Samstag, 16. Oktober 2010

16.10.2010: Spielfilm des Tages

Im Jahre 1995 ist der russische Spielfilm "Die Besonderheiten der nationalen Jagd" (russ. Titel: Osobennosti nazionalnoj ochoty) erschienen. In der Komödie bittet ein junger Finne seinen russischen Freund, ihm die Eigentümlichkeiten des russischen Jagdwesens näherzubringen. So schließen sie sich denn einer illustren Jagdgesellschaft im Nordwesten Rußlands an und erleben dabei einige Abenteuer. Der Film war ein Kassenschlager und ihm folgten weitere, ähnlich aufgemachte Filme, etwa über das Angeln. Nachfolgend kann man ihn in zehn Teilen mit englischen Untertiteln anschauen:
































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Donnerstag, 14. Oktober 2010

Sport und Gewalt

polizei and the football hooligans


Im Frühjahr 2009, nach dem Amoklauf von Winnenden, hat das Zweite Deutsche Staatsfernsehen einen Bericht über Sportschützen gebracht, worin auch eine Fußballfunktionärin zu Wort kam. Die Dame entblödete sich nicht, den Schießsport als unsozial und übermäßig individualistisch zu verdammen. Beim Fußball würden hingegen der Teamgeist gepflegt und soziale Kompetenzen eingeübt. (Leider kann ich den Link zu dieser Sendung nicht mehr finden.)

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, um die Absurdität dieser Einlassungen zu belegen, dann hat ihn dieser Tage die Gewerkschaft der Polizei auf einer Pressekonferenz in Berlin erbracht. Allgemein ging es um die starke Zunahme der Arbeitsbelastung der Landes- und Bundespolizeien. Ein wichtiger Faktor sind insoweit Fußballspiele:
"[...]

Die Fakten, so Freiberg, sprächen für sich. So habe allein im Fußballgeschehen die Einsatzbelastung der Polizeien der Länder und des Bundes in der Saison 2008/2009 einen Rekordwert von über 1,5 Millionen Einsatzstunden erreicht. Freiberg: „Das entspricht der Jahresarbeitszeit von 1.174 Polizeibeamten und –beamtinnen. Bei Einsätzen rund um den Fußball hat es in den letzten neun Jahren einen Anstieg von rund 600.000 Arbeitsstunden gegeben. In der Saison 2008/2009 mussten also gegenüber der Saison 2000/2001 460 Polizeibeamte mehr verwendet werden, die, rein statistisch, nicht anderes machen, als von morgens bis abends und das ganze Jahr über problematische Fangruppen zu begleiten.“

[...]"
Und das sind noch nicht einmal die vollständigen gesamtgesellschaftlichen Folgekosten der Sportart Fußball, sondern nur der Personalaufwand der Polizei. Dazu müssen noch Materialkosten der Sicherheitskräfte, Behandlungskosten für verletzte Beamte, Randalierer und Unbeteiligte, die zwischen die Fronten geraten sind, hinzuaddiert werden. Ebenso die Kosten der zahlreichen Sachbeschädigungen, für die Hooligans verantwortlich zeichnen. Allein die 1,5 Mio. Einsatzstunden entsprechen, wenn man der Einfachheit halber pro Mannstunde 30 € ansetzt, einem Wert von 45 Mio. € Steuergeld! In einem Jahr nur für den Fußball!

Dabei sind Randale am Rande von Fußballspielen keine Seltenheit mehr, sondern ein zunehmendes Phänomen. Hier in Sachsen-Anhalt müssen mittlerweile selbst Spiele von Dorf- und Kleinstadtvereinen polizeilich abgesichert werden, da mit Gewaltausbrüchen zu rechnen ist. Eine Entwicklung, die viele Bürger schockiert.

Diese Bilanz zeigt in nüchterner Art und Weise die Asozialität der Sportart Fußball auf. Nicht nur, daß 12 Männer 90 Minuten lang hinter einem Stück Leder hinterherjagen und sich dabei fröhlich foulen, nein, auch ein Teil der Fans läßt gerne die Faust sprechen.

Wie sieht es demgegenüber im Schießsport aus? Kennt jemand einen Bericht, wo ein Sportschütze seinen Kameraden erschossen hätte, weil er ihm den Titel eines Schützenkönigs nicht gegönnt hat? Wann sind in einem Biathlonstadion die Fans schon einmal aufeinander losgegangen, haben Feuerwerkskörper gezündet und die Einrichtung demoliert? Wieviele Einsatzstunden muß die deutsche Polizei für die Absicherung von Schießwettkämpfen leisten?
Verglichen mit den gewalttätigen Kollektivisten, die man im Dunstkreis der Sportart Fußball trifft, sind mir die friedlichen Individualisten in der Schützenvereinen erheblich lieber.


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Montag, 11. Oktober 2010

Das Endziel der Waffengegner

Verehrte Leser, vermutlich haben Sie sich schon einmal gefragt, was die Waffengegner, die von den deutschen Medien so einseitig hofiert werden, im Schilde führen. Diese Typen sind gegen Waffen, klar, nur was verstehen sie genau darunter? Und wie weit wollen sie in ihrem Verbots- und Regulierungswahn gehen?

Insofern fällt auf, daß etwa die Initiative "Sportmordwaffen" vor einem Jahr nur GK-Waffen als angebliche "Mordwaffen" tituliert hat, während seit Lörrach auch Kleinkaliberwaffen dazuzählen. Der polemische, aber inhaltlich völlig unscharfe (und zudem irreführende) Begriff "Mordwaffe" bietet sich dafür geradezu an. Und wie wir im Frühjahr diesen Jahres gesehen haben, wollen die Grünen noch weiter gehen und im Ergebnis sogar Schreckschuß- und Druckluftwaffen verbieten.

Selbst wenn diese kranken Verbotsphantasien eines (hoffentlich fernen) Tages zu geltendem Recht würden, wäre damit noch lange nicht Schluß. Sodann würde sich der Furor der fanatischen Waffengegner gegen die so furchtbar gefährlichen Messer richten. Diesbezüglich sind einige der angelsächsischen Staaten ein negatives Vorbild. Zum Beispiel Australien, über dessen neueste Gesetzgebung der amerikanische Survival Blog (von dem ich im allgemeinen nicht viel halte) berichtet:
"[...]

Australia's New Nanny State Knife Ban

Dear Jim,

Welcome to the newer even bigger Nanny State here in Australia. Here is some information with regards to new national knife laws coming into force soon. ( I believe about six weeks ). For all your readers it will be of interest that the Australian Federal Government is going to ban all imports of the following: multitools, lockback folders such as Old Timer, Schrade etc, Swiss army knives, and Wenger army knives.

Never mind the fact that pocket knives and Swiss army knives have been used in Australia for over a century without trouble, but because of the explosion of knife attacks over the last few years, the responsible are being punished because of the idiots, first they disarmed us [of firearms], now they are going to the next level.

Of course the law sensible people won't comply or even register with the new laws, but what happens when your Gerber or Leatherman multitool needs repairs in the USA? You may be able to send it out of Australia, but it will get confiscated on the return leg!

The New South Wales Police are now requesting the name and address of all bona fide collectors. (Next will be all the bigger knives such as Ka-Bar, CRKT, et cetera.) Please note the Australasian Knife Collectors (AKC) refused to comply with supplying to the authorities peoples' names and addresses.

[...]"
Mehr Informationen finden sich auf der Webseite des Australasian Knife Collectors Club.

Die Entwicklung auf dem fünften Kontinent sollte als mahnendes Beispiel vor unseren Auge stehen. Jeder denkende Bürger muß wissen, wo die Reise hingeht, wenn man totalitär denkenden Typen wie Roman Grafe und Konsorten auch nur den kleinen Finger reicht. Denn in deren verquerer Weltsicht mutiert selbst ein Küchenmesser zur "Mordwaffe".


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Samstag, 9. Oktober 2010

09.10.2010: Bilder des Tages


Im Frühjahr 2010 fand in der Tschechischen Republik die Europameisterschaft militärischer und polizeilicher Scharfschüten statt. Zwei Teilnehmer aus Rußland berichten im Forum Talks.guns.ru von ihren Erlebnissen und haben dort auch zahlreiche Fotos eingestellt, wovon ich drei ausgewählt habe. Das im zweiten Bild gezeigte Gewehr ist übrigens ein CZ 750.




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Mittwoch, 6. Oktober 2010

Deutsche Debatten und die Russen



Wenn man manche Verlautbarungen deutscher Politiker und Journalisten hört, die sich auf Rußland beziehen, dann entstehen zwei Eindrücke: Erstens ist meist nur geringes, im besten Falle oberflächliches Wissen über die Situation in der Rußländischen Föderation vorhanden, was zu Fehleinschätzungen führt. Und zweitens hat die Erwähnung des Namens von Wladimir Putin meist nichts mit der realen Person und ihrer Politik zu tun, sondern dient als negativ besetzte Chiffre in einem rein innerdeutschen Diskurs. Dadurch entsteht der Eindruck, daß die vom Historiker Dietrich Geyer 1986 konstatierte „Konsens stiftende Kraft der Rußlandfeindschaft“ in der deutschen Gesellschaft nach wie vor existiert, selbst wenn die konkreten Anlässe banal sein mögen.

So wurde z.B. im Deutschen Waffenjournal (Nr. 7/2010, S. 9) dem mittlerweile abgewählten BDMP-Präsidenten Volkmar Schilling vorgeworfen, in seinem Verband nach dem „Modell Putin“ herrschen zu wollen. Was als schlagfertiges Argument gedacht war, entpuppt sich jedoch bei näherem Hinsehen als Flop. Denn erstens hat Wladimir Putin – im Gegensatz zu Schilling – nicht zu Verfahrenstricks gegriffen, um im höchsten Amt zu bleiben. Und zweitens erfreut sich Wladimir Wladimirowitsch seit Jahren einer konstant hohen Zustimmung der Bevölkerung. Auch insoweit kann man ihn nicht mit Schilling vergleichen, war dieser Mann dem Vernehmen nach doch schon seit Jahren im gesamten BDMP höchst unbeliebt.

Zweites Beispiel, ebenfalls aus dem DWJ, diesmal Heft 10/2010, S. 53. In seinem Bericht von der ISSF-Weltmeisterschaft verstieg sich der Herausgeber Walter Schulz zu einem Satz, nach dessen Lektüre ich mir verwundert die Augen gerieben habe:
"[…]

Dass von den deutschen Schützen nicht eine Medaillenflut wie von den Chinesen oder Russen zu erwarten sein kann, ist selbstverständlich. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen für die Spitzenschützen, aber auch bei der Förderung und Auswahl des Nachwuchses.

[…]"
Zur Situation des chinesischen Schießsports kann ich mich nicht äußern, wohl aber zu der des russischen (vgl. auch hier). Dort sind viele Faktoren sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport deutlich schlechter als in Deutschland. Es stehen bei weitem nicht genügend moderne Matchwaffen zur Verfügung, so daß im Breiten- und Jugendbereich großteils noch mit Knicklauf-Luftgewehren und jahrzehntealten (und entsprechend „ausgenudelten“) KK-Waffen geschossen werden muß. Bei den Schießständen sieht es kaum besser aus. Die Anzahl der Stände, die qualitativ einem internationalen Standard entsprechen, dürfte gering sein. Ohne genaue Zahlen zu kennen, gehe ich davon aus, daß in der gesamten RF kaum mehr als ein Dutzend Stände mit elektronischer Trefferauswertung existieren (mindestens zwei davon befinden sich in der Umgebung Moskaus). Und wenn man den Berichten russischer Kollegen glauben schenken darf, dann trainieren selbst Mitglieder von Auswahlmannschaften bisweilen unter Bedingungen, die kein deutscher Spitzenschütze akzeptieren würde.

Vor diesem Hintergrund wurden die Sportschützen in der RF selbst von dem hervorragenden Abschneiden ihrer Mannschaft in München überrascht – man hatte eher ein Desaster erwartet.

Was sind denn die – verglichen mit Deutschland – besonders positiven Faktoren im russischen Schießsport? Die Tatsache, daß ein Teil der WM-Teilnehmer de facto Profisportler ist und in Sportklubs der Armee und des Innenministeriums trainiert, ist kein Alleinstellungsmerkmal. Dergleichen ist auch hierzulande der Fall, man denke nur an die Sportfördergruppen der Bundeswehr.

Mir fällt insofern nur die Kinder- und Jugendarbeit ein. Ihr wird in Rußland viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Schüler werden bereits in den Schulen an das Schießen mit Druckluftwaffen herangeführt; es finden auch regelmäßig Vergleichswettkämpfe zwischen Schulmannschaften statt. Dies ist jedoch keine russische Besonderheit. In Polen ist es ebenso und m.E. sogar noch stärker durchorganisiert als in der RF (Stichwort: Schulliga). Zudem darf nicht vergessen werden, daß die viele dieser Jugendlichen nicht über das Schießen mit einfachen LG- und LP-Modellen herauskommen. Möglicherweise funktioniert die Suche von Talenten und deren spätere Förderung bis hin zum Spitzenschützen besser als hierzulande. Trainer aus der ehemaligen UdSSR sind zwar weltweit gefragt, aber ich bezweifle, daß diese über eine Art landestypisches Geheimwissen verfügen.

Resümierend muß festgehalten werden, daß die (materiellen) Bedingungen für den Schießsport als Breitensport in Deutschland weitaus besser sind. Nur kann man sich Spitzenleistungen eben nicht mit Geld kaufen. Vielleicht müssen DSB & Co. – wie in Osteuropa üblich – versuchen, Schüler früher für den Sport zu gewinnen. Allerdings setzt das deutsche Waffenrecht hier sehr enge Grenzen. Zudem dürfte es der veröffentlichten Meinung nicht gefallen, wenn die Schützenvereine zwecks Nachwuchsgewinnung in die Schulen gehen würden.

Vielleicht sollten wir Deutschen uns außerdem die Frage vorlegen, ob wir auch eine Schießsportnation und nicht nur eine Schützennation sind. Denn auch bei der Field-Target-WM 2010, die letzte Woche in Ungarn stattfand, lag die russische Mannschaft im Ranking vor dem deutschen Team. Und in dieser Randdisziplin des Schießsports kann man schlechterdings nicht auf große organisatorische Unterschiede abstellen.

Die beiden Einlassungen im DWJ sind um so bedauerlicher, als man sich in Schwäbisch Hall damit rühmt, eng mit der Zeitschrift Kalaschnikow, einem der beiden führenden russischsprachigen Waffenmagazine, zusammenzuarbeiten.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Rußland als Chiffre in deutschen Diskursen, Teil 3. Über die unselige Kooperation der Firmen Anschütz und Armatix hatte ich hier bereits berichtet. Vor wenigen Tagen hat Armatix versucht, zurückzuschlagen, indem Lutz Belger (Armatix’ „Sales Manager“) einen längeren Kommentar im Tetra-Gun-Blog von Michael Kuhn verfaßt hat. Folgende Stelle des Elaborates ist mir besonders aufgefallen:
"[…]

Gleichzeitig ist ein zweiter Hersteller aus Russland auf uns zugekommen, um uns davon zu überzeugen die Entwicklung mit deren Firma zu realisieren. Da wir als deutsche Firma ausschließlich zu 100 % in Deutschland produzieren, damit Arbeitsplätze entstehen und gesichert werden, ist die Einstellung unserer Firma eindeutig, das wir uns mit der Entwicklung und Produktion zum Standort Deutschland mit den hier ansässigen Unternehmen bekennen. Und Sie können versichert sein, das die russische Firma unterstützt vom russischen Staat ein sehr hohes Kapital mit eingebracht hätte.

[…]"
Um es kurz zu machen: Ich halte die Behauptung, daß ein staatseigener Waffenhersteller aus Rußland versucht haben soll, sich bei Armatix einzuschmeicheln, für unwahr (kann es aber natürlich nicht beweisen). Warum? Erstens muß man wohl Deutscher sein, um der absonderlichen Sicherheitsphilosophie der Fa. Armatix überhaupt etwas abgewinnen zu können. Zweitens erhebt sich die Frage, wo der angebliche rußländische Waffenhersteller seine derart ausgestatteten Waffen denn absetzen will? Im eigenen Land wohl eher nicht, denn ich bezweifle, daß viele Jäger und Schützen aus der RF ihr sauer verdientes Geld für solch teuren Nonsens wie Smart-guns ausgeben würden.

Gehen wir also davon aus, daß sich Armatix diese Geschichte ausgedacht hat. Dazu würden auch andere Aspekte passen. Zunächst die Angst vor der Bedrohung aus dem finsteren Osten, für die Deutsche schon immer empfänglich waren. Dann die patriotische Firma A., die standhaft einen Ausverkauf deutscher Hochtechnologie an irgendwelche zweifelhaften Russen (die uns vielleicht der pöse Putin persönlich geschickt hat) verhindert und damit deutsche Arbeitsplätze gesichert hat. Und die deutschen Legalwaffenbesitzer sollen – so der Subtext der zitierten Passage – den Firmen A. und A. gefälligst dankbar sein und ihre Produkte kaufen, denn sie haben als wahre Altruisten nicht etwa schnöden Kommerz, sondern nur unser aller Wohlergehen im Sinn.

Abschließend noch eine vierte Story zum Thema. Kürzlich hat der Grünen-Chef Cem Özdemir im Kontext der Proteste gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ sinngemäß geäußert, daß die baden-württembergische Polizei vorgegangen sei, wie in Putins Rußland. Doch auch dieses scheinbar treffende Argument paßt nicht. Erstens habe ich bei der Auflösung unerlaubter Demos in der RF bisher noch keine Wasserwerfer im Einsatz gesehen, dafür waren die Menschenmengen einfach zu klein. Mehr als Wegtragen und in Busse verbringen ist in Moskau nicht üblich. Zweitens ist festzuhalten, daß die Demos, bei denen eingeschritten wurde, eben verboten worden waren (vgl. auch § 15 IV des deutschen Versammlungsgesetzes). Dergleichen war bei der Kundgebung gegen Stuttgart 21 gerade nicht der Fall.
(Zur Komplexität des Themas Demonstrationsrecht in Rußland siehe auch hier und hier.)

Die halbgebildeten Grünen haben dabei freilich einen anderen, viel treffenderen Aspekt übersehen. In einen Wald nahe der Stadt Chimki im Moskauer Umland sollte eine Schneise geschlagen werden, um eine dringend benötigte neue Straße bauen zu können. Dagegen hat sich Protest geregt und dieser war alles andere als friedlich. Es blieb nicht nur bei Blockaden und Hungerstreiks einzelner Ökoaktivisten, nein, es flogen auch Steine, es kam zu Brandstiftungen und Prügeleien. Trotz dieser gewaltsamen und illegalen Formen des Protests haben sich die selbsternannten Waldschützer letzten Endes durchgesetzt: Das Bauprojekt wurde im August vorläufig gestoppt, um es erneut zu diskutieren und zu bewerten.
Wenn man also unbedingt Parallelen zwischen Stuttgart 21 und den Verhältnissen in der RF ziehen will, dann doch wohl die, daß die politischen Entscheidungsträger in Berlin und Stuttgart von ihren Kollegen in Moskau lernen sollten. Sie brauchen Mut, um das extrem unpopuläre Großprojekt vorerst einzufrieren und es ggf. nur in einer weniger einschneidenden Form fortzusetzen.


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Bild: moskau-berlin-express.de.

Montag, 4. Oktober 2010

(Un-)Politische Schützen

Im August konnte ich "Sachsen-Anhalts Schützenchronik" von Michael Eisert erwerben und sie jetzt endlich lesen. Das Buch ist durchaus lesenswert und gibt in geraffter Form die Entwicklung der im Landesschützenverband und über diesen im DSB zusammengeschlossenen Schützenvereine von 1990 bis 2003 wieder. Bei der Lektüre fällt schon einiges auf.

Es gibt auch hier in den östlichen Ländern Leute, die von den "deutschen Schützentraditionen" reden, ohne allerdings zu sagen, was sie darunter verstehen. Was immer man unter diesem schillernden Begriff verstehen mag, es ist - zumindest hierzulande, wo diese Traditionen seit Ende der 1930er Jahre abgeschnitten waren - absurd, sich mit Phantasieuniformen und -fahnen zu versehen und derart ausstaffiert durch die Straßen zu ziehen. Auf dem Dorf mag dergleichen noch angehen und unter Heimatpflege verbucht werden, aber in Großstädten ist es, mit Verlaub, einfach lächerlich und indiskutabel. Die Schützen sind schließlich keine Schutztruppe mehr wie vor Jahrhunderten, sondern private Sportvereine, von denen der Staat - im Gegensatz zu unseren Nachbarländern - keine wie auch immer geartete Mitwirkung an der Landesverteidigung erwartet.

Als Gipfel der Albernheit empfinde ich persönlich einen Satz wie: "Jeder kann wohl den Wunsch verstehen, eine Fahne zu besitzen". Nein, ich kann diesen Wunsch leider nicht verstehen. Komisch, in meiner Jugend (so mit 16, 17) war ich für die "Brauchtumspflege" noch empfänglicher. Doch mittlrweile fehlt mir, wie den meisten unserer Mitmenschen, das Organ dafür, obwohl ich mich in mancherlei Hinsicht durchaus als konservativ bezeichnen würde.

Doch die Fahnenfans mit ihrer Bierzeltseligkeit scheinen im hiesigen DSB-Teilverband auf dem Rückzug zu sein. Mittlerweile gibt es mehrere Klubs, die sich selbst Großkaliber-Schützenverein nennen und die schießsportliche Betätigung in den Vordergrund stellen. Das ist sehr wichtig, denn was ist denn die Essenz des Schützenwesens? Etwa Fahnenschwenken und kollektives Biertrinken? Nein, es ist das Interesse an Schußwaffen im allgemeinen und deren Verwendung für sportliche Wettkämpfe im besonderen.
Schützen in diesem Sinne gibt es auf der ganzen Welt. Deshalb verstehe ich nicht, worin die spezifisch "deutschen Schützentraditionen" bestehen sollen. Vermutlich ist dies lediglich eine andere Formulierung für Vereinsmeierei mit all ihren unschönen Begleiterscheinungen.

Jemand, der den Schießsport auf Tradition und Brauchtum reduziert, kann auch nicht erkennen, welche Gefahren dem Schützenwesen aus der Politik drohen. Er wird im Zweifelsfall loyal und konservativ sein, sich also als willfähriger Untertan der jeweiligen Obrigkeit verhalten. Und er hat recht, denn das Waffengesetz berührt ihn nur am Rande. Die aktiven Schützen hingegen trifft es ins Mark. Und selbst nach einem - hypothetischen - Totalverbot des privaten Waffenbesitzes können die Schützenvereine weiterexistieren und ihre Fahnen schwenken und gemeinsam Bier trinken ... Sie wären damit auf die Rolle eines Heimat- und Karnevalsvereins reduziert. Der aktive Schießsport wäre jedoch am Ende. Deshalb ist die Überbetonung von Tradition und Brauchtum so riskant und kritikwürdig.

Man könnte mir jetzt entgegenhalten, daß ich mich damit von meinem Aufruf zur Pflege der überkommenen Waffenkultur distanzieren würde. Dem ist jedoch nicht so. Zu einer Waffenkultur gehören Waffen. Brauchtum, was diese beinhaltet, ist unterstützenswert. Wo sich die Traditionspflege jedoch verselbständigt und auch ohne den Bezug zum aktuellen Sportschießen exitieren kann, ist Vorsicht und Kritik angebracht. Wie gesagt: Es braucht es keinen privaten Waffenbesitz, um Fahnen zu schwenken und auf Umzügen mitzumarschieren.



Für die soeben gemachten Ausführungen gibt es einen Grund, und zwar den 27. Juli 2002. An diesem Tag versammelten sich auf dem Magdeburger Domplatz rund 1000 Schützen, um gegen die geplante Waffenrechtsverschärfung zu demonstrieren. Innerhalb des LSV hat es erhebliche Vorbehalte gegen diese Demonstration gegeben. Mir fehlen hier leider Deatilinformationen, aber der seinerzeitige LSV-Präsident Hans Keller war wohl dagegen. Er hielt das Auf-die-Straße-gehen für wirkungslos. Vielleicht hatte er aber auch nur die Befürchtung, seine guten Kontakte zu den Landespolitikern könnten Schaden nehmen. Hier ist sie wieder, die Unterwürfigkeit als Teil der teutonischen Schützentradition. (Gegenüber einer politischen Klasse, wohlgemerkt, die uns z.T. parteiübergreifend haßt und verachtet.) Anstatt für seine Grundrechte offen einzutreten, kuscht man lieber und hofft, daß es schon nicht so schlimm kommen werde.

Gott sei dank sind diese Zeiten vorbei. Die Waffenrechtsdebatte des Jahres 2009 und die sie begleitende Medienhetze haben bei vielen Legalwaffenbesitzern zu einem Umdenken geführt. Jetzt gilt es, wie schon mehrfach geschehen, die so freigewordene Energie in fruchtbringende Aktionen zu stecken. Und anstatt bisweilen diffusen Traditionen nachzuhängen, im Hier und Jetzt zu leben und zu handeln. Und zur Not auch vor einem Rathaus oder Regierungsgebäude zu demonstrieren.


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Samstag, 2. Oktober 2010

"Das Training des Sportschützen"

Anatolij Bogdanow, der in diesem Blog vor zwei Tagen vorgestellt wurde, war nicht nur ein hervorragender Schütze, sondern auch publizistisch aktiv. Im folgenden Beitrag beschäftigt er sich mit dem Training des Sportschützen. (Quelle: Sport und Technik - Sportschießen, 1954.)






PS: Im Frühjahr war ich übrigens sehr erstaunt, als ich Karl Heinz Lanz' Buch "Die besten Tips der besten Schützen" (Wiesbaden 1969) las und dabei feststellte, daß Lanz Bogdanows o.a. Text seitenweise in sein Buch kopiert hat, allerdings ohne eine Quelle zu nennen oder die Passagen wenigstens als Zitat zu kennzeichnen. So war das eben vor 41 Jahren auch in der BRD: Bloß keine Zugeständnisse an den "Klassenfeind". ;-)


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