Freitag, 24. September 2010

Widerspruch gegen die Manipulatoren


Nach Lörrach ist nicht nach Winnenden. Jetzt regt sich auch in den Medien Widerspruch gegen die monotonen Forderungen nach weiteren Verschärfungen des Waffenrechts. Dies sind zwar noch zarte Pflanzen, doch immerhin existieren sie. Das hindert die großen meinungsbildenden Medien freilich nicht daran, ihrem lange eingeübten Schema treu zu bleiben. Doch glücklicherweise erkennen immer mehr Bürger, wie sie manipuliert und für dumm verkauft werden. Im folgenden zwei Beispiele.

Zur Stern-TV-Sendung vom Mittwoch schrieb der Nutzer "Murmelchen" in einem Forum:
"[...]

wie oberflächlich und gedankenlos unsere Medien so ein Thema angehen, konnte man aber auch wieder sehr schön sehen. Am Anfang wurde doch tatsächlich von einer Wolther, nicht Walther, Pistole Modell "Long Rifle" gesprochen. Einer gibt den Mist vor und alle blöken es nach. Wie lange dauert es denn im Zeitalter des Internets, herauszufinden, dass Walther keine Firma aus dem englischen Sprachraum ist. Eine Pistole mit der Bezeichnung "Langes Gewehr" ist noch schräger. Dafür braucht man auch keine Waffenkenntnisse, minimale Kenntnisse der englischen Sprache sollten da doch reichen, oder etwa nicht.

Man kann das ja jetzt alles als Spitzfindigkeit abtun, nur liegt doch hier die Vermutung nahe, dass Medien, die so schludrig recherchieren, es auch manchmal mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen. Kann es sein, dass die ihre Zuschauer generell für dumm halten? So nach dem Motto, das merkt doch keiner, und die, die es merken, zählen nicht.

Noch eine kuriose Sache: Es geistert zur Zeit ein angebliches Photo von der Tatwaffe durch die Medien. Ich meine hier das Photo der Walther GSP vor blauem Hintergrund mit der zusätzlichen Abzugseinheit. Dieses Photo soll wohl von der Polizei in Lörrach veröffentlicht worden sein, stammt aber nach Hinweisen aus anderen Foren ganz eindeutig von einer Verkaufsanzeige eines Händlers aus dem Internet. Es wurde also schlicht geklaut. Gebt mal einfach "Walther GSP" in Google ein und unter Bilder Seite 10 findet ihr das besagte Photo.

Auch hier also wieder Ungenauigkeiten und Manipulation. Auch dieses könnte man als Lappalie abtun, aber es stellt sich doch auch hier die berechtigte Frage, wie es um den Wahrheitsgehalt generell bestimmt ist, wenn schon bei solchen Sachen getrickst und manipuliert wird, scheinbar nicht nur von den Medien, sondern auch von den Behörden.

[...]"
Die gestrige Diskussionsrunde Busch@n-tv (mit z.T. identischer Besetzung) wurde vom Kollegen "Sala" anderenorts gekonnt dekonstruiert:
"[...]

Zur Sendung:

Ich bin kein Besitzer von scharfen Schußwaffen. Ich habe nicht vor, einer zu werden. Im Verein mal mit KK-Pistole schießen, okay. Fein. Besitzen muss ich so etwas nicht.

Trotzdem, dass meine Person also definitiv nicht einer dieser Interessensgruppen zuzuordnen ist, sind die Argumente des Herrn Gepperth für mich die Besseren gewesen.
Trotzdem stelle ich mich auf die Seite der Sportschützen, die gerne KK oder GK schießen möchten.

Die Art, wie hier versucht wurde, Herrn Gepperth an die Wand zu pressen, ihn kontinuierlich zu unterbrechen, ihn aus dem Konzept zu bringen ...
Die Art, wie hier versucht wurde, mit offensichtlichen Lügen, Halb- und Unwahrheiten zu argumentieren ...
Die Art, wie hier versucht wurde, Sportschützen allesamt in einen Topf zu werfen ... und sie zum Schluß noch lächerlich zu machen ... diese emotionale Art der "Berichterstattung" und "Diskussion" die widert mich als mündigen Bürger an.

Das war doch keine Diskussion mit Fakten. Das waren absichtliche Manipulationsversuche mit emotionalen Themen ("Jede Mutter, jedes Kind ..." blablaBLA), die nur dazu dienen kann und wohl auch soll, den "normalen" und nicht so in der Materie bewanderten Bürger einzuschüchtern, ihm Angst zu machen und damit wieder gesetzlich Verbieten zu können.

Logik:
Wenn die Moderatorin, wie Herr Gepperth behauptete "nicht richtig recherchiert" hat (WaffG und Thema Großbritannien), diese ihm jedoch widerspricht, sie habe richtig recherchiert (und das entspräche der Wahrheit), dann legt das welchen Schluß nahe?
Der Schluß wäre dann, n-tv hätte nicht aus Unwissenheit Unwahrheiten verbreitet, sondern absichtlich! Das hat sie mit ihren Worten quasi indirekt zugegeben.

Sorry, sowas ist für mich Gossenjournalismus. Wenn hier bei sowas schon manipuliert wird, bei welchen Fällen wird dann in Zukunft der mündige Bürger noch von den Medien verkohlt werden, um bestimmte Interessen durchzusetzen?
Wer bemerkt das denn überhaupt noch, wenn er sich jetzt schon von Lügen einlullen lässt?
Wer bemerkt es denn später, wenn es an die richtig kernigen Themen gehen wird? Zum Beispiel beim Einschränken gewisser Grundrechte? Wo dann wieder mit diesen Methoden im "Namen der Sicherheit" gearbeitet werden wird?
Wie mündig sind wir überhaupt noch wenn so viele Menschen auf die Medien-Manipulationen hereinfallen?
Wird es sich überhaupt nur auf Sportschützen beschränken? Wie weit wird es gehen? Wann ist Freiheit nur noch ein hohles Wort? Abgespeckt genug ist sie ja bereits.

Ich glaube, ihr seid sensibilisiert genug, das zu verstehen oder/und habt bereits ähnliche Gedankengänge gehabt.

Zum Ende explizit:
Ich schieße Luftpistole. Bin kein WBK-Inhaber oder Legalwaffenbesitzer.
Bin nur ein mündiger, rational denkender, stinknormaler Bürger.
Ein Bürger der Schiß davor hat, dass der Staat immer mehr in die Rechte (und Grundrechte) seiner Bürger eingreifen will sie kontrollieren will und wird, und sie dementsprechend bewusst mithilfe der Medien manipuliert.
Ich will keinen Überwachungsstaat, keinen Polizeistaat. Ich will kein neues 1933!

[...]"

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Foto: www.ntv.de.

Donnerstag, 23. September 2010

Jörg Schindler - ein Lügner und Demagoge


Das sachsen-anhaltische Landesministerium für Volksaufklärung und Propaganda, auch unter dem Namen Mitteldeutsche Zeitung bekannt, fährt seit Jahren eine konsequente Anti-Waffen-Linie. Das äußerte sich nicht zuletzt im weitgehenden Ignorieren der ISSF-Weltmeisterschaft im Sommer, über welche die Magdeburger Volksstimme (die zweite große Regionalzeitung hier im Land) hingegen ausführlich berichtet hat. Doch die Macher der MZ sitzen in Halle an der Saale und gehören zum Medienimperium der Kölner Familie DuMont. Folglich müssen sie die Meinung ihres Chefs wiedergeben, welche sich auf die kurze Formel „Waffen sind pöse und müssen verboten werden“ bringen läßt.

Erstaunlicherweise hielt man sich nach den Amoklauf von Lörrach erst einmal zurück, das bissigste, was bisher publiziert wurde, ist die oben abgebildete Karikatur, die behauptet, das deutsche Waffenrecht sei mit Blick auf die öffentliche Sicherheit nahezu wirkungslos. Der Grund für diese relative Zurückhaltung liegt freilich weniger in einem Gesinnungswandel der MZ-Redaktion als darin, daß man das Thema erst in der vergangenen Woche breitgetreten hat. Maßgeblich war dafür der Artikel „Jede Verschärfung des Waffenrechts wird abgelehnt – Lobby leistet ganze Arbeit“ aus der Feder von Jörg Schindler. Ähnliche Texte Schindlers sind auch in anderen DuMont-Blättern wie etwa der Frankfurter Rundschau erschienen. Doch bleiben wir vorerst bei dem am 17.09.2010 in der MZ veröffentlichen Text (Kommentar kann man ihn kaum nennen):
"[…]

Es gibt einen Satz, der in keinem Gespräch mit Waffenfreunden fehlt: „Deutschland hat schon jetzt eines der strengsten Waffengesetze der Welt.“ Hat es das wirklich?

Wie die Politik „durchgreift“

Tatsache ist, dass das in den 70er Jahren in Westdeutschland entstandene Waffengesetz erstmals 2003 geändert wurde. Vorausgegangen war am 26. April 2002 der Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Dabei erschoss der Schüler Robert Steinhäuser 16 Menschen und sich selbst. Als ein Jahr später das neue Waffenrecht in Kraft trat, brüsteten sich die beiden Innenminister Otto Schily (SPD) und Günther Beckstein (CSU), jetzt endlich sei das Gesetz sinnvoll verschärft worden.

Weitere Amokläufe - Emsdetten, Winnenden - folgten, weshalb das Gesetz 2008 und 2009 erneut verändert wurde. Wieder tönte die Politik, nun habe man hart durchgegriffen. Wieder jammerte die Lobby, ihr sei fast nichts mehr erlaubt. In den Behörden war die Verwunderung groß. „Ich kann bis heute im Grunde keine Verschärfung erkennen“, sagt etwa der langjährige Waffenkontrolleur Hubert Bonndorf (Name geändert). „Da hat die Lobby ganze Arbeit geleistet.“ Bis 2003 mussten Beamte wie Bonndorf einem Schützen ein „Bedürfnis“ bescheinigen, wenn dieser eine neue Waffe kaufen wollte. Nach dem neuen Gesetz erledigen diese Bedürfnisprüfung die Schützenverbände - und dass diese massenhaft zahlende Mitglieder vergrätzen, gilt als unwahrscheinlich.

2003 wurde auch der „Kleine Waffenschein“ für die potenziell tödlichen Gas- und Schreckschusswaffen eingeführt. Wer solche Pistolen mit sich führen will, braucht seither eine Erlaubnis. Kaufen kann jeder so viele davon, wie er will.
Weil der Erfurter Amokläufer Steinhäuser eine Pumpgun mit sich führte, hatte die Politik vollmundig ein Pumpgun-Verbot versprochen. Elf Monate später wurden doch nur Pumpguns mit Pistolengriff verboten. Dabei weiß jeder Schütze: Solche Griffe kann jeder im Internet bestellen. Der Umbau vom Gewehrschaft zum Pistolengriff dauert keine 15 Minuten.

[...]

2009 dann setzte der Gesetzgeber das Alter für den Erwerb von Großkaliberwaffen von 14 auf 18 Jahre herauf. „Ja und?“, sagt heute Roman Grafe von der Anti-Mordwaffen-Initiative. „Robert Steinhäuser war 19.“

Als uneffektiv dürfte sich auch der Plan erweisen, dass Behörden künftig stichprobenartig Waffenbesitzer kontrollieren. Die Idee entstand, weil der Vater des Amokschützen von Winnenden seine Waffe nicht vorschriftsmäßig verschlossen hatte. Nur: In Großstädten kommen auf 10 000 Waffenbesitzer gerade mal vier bis sechs Beamte. Und auf Druck der Lobby dürfen Waffenhalter die Prüfer beim ersten Besuch abwimmeln, ohne dass Sanktionen drohen. Gleichwohl wehren sich die Schützen auch gegen diese „Verschärfung“."
Der Text, der im Gewand des seriösen Journalismus daherkommt, strotzt vor offenkundigen Unwahrheiten und Lügen. Der Autor hat offenkundig nicht die geringste Ahnung vom Waffenrecht, weder von den geltenden Rechtsvorschriften noch von deren Vorläufern. Dennoch erdreistet sich dieser Jörg Schindler, sich zu diesem Thema schriftöffentlich zu äußern. Beispielhaft seien zwei Punkte herausgegriffen:
"2009 dann setzte der Gesetzgeber das Alter für den Erwerb von Großkaliberwaffen von 14 auf 18 Jahre herauf."
Falsch. Das Alter für den Erwerb großkalibriger Schußwaffen liegt bereits seit 2003 bei 21 bzw. 25 Jahren (§ 14 I u. § 6 III WaffG). Vorher waren es 18 Jahre. Die WaffG-Änderung 2009 hat das Mindestalter für das Schießen mit solchen Waffen von 14 auf 18 erhöht (§ 27 III WaffG).
"Und auf Druck der Lobby dürfen Waffenhalter die Prüfer beim ersten Besuch abwimmeln, ohne dass Sanktionen drohen. Gleichwohl wehren sich die Schützen auch gegen diese „Verschärfung“."
Das ist nicht dem „Druck“ einer diffus bleibenden Lobby geschuldet, sondern dem Grundgesetz. Dessen Artikel 13 schützt nämlich auch die Wohnräume von Waffenbesitzern (siehe auch hier). Im Ergebnis fordert Schindler hier die Entrechtung einer ganzen Bevölkerungsgruppe – das ist totalitäres Denken in Reinkultur.

Als wäre die Inkompetenz alleine nicht schon schlimm genug, bezieht Schindler eindeutig die Position der organisierten Waffengegner um Grafe und Schober. Nur sie werden namentlich genannt, nur ihre Argumente werden (in wohlwollendem Ton) vorgetragen. Die andere Seite, die der Legalwaffenbesitzer, bleibt anonym und wird nur unter dem düster-bedrohlichen Schimpfwort „Waffenlobby“ präsentiert. Fast so, als wären sie finstere Gesellen, mit denen man sich nicht weiter abgeben dürfe. Damit werden die Legalwaffenbesitzer entmenschlicht. Schindler verlangt offenbar die Ausstoßung aller Waffenbesitzer aus Gesellschaft und öffentlichem Diskurs, solange sie sich weigern, sich den absurden Forderungen von Grafe, Schober & Co. zu unterwerfen. So denkt die Mitteldeutsche Zeitung also über die Grundrechte ihrer Mitbürger!

In der Sache betreiben Schindler und die MZ Propaganda für die Grünen, wenn sie sogar ein Verbot von Schreckschußwaffen („potentiell tödlich“) fordern. Worin besteht der Zusammenhang zwischen den thematisierten Amokläufen und SSWs? Hieran zeigt sich deutlich, daß die Waffenhasser vom Schlage eines Schindler keine konkreten Anlässe brauchen und ihre Sorge nicht der öffentlichen Sicherheit gilt. Sie finden Waffen per se schlecht und werden sich mit nichts weniger als einem Totalverbot selbst des letzten Luftgewehrs zufrieden geben.
Ferner erschließt sich mir nicht, was der Hinweis auf Vorderschaftrepetierflinten soll. Warum muß jede Waffenart, mit der einmal eine Straftat begangen worden ist, komplett verboten werden? Und die versteckte These, wonach die Veränderungen bei der Bedürfnisbescheinigung seit 2003 zu einem Anstieg der Gewaltkriminalität geführt habe, ist schlechterdings absurd und unbeweisbar.

Statt dessen wird ein anonymer „Waffenkontrolleur“ namens „Bonndorf“ zitiert (hinter dem sich vermutlich der abgehalfterte Ex-BMI-Beamte Jürgen Brennecke verbirgt). Schindler sollte sich lieber mit dem Text des Waffengesetzes vertraut machen, bevor er auf solche zweifelhaften Gestalten hört. Aber vermutlich will er das gar nicht, denn der Auftrag seiner Chefs ist klar: Es muß Stimmung gegen die legalen Waffenbesitzer gemacht werden. Zu diesem Zweck beklagt man sogar ein angeblich zu lasches Waffenrecht, obwohl man noch nie einen Blick in den Text der einschlägigen Rechtsvorschriften geworfen hat. Denn hätte man dies getan, dann wüßte man, daß das Gegenteil der Fall ist.

Ohne jegliche Sach- und Rechtskenntnis werden sodann weitere Verschärfungen des Waffenrechts gefordert. Damit zeigt der Autor seine Absicht: Es geht ihm nicht um eine Verbesserung der öffentlichen Sicherheit, sondern um ein Verbot von Waffen an sich. Die Gründe für diese Meinung werden jedoch nicht offenbart, sie sind offenkundig ideologischer Natur. Damit hat Schindler jedoch die Ebene der Sachpolitik verlassen. Überhaupt fehlt es ihm an sachlichen und logisch nachvollziehbaren Argumenten. Was bleibt, sind Emotionen und Stimmungsmache, im Kern ein ungezügelter Haß auf alle legalen Waffenbesitzer.

Fazit: Schindlers Text verletzt die simpelsten Regeln des Anstands und der journalistischen Redlichkeit. (Dazu gehört insbesondere, daß man sich um eine nüchterne und sachliche Darstellung bemüht und vor allem beide Seiten zu Wort kommen läßt.) Schindlers Angst- und Greuelpropaganda hat mit Journalismus nichts mehr zu tun, sondern ist Demagogie der übelsten Sorte.
Jemand wie Schindler ist diskursunfähig, weshalb jede Auseinandersetzung mit Typen wie ihm Zeitverschwendung ist. Sie und ihre Lügen müssen enttarnt und ihr Mangel an Seriösität öffentlich gemacht werden. Der Kaiser - in diesem Fall die selbsternannte Macht der „Vierten Gewalt“ - hat keine Kleider an.

Mit seinem manipulativen Stil ist Schindler übrigens in schlechter, aber großer Gesellschaft. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat herausgefunden, daß 62 % der Deutschen ahnen, wie sehr Journalisten sie manipulieren wollen. Dies ist ein Armutszeugnis für die selbstgerechte Journaille. Und falls es noch eines weiteren Beweises für die Manipulation der Öffentlichkeit durch die Medien bedurft hätte, dann hat der hier behandelte „Fall Schindler“ ihn geliefert. Der hehre Anspruch der freien Presse wird in der täglichen Praxis zunehmend durch Lügen, Desinformation, Demagogie und Manipulation verdunkelt.

Ich will diesen Artikel jedoch nicht abschließen, ohne auf positive Gegenbeispiele hingewiesen zu haben. Der Kölner Stadtanzeiger und Der Westen zeigen, daß es auch anders und vor allem besser geht.


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Bild: Mitteldeutsche Zeitung.

Dienstag, 21. September 2010

Ursachenforschung in Lörrach

Lörrach Alter Markt

Was soll man zu so einer komplexen Straftat wie dem Amoklauf von Lörrach sagen? Eine gebildete und gutsituierte Frau mittleren Alters erstickt zunächst ihren fünfjährigen Sohn, erschießt ihren Ex-Mann und weitere Personen, zündet ein Wohn- und Geschäftshaus an, welches in der Folge schwer beschädigt wird und ersticht schließlich einen Krankenpfleger, bevor ein mutiger Polizeibeamter sie endlich stoppen und ins Jenseits befördern kann.

Die Tat macht betroffen, denn sie paßt in keines der vermeintlich so vertrauten Schemata: Kein junger Mann, der vereinsamt und perspektivlos in eine virtuelle Computerspielrealität geflüchtet und dabei zum "Waffennarren" mutiert ist. Nein, eine Mutter, die ohne erkennbare Notlage zuerst ihr eigenes, wehrloses Kind tötet. Das ist der Teil des Geschehens, der wohl für alle Beobachter am schwersten zu verstehen sein dürfte. Alles andere könnte man vielleicht noch irgendwie rational erklären, aber das?

Jedem Betrachter, der sich um ein Minimum an Nüchternheit bemüht, ist klar, daß sich diese Untat jeder oberflächlichen, schematischen Betrachtung entzieht. Mit anderen Worten: Würden die Prognosen selbsternannter Experten wie Britta Brannenberg zutreffen, hätte es die Tat von Lörrach gar nicht geben dürfen. Eine Frau in dieser sozialen Position hätte, so die Theorie, niemals derart handeln dürfen. Und doch ist es so geschehen. Folglich sollte man mit voreiligen Bewertungen vorsichtig sein. Insbesondere die (schon wieder) reflexartig und ohne hinreichenden Bezug zum konkreten Geschehen erhobene Forderung nach einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts ist unsinnig. Genau so gut könnte man über andere Faktoren spekulieren.

Etwa über die Frage, ob es ratsam ist, Frauen zum Jurastudium zuzulassen - sie könnten dadurch streitsüchtig werden. Oder darüber, ob Mütter nicht vom Staat dazu verpflichtet werden sollten, sich in den ersten zehn Lebensjahren ausschließlich um ihre Kinder zu kümmern. Es wird wohl niemand ernsthaft bestreiten wollen, daß diese Tat kaum stattgefunden hätte, wenn sich die Mutter um die traditionellen "drei K" gekümmert hätte, anstatt ihre berufliche Karriere zu verfolgen. Die Toten von Lörrach sind somit zuvörderst Opfer der Emanzipation.

Ich gebe zu, der letzte Absatz ist nicht ganz ernst gemeint. Doch zeigt er auf, wie vielfältig die möglichen Ursachen der Tat von Lörrach sind. Monokausale Vereinfachungen helfen in der Sache nicht weiter, zumal zwei der Opfer eben nicht erschossen, sondern mit anderen Mitteln und Methoden umgebracht worden sind. Trotzdem nehmen einige Medien schon wieder Zuflucht zu den - aus ihrer Sicht - bewährten Methoden der Stimmungsmache. (Nur mit dem kleinen Unterschied, daß diesmal die Nutzer von Computerspielen in Ruhe gelassen werden.) Davon sollten sich ernsthaft überlegende Mitbürger jedoch nicht verunsichern lassen. Es sei denn, man wäre bereit, ernsthaft über ein Verbot von Plastiktüten nachzudenken.


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Bluttat von Lörrach: Weder Anlaß für Sensationalismus, noch Waffenrechtspopulismus (Tip!)

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Montag, 20. September 2010

Spetsnaz VII: Die Spezialkräfte des FSO

Nachdem am 16. September der Föderale Wachdienst (FSO) der Rußländischen Föderation und seine Aufgaben und Organisation vorgestellt wurden, soll heute auf die Spezialkräfte, über die auch diese Sicherheitsbehörde verfügt, eingegangen werden.

Geschichte

Im Jahre 1993 wurde im Sicherheitsdienst des Präsidenten – als Teil der Hauptverwaltung für Bewachung (GUO) – ein Zentrum für Spezialaufgaben (russ.: Zentr Spezialnogo Nasnatschenija; Abk.: ZSN) gebildet. Erster Leiter des ZSN war Kapitän 1. Ranges Gennadij Sacharow (der Dienstgrad entspricht einem deutschen Kapitän zur See). Sacharow kam aus der Marine und hatte bis 1993 in der Baltischen und der Nordmeerflotte gedient, zunächst auf Überwasserschiffen, später bei den Spezialkräften der Marineaufklärung. Mit anderen Worten: Er war Kampfschwimmer und brachte seine vielfältigen Erfahrungen mit in die neue Einheit. Die damalige GUO muß eine ziemlich bunte Truppe gewesen sein, mit einem sehr disparaten Ausbildungsstand etwa hinsichtlich der Schieß- und Nahkampfausbildung. Und die politischen Rahmenbedingungen waren sehr unsicher, hatte Präsident Jelzin doch gerade das Parlament zusammenschießen lassen.



In diesem Umfeld wurde das ZSN aufgebaut. Viele der neuen „Spezial-Personenschützer“ hatten zuvor in den Speznas-Einheiten von Armee und Marine gedient und waren durch die Schule des Afghanistankrieges gegangen. 1994 wurde es als einsatzbereit gemeldet und bestand damals aus drei Spezialabteilungen plus Administration und Logistik.
1996 wurde das ZSN aus dem Personenschutzdienst herausgelöst, in Verwaltung für Spezialaufgaben (USN) umbenannt und der FSO-Führung direkt unterstellt. 2003 wurde der FSO grundlegend reorganisiert, weshalb 2004 die USN erneut in den Sicherheitsdienst des Präsidenten eingegliedert wurde.

Neben den klassischen Schutz- und Sicherungseinsätzen, wie sie für den Föderalen Wachdienst typisch sind, waren die Spezialkräfte in den 1990er Jahren auch im unruhigen Nordkaukasus eingesetzt. Darüber hinaus begleiten sie den russischen Präsidenten etwa auf Auslandsreisen und arbeiten insoweit auch mit ausländischen Anti-Terror-Einheiten zusammen.



Aufgaben und Organisation

Die Verwaltung für Spezialaufgaben ist für Aufgaben zuständig, die über die Fähigkeiten der normalen Personen- und Objektschützer des FSO hinausgehen. Sie besteht aus sieben Abteilungen:
Die 1. Abteilung ist für die besondere Absicherung von Objekten zuständig. Der 2. Abt. werden besondere Personenschutzaufträge, insbesondere an, auf und über Verkehrswegen, anvertraut, wobei der Umgang mit Ultraleichtfliegern und Fallschirmen einen Ausbildungsschwerpunkt darstellt. Die Scharfschützen der USN gehören ebenfalls zur 2. Abteilung. Die 3. Abt. ist die Versorgungseinheit der Verwaltung; der Stab wird als 4. Abt. bezeichnet. Die 5. Abt. ist auf Einsätze über und unter Wasser spezialisiert, wenn es etwa gilt, unter einem Schiff, auf dem der Präsident mitfährt, nach Sprengsätzen zu suchen. Die 6. Abt. ist für die Sicherung von Staatsobjekten in Gebirgs- und Waldgegenden zuständig, weshalb besonderer Wert auf die Ausbildung im Bergsteigen und Skifahren gelegt wird. Die Abteilung verfügt auch über Spezialfahrzeuge, die z.T. gepanzert sind. Hinzu kommen noch die medizinische Abteilung und zwei weitere kleine Teileinheiten („selbständige Wachen“).

Über die Personalstärke der USN sind keine Zahlen bekannt. Die Gliederung deutet aber darauf hin, daß es keine übermäßig große Einheit ist. Ich persönlich würde auf eine Größenordnung von etwa 200 bis 300 Mann tippen. Derzeitiger Leiter der USN ist Alexander Gordejew.



Sonstiges

Ausbildung und Ausrüstung der USN-Abteilungen erfolgen aufgabenspezifisch. Man kann davon ausgehen, daß ihren Beamten viele moderne Waffen und Ausrüstungsgegenstände in- wie ausländischer Provenienz zur Verfügung stehen. Jedoch scheint auch hier die AK-74 nach wie vor die Standard-Langwaffe zu sein. Die Verwaltung für Spezialaufgaben des FSO gilt in Rußland als sehr effektive Spezialeinheit – trotz ihres niedrigen Bekanntheitsgrades und ihrer geringen Größe.



Damit sind die Beiträge über den FSO abgeschlossen. In den nächsten Folgen der Spetsnaz-Reihe sollen die Marineinfanterie, die Kampfschwimmer und die Anti-Drogen-Behörde behandelt werden.



Bibliographie

S. Koslow: Presidentskij speznas, in: Bratischka 4/2010, S. 2 ff.

Wikipedia: FSO (russ.).




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Spetsnaz III: Der FSB nach 1991
Spetsnaz IV: Einsätze von Alfa und Vympel seit 1992
Spetsnaz V: Alfa und Vympel heute
Spetsnaz VI: Der Föderale Wachdienst (FSO)

Fotos: Bratischka.

Samstag, 18. September 2010

Urlaubsbilanz


Nun bin ich wieder in Deutschland und es erscheint mir angebracht, noch einmal auf meinen Urlaub in Polen zurückzuschauen. In Kolberg an der Ostsee war es nicht nur allgemein sehr schön, nein, auch in waffenmäßiger Hinsicht sieht man dort vieles entspannter als hierzulande – und trotzdem herrschen nicht Mord und Totschlag. Schüler werden schon in der Schule zum Schießen animiert und es finden Vergleichswettkämpfe zwischen den Bildungseinrichtungen statt – ohne Amokläufe. Schießstände werden von Kommunen betrieben und auch das Führen von Werkzeugen wie Einhandmessern wird nicht kriminalisiert. Kurzum: Unsere polnischen Nachbarn haben sich noch viele Freiheiten bewahrt, die man uns Deutschen bereits genommen hat.

Doch nun zum wesentlichen. Wie schon berichtet, hatte ich den Urlaub auch als „Trainingslager“ genutzt, um meine Fertigkeiten im Schießen mit der Luftpistole zu verbessern. Dieses Vorhaben war erfolgreich. Mit einer Ausnahme lagen alle Ergebnisse im Bereich zwischen 327 und 333 Ringen und damit über den bisher von mir geschossenen Ringzahlen. Persönlicher Rekord, gewissermaßen. ;-) (Ein Ergebnisdiagramm ist unten zu finden.)

Die Aufnahme, welche ich im Schützenklub Kolobrzeg gefunden habe, war außerordentlich freundlich. Dort konnte ich nicht nur schießen, sondern auch zahlreiche gute Gespräche führen (allerdings meist auf Englisch). Man stand mir ferner mit Rat und Tat zur Seite, wofür ich mich bedanken möchte. Und ich habe schon eine Einladung für die nächsten Meisterschaften der Wojewodschaft Westpommern im Dezember 2010 erhalten. :-)
(Aktuelle Bilder vom Inneren des Schießstands sind z.B. hier, hier, hier, hier und hier zu finden.)

Beim Lesen der Ergebnislisten von polnischen Schießwettkämpfen ist mir außerdem eine Besonderheit aufgefallen, wobei ich allerdings nicht weiß, inwieweit es verallgemeinerbar ist: Weibliche Schützen schießen oft besser als ihre männlichen Kollegen. Besonders deutlich wird dies in gemischten Wettkämpfen. Worin liegen die Gründe hierfür? Komischerweise scheint es jedoch auch in Polen mehr männliche als weibliche Sportschützen zu geben. Könnte es sein, daß sich Mädchen und Frauen eher für die Tätigkeit des Schießens begeistern, während bei Jungen und Männern das Interesse am technischen Gerät „Schußwaffe“ insgesamt überwiegt?

Des weiteren hat mich positiv überrascht, daß es in Polen keine gegenseitigen Befindlichkeiten zwischen olympischen und nichtolympischen, statischen und dynamischen Schützen zu geben scheint. Im Gegenteil, ein m.E. begnadeter LP- und FP-Schütze hat stolz davon berichtet, wieviel Spaß ihm das Schießen mit seiner neuen Winchester-Defender-Flinte bereitet. Von dieser Mentalität könnten wir Deutschen uns ebenfalls eine Scheibe abschneiden.



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Donnerstag, 16. September 2010

Spetsnaz VI: Der Föderale Wachdienst (FSO)

Heue möchte ich die im Februar begonnene Reihe über die Sicherheitsbehörden der Rußländischen Föderation mit einem Artikel über den Föderalen Wachdienst der RF (russ.: Federalnaja Slushba Ochrany; Abk.: FSO) fortsetzen.

Aufgaben

Die Aufgaben des FSO sind im föderalen Gesetz „Über die staatliche Bewachung“ aus dem Jahre 1996 festgeschrieben. Es sind dies u.a.:

  • Personenschutz für den Präsidenten und weitere Repräsentanten des Staates sowie für ausländische Staatsgäste;
  • Objektschutz für wichtige staatliche Gebäude und Liegenschaften;
  • Sicherstellung der Kommunikationsverbindungen der Staatsführung sowie Mitwirkung an der Spionageabwehr im IuK-Bereich;
  • Repräsentations- und Protokollaufgaben;
  • Mitwirkung bei der Bekämpfung des Terrorismus;
  • Betrieb des präsidialen Fuhrparkes.


Organisation

Der FSO ist entsprechend seinen Aufgaben gegliedert, worüber jedoch nur wenige Details bekannt sind. Die Personenschützer gehören zum Sicherheitsdienst des Präsidenten; der Fuhrpark ist ebenfalls eine eigene Diensteinheit („Garage besonderer Bestimmung“).

Der bekannteste Teil des FSO ist das Präsidentenregiment, inoffiziell auch als Kreml-Regiment bezeichnet. Diese großteils aus Wehrpflichtigen bestehende Truppe nimmt vor allem zeremonielle Aufgaben wahr: sei es durch Ehrenformationen bei Staatsbesuchen, die Wache am Grab des unbekannten Soldaten (offiziell Posten Nr. 1 genannt) oder durch die große samstägliche Wachablösung im Kreml, die sich seit Jahren zu einer Touristenattraktion entwickelt hat. (In diesem Sommer mußte sie wegen der großen Hitze schon mal abgesagt werden.) Doch die Angehörigen des Regiments sind auch in die Objektsicherung des Kreml-Areals (und anderer Objekte) eingebunden, wenn sie etwa an den Eingängen die Touristenströme kontrollieren und innerhalb des Geländes – wo es so gut wie keine weiteren Zäune oder Mauern gibt – bisweilen lenkend eingreifen.



Das Kreml-Regiment besteht seit 1935, als nach Abzug von Lettischen Schützen (1918) und Offiziersschülern (1918-1935) in der Roten Armee ein Wachbataillon für die Staats- und Parteiführung aufgestellt wurde. 1936 wurde diese Truppe zum Regiment erweitert und dem Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) unterstellt. (Später gehörte in der DDR das Wachregiment Feliks Dzierzynski ebenfalls zum MfS.) Im Jahre 1941 nahm das Regiment an der Verteidigung Moskaus teil. In den Folgejahren wurden aus seinen Reihen Scharfschützengruppen an verschiedene Fronten entsandt, wo sie insgesamt 1.200 Gegner getötet haben. Das Regiment selbst hat von 1941 bis 1945 Verluste in Höhe von 97 Mann erlitten. Nach 1945 kam es zu verschiedenen Namensänderungen; die heutige Bezeichnung „Präsidentenregiment“ erhielt es 1993.

Das Regiment gliedert sich in fünf unterschiedlich strukturierte Wachbataillone, die berittene Ehreneskorte (mit dem Kern von 2 Kavallerieeskadronen), ein Motorisiertes Schützenbataillon als mobile Einsatztruppe (ausgestattet u.a. mit BTR-90) und die notwendigen Unterstützungseinheiten. Die Unterkünfte für den Personalbestand von rund 3.000 Mann befinden sich im Zeughaus des Kreml, im Alexandergarten sowie im Moskauer Umland. Das Regiment dürfte der einzige Verband der russischen Streitkräfte und Sicherheitsbehörden sein, in dem als eine der Standardwaffen noch das Gewehr SKS geführt wird.



Der quantitativ größte Teil der FSO-Mitarbeiter dürfte auf die IuK-Dienststellen entfallen, die für die Sicherstellung der Kommunikationsverbindungen von Präsident und Regierung und weitere IuK-Aufgaben verantwortlich sind. Diese bestehen aus Verwaltungen und Zentren für Spezialkommunikation und -information, die über das gesamte Land verteilt sind. Zentrum ist hier die Fernmeldezentrale des Kreml. Ebenso wie im Präsidentenregiment sind in diesem Bereich viele Wehrpflichtige eingesetzt.

Hinzu kommen die Verwaltung für Objektschutz, die Verwaltung für Spezialaufgaben (dazu demnächst ausführlicher), ein Orchester sowie weitere Diensteinheiten für administrative und logistische Aufgaben. Für die Aus- und Fortbildung, insbesondere des Offizierspersonals im IuK-Bereich, ist die Akademie des FSO mit Standorten in Orjol und Woronesh zuständig.

Exakte Zahlen über die Anzahl der Mitarbeiter des Föderalen Wachdienstes sind nicht bekannt. Im Internet kursieren Zahlen zwischen 20.000 und 30.000 Mann. Diese erscheinen mir ein wenig hoch; die Größenordnung könnte jedoch stimmen, wenn man den personalintensiven weil flächendeckenden IuK-Bereich mit in Rechnung stellt.
(Zum Vergleich: Etwas Analoges existiert in Deutschland nicht. Hierzulande sind die zivilen Behörden auf Drahtverbindungen der Telekom und den – im Sinne einer durchgehenden Informationskette unzureichenden – BOS-Funk angewiesen.)

Seit dem Jahr 2000 ist Jewgenij Murow Direktor des FSO. Die Behörde ist unmittelbar dem Präsidenten der RF unterstellt. Die Regierung koordiniert lediglich die Zusammenarbeit mit den übrigen Föderalbehörden.



Geschichte

Wie bei allen Sicherheitsbehörden Rußlands reichen auch die Wurzeln des FSO in die Sowjetzeit zurück. Für die Bewachung der Staats- und Parteiführung sowie für ihre Fernmeldeverbindungen waren verschiedene Diensteinheiten des Komitees für Staatssicherheit (KGB) verantwortlich. Nach dessen Auflösung 1991 traten verschiedene Behörden an ihre Stelle. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die verzweigte Organisationsgeschichte nachzuzeichnen. (Zeitweise war sogar das Kreml-Regiment eigenständig und direkt dem Präsidenten Jelzin unterstellt.)
Deshalb nur die wichtigsten Eckdaten: 1991 Bildung des Sicherheitsdienstes des Präsidenten, der 1992 in Hauptverwaltung für Bewachung (GUO) und 1996 in Föderaler Wachdienst (FSO) umbenannt wird. 2004 wurden durch einen Präsidentenerlaß der Dienst für Spezialverbindungen (s.o.) aus der aufgelösten Fernmelde(-aufklärungs-)behörde FAPSI in den FSO eingegliedert. Infolgedessen erweiterte der FSO sein Tätigkeitsfeld und wurde teilweise umstrukturiert.



Exkurs: Der Feldjägerdienst

Aufgabenmäßig mit dem FSO verwandt ist der Feldjägerdienst der RF (russ.: Gosudarstwennaja Feldjegerskaja Slushba; Abk.: GFS); er gilt jedoch nicht als Sicherheitsbehörde. Vielmehr handelt es sich um einen Postdienst, der für den Transport der Korrespondenz – z.T. auch per Kurier – zwischen den obersten Staatsorganen, Ministerien und einigen anderen wichtigen russischen Zivil- und Militärdienststellen zuständig ist.
Der GFS wurde 2004 gegründet, es gab jedoch diverse Vorläuferbehörden, deren erste auf das Jahr 1796 datiert. Bereits damals wurde das aus dem Deutschen stammende Wort „Feldjäger“ für solche besonderen Kuriere verwendet. Das dürfte kein Zufall gewesen sein, galt doch der damals regierende Kaiser Paul I. als besonders preußenfreundlich – und ebendort gab es seit 1740 ein Reitendes Feldjägerkorps. (Ausführlich zur Geschichte siehe hier.)
Der GFS untersteht direkt dem Präsidenten und wird seit 2002 von Direktor Gennadij Kornijenko geleitet. (Über diesem Abschnitt ist die Fahne des GFS abgebildet.)



Die nächste Folge dieser Reihe, die voraussichtlich übermorgen erscheint, wird den Spezialkräften des FSO gewidmet sein.



Bibliographie

O. Galkin: Presidentskij polk, in: Wojenno-istoritscheskij Shurnal 4/2006, S. 8 ff.

Ju. Kornew et.al.: Spezialnaja swjas w sisteme gossudarstwennogo uprawlenija Rossii, Moskau 2006.

S. Koslow: Presidentskij speznas, in: Bratischka 4/2010, S. 2 ff.

Je. Murow et.al.: Presidentskij polk - Istorija i sowremennost, Moskau 2008.

Offizielle Webseite des FSO

Webseite des Präsidentenregiments

Offizielle Webseite des GFS

Wikipedia: FSO (russ. / eng.); Präsidentenregiment (russ. / eng.); GFS (russ.).





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Die militärischen Einheiten der Staatssicherheit I
Die militärischen Einheiten der Staatssicherheit II

Fotos: www.ppolk.ru.

Dienstag, 14. September 2010

14.09.2010: Bilder des Tages


Im Mai 2010 hat in Ungarn ein internationaler Wettkampf von Scharfschützen aus Militär und Polizei stattgefunden, bei dem Teams aus der Ukraine und China sehr gut abgeschnitten haben. Einige Teilnehmer haben im Forum von Talks.guns.ru zahlreiche Bilder ins Netz gestellt, darunter auch die hier gezeigten. Mehr davon sind hier zu finden.




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