Sonntag, 12. September 2010

"Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen"

Den sowjetischen Kurzwaffenschützen Machmud Umarow hatte ich vorgestern bereits vorgestellt. Er war in seinem kurzen Leben auch publizistisch tätig, wie dieser Artikel über die Methodik des (damals noch praktizierten) Silhouettenschießens mit Kurzwaffen zeigt. (Quelle: Der Sportschütze, 1959.)




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Freitag, 10. September 2010

Machmud Umarow (1924-1961)


Heute wird die kleine Reihe mit Porträts von Sportschützen aus der früheren Sowjetunion mit Machmud Bedalowitsch Umarow fortgesetzt. (Sein Name wird manchmal auch als Makhmud Umarov transkribiert.) Er war - wie der Vorname schon vermuten läßt - kein Russe, sondern ein am 10.09.1924 (also vor exakt 86 Jahren) in Usbekistan geborener Uigure. Der Handwerkerssohn hatte gerade die Schule beendet und bereitete sich auf den Eintritt in ein Institut vor, als 1941 der Krieg ausbrach. Umarow trat in die Rote Armee ein und wurde Offizier bei den Fallschirmjägern.

Nach 1945 verblieb er in der Armee und nahm ein Studium an der Militärmedizinischen Akademie im damaligen Leningrad auf. (Die Klinik dieser Hochschule gilt noch heute als eine der besten Rußlands.) Während seines Studiums war er mit der Schießsportsektion der Akademie in Verbindung gekommen und begann, systematisch zu trainieren. Im Jahre 1953 promovierte er im Fachgebiet Neuropathologie und nahm eine wissenschaftliche Stelle an der Akademie an. Im gleichen Jahr erfüllte Machmud Umarow die Norm im Schießen mit dem Großkaliberrevolver, um sich fortan "Meister des Sports" nennen zu dürfen.

Damit begann seine Blitzkarriere als Wettkampfschütze. 1954 nahm er in den Reihen der Leningrader Auswahlmannschaft erstmals an den sowjetischen Meisterschaften teil. Aufgrund seiner hohen Leistungen hat man ihn danach in die Nationalmannschaft aufgenommen und er wurde mit zu den Weltmeisterschaften nach Caracas entsandt. Hier reichte es jedoch "nur" für einen Mannschaftstitel. Nach Leningrad zurückgekehrt, intensivierte er sein Training. 1955 wurde Umarow in Bukarest Europameister mit dem Revolver (Resultat: 588 Ringe = Weltrekord) und gewann 1956 in Melbourne mit der Freien Pistole über 50 m olympisches Silber. Weitere Medaillen bei der WM 1958 in Moskau, der Olympiade 1960 und in anderen Wettkämpfen folgten. Die Freie Pistole entwickelte sich zu seiner Paradedisziplin; 1960 hat er mit ihr während eines Trainings 585 Ringe geschossen (das sind 4 Ringe mehr als der derzeit gültige Weltrekord).

Doch dann ereilte ihn, der sowohl Mediziner als auch Weltrekordschütze gewesen war, das Schicksal: Am 25.12.1961 erlag er einem Herzinfarkt. Sein Herzleiden war ihm bekannt, aber er schaffte es nicht mehr rechtzeitig, das Medikament, das er bei sich trug, einzunehmen. Ein höchst tragisches und viel zu frühes Ende für einen sehr begabten und erfolgreichen Kurzwaffenschützen. Machmud Umarow wurde 37 Jahre alt.
(Am selben Tag, nur 43 Jahre später, ist übrigens sein Mannschaftskamerad Lew Weinstein gestorben.)



Eine seiner Schriften, "Die Psyche des Schützen", ist 1963 auch auf Deutsch erschienen. Darin beschäftigt er sich mit den psychologischen Aspekten des Sportschießens, sowohl hinsichtlich des Trainings als auch der Wettkämpfe. Eine sehr interessante Lektüre! Ein weiterer deutschsprachiger Aufsatz folgt übermorgen.


Bibliographie:

WP-HM: Mahmoud Umarow - Gelehrter und Weltrekordschütze, in: Der Sportschütze 1957, S. 109.

Shooting UA



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Foto: Der Sportschütze.

Donnerstag, 9. September 2010

Erholung wirkt leistungssteigernd


Am Montag hat Familie Krenkel ihren Urlaub angetreten, der sie wieder ins polnische Ostseebad Kolberg geführt hat. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, den städtischen Schießstand, den ich schon vor einem Jahr vorgestellt hatte, erneut zu besuchen – diesmal mit eigener Luftpistole. Der Empfang durch die Mitglieder des Schützenklubs Kolobrzeg war sehr freundlich, schließlich macht man auch Werbung, indem man sich als „Schießstand für jedermann“ präsentiert und gezielt auch Touristen anspricht. Von Trainer Henryk Stranc habe ich vorgestern das erste qualifizierte Schießtraining meines Lebens erhalten – nochmals danke. :-)

Das mußte natürlich auf die Resultate durchschlagen: Am Dienstag (327 Ringe) und Mittwoch (333 Ringe) habe ich meine bisher besten LP-Serien geschossen. :-) Zuvor hatte ich zuhause zweimal 322 erreicht und war in den letzten Wochen bei etwa 315 „herumgekurvt“. Die jüngsten Ergebnisse erfreuen mich natürlich, doch überraschen sie nur bedingt. Mehrfach habe ich bereits die Erfahrung gemacht, daß die sachliche Atmosphäre eines „richtigen“ Schießstandes inklusive der Anwesenheit anderer Schützen positiv auf mich wirkt. Vermutlich war es dieser Faktor sowie die allgemein entspannte Urlaubsatmosphäre, die zu meiner Leistungssteigerung beigetragen haben.

Mit dem neuen Rink-Griff habe ich mich mittlerweile auch angefreundet. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Tagen noch entwickelt, in meinem „Privattrainingslager“. ;-) Ein Diagramm mit meinen Schießergebnissen vom 21. Juli bis gestern habe ich unten beigefügt.



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Dienstag, 7. September 2010

80 Jahre Luftlandetruppen


Am 2. August 2010 haben die Luftlandetruppen (russ.: Wosduschno-desantnyje wojska, Abk.: WDW) der Rußländischen Föderation ihr achtzigjähriges Bestehen gefeiert (siehe auch hier und hier). Als Anfang der Luftlandetruppe gilt die erste Landeübung am 2. August 1930 nahe der mittelrussischen Stadt Woronesh. Am Vorabend des Jubiläums führte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti ein Interview mit dem Befehlshaber der Elitetruppe, Wladimir Schamanow, das im folgenden wiedergegeben wird:
"[...]

Die erste Frage gilt der Reform der russischen Streitkräfte. Welche Rolle spielt die Luftlandetruppe nach der Reform?

Die Truppe behält den Status der Reserve des Oberbefehlshabers. Hauptzweck dieser Reserve ist die Verteidigung von Russlands Interessen und der russischen Bürger im In- und Ausland. Die Luftlandetruppe wird ihre Aufgaben sowohl selbständig als auch als Teil der Gruppierungen der Landstreitkräfte in den Verantwortungszonen der vereinten strategischen Kommandos erfüllen. Sie soll die Flanken und Lücken in der Kampfordnung der Landstreitkräfte schließen, die gegnerischen Luftlandetruppen bekämpfen, im gegnerischen Hinterland und an den gegnerischen Flanken landen. Außerdem muss sie alle anderen Aufgaben bewältigen, die eine hohe Mobilität und schnellen Aufmarsch erfordern, vor allem bei lokalen Konflikten.


Wie hat sich die Struktur und Zahlenstärke der Luftlandetruppe im Verlauf der Reform verändert? Wie soll die Truppe bemannt werden?

Im Zuge der Reform haben wir 26 Truppeneinheiten gekürzt. Größtenteils waren das Versorgungseinheiten, deren Funktionen an die Strukturen der vereinten strategischen Kommandos und an zivile Organisationen übergeben werden. Die Bewachung der Verpflegungslager sowie die Wäschereidienstleistungen sind zu 85 Prozent an zivile Organisationen weitergegeben worden. Zivile Organisationen sind fortan auch für 40 Prozent der gastronomischen Versorgung verantwortlich. Wir planen, die Essensversorgung bis zum 1. Dezember vollständig an zivile Strukturen zu übergeben. Doch dabei gibt es einige Fragen. Die Einheiten und Verbände der Luftlandetruppe sind größtenteils in Gebietszentren stationiert, wo wir problemlos zivile Auftragnehmer finden können. Doch die Nahrungsmittelverpflegung der Truppen im Feld können sie nicht auf sich nehmen. Dabei ist das für die Luftlandetruppe besonders wichtig.

Wir werden nach einem Kompromiss suchen. Die Luftlandetruppe muss die Fachleute und die Ausrüstung behalten, die die Nahrungsmittelverpflegung der Truppen fern vom Hinterland ermöglichen.

Die Luftlandetruppe ist 35.000 Mann stark. Im Zuge der Reform haben wir 40 Prozent der Offiziere der Luftlandetruppe in den Ruhestand geschickt. Gegenwärtig sind rund 4000 Offiziere im Dienst. Rund 400 davon bekleiden Unteroffiziersposten, weil es an Berufssergeanten fehlt und die Offiziersposten abgebaut werden. Außerdem leisten rund 7000 Vertragssoldaten als normale Soldaten und Unteroffiziere bei der Luftlandetruppe ihren Dienst. Der Rest sind Zeitsoldaten.

Weiterhin soll die Zahl der Vertragssoldaten verdoppelt werden. Wir wollen alle Unterführer- und Fachkräfteposten mit Vertragssoldaten bestücken. Das sind die Posten, die die beste Ausbildung und die meiste Arbeit erfordern. Der Mangel an Vertragssoldaten ist momentan unter anderem mit der mangelhaften Besoldung verbunden: Der Monatslohn beträgt 12 000 bis 18 000 Rubel pro Monat (Anm. der Redaktion: 1 Euro = 39,47 Rubel). Samt Zulagen und Reisezuschüssen kann der Lohn 18 000 bis 25 000 Rubel betragen. Ab 2012 soll ein Unteroffizier mindestens 30 000 Rubel erhalten, samt allen Zuschüssen soll diese Summe 40 000 bis 45 000 Rubel erreichen. So ein Einkommen wäre erheblich höher als der Durchschnittslohn in den Regionen und wird für einen Zustrom von besser ausgebildetem Personal sorgen.

In der Tat soll das russische Unteroffizierskorps wiedergeboren werden, das einst das Rückgrat der Armee bildete. Der Standard, den wir anstreben, sind hochprofessionelle Offiziere und Unteroffiziere und gut ausgebildete, ausgewählte Vertrags- ebenso wie Zeitsoldaten, die offensiv und energisch handeln können.


Wie gut entspricht die gegenwärtige Bewaffnung der Luftlandetruppe ihren Aufgaben? Was kommt noch hinzu?

Gegenwärtig bekommt die Luftlandetruppe rund sieben Prozent neue Ausrüstung. Doch wir halten die zur Verfügung stehende Ausrüstung einsatzbereit, und sie wird ihren Aufgaben gerecht. Gegenwärtig verwirklichen wir ein Programm der teilweisen Modernisierung, das die Kampffähigkeiten der Truppe in den kommenden Jahren mit der existierenden Ausrüstung um zehn Prozent steigen lassen wird. Wir kaufen automatische Operationssysteme, Landungs- und Landungskontrollsysteme, Aufklärungs-, Beobachtungs-, Navigations- und Kommunikationsmittel. Davon wäre das automatische Operationssystem Poljot-M hervorzuheben, das eine lückenlose Kommandokette vom Stab der Luftlandetruppen bis zum Bataillonsstab ermöglicht und den Kampfeinsatzzyklus erheblich verkürzt.

Die Käufe, die wir jetzt tätigen, entsprechen bislang nicht ganz unseren Zielen. Die Neubewaffnung der Truppen muss während der Umsetzung des neuen staatlichen Bewaffnungsprogramms erfolgen. Auf diesem Programm stehen Luftlande-Schützenpanzer BMD-4M mit gekoppelten 30- und 100-mm-Kanonen sowie Panzer auf der Grundlage des existierenden Schützenpanzerwagens Rakuschka. Wir müssen auch die Luft- und Panzerabwehr stärken. Um letztere Aufgabe zu meistern, wollen wir später den Jagdpanzer Sprut mit einer 125-mm-Kanone erwerben.


In einigen Medien gab es Informationen, dass die Sprut-Einkäufe eingestellt worden waren und nicht wieder aufgenommen werden sollen.

Diese Informationen sind nicht glaubwürdig. Das Fahrzeug soll einige zusätzliche Entwicklungen erhalten und als Serienmodell gekauft werden.


Wie wird der aktuelle Zustand der Militärtransportflieger eingeschätzt?

Die Militärtransportflieger haben einen goldenen Mittelweg gefunden, sie halten ihre Verbände kampfbereit, nutzen aber ihre Maschinen nicht zu stark ab. Gegenwärtig können wir ein Regiment landen lassen und ihm Fliegerunterstützung gewähren. In der Perspektive wollen wir in der Lage sein, dies mit einer Division zu bewältigen.

Die Militärtransportflieger sollen auch neue Maschinen erhalten. Unter anderem sieht der Rüstungsplan den Kauf von 40 An-70-Maschinen und die Wiederaufnahme der Serienherstellung von Ruslan-Flugzeugen vor. Ebenso soll die Produktion der wichtigsten Maschine der Militärtransportverbände, der Il-76, aus Taschkent (Usbekistan) nach Uljanowsk (Russland) verlagert werden. Die modernisierte Version dieser Maschine ist als Il-476 bekannt.


Auch die anderen Armeen verfügen über Luftlandetruppen. Können die russischen Luftlandetruppen mit den ausländischen verglichen werden?

Die wichtigste Grundlage für einen Vergleich sind die Kampfhandlungen. Heute können wir beobachten, wie schlecht bewaffnete und ausgebildete Insurgenten in Afghanistan eine riesige Koalition aus führenden westlichen Ländern in Angst halten. Die Koalitionssoldaten wagen sich nicht aus den kontrollierten „grünen Zonen" hinaus. Das sowjetische Militär, darunter auch die Luftlandetruppen, konnte seinerzeit die gestellten Aufgaben in Afghanistan erfüllen, wenngleich es technisch viel schlechter ausgerüstet war.

Die NATO zeigt sich derzeit völlig unfähig, ihre Aufgaben zu erfüllen. Es sei allein darauf hingewiesen, dass der Drogenschmuggel aus Afghanistan nach Russland ums vierzigfache angestiegen ist, obwohl die Unterbindung der Drogenproduktion zu den wichtigsten Zielen der Kampagne zählte.

Die westlichen Armeen bieten bei der individuellen Ausstattung der Soldaten, vor allem mit Beobachtungs-, Leitungs-, Kommunikations- und Navigationsmitteln, ein gutes Beispiel. Wir haben in dieser Hinsicht Probleme. Gegenwärtig kaufen wir neue Ausrüstung, darunter Wärmesichtgeräte, neue Scharfschützengewehre und Navigationsmittel. Unsere Möglichkeiten auf diesem Gebiet sind mit der Inbetriebnahme des GLONASS-Systems erheblich gewachsen.

Bei einigen Richtungen steht Russland nach wie vor an erster Stelle. Beispielsweise haben wir die besten Leichtpanzer, die vom Flugzeug aus gelandet werden können. Wir können als einzige unsere [Fahrzeuge] samt Besatzung aus der Luft landen lassen, was die Kampffvorbereitungszeit erheblich verkürzt.

Generell beachtet das Kommando der Luftlandetruppe die Situation in den ausländischen Armeen. Bei den russischen Luftlandetruppen gibt es im Vergleich zu ihnen keine offensichtlichen Lücken, die schleunigst ausgebessert werden sollten. Die russische Luftlandetruppe gehört nach wie vor zu den weltbesten. Wir sind ständig kampfbereit - sowohl für In- als auch für Auslandseinsätze.

[...]"


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30.03.2009: Musik des Tages
15.05.2009: Musik des Tages
02.03.2009: Musik des Tages
Sowjetische Manöverfilme
Ein paar Verweise ...

Fotos: www.mil.ru.

Sonntag, 5. September 2010

Ein neues altes Anschütz-Luftgewehr


Mitte August konnte ich via Egun ein Anschütz 250 erwerben und bin seither stolzer Besitzer einer Matchwaffe. Damit sind sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen worden. Zum einen brauchte ich ein Luftgewehr mit Dioptervisierung, zum anderen wollte ich schon immer eine "antike" Waffe mit Geschichte besitzen. Und das ist bei diesem Anschütz 250 der Fall. Es wurde Ende der 1960er Jahre, noch vor Einführung des "F", gefertigt, ist also erheblich älter als ich es bin. ;-) Und es hatte mit der desaströsen Politik des derzeitigen Anschütz-Managements nichts zu tun.



Ein erster Test hat gezeigt, daß es nach wie vor Matchqualitäten besitzt, sofern man als Schütze damit umgehen kann. ;-) Das LG sieht im Original noch schöner aus als auf den Auktionsbildern. Und der oder die Vorbesitzer sind offenbar schonend damit umgegangen, denn es finden sich nur wenige Kratzer am Schaft (meist auf der Unterseite), die man ohne weiteres entfernen könnte. Bevor ich die Anschütz in den Schießbetrieb integrieren kann, müssen jedoch noch Wechselkorne beschafft werden, denn mit dem eingebauten Korn komme ich leider nicht zurecht. Doch dann sollte dem Schießspaß und den engen Streukreisen nichts mehr im Wege stehen. :-)





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Freitag, 3. September 2010

"Jagd in Steppe, Wald und Eis"


Hin und wieder passieren schöne Zufälle. So hat am Montag - zeitgleich mit meinem Beitrag über die herrschaftliche Jagd in der Sowjetunion - das JagdWaffenNetz die Rezension eines Buches von Christoph Stubbe über die Jagd in Sibirien publiziert. Und wie der Zufall es will, liegt derzeit eine Anthologie von Jagdgeschichten sowjetischer Schriftsteller auf meinem Schreibtisch. "Jagd in Steppe, Wald und Eis" wurde von Helmut Sträubig zusammengestellt und ist 1969 in zweiter Auflage in Leipzig erschienen.

Der Band ist eine Mischung aus Fachbuch und Belletristik. Die letztere Komponente wird durch den aus Jagdgeschichten bestehenden Hauptteil dargestellt. Dafür hat der Herausgeber über zwei Dutzend Erzählungen sowjetischer Autoren zusammengestellt, die um die Themen Jagd und Wild kreisen. Ausdrücklich wurden vor allem weniger bekannte Schriftsteller ausgewählt, um sie dem deutschen Publikum näherzubringen. Der Herausgeber weist jedoch darauf hin, daß es im russischen Sprachraum eine lange jagdliterarische Tradition gibt, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht - wie etwa Turgenjews "Aufzeichnungen eines Jägers". Es dürfte nur wenige Länder geben, in denen die Jagd einen derart großen Einfluß auf das Volksleben im allgemeinen und die Kunst im besonderen hatte.

Die Geschichten in Sträubigs Band sind in der Regel sehr gut zu lesen und vermitteln einen Eindruck von den jagdlichen Verhältnissen in der UdSSR. Die eher fachliche Komponente des Buches stellt neben dem Anhang, der u.a. Karten über die Verbreitung einzelner Wildarten enthält, sowie den zahlreichen Farbfotos die vom Herausgeber verfaßte Einleitung dar, die z.T. sehr interesante Informationen enthält. An dieser Stelle schließen sich auch einige vom JagdWaffenNetz aufgeworfene Fragen an.

Sträubig weist zum einen auf die vielen unterschiedlichen Klimazonen hin, in den sich das Gebiet der SU erstreckt hat. Daraus folgte ein großer Artenreichtum. Die Bestände mancher Arten, die zuvor vom Aussterben bedroht waren, konnten durch Schutzmaßnahmen wieder auf ein hohes Niveau gebracht werden. Des weiteren werden - natürlich geschätzte - Zahlen für die 1960er Jahre genannt: 2,5 bis 3 Mio. Saigas, 800.000 bis 900.000 Wildschweine, 700.000 Elche, 500.000 Rehe etc. (vgl. S. 16).

Die Jagd hat hier seit Jahrhunderten immer auch wirtschaftlichen Zwecken gedient, sei es zur Beschaffung von Nahrung oder zum Gewinnen der Felle. Das ist vermutlich einer der größten Unterschiede im Vergleich mit Deutschland, auch wenn z.B. die Bejagung von Pelztieren seit deren Zucht auf Farmen rückläufig ist. Doch es gab in der SU nicht nur Berufsjäger. Die Jagd als Freizeitbetätigung hat sich großer Beliebtheit erfreut. Im Jahr 1965 hatten die Jagdvereinigungen, der allerdings nicht alle Jäger angehörten, über zwei Millionen Mitglieder. Zum Vergleich: Damals hatte die Sowjetunion knapp 230 Mio. Einwohner. Voraussetzung für die Jagdausübung war - wie auch hierzulande - das Absolvieren einer Ausbildung, die mit der Jagdscheinprüfung abschloß.

Kommen wir zum Thema Waffenbesitz, das von Sträubig (leider) nicht thematisiert wird. Es ist ja bekannt, daß die Jagdwaffenvergabe in der DDR extrem restriktiv erfolgte und ein privater Waffenbesitz für den Durchschnittsbürger de facto unmöglich war. Das war jedoch nicht in allen sozialistischen Staaten der Fall. Meinem Kenntnisstand zufolge war es in der UdSSR für einen Jäger durchaus möglich, eigene Waffen zu erwerben. Die Crux bestand allerdings darin, daß man zunächst fünf Jahre lang glattläufige Waffen ohne Beanstandung besessen haben mußte, bevor man auch solche mit gezogenem Lauf erwerben durfte. Folglich wurden zumeist Flinten zur Jagd eingesetzt, was jedoch bisweilen eine höchst suboptimale Wahl war, selbst mit Slugs.

Demgegenüber war die öffentliche Akzeptanz für Waffenbesitz und -tragen recht groß. So beschreibt einer der Autoren - A. Schachow (vgl. S. 52 ff.) - wie Moskauer Jäger vor den Toren ihrer Stadt auf die Pirsch gehen - Fahrten mit Bus und Straßenbahn inklusive. Dabei befanden sich die Flinten wohlgemerkt nicht in einem verschlossenen Behältnis, sondern wurden am Riemen über der Schulter getragen. Dieser Anblick hat weder Miliz noch KGB auf den Plan gerufen, sondern war akzeptierte Normalität, wenn man von ein paar witzigen Kommentaren anderer Passanten absieht.

Nun zu einem weiteren Kritikpunkt des Rezensenten vom JagdWaffenNetz:
"[...]

Wie reizvoll muss heute deshalb mit moderner Waffe und Ausrüstung eine Jagdreise nach Sibirien sein [...]? Man muss dazu nicht, wie der Verfasser anzunehmen scheint, in übel riechenden Hütten auf dem Boden schlafen. Das hat nichts mit Jagd zu tun, sondern mit den Rahmenbedingungen eines harten Lebens in Armut und unter dem Kommunismus.

[...]"
Hinsichtlich der Reize einer sibirischen Jagd will ich nicht widersprechen. ;-) Doch bezüglich der Lebensumstände möchte ich es einmal so formulieren: Jagd und Angeln (letzteres ist Volkssport!) haben in Rußland und der früheren SU nach meiner Beobachtung häufig etwas mit der Sehnsucht nach einem einfachen, ursprünglichen Leben in freier Natur zu tun. Das spiegelt sich auch in der Jagdliteratur wider. Selbst Jäger, die gut betucht sind, lieben es, sich in Tarnanzug und Stiefel zu kleiden, durch die Wälder zu streifen und ihre Nahrung am offenen Feuer zuzubereiten. Und die Jagdhütte ist dementsprechend rustikal gehalten. Es ist natürlich nicht immer so, aber doch ziemlich oft. Insofern ist dies weniger eine Frage des Budgets, sondern eher eine der Kultur und des Lebensstils.

Hinzu kommt noch ein zweiter Aspekt, der gewiß zum Schmunzeln anregt, nämlich der Naturschutz. Es gab, schon vor Aufkommen der Grünen, in der SU agile Umweltschützer, die schon vor Jahrzehnten für die Einrichtung von Schutzgebieten gesorgt haben. Darin fand selbst die Forstwirtschaft teilweise nur mit Pferdefuhrwerken statt, obwohl im Land sicher keinen Mangel an Traktoren herrschte.
Anders war die Lage vermutlich hinsichtlich der selbstgefertigten Flintenlaufgeschosse. Wenn ein russischer Jäger dergleichen heute noch tun sollte, dann nicht, weil es keine fertigen Produkte zu kaufen gäbe. Das Angebot auf den Jagd- und Waffenmessen ist in Rußland fast ebenso groß wie hierzulande.

Es gäbe noch viel über die Jagd in Rußland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu schreiben. Die Lektüre der hier genannten Bücher kann für das Verstehen der dortigen Situation mit Sicherheit hilfreich sein.


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Mittwoch, 1. September 2010

Pistolen-Upgrade


Zunächst ein Lob an die Firma Rink Formgriffe: Der vor zweieinhalb Wochen bestellte neue Griff für meine IZh-46 ist pünktlich nach zehn Tagen bei mir angekommen. Er paßt natürlich, auch dank der Einstellmöglichkeiten. (Rink ist m.W. der einzige deutsche Anbieter von Griffen für russische Kurzwaffen.) Das, wenn man so will, Haltegefühl ist völlig neu und für meine Hand erheblich angenehmer als der alte Standardgriff. Vor allem, weil der rechte Zeigefinger jetzt besser den Abzug erreichen kann. Und die Optik ist, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend.



Ein Wermutstropfen ist jedoch festzuhalten. Durch den neuen Griff hat sich die Lage der Luftpistole in meiner Hand verändert. Leider ist damit auch das alte Leiden der Schmerzen im rechten Handgelenk zurückgekehrt. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe und auch ringzahlmäßig wieder auf dem vorhergehenden Stand bin.





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Langsam werde ich wohl alt ;-)