhebung gegen Napoleon, nach der der Guerilla-Krieg seinen Namen hat und sein Vorbild: In diesem Krieg, so Schmitt, "stieß zum ersten Male Volk - vorbürgerliches, vorindustrielles, vorkonventionelles Volk - mit einer modernen, aus den Erfahrungen der Französischen Revolution hervorgegangenen, gut organisierten, regulären Armee zusammen. Dadurch entwickelten sich neue Räume des Krieges, entwickelten sich neue Begriffe der Kriegführung und entstand eine neue Lehre von Krieg und Politik."

Auf Tirol 1809 gewendet: Nach der Niederlage von Austerlitz 1805 hatte Österreich Tirol an das mit Frankreich verbundene Königreich Bayern abtreten müssen. Seitdem mühten sich bayerische Beamte nach Kräften, das urtümlich verfasste Gebirgsland in die Gegenwart zu treiben. Diese ungestüme Modernisierungsoffensive traf auf eines der konservativsten Länder Europas. Tirol hatte sich selbst im Rahmen des Habsburger Ancien régime eine Sonderrolle erhalten können.

Das unzugängliche Gebirgsland war geprägt von einem freien Bauerntum, dem der Kaiser im fernen Wien das Recht zugestanden hatte, sich selbst zu verteidigen. Aus diesem Grund taten die Tiroler in Schützenkompanien und Landsturm Dienst. Die rund 36 000 Schützen waren mit eigenen Stutzen bewaffnet, 40 000 Stürmer mit "Picken, gerade aufgesetzten Sensen und Morgensternen". Und sie kannten jeden Weg in dem zerklüfteten Land.
Andreas Hofer, der die Proklamation zum Aufstand formulierte, war Oberkommandant der Passeier Schützen. Mit vielleicht 6000 Mann hatte er sich auf dem Bergisel bei Innsbruck verschanzt. Als die bayerischen Regimenter, an die 8000 Mann, in regulärer Linienformation von Innsbruck aus gegen ihn vorrückten, schossen die Tiroler sie einfach über den Haufen. Am 12. April war die Landeshauptstadt in der Hand der Rebellen.

[...]"



Neben den kriegstheoretischen Aspekten bezüglich der Guerillakriegführung erscheinen mir zwei Punkte wichtig. Erstens: Die Tiroler waren freie Bauern - und Schützen. Zweitens: Sie waren eher Vertreter einer dem damaligen Zeitgeist widerstrebenden Weltanschauung:
[...]

Doch die Guerilla-Bewegungen in Tirol und Spanien beweisen noch etwas anderes: Der Partisan ist keineswegs ein Kämpfer für Aufklärung, Fortschritt, Modernität. Zu dem haben ihn erst seine marxistischen Interpreten des 20. Jahrhunderts und die sie lesenden Vietnamkriegsgegner gemacht. Hofer und die Seinen kämpften für ihre alte Wehrverfassung, die überkommene Machtstellung der katholischen Kirche und gegen die Nivellierungen des modernen bayerischen Beamtenstaates.

[...]

Wie die Spanier, die für das marode Regime der Bourbonen aufstanden, stritten die Tiroler für das Ancien régime und gegen die Menschenrechte der Revolution.

Befreiungsbewegungen, hat der Schweizer Soziologe Jean Ziegler das vom Zweiten Weltkrieg und der folgenden Entkolonialisierung geprägte Bild des Partisanen beschrieben, bringen "fundamentale soziale Forderungen auf den Weg ... sie verwandeln die Beziehungen zwischen den Klassen ... und vor allem bringen sie Millionen Menschen die Chance für ein menschliches, ein freieres, glücklicheres und gerechteres Leben".
Dass sie das nicht unbedingt tun müssen, hat Andreas Hofer bewiesen.

[...]"

Die Erinnerung an Hofer muß den Waffengegnern wie ein Schreck in den Gliedern sitzen. Sie wollen doch nur das Beste für alle Menschen und dann kommt jemand daher und widersetzt sich ihren Plänen für den Umbau der Gesellschaft.


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Donnerstag, 5. Februar 2009

Kommt endlich ein Waffenrechtsaktivist ins EU-Parlament?

Der österreichische Jurist Georg Zakrajsek, bekannt als Generalsekretär der IWÖ und durch seine "Querschüsse", hat jetzt bekanntgegeben, daß er bei der Wahl für das Europäische Parlament im Juni 2009 kandidieren will:

"Auf in den Kampf!

Es hat sich ja schon abgezeichnet, jetzt ist es aber fix:
Ich werde kandidieren. Bei der EU-Wahl am 7. Juni 2009 gibt es jetzt eine Alternative zu den Dinosauriern der etablierten Parteien, zu den behäbigen Schlachtrössern aus Brüssel und Straßburg, zu den abgehobenen Berufspolitikern, die sich ihren Wählern weder verbunden fühlen, noch ihnen wirklich verpflichtet sind, die hier in Österreich etwas versprechen und es dann in Brüssel nicht halten.
Ich werde kandidieren.

Leicht wird es nicht, ich weiß das. Zunächst müßten mich mehr als 2.600 wahlberechtigte Österreicher unterstützen. Da genügt es nicht, wenn sie mir freundliche Briefe schreiben oder zustimmend auf die Schulter klopfen. Nein, damit kann man in der Politik nichts erreichen und in der EU-Politik schon gar nicht. Man muß sich die Unterstützungserklärung abholen, muß dann entweder zum Notar oder zum Gemeindeamt oder Magistrat gehen, sich dort ausweisen und unterschreiben. Ein paar Minuten, die man aufbringen muß.
Und wenn das dann geklappt hat, müßte man am Wahltag hingehen, auch wenn schönes Wetter ist und ein Kreuz machen. Dort, wo Zakrajsek steht.
Ist schon alles, aber für manche wird das zuviel sein. Für die anderen, denen an der Sache etwas liegt, aber doch nicht.

Sollte es aber reichen und ich kriege ein Mandat, werde ich die Interessen unserer Mitglieder, meiner Freunde und Mitstreiter vertreten. Ich werde versuchen, die bereits angekündigte „Evaluierung“ der unseligen Waffenrichtlinie zu verhindern und ich werde darüberhinaus versuchen, Erleichterungen durchzusetzen.
Wer mich kennt, weiß, daß es mir an Einsatz und Mut nicht fehlt. Ich habe mich in Österreich vor niemanden gefürchtet und ich werde mich auch im EU-Parlament nicht fürchten. Und wer das aushält, was man meinem Sohn, meiner Familie und auch mir angetan hat, der kann auch einen heftigen Wahlkampf aushalten. Auch wenn er noch so brutal und unfair wird.

Wir von der IWÖ haben uns die letzten beiden Jahre zuerst für die Verhinderung, dann für die Liberalisierung und die Verbesserung der EU-Waffenrichtlinie eingesetzt. Nur teilweise waren wir erfolgreich, denn niemand hat uns wirklich geholfen. Das hat für mich den Ausschlag gegeben: Es muß ein Vertreter der Waffenbesitzer, der Jäger und der Sportschützen in das EU-Parlament. Wähler gäbe es genug, sie müssen nur zur Wahl hingehen.

Natürlich habe ich bei der Kandidatur zuerst an unseren Präsidenten, den Professor Császár gedacht, es gibt ja keinen besseren. Aber er wollte nicht und das haben wir zu respektieren.
Bleibe ich über. Ich war schon oft Lückenbüßer: in der Notariatskammer, auch bei der IWÖ, habe aber dann die Lücken doch ganz brauchbar ausgefüllt. Es ist dazugekommen, daß ich als Notar am 1.2.2009 in Pension gegangen bin, hätte also jetzt Zeit für die Politik. Ich habe daher den Freunden, die mich darauf angesprochen haben – und das sind kundige, interessierte, honorige Menschen – zugesagt.
Ich hoffe, ich werde sie nicht enttäuschen.

Und ich werde nicht allein sein. Unser Franz Schmidt wird mir helfen und als zweiter kandidieren. Auch er ist gerade in den Ruhestand getreten und wer ihn kennt, weiß, daß er kein ruhiger Mensch ist, der nur vor dem Fernseher sitzen kann. Er war Polizist – und Polizist bleibt man ja immer in seinem Herzen – kennt sich aus wie kein zweiter und hat Jahre hindurch unsere Bluttaten-Statistik gemacht. Eine Heidenarbeit, unglaublich, was Franz da geleistet hat.
Sein Werk über die Waffenrechtsdebatte hat Dissertationsqualität und dokumentiert den politischen Kampf gegen den legalen Waffenbesitz in den Neunzigerjahren, ein Kampf, den die Waffengegner – nicht zuletzt wegen Franz Schmidt – kläglich verloren haben.

Bald geht es also los. Wir werden sehen, wie die Österreicher auf so eine Kandidatur reagieren, was die legalen Waffenbesitzer, um die sich bisher kein Politiker geschert hat, machen werden. Viel müssen sie ja gar nicht tun. Nur unterstützen und dann wählen. Ein paar hunderttausend sind es ja. Ein paar Wahlen haben sie schon entschieden, politische Watschen ausgeteilt. Am 7. Juni sollten die Watschen aber besonders kräftig ausfallen."

Wünschen wir ihm viel Erfolg! Und hoffen wir vor allem, daß er lernt, politisch zu denken und zu handeln und daß er nicht nur von blinden Ressentiments und Emotionen getrieben wird. Damit würde er der Sache einen Bärendienst erweisen. Seine fast schon krank zu nennenden Phantasien von mittels in Schweineblut getauchten Patronen standrechtlich erschossenen Moslems sind jedenfalls kein gutes Vorzeichen.

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Donnerstag, 29. Januar 2009

Das Jagdmesser als Lebensretter

In Osttirol wäre ein achtjähriges Mädchen fast bei einem Skiunfall getötet worden, hätte nicht ein anderer Skifahrer ein Jagdmesser dabei gehabt und geistesgegenwärtig reagiert:
"[...]

Der Bauarbeiter (36) aus Debant reagierte blitzschnell als er gegen 14.30 Uhr die kleine Schifahrerin an ihrem Schal am Seil des "Babyliftes" hängen sah. "Ich war mit Sohn Fabian bergwärts unterwegs, als ich das Mädchen am Boden liegen sah", erzählte er. Da hätte der Abstand bis zum Ausstieg noch 50 Meter betragen.

Seil durchgeschnitten

Ohne zu zögern zog der gebürtige Mölltaler sein Jagdmesser aus der Hosentasche und versuchte das Seil an dem der Teller befestigt war, zu durchtrennen. Inzwischen fuhr ein Schilehrer zum Liftarbeiter und rief: "Lift sofort abschalten".

[...]"
Alles Gute für die kleine Fanny Knaus und ebenfalls die besten Wünsche für ihren Retter! In Deutschland hätte dieser Vorfall, bei dem es auf Sekunden ankam, leicht tödlich ausgehen können, sind doch seit dem 1. April 2008 einhändig zu öffnende Klappmessser - also der größte Teil der auf dem Markt befindlichen Taschenmesser - einem weitgehenden Führverbot unterworfen, indem der Gesetzgeber ihren lebensrettenden Werkzeugcharakter negiert. Dazu kommt dann noch die oft zu beobachtende Hilfsunwilligkeit, sei es aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit.



Wie allergisch man in deutschen Sicherheitskreisen auf jedwede Art von Messern reagiert, mußte ich im vergangenen Jahr am eigenen Leib erfahren. Bei einem geschäftlichen Besuch auf der ILA 2008 mußten alle Besucher vor Betreten des Ausstellungsgeländes in Schönefeld eine Sicherheitsschleuse passieren. Der Veranstalter hatte auf seiner Webseite alle möglichen und unmöglichen Hinweise veröffentlicht, von dieser Sicherheitsmaßnahme aber nichts erwähnt. Und so wurden denn auch reihenweise Nagelscheren und Taschenmesser von einem privaten Sicherheitsdienst beschlagnahmt (und später der Polizei übergeben).
Als ich - naiverweise - mein Klappmesser dort zusammen mit Brieftasche, Schlüsselbund und Mobiltelefon in den Korb gelegt habe, ist den Sicherheitsleuten der Unterkiefer heruntergefallen. Hätte ich nicht Anzug und Krawatte getragen, wäre ich wahrscheinlich auf dem Boden gelandet und hätte Handfesseln angelegt bekommen. Am Ende konnte ich zwar erreichen, daß ich das Messer außerhalb des Geländes deponieren durfte, jedoch hat man mir unmißverständlich erklärt, daß die Wachschützer jedes Messer als gefährliche Waffe ansehen. Und seit dem Vorfall mit einem messerstechenden Amokläufer auf dem Berliner Hauptbahnhof sollte ihrer Meinung nach das Führen von Messern generell verboten werden.

Interessant, daß gerade diese Leute, die über keinerlei Polizeibefugnisse verfügen, sich so aufspielen als wären sie die Staatsgewalt und uns in waffenrechtlichen Fragen so in den Rücken fallen. Auf das Betreiben dieser Kräfte hin entsteht in Deutschland langsam eine waffenrechtliche Dreiklassengesellschaft: oben die behördlichen Waffenträger, dann die privaten Sicherheitsdienste und ganz unten die Normalbürger. Das zeigt sich schon im jetzigen § 42a WaffG: Während dem Normalbürger das Führen von den dort genannten Waffen und waffenähnlichen Gegenständen zum Zwecke der Selbstverteidigung verboten ist, gelten Ausnahmen für berufsbedingtes Führen. D.h. im Ergebnis, daß ich selbst keine Verteidigungsmittel mitführen darf, daß aber, sollte ich reich genug sein, um einen Wachdienst anzuheuern, dessen Mitarbeiter dann sehr wohl führen dürfen.
Das ist ein Feld, dem wir als private Waffenbesitzer vermehrt Aufmerksamkeit zuwenden müssen, sonst wird uns die Sicherheitsindustrie noch manche unangenehme Überraschung bereiten.



Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zu Großbritannien. Dort wird jetzt schon per Internetfahndung nach den Besitzern so gemeingefährlicher "Waffen" wie Küchenmesser gesucht, anschließender Hausbesuch durch die Polizei nicht ausgeschlossen:
"[...]

Hundreds of weapons have been taken off the streets of Glasgow six months after police started using the web to crack down on gang violence.

[...]

“We’re looking for anyone who is brandishing offensive weapons or blades,” Holly told Newsbeat.

[...]

Even when pictures are taken in private, though, which isn’t technically breaking the law, he says the weapons are so dangerous his officers pay a visit to the people involved.

[...]

“We show the parents their pictures,” he explained, “recover the weapons and make sure they know that behaviour is unacceptable.

[...]

“We have large kitchen knives, axes, samurai swords, baseball bats, a huge number and different type of weapons - in simple terms weapons that can kill.”

[...]"
Ob dieser verrückten/verlogenen/absurden/etc. Aktion bin ich, ehrlich gesagt, sprachlos. Ich wußte schon zuvor, daß es auf der Insel schlimm ist. Aber so schlimm ...? Man lese dann nur einmal diesen Artikel: "Oasis star wants action on knives". Die sind doch alle nicht mehr normal! :-(

Die Messereinsammler merken in ihrer Verblendung nicht einmal, wie absonderlich ihr Verhalten und wie weltfremd ihre Vorstellungen sind. Stattdessen grinsen sie in die Kamera, als hätten sie ein paar Schwerstverbrecher dingfest gemacht. Diese Polizisten und ihre politischen und medialen Anstifter sind realitätsblinder als es die SED-Parteisekretäre in der - Gott sei Dank! - untergegangenen DDR jemals waren! Und dann exportieren die Briten ihre Interpretation von "Freiheit" und "Menschenrechten" auch noch mit Gewalt in andere Weltgegenden wie den Irak. Ironisch, nicht?



Verwandte Beiträge:
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Der Untergang des Empire

Bilder: www.kleinezeitung.at (1), Krenkel (2 + 3), BBC (4).

Dienstag, 27. Januar 2009

Dominante Marken


Bei der Betrachtung von aktuellen Bilder (z.B. hier und hier) des Luftgewehrklubs in St. Petersburg fällt auf, daß man dort mittlerweile von Diana-Luftgewehren - die in ganz Osteuropa eine dominierende Rolle spielen - abgekommen und bei Waffen von Weihrauch, insbesondere dem HW97, gelandet ist. ;-)
Im Preßluftbereich scheint mir Steyr auf dem Vormarsch zu sein. Warum allerdings schreibt diese Firma auf ihrer Webseite über das LG 110 High Power:

"Die Power dieses Field-Target-Gewehrs erweitert um eine extrem wiederstandsfähige Bauweise für den Einsatz im rauen Terrain - so präsentiert sich das LG 110 HIGH POWER.

[...]

Der ergonomisch perfekt geformte Schaft spart Gewicht und ermöglicht einfachstes Handling und damit rasches Visieren. Das STEYR LG 110 HP eignet sich hervorragend für Field-Target-Bewerbe, sein Haupteinsatzgebiet stellt aber die freie Wildbahn dar."
Mit dieser gewundenen Formulierung ist wohl die Jagd gemeint. Nur warum schreibt man das nicht? Etwa aus Angst, die verzärtelten, nur an den Anblick von abgepacktem Supermarktfleisch gewöhnten Kunden in Mitteleuropa könnten sich von Steyr abwenden? Auch in der englischen Version der Seite wird dieser Eiertanz vollführt. Auf der russischen ist hingegen ganz unbefangen von der Jagd (russ.: Ochota) die Rede. Tja, was lernen wir daraus ...


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05.11.2008: Video des Tages